LA PAZ: Der Tag beginnt mit einem Frühstück, bei dem wir noch überlegen, wie wir unseren letzten Tag in La Paz sinnvoll verbringen. Da kommt Bob zu uns und fragt, wann wir vorhatten, nach Chile zu reisen und ob wir schon von dem Erdbeben gehört hätten. Wir hatten es bis dahin nicht gehört und klemmen uns sofort ans Internet, denn eigentlich wollten wir morgen früh um 10 Uhr nach Santiago und am Dienstag auf die Osterinsel fliegen. Beide Ziele sind vom Erdbeben betroffen, wenn auch die Nachrichten sehr widersprüchlich sind. Zunächst wechseln wir das Hotel, aber nicht, ohne uns mit Daniela für hinterher zu verabreden. Wir fahren die zwei Blöcke in die Calle Sagarnaga zu gleichnamigem Hotel mit dem Taxi, da wir mit unserem schweren Gepäck nicht ins Visier von Dieben geraten wollen. Anschließend fahren wir mit Daniela zum LAN-Büro im Finanzzentrum der Stadt, wo wir Punkt zwölf eintreffen. Dumm nur, dass der Feierabend am Samstag auf die gleiche Zeit fällt und peinlich genau eingehalten wird. Also schwingen wir uns in den nächsten Kleinbus zum Flughafen. Leider ist auch hier kein LAN-Mitarbeiter zu sehen, aber ab 15 Uhr wird ein Flug nach Lima abgefertigt. Dann muss ja mal jemand aus seinem Loch kommen. Wir nutzen die Zeit, um Daniela als Dankeschön für ihre Unterstützung zum Essen einzuladen. Vom LAN-Mitarbeiter erfahren wir, dass alle Santiago-Flüge für die nächsten drei Tage gestrichen sind, es aber noch keine offizielle Stellungnahme der Gesellschaft gibt. Wir erhalten eine Telefonnummer, unter der wir abends die neuesten Nachrichten erfragen können. Freundlicherweise erledigt auch das Daniela für uns, womit sie ihren Trinkgeld-Anspruch in die Höhe treibt, denn eigentlich ist unsere Tour mit ihr seit gestern beendet. Zurück in der Stadt genehmigen wir uns ein El Inca Bier gegen den Frust und machen uns an die Alternativplanung, denn es wird immer unwahrscheinlicher, dass wir auf dieser Reise Chile besuchen werden. Daniela hat Neuigkeiten, die uns wenig zufrieden stellen. LAN akzeptiert kostenlose Umbuchungen auf ein anderes Datum, aber nicht auf eine andere Strecke. Wir beschließen, am Montag noch einmal gemeinsam ins LAN-Büro zu fahren und einen anderen Gesprächspartner zu suchen, was hier ein probates Mittel sein kann, da die Aussage des einen nicht für den anderen gelten muss. Anschließend fahren wir ins Loki Backpackers, wo wir uns mit Audrey und Fiona zum Essen treffen und bei ein paar Pacena Bieren und ein paar Partien Poolbillard mit den dort wohnenden Backpackern den Tag angenehm ausklingen lassen. Die beiden müssen auch langsam ihre Pläne überdenken, da sie über Santiago nach Neuseeland weiterreisen wollen. Ihnen bleibt allerdings noch etwas Zeit. Der Tag hat sich turbulent und zuweilen entmutigend entwickelt. Trotzdem sind unsere Probleme reiner Luxus. Anderthalb Tage später wären wir mittendrin gewesen.
Samstag, 27. Februar 2010
Glück im Unglück
LA PAZ: Der Tag beginnt mit einem Frühstück, bei dem wir noch überlegen, wie wir unseren letzten Tag in La Paz sinnvoll verbringen. Da kommt Bob zu uns und fragt, wann wir vorhatten, nach Chile zu reisen und ob wir schon von dem Erdbeben gehört hätten. Wir hatten es bis dahin nicht gehört und klemmen uns sofort ans Internet, denn eigentlich wollten wir morgen früh um 10 Uhr nach Santiago und am Dienstag auf die Osterinsel fliegen. Beide Ziele sind vom Erdbeben betroffen, wenn auch die Nachrichten sehr widersprüchlich sind. Zunächst wechseln wir das Hotel, aber nicht, ohne uns mit Daniela für hinterher zu verabreden. Wir fahren die zwei Blöcke in die Calle Sagarnaga zu gleichnamigem Hotel mit dem Taxi, da wir mit unserem schweren Gepäck nicht ins Visier von Dieben geraten wollen. Anschließend fahren wir mit Daniela zum LAN-Büro im Finanzzentrum der Stadt, wo wir Punkt zwölf eintreffen. Dumm nur, dass der Feierabend am Samstag auf die gleiche Zeit fällt und peinlich genau eingehalten wird. Also schwingen wir uns in den nächsten Kleinbus zum Flughafen. Leider ist auch hier kein LAN-Mitarbeiter zu sehen, aber ab 15 Uhr wird ein Flug nach Lima abgefertigt. Dann muss ja mal jemand aus seinem Loch kommen. Wir nutzen die Zeit, um Daniela als Dankeschön für ihre Unterstützung zum Essen einzuladen. Vom LAN-Mitarbeiter erfahren wir, dass alle Santiago-Flüge für die nächsten drei Tage gestrichen sind, es aber noch keine offizielle Stellungnahme der Gesellschaft gibt. Wir erhalten eine Telefonnummer, unter der wir abends die neuesten Nachrichten erfragen können. Freundlicherweise erledigt auch das Daniela für uns, womit sie ihren Trinkgeld-Anspruch in die Höhe treibt, denn eigentlich ist unsere Tour mit ihr seit gestern beendet. Zurück in der Stadt genehmigen wir uns ein El Inca Bier gegen den Frust und machen uns an die Alternativplanung, denn es wird immer unwahrscheinlicher, dass wir auf dieser Reise Chile besuchen werden. Daniela hat Neuigkeiten, die uns wenig zufrieden stellen. LAN akzeptiert kostenlose Umbuchungen auf ein anderes Datum, aber nicht auf eine andere Strecke. Wir beschließen, am Montag noch einmal gemeinsam ins LAN-Büro zu fahren und einen anderen Gesprächspartner zu suchen, was hier ein probates Mittel sein kann, da die Aussage des einen nicht für den anderen gelten muss. Anschließend fahren wir ins Loki Backpackers, wo wir uns mit Audrey und Fiona zum Essen treffen und bei ein paar Pacena Bieren und ein paar Partien Poolbillard mit den dort wohnenden Backpackern den Tag angenehm ausklingen lassen. Die beiden müssen auch langsam ihre Pläne überdenken, da sie über Santiago nach Neuseeland weiterreisen wollen. Ihnen bleibt allerdings noch etwas Zeit. Der Tag hat sich turbulent und zuweilen entmutigend entwickelt. Trotzdem sind unsere Probleme reiner Luxus. Anderthalb Tage später wären wir mittendrin gewesen.
EILMELDUNG !
Wir sind noch nicht in Chile und insofern vom Erdbeben nicht betroffen. Muessen aber eventuell unsere Reiseplanung aendern.
Freitag, 26. Februar 2010
Zweite Chance für La Paz
LA PAZ: La Paz präsentiert sich heute in einem etwas angenehmeren Licht als gestern. Das mag allerdings auch daran liegen, dass wir den Vormittag nicht hier verbracht haben. Früh um 8 fahren wir mit dem Bus zu den Ausgrabungsstätten der Tiwanaku, eine ältere Kultur als die der Inka, die auch zum Weltkulturerbe zählt. Mittags um eins sind wir zurück in La Paz und geben der Stadt bei einem Shopping-Bummel eine zweite Chance. Den mehrfach angebotenen getrockneten Lama-Embryos können wir widerstehen. Das Wetter ist heute angenehm. Wir hatten vorher schon gelesen, dass es in La Paz kälter und trockener ist als am Titicacasee. Letzteres mochten wir bislang nicht bestätigen, aber heute schließen wir Frieden mit der Stadt. Ein Kühlschrankmagnet für Sandra, ein Fußballtrikot und ein Inkakreuz für mich sowie ein Dreigängemenü später machen wir uns auf den Heimweg. Ich wuerde gern noch etwas Geld wechseln nach dem vorangegangenen Kaufrausch, doch war am Vortag noch jeder zweite Laden eine „offizielle Wechselstube“, ist es mir heute nicht möglich, auch nur eine zu finden. Ich nutze den Nachmittag, um im Internetcafe ein paar Bilder hochzuladen. Es lohnt sich also, sich auch die letzten Posts nochmal anzusehen. Im Hotel gibt es leider kein funktionstüchtiges W-LAN. Zwei Stunden benötige ich dafür allerdings auch im Internetcafe und zahle dafür sechs Bolivianos, was etwa 60 Cent sind. An das Preisniveau hier könnte ich mich gewöhnen. Das Gute liegt oft so nah. Sandra hat im Eingangsbereich unseres Hotels eine Wechselstube bemerkt, die ich eilig ansteuere. Abends fahren wir in ein asiatisches Restaurant und lernen Andy aus England und seine Freundin Mika aus Japan kennen. Andy ist seit anderthalb Jahren auf Weltreise. Irgendwie trifft man hier fast nur Teilzeit- oder Komplettaussteiger, aber keinen „normalen“ Urlauber.
Donnerstag, 25. Februar 2010
Da ist der Wurm drin
LA PAZ: Beim letzten Frühstück in Peru werden wir für den neuen Werbeprospekt des Hotels abgelichtet. Im Minibus fahren wir zum Busbahnhof von Puno, von wo aus wir heute nach Bolivien weiterreisen wollen. Der Bus ist diesmal voll besetzt, ist aber trotzdem wieder die komfortable Variante von „TourPERU“, die fast ausschließlich von Ausländern gebucht wird. Die Fahrt geht zunächst über matschige Schotterpisten, später besser werdende Straßen, vorbei an bunten Feldern und linkerhand immer am Seeufer entlang. In jedem Ort in Peru gibt es ein Stadion, das in der Regel „Estadio Municipal“ oder „Estadio Simon Bolivar“ heißt. Die Arenen sind allesamt nicht WM-tauglich, es sei denn, die FIFA stört sich nicht an Bäumen im Mittelkreis. Wir erreichen die bolivianische Grenze noch vormittags mit einem mulmigen Gefühl. Kriminalität und Polizeiwillkür sind hier um einiges dramatischer, als in Ecuador oder Peru. Außerdem darf niemand merken, dass Daniela zu uns gehört. Als Peruanerin darf sie in Bolivien nicht arbeiten und riskiert als Tour Guide ihre Ausweisung. Letztlich passieren wir die Grenze jedoch vollzählig und unproblematisch, was man von unserem Bus nicht behaupten kann. Direkt nach dem Einreisehäuschen finden wir den ersten bolivianischen Copy Shop. Gegenüber den zweiten. Das Kopiergeschäft scheint in ganz Südamerika zu florieren. Da unser Bus einem peruanischen Unternehmen gehört, ist die Durchfahrterlaubnis bis Copacabana ungewiss. Heute darf er nicht weiter, also tragen wir unser Gepäck über die Grenze, legen es sicher auf dem Dach eines Minibusses ab und besetzen diesen mit 15 Personen. Die Fahrt geht nur bis Copacabana, die erste Stadt auf bolivianischem Boden, die jedoch wenig mit dem gleichnamigen Strand in Rio gemein haben dürfte. Wir warten hier etwa eine Stunde auf ein privates Busunternehmen, mit dem wir wiederrum im Kleinbus nach La Paz weiterfahren wollen. Der Bus ist pünktlich und hat sogar Platz im Inneren für unser Gepäck. Vor der Fahrt müssen wir uns jedoch mit Passnummer in einer Liste eintragen. Ob das ein Gesicht des Überwachungsstaates ist oder unserer späteren Identifizierung dienen soll, bleibt uns verborgen. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beiden. La Paz begrüßt uns mit heftigem Regen. Trotzdem halten wir oberhalb der Stadt, um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen. Sie wirkt von hier einladend, umgeben von mächtigen Bergen, die teilweise schneebedeckt sind. Den ersten Eindruck müssen wir revidieren, als wir uns weiter der Innenstadt nähern. Die Stadt erstickt im Stau und Smog und die Gebäude hätte die deutsche Bauaufsicht zu einem großen Teil längst gesperrt. Unser Hotel, das Las Brisas, hat zwar nur ein Fenster zum Flur, liegt aber sehr zentral und nach dem Einchecken lassen wir uns von Daniela die Straßen zeigen, die wir bedenkenlos entlang flanieren können und welche wir abends meiden müssen. Zur Verkehrserziehung stehen an den Fußgängerampeln Menschen als Zebras und Esel verkleidet, die darauf hinweisen, wer sich richtig verhält und wer falsch. Die Stadt schürt immer noch keine Freude auf die nächsten Tage und wir gehen zurück ins Hotel. Das Internet funktioniert hier noch schlechter als in Cuzco und Puno. Abends gehen wir mit Daniela, Hadleigh und einem weiteren Engländer aus unserem Hotel in ein englisches Restaurant, in dem das Bier schon mal gern mit Wurm serviert wird. Für zwei Bier ohne Wurm und ein reichliches Steak zahle ich umgerechnet etwa 8 Euro.
Mittwoch, 24. Februar 2010
Arumantikama
PUNO: Der Regen trommelt auf das Wellblechdach unseres Zimmers. Außerdem stelle ich fest, dass das Abendessen entschlackend wirkt. Wie auch immer, wir haben hier ganz gut geschlafen und sind beide vor dem Wecker wach. Auf dem Dach des Küchen- und Esshäuschens liegen große rohe Fleischstücken und wir erkennen, dass es richtig war, die Zeit hier fleischlos zu verbringen. Dass wir uns mit dem Wasser aus der Tonne auf dem Hof waschen und die Zähne mit unserem Trinkwasser putzen müssen, empfinden wir nicht als schlimm. Zum Frühstück bringen uns die Kinder des Hauses frittiertes Brot und Coca Tee in unser Zimmer. Um 8 Uhr wollen wir wieder in See stechen, doch der Weg zur Anlegestelle ist nicht weit und unser Gastgeber bringt uns dorthin. Wir sind die ersten, doch bald folgen Daniela und Hadleigh. Daniela erkundigt sich, ob wir zum Waschen warmes Wasser bekommen haben, was wir verneinen müssen. Ein leicht schlechtes Gewissen beschleicht und schon, als wir mitbekommen, dass Daniela das bei unserem Gastvater anprangert. Wir verabschieden uns landessprachlich mit „Arumantikama“ und nehmen Kurs auf die schwimmenden Inseln der Uros. Wir verbringen hier einige Zeit, können aber den Angeboten von Schals, Pullovern und Handschuhen wiederstehen. Während wir auf die Weiterfahrt nach Puno warten hören wir noch die Entzückensschreie von Clare am anderen Ende der Insel: „So amazing!“, „How lovely!“, „She`s so cute.“ Wir verstehen, eine der Familien hat ihr Baby aus der Strohhütte geholt und wir sind gespannt auf Clares Reaktion auf die einen Tag alten Entenküken. Die fällt aber vergleichsweise nüchtern aus. Wir erreichen Puno zur Mittagszeit und auch, wenn die Stadt nicht viel zu bieten hat, so bietet sie uns zumindest eine warme Dusche, die wir ausgiebig genießen. Der Nachmittag plätschert so vor sich hin. Ein bisschen Internet, ein bisschen einkaufen. Vor allem fangen wir an zu rechnen, wie wir unsere restlichen Soles sinnvoll investieren, da wir morgen Peru bis auf weiteres verlassen werden. Auf einem Markt decken wir uns mit Obst und Brot für die morgige Fahrt ein. Eine willkommene Gelegenheit zum Geld ausgeben ist das Abendessen, zu dem wir mit Daniela, Audrey, Fiona und Hadleigh in die einzig sehenswerte Straße Punos gehen. Wir müssen mal wieder feststellen, dass es keinen Spaß macht, Daniela beim Essen zuzusehen und dass plötzlich sehr viel Deutsch gesprochen wird in diesem gottverlassenen Örtchen. Der Titicacasee zieht eben doch. Nach dem Essen gehen wir geradewegs mit Hadleigh ins Hotel, während die anderen drei noch in eine Karaokebar gehen. Sandra erkämpft sich den Platz am PC in der Lobby vor Hadleigh, was nicht leicht ist, da er eigentlich den ganzen Tag dort verbringt. Ich fasse oben den Tag zusammen und verzweifle immer wieder am hiesigen Internet, dass es fast unmöglich macht, Bilder hochzuladen. Sie kommen aber noch. Versprochen! Morgen heißt es wieder mal früh aufstehen und „Adiós, Peru!“
Dienstag, 23. Februar 2010
Kamisaraki
LUQUINA CHICO: Der Tag in Puno beginnt mit der Nachricht, dass ich auch die vierte Prüfung des dritten Semesters bestanden habe. Wirtschaftsrecht 1,3. Damit habe ich bei drei der vier Prüfungen eine eins vor dem Komma. Bloß gut, dass ich so weit weg bin und nicht dem Unmut meiner Kommilitonen ausgesetzt bin. Die schlechte Nachricht an diesem Morgen ist, dass sich die Straße in einen Fluss verwandelt hat. Das können ja heitere zwei Tage werden, denken wir noch, und schon beginnt die Sonne zu scheinen und von Regen ist keine Spur mehr. In einem Korso aus vier Velotaxis fahren wir bergab zum Hafen von Puno. Auf dem Markt am Pier kaufen wir noch Nudeln, Reis, Müsli, Salz, Öl, Äpfel, Bananen und Buntstifte für die Kommune, bei der wir in der nächsten Nacht Obdach erhalten werden. Lucio, unser Titicaca-Guide, erzählt uns zu Beginn der dreistündigen Fahrt Wissenswertes über den See, der übersetzt so viel heißt wie „Pumafelsen“. Mit 165 km Länge und 60 km Breite ist der Titicacasee größer als der Müggelsee. Sein tiefster Punkt entspricht in etwa der Höhenlage Cuzcos und da war die Luft schon dünn. Unser erstes Ziel ist Taquile Island, wo wir einen Hügel erklimmen und die Aussicht genießen. Ein Schild weist uns darauf hin, dass wir uns 10944 km fern der Heimat befinden. In einem Restaurant hoch über dem Titicacasee genießen wir unser Mittagessen, was hier wahlfrei ist. Da auch Taquile Island von einer Kommune bewirtschaftet wird, haben alle Restaurants das gleiche Angebot zum gleichen Preis. Zwanzig Soles für ein Menü aus eine Suppe, Fisch oder Omelette als Hauptgang und einen Tee. Auf dem Weg zum Boot herunter, das inzwischen auf die andere Seite der Insel umgeparkt hat, beschenken wir die Kinder großzügig mit Glasmurmeln. Auf der kurzen Weiterfahrt erfreut sich die Bordtoilette größter Beliebtheit, da wir noch nicht wissen, was uns heute Abend erwartet. Die Spülung besteht aus einem Wassereimer, an dessen Rand ein Schöpfbecher hängt. Diese Art der Wasserspülung ist Clare gänzlich neu und Sandra erklärt ihr, sie müsse zum Spülen das Wasser aus dem Eimer nehmen. Das versteht sie, die Funktion des Schöpfbechers bleibt ihr jedoch ein Rätsel und in kühnem Schwung leert sie den gesamten Eimer auf einmal. Das Entsetzen in unseren Gesichtern lässt sie ihren Fehler bemerken und sie versucht, diesen wieder gut zu machen, indem sie frisches Wasser aus dem See schöpft und dabei beinahe über Bord geht. Nach der Eimer-Nummer hätten wir das eigentlich ganz gut gefunden. Mit ihrer übertrieben freundlichen Art zu jedem, ihrem gespielten Interesse an allem und ihrer bemerkenswerten Naivität hat sich Clare ohnehin auf Platz 1 unserer Lästerparade katapultiert. Wir setzen unsere Fahrt fort und gehen in Luquina Chico an Land. Mit Pauken und Flöten werden wir durch das Dorf hin zum Sportplatz getrieben. Hier werden wir auf verschiedene Familien der Kommune verteilt, die uns für die nächste Nacht Unterschlupf gewähren. Unsere Gastgeberin heißt Juliana und heißt uns mit „Kamisaraki“ willkommen, ein Wort, dass wir vor etwa einer halben Stunde gelernt haben und seitdem auch exzessiv verwenden. Es heißt in einer der vielen Stammessprachen nichts anderes als „Hallo“. Juliana führt uns in circa fünf Minuten zu ihrem Haus und vertreibt unterwegs zweibellende Hunde mit einem gekonnten Steinwurf. Wir wohnen in einem Zimmer im Obergeschoß, das über eine Art Hühnerleiter zu erreichen ist, die unter dem Gringo-Gewicht verdächtig ächzt. Das Zimmer übersteigt unsere Erwartungen. Es ist geräumig und verfügt über Strom, was keinesfalls selbstverständlich ist. Das Bad, das wir über den Hof erreichen, macht ebenfalls einen guten Eindruck, verfügt jedoch über keinen Wasseranschluss. Das Wasser befindet sich in einer Tonne davor. Zum Zähneputzen haben wir jedoch ausreichend Trinkwasser dabei. Auf eine Dusche müssen wir verzichten. Nach zehn Minuten gehen wir zurück zum Sportplatz, um möglicherweise etwas Fußball zu spielen. Der Platz ist jedoch besetzt und unser Interesse, in 3800 m Höhe auf einem Betonplatz Fußball zu spielen, stößt schnell an Grenzen Somit sitzen wir eben nur bei ein paar Tüten Popcorn zusammen und verschwinden dann wieder mit unseren Gastgebern in unseren Unterkünften. Fiona und Audrey müssen etwas früher los, da ihr Weg etwa dreißig Minuten beansprucht, wogegen sich unsere knapp zehn Minuten vergleichsweise harmlos anhören. Juliana serviert zum Abendessen eine Suppe sowie ein Hauptgericht aus Reis, Kartoffeln und Gemüse. Die Gastgeber wurden gebeten, kein Fleisch zuzubereiten, da unsere Mägen dieses nicht gewöhnt sind. Man muss dazu sagen, dass die hier lebenden Familien keine Kühlschränke besitzen. Nach dem köstlichen Abendmahl putzen uns die Kinder der Familie für die abendliche Fiesta heraus. Diese findet natürlich im Klassenzimmer neben dem Sportplatz statt. Die fünf Röcke stehen Sandra ebenso gut, wie mir der Poncho. Wir verbringen etwa eine Stunde mit unseren Gastfamilien in dem Klassenzimmer mit dem Erlernen einheimischer Karnevalstänze, trinken dazu aber auch ein Cusquena, das Bier aus Cuzco, und laden unsere Gastfamilien auf eine Cola ein. Der Getränkeverkäufer wusste offenbar nicht, dass hier eine irisch-englisch-deutsche Gruppe kommt und muss eilig Nachschub heranholen. Der Abend ist kurz, aber auch kurzweilig, und in der Dunkelheit führt uns der ältere Sohn der Familie in unser Quartier zurück.
Montag, 22. Februar 2010
Überland Richtung Süden
PUNO: Unser Kleinbus kommt verspätet und somit rasen wir in einem Höllenritt durch Cuzco zum zentralen Busbahnhof, um unseren Linienbus nach Puno um 8 Uhr zu bekommen. Als wir im Busterminal eintreffen, wird unser Bus schon lautstark ausgerufen. Uns stehen sechs bis sieben Stunden Fahrt bevor, aber unser Bus bietet sämtlichen Komfort und ist nur zur Hälfte besetzt, was die Fahrt sehr angenehm macht. Die Busse von „TourPERU“ sind nicht das, was man sich gemeinhin unter einem südamerikanischen Überlandbus vorstellt. Wir haben eine Toilette an Bord, kein Huhn auf dem Schoß und unser Gepäck liegt nicht auf dem Dach. Wir verteilen uns im Bus, schlafen, lesen, hören Musik und berauschen uns an den vorbeiziehenden Anden. Auf dem Scheitelpunkt unserer heutigen Tour befindet sich in 4300 m Höhe das Örtchen La Raya, wo wir einen kurzen Zwischenstopp einlegen, um die am Straßenrand feilgebotenen Waren der Einheimischen zu betrachten. Am Verkauf scheinen diese aber nicht sonderlich interessiert zu sein, was auch am Regen liegen mag. Ein Zwischenstopp in Juliaca lässt für unser heutiges Ziel, Puno, nicht Gutes verheißen. Juliaca besteht im Wesentlichen aus einer Straße, an der sich Tankstellen und Autowerkstätten abwechseln. So in etwa hat uns Daniela auch Puno beschrieben. In Puno auf 3800 m Höhe am Ufer des Titicacasees angekommen, finden wir zwar unsere schlimmsten Befürchtungen nicht bestätigt, sind aber auch ganz froh, dass Puno für uns nur das Sprungbrett auf den Titicacasee sein soll und wir hier zunächst nur eine Nacht verbringen. Ein erster Spaziergang hat im Wesentlichen das Ziel, in der zentralen Einkaufsstraße, der Jr. Lima, eine Pizza zu essen und uns mit ausreichend Wasser für die nächsten Tage einzudecken. Wie auch schon in Lima und Cuzco heißt der zentrale Platz „Plaza de Armas“, was wenig einfallsreich, aber leicht zu merken ist. Anschließend gehen wir zurück ins Hotel Balsa und kriegen auch im zweiten Versuch unsere Zimmertür nicht ohne fachmännische Hilfe auf. Aber auch der Portier hat seine liebe Mühe und benötigt fünf Minuten, um das Schloss zu knacken. Da das Nachtleben von Puno nicht viel verspricht, verbringen wir den Abend damit, unsere Taschen für die nächsten zwei Tage, die wir auf dem See verbringen werden, zu packen.
Sonntag, 21. Februar 2010
Peru ist mehr als Macchu Picchu (Wochenrueckblick)
Ich bin seit einer Woche in Peru und lass es auf einen Versuch ankommen, die zahlreichen Ereignisse fuer Lesefaule (gins) kurz und knapp zusammenzufassen.
Nach der Ankunft in Lima (13.02.) ging´s auch schon am Folgetag weiter nach Cusco (14.02.). Lima, zumindest was ich davon gesehen habe, sah nicht sehr einladend aus, sodass mich der Stop-Over nicht sonderlich gestoert hat. Cusco hingegen empfaengt uns touristenfreundlich mit wenig Sauerstoff (3.300m ueber NN) und mit Wasserbomben. (Detailinformationen sind Micha´s taeglichen Blogeintraegen zu entnehmen). Wir erkunden die allgemeinen Touristenpfade (Kirche, Plaza de Armas, Handwerkermarkt, Statuen) und werden sogar die oertliche Delikatesse Meerschweinchen porbieren. Einen Tag geht es auf die Spuren der Inkas in das Sacrey Valley (Chinchero, Moray, Pisac) (16.02.). Leider ist Macchu Picchu immer noch aufgrund der Erdrutsche Ende Januar gesperrt, sodass wir ohne dieses Highlight auskommen muessen. Aber Peru ist mehr als Macchu Picchu...Eine Grenzerfahrung des eigenen Koerpers ist die 30km Wanderung des Lares Trek in 3 Tagen (17.02.-19.02.). Wir wandern dabei in Hoehenlagen von 3.600 bis 4.400m, schlafen bei 5Grad Aussentemperatur in Zelten. Nur soviel dazu: mir schmerzen noch heute die Waden... auf den Schnupfen warte ich noch. Morgen geht es Richtung Titikaka-See. Ich bin gespannt, ihr auch???? Liebe Gruesse an alle Leser
Nach der Ankunft in Lima (13.02.) ging´s auch schon am Folgetag weiter nach Cusco (14.02.). Lima, zumindest was ich davon gesehen habe, sah nicht sehr einladend aus, sodass mich der Stop-Over nicht sonderlich gestoert hat. Cusco hingegen empfaengt uns touristenfreundlich mit wenig Sauerstoff (3.300m ueber NN) und mit Wasserbomben. (Detailinformationen sind Micha´s taeglichen Blogeintraegen zu entnehmen). Wir erkunden die allgemeinen Touristenpfade (Kirche, Plaza de Armas, Handwerkermarkt, Statuen) und werden sogar die oertliche Delikatesse Meerschweinchen porbieren. Einen Tag geht es auf die Spuren der Inkas in das Sacrey Valley (Chinchero, Moray, Pisac) (16.02.). Leider ist Macchu Picchu immer noch aufgrund der Erdrutsche Ende Januar gesperrt, sodass wir ohne dieses Highlight auskommen muessen. Aber Peru ist mehr als Macchu Picchu...Eine Grenzerfahrung des eigenen Koerpers ist die 30km Wanderung des Lares Trek in 3 Tagen (17.02.-19.02.). Wir wandern dabei in Hoehenlagen von 3.600 bis 4.400m, schlafen bei 5Grad Aussentemperatur in Zelten. Nur soviel dazu: mir schmerzen noch heute die Waden... auf den Schnupfen warte ich noch. Morgen geht es Richtung Titikaka-See. Ich bin gespannt, ihr auch???? Liebe Gruesse an alle Leser
Fortsetzung der Wasserschlacht
CUZCO: Daniela hatte uns vorgewarnt, an diesem Sonntag sei die Fortsetzung der Wasserschlacht zu erwarten. Für uns vielmehr zu befürchten, denn das Besondere an der Fortsetzung ist, dass heute mit Vorliebe Gringos, also wir, ins Visier der Wasserbomber rücken. Aber der Tag begann friedlich. Wieder einmal hat uns ein Platzregen geweckt, aber um 6:30 Uhr wollten wir sowieso aufstehen, um zur Sonntagsandacht in die Kathedrale zu gehen, die einzige Gelegenheit, diese kostenlos von innen zu sehen. Wir sind kurz nach 7 da und die Kathedrale ist gut gefüllt. Es gibt keinen Sitzplatz mehr und auch die Stehplätze werden eng. Permanent halten Taxis vor dem Gotteshaus und laden neue Gläubige ab. Als Atheisten halten wir uns natürlich in respektvollem Abstand und erleichtern es damit einem Händler, uns in der Kirche seine Bilder zum Kauf anzubieten. Anschließend wohnen wir dem traditionellen Fahnenhissen auf der Plaza de Armas bei. Neben der peruanischen Flagge, die von der Militärpolizei gehisst wird, hisst die Stadtverwaltung ihre eigene Fahne, die der Regenbogenfahne der Schwulenbewegung zum Verwechseln ähnlich sieht. Während sich die Militärpolizei mit Aufwärmübungen vorbereitet, kommen die Vertreter der Stadt eine Minute vor Beginn der Zeremonie mit quietschenden Reifen vorgefahren, springen, die Fahne unter dem Arm, aus ihrem Auto und versuchen, Haltung zu bewahren. Es wirkt etwas improvisiert. Mit Ende des Gottesdienstes um 8 Uhr öffnen auch die Cafés und wir entscheiden uns für jeweils ein Desayunos Completo bei Yaku Mama`s Grill für 13,50 Soles, also etwa 3,50 € und beobachten das Treiben auf dem Platz, wo sich die städtische Müllabfuhr zu einer Aktion, eine Art Demo, zusammenfindet. Sandra erliegt anschließend dem Irrglauben, im Internetcafé eine schnellere Verbindung zu bekommen und verbringt den Tag damit, 17 Bilder auf Facebook hochzuladen, während ich im Garten unseres Hotels die letzten Tage dokumentiere und die Kolibris beobachte. Von unseren sonstigen Begleitern gibt es keine Spur. Der Clubabend war wohl gut. Ich gehe dann nachmittags noch einmal in die Stadt und nehme unfreiwillig an der Karnevalsfortsetzung teil, komme diesmal aber glimpflicher davon. Sandra hat ähnliches zu berichten, als sie aus dem Internetcafé wieder auftaucht. Auf dem Rückweg hat sie eine Bürste gekauft, mit der wir versuchen, den Dreck der letzten Tage von unseren Schuhen zu entfernen und dabei das Bad sprenkeln. Abends sitzen wir kurz mit Daniela, Clare, Bob und Hadleigh zusammen, um den nächsten Tag zu besprechen. Anschließend erleben wir zum ersten mal, dass Daniela nein zum Essen sagt. Die anderen drei wollen nur kurz ins nächste Café um die Ecke gehen, aber wir wollen den letzten Abend in Cuzco etwas gemütlicher gestalten und folgen einer Empfehlung, indem wir zum Baco gehen, dass aber leider geschlossen hat. Also führt uns unser Weg wieder einmal in Richtung Plaza de Armas, wo wir in der Pizzeria Incanto mit erstklassigen Steaks verwöhnt werden. Es regnet immer noch, aber wir kommen einigermaßen trocken nach Hause. Morgen steht uns eine lange Busfahrt bevor und wir hoffen, dass uns der Regen nicht restlos den Schlaf raubt.
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