Samstag, 20. März 2010

Anschlagen und zurück















FOZ DO IGUACU: Mit den ersten Sonnenstrahlen erwachen die Wellensittiche im Käfig vor unserem Balkon und haben sich einiges zu erzählen. Einmal wach, beeilen wir uns beim Frühstück und nehmen anschließend den Linienbus in den Iguacu Nationalpark, der gerade vor der Haustür hält, als wir das Hotel verlassen. Der Eintritt zum Nationalpark beträgt für Touristen von außerhalb der Mercosur-Staaten 37 Reias. Eingeschlossen ist der Transport durch den Park im Bus, denn dieser erstreckt sich über 10 km entlang einer Straße. Wir fahren ein paar Stationen, um von dort auf einem Wanderweg zu den Wasserfällen zu gelangen. Der erste Blick auf die Wasserfälle ist beeindruckend und wir legen einen ersten Zwischenstopp ein. Die allgegenwärtigen und stets neugierigen Nasenbären kümmern sich emsig um die Mülltonnen. Wir laufen den Weg entlang und genießen an jeder Ecke eine völlig neue Perspektive. Langsam setzt Regen ein. Da wir auf Regen nicht eingerichtet waren, kaufen wir an einem Stand einfache Regenjacken mit Druckknöpfen zum Stückpreis von fünf Reias. Die Druckknöpfe sind bald ausgerissen und uns wird klar, dass diese Jacken nicht weit über die Dauer unseres Aufenthaltes im Nationalpark unsere Begleiter sein werden. Bis auf wenige Meter kommen wir an die tosenden Fälle heran, an denen ein Steg entlang führt. Die Gischt mischt sich mit dem immer stärker werdenden Regen und unsere Einwegregenjacken beginnen sich zu rentieren. Im Vergleich mit den Victoriafällen an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe, die ich 2002 besucht hatte, sind die Iguassufälle zwar nicht so gewaltig, weil das Wasser nicht, wie in Afrika, über hundert Meter in die Tiefe stürzt. Aufgrund der vielen kleinen Wasserfälle und Kaskaden bieten sie aber noch reizvollere Ausblicke. Bis auf die Haut durchnässt, verlassen wir auf dem Weg zurück zum Parkeingang den Bus zwei Stationen früher und wollen einen Wanderweg bestreiten. Für diesen Weg müsste man aber extra bezahlen und darf ihn auch nur in geführten Wanderungen begehen. Wir entscheiden uns dagegen und wandern ersatzweise die Straße entlang in der Hoffnung, das eine oder andere Tier zu treffen. Aufgrund des gerade verzogenen Regens sind diese aber nicht sehr aktiv und ohne Erfolg kommen wir am Parkeingang an. Wieder etwas getrocknet machen wir uns im Bus auf den Weg zur „Central“, wo sich alle Buslinien der Stadt treffen, und steigen dort in die grenzüberschreitende Linie nach Ciudad del Este um. Während wir auf den Bus warten, gibt sich nun doch noch ein Tucanpärchen die Ehre. Den Rio Paraná überqueren wir ohne jegliche Kontrolle und erleben in Paraguay eine völlig andere Welt. Das Prinzip der Grenzkontrollen ist undurchsichtig. Während Fußgänger, PKW und Reisebusse kontrolliert werden, können wir im Linienbus unbehelligt die Grenze passieren und bekommen nicht einmal Stempel in unsere Pässe gedrückt. Direkt nach der Grenze wird von Kleidung bis Möbel, von Uhren bis Unterhaltungselektronik alles gehandelt, was man sich nur vorstellen, aber nicht gebrauchen kann. Der Polenmarkt in Swinemünde ist dagegen ein Tante-Emma-Laden. Hinter den unzähligen Buden, in denen Nike-Klamotten, Rolex-Uhren und Waren des täglichen Bedarfs zu Spottpreisen gehandelt werden, befinden sich Shopping Center, unter anderem der kleine Bruder des Berliner Sony Centers. Verwechselung ausgeschlossen. Die Leute schleppen säckeweise Waren davon. Zuweilen sind diese so schwer, dass ihre Besitzer sie nur noch über den Boden schleifen. Wir fragen uns, was in den Säcken wohl drin sein mag, denn wir haben hier nichts gesehen, was annähernd unser Interesse geweckt hätte. Wahrscheinlich wird ein Großteil der Waren in den nächsten Tagen zum Doppelten des Einkaufspreises auf brasilianischen Märkten wieder auftauchen. Unsere einzige Investition tätigen wir in einer Cafeteria mit feinstem Kantinencharme in einem der Shopping Center. Hierfür extra Geld zu wechseln, ist überflüssig, da hier der Rechnungsbetrag gleich in mehreren Währungen zur freien Entscheidung ausgewiesen wird. Auf dem Weg zurück nach Brasilien bildet sich ein langer Stau und wir haben eigentlich schon beschlossen, die Grenze zu Fuß zu überqueren und uns auf brasilianischer Seite einen Bus in Richtung Flughafen zu suchen, doch da kommt Bewegung in den Stau und wir springen auf einen Bus nach „Central“ auf, der kurz darauf zum Stehen kommt. Zwar verläuft die weitere Fahrt bis zur brasilianischen Grenzkontrolle noch zähflüssig, doch auch die Fußgängerschlange ist lang und wir haben wohl die richtige Entscheidung getroffen. Auch die brasilianische Grenzkontrolle hat eher symbolischen Wert. Immerhin betritt eine Zöllnerin den Bus und wirft einen flüchtigen Blick in die größten Säcke und Taschen. Damit sind wir für sie völlig uninteressant. Morgen verlassen wir Brasilien, doch unsere Rucksäcke sind noch gepackt und so nutzen wir die Zeit im Hotel zum Entspannen und einem Abendessen vom Buffet.

Freitag, 19. März 2010

Abschied von Rio





FOZ DO IGUACU: Die sechs Tage in Rio waren kurzweilig und haben Appetit auf eine Rückkehr gemacht. Olympia 2016 wäre eine gute Gelegenheit. Das Merchandising-Geschäft kommt bereits in Fahrt. Etwas viel Regen, aber auch viel Sonne, wenn ich mich so im Spiegel betrachte. Nicht eben billig, aber auch nicht unbezahlbar. Nicht zu laut, aber auch nie leise. Wir sind zeitig beim Frühstück und checken zügig aus. Der Doorman des Bandeirantes bietet uns ein Taxi zum internationalen Flughafen für 60 Reias an, was günstiger ist, als alles, was wir bisher gehört hatten. Wir nehmen dankend an. Natürlich erinnert an dem Fahrzeug nichts an ein Taxi und die Fahrkünste des Hobbytaxifahrers lassen sehr an seinem Geisteszustand zweifeln. Unter Boykott des Blinkers rasen wir durch einige der unzähligen Tunnel, die sich durch die Berge bohren, die die Stadt umrahmen. Letztendlich kommen wir aber heil und wahrscheinlich doppelt so schnell wie üblich ans Ziel und hoffen, dass der TAM-Pilot, der uns gleich nach Foz do Iguacu fliegen wird, nicht das Vorbild unseres Taxifahrers ist. Der Flug scheint ausgebucht und wir haben beim Check-In darauf geachtet, dass wir uns auf Fenster in verschiedene Richtungen verteilen, um mit etwas Glück schon einen Blick auf die Iguacu-Fälle werfen und ein paar Luftaufnahmen machen zu können. Das Glück ist auf meiner Seite und ich weise das ältere amerikanische Paar neben mir darauf hin. Sie finden es erwartungsgemäß „lovely“ bis „amazing“. Wir betreten den Flughafen zur Mittagszeit und die Sonne brennt erbarmungslos. Nach kurzer Taxifahrt erreichen wir das Hotel „Carima“, auf halbem Wege zwischen Flughafen und Innenstadt. Wir ahnen schlimmes, als wir die Lobby betreten. Überall sitzen Jugendliche verteilt, die lärmen und musizieren, wobei der Unterschied schwer zu definieren ist. Wir vermuten, sie sind gerade angekommen, aber der Hotelboy, der uns zu Zimmer 2130 führt, gibt Entwarnung und scheint über den Abschied auch nicht traurig zu sein. Mehrmals demonstriert er uns ungefragt, wie wir mit unserem Zimmerschlüssel den Stromkreislauf schließen, bevor er sich verabschiedet. Wir nutzen den Nachmittag für eine Fahrt mit dem Bus ins Stadtzentrum. Foz do Iguacu ist größer als erwartet und ich kühle mich mit einem Milchshake bei „Bob`s Sorvetes“ ab. Im Supermarkt decken wir uns mit Wasser, Bier, Guarana-Limonade und etwas Obst ein und schließen unseren Stadtspaziergang mit einem „Frozen Yoghurt“ ab. Um vier Uhr nachmittags wird die Hitze langsam erträglich und wir lassen am Hotelpool etwas die Seele baumeln, bevor wir unseren ausgefallenen Frühsport nachholen und im Hotelrestaurant zu Abend essen. Seltsamerweise wollen die dort gar kein Geld von uns für das Büffet.

Donnerstag, 18. März 2010

Ein Tag voller Klischees















RIO DE JANEIRO: Was tut man, wenn man nur einen Tag in Rio hat? Richtig! Man fährt auf den Zuckerhut, geht anschließend an der Copacabana baden, aalt sich ein wenig in der Sonne, schlürft eine Caipirinha und saugt zu Sambaklängen eine Kokosnuss aus, während man den Beach Boys beim Strandkicker zusieht. Nun hatten wir zwar nicht nur einen Tag in Rio, aber heute ist unser letzter, denn morgen früh verlassen wir die Stadt nach sechs Tagen wieder. Also erledigen wir heute all das, was man als ordentlicher Tourist eben so macht. Die Wolken hängen bedrohlich tief an diesem Donnerstagmorgen. Aber es ist trocken und, auch wenn wir den Zuckerhut nicht sehen, nehmen wir den Bus nach Urca, der quasi am Fuße des Morro da Urca hält. Die Tickets für die Seilbahn bis zum Gipfel des Zuckerhutes kosten 44 Reias, also etwa 19 Euro. Wahlweise kann man auch nur für die Hälfte auf den Morro da Urca fahren, aber das wäre ja nicht dasselbe. Sehr schnell sind wir umgeben von Kreuzfahrttouristen, fast ausschließlich Deutsche, die offenbar wirklich nur einen Tag für Rio haben, bevor sie wieder zurück in den Stall müssen. Böse Zungen behaupten ja, auf Kreuzfahrt würde man erst im Herbst des Lebens gehen. Also, zumindest diese Heerscharen untermauern dieses Vorurteil eindrucksvoll. Für viele von ihnen ist es wahrscheinlich die letzte große Reise bzw. die vorletzte, wenn man so will. Sie sind nicht nur alt, sondern vor allem altklug, hektisch und aufgeregt. Wir versuchen, uns im sicheren Abstand zu ihnen zu bewegen, aber sie sind überall und drängen sich uns auch gern auf. Der Blick vom Morro da Urca auf die Stadt ist grandios, wenn auch mitunter etwas vernebelt. Der Blick zum Zuckerhut wird immer wieder versperrt durch Wolken, die den Felsen streicheln. Auf dem Gipfel angekommen, gewähren uns die tiefen Wolken rund um den Corcovado ganz eigene und mystisch anmutende Perspektiven, geben aber auch immer wieder den Blick frei und verziehen sich schließlich ganz. Zurück am Boden und an der Copacabana kehren wir auf einen „Frozen Yoghurt“ ein und packen dann unsere Sachen für einen entspannten Nachmittag am Strand. Wir machen es uns auf unseren Mikrofaserhandtüchern bequem und stürzen uns hin und wieder in die tosenden Wellen. Zwei Gestalten schleichen um die Sonnenschirme und Klappstühle und übermalen eilig die Werbeaufschriften auf diesen. Wohl ein Protest!? Nachdem die Haut immer mehr zu spannen beginnt, gehen wir zu Punkt 3 unseres Tagesplanes über. Um einen Caipi zu trinken entscheiden wir uns für ein etwas gediegeneres Strandcafé, auch wenn er hier zwei Reias teurer ist, als in den Nachbarcafés, die dafür direkt an der stark befahrenen Avenida Atlantico liegen. Mit sechs Reias ist er immer noch fast geschenkt, gerade wenn man dieses Ambiente gratis dazu bekommt. Meine Kokusnuss für drei Reias bestelle ich am Nachbarstand. Und, um den Tag perfekt zu machen, kommt wie auf Kommando eine Sambacombo, die sich ein kleines Trinkgeld verdient. Zurück auf dem Zimmer und frisch geduscht, machen wir uns zunächst ans Resteessen, bevor wir noch einmal auf die Straße gehen und den ersten Abend in Rio ohne Regen genießen. Nach einem Happen zu Essen in der Rua do Bolivar schlendern wir noch einmal über den Kunst- und Souvenirmarkt, wo sich Sandra noch ein Ipanema-Shirt als Andenken an Rio kauft und genießen einen letzten Spaziergang entlang der nachts in Flutlicht getauchten Copacabana.

Mittwoch, 17. März 2010

Verhinderter Gipfelsturm






RIO DE JANEIRO: Leichter Muskelkater von der Corcovadowanderung plagt mich am Morgen. Der Himmel hängt voller Wolken, die aber noch dicht halten. Also machen wir uns erst einmal im Bus auf den Weg nach Botafogo. Von dort laufen wir die Avenida Pasteur entlang an deren Ende sich die Seilbahnstation zum Morro da Urca befindet. Dieser Felsen ist die Zwischen- und Umsteigestation auf der Fahrt zum Zuckerhut. Man kann ihn angeblich auch zu Fuß erklimmen und dort in die Seilbahn einsteigen. Inzwischen hat Regen eingesetzt und wir beschließen, im Schutz der dichten Bewaldung auf den Morro da Urca zu klettern und dann zu entscheiden, ob es Sinn macht, heute auf den Zuckerhut weiter zu fahren. Gegen den Regen werfe ich mir meinen Plastikponcho über, der mir, wie ich finde, ausgezeichnet steht. Der Trilha Claudio Coutinho ist ein etwa 1200 m langer Wanderweg am Ufer, der bevorzugt von den Soldaten der benachbarten Kaserne als Laufstrecke genutzt wird. Links und rechts des Weges leben außerdem die possierlichen, faustgroßen Seidenäffchen, die aussehen wie eine Mischung aus Koala, Eichhörnchen und Affe. Der Gedanke an den Kreuzungsakt lässt mich nicht los. Nach etwa 350 Metern führt ein Weg nach links hoch in den Wald, der nach unserer Kenntnis auf dem Gipfel des Morro da Urco endet. Er ist feucht und schweißtreibend, aber sehr naturbelassen und bezwingbar. Der Muskelkater des Vortags wird allmählich vom neuen Muskelkater verdrängt. An einer Gabelung entscheiden wir uns instinktiv, nach rechts abzubiegen. Wie sich später herausstellen sollte, war diese Entscheidung falsch. Am Fuße des Zuckerhutes stellen wir fest, dass wir hier nicht ohne Kletterausrüstung weiterkommen und sie Sicht ohnehin nicht besser geworden ist. Wir kehren um und stellen beim Blick von unten fest, dass wir genau in der Mitte zwischen Morro da Urca und Zuckerhut standen und nach links hätten abbiegen müssen. Angesichts des Wetters vertagen wir uns dennoch auf morgen und nehmen den nächsten Bus Richtung Copacabana. Im Bus stellen wir amüsiert fest, dass die Behindertenplätze auch anderen gehandicapten Personen zur Verfügung stehen, explizit auch dicken Menschen. Als Belohnung für die Strapazen des Vormittags nehmen wir uns ein Grillhähnchen mit, welches wir auf dem Zimmer vertilgen. Mit trockenen Sachen mache ich mich noch einmal auf den Weg ins Internetcafé. Es tröpfelt mir auf den Kopf. Am schlechten Wetter hat sich also nichts geändert. Ab und zu tropft es uns hier auch bei gutem Wetter auf den Kopf. Wir sind uns aber einig, dass es sich dabei ausschließlich um Kondenswasser der unzähligen Klimaanlagen handeln kann. Nach der Live-Übertragung des Champions League-Spiels von Barcelona gegen Stuttgart und ein paar Happen zum Abendessen mache ich mich trotz Regens noch einmal auf den Weg zum Kunstmarkt, um etwas gegen den aufkommenden Frust zu tun und meinen Verhandlungsvorteil aufgrund des Wetters auszunutzen. Ich kann den Preis für ein handgemaltes Bild von fünfzig auf vierzig Reias drücken und investiere das eingesparte Geld in einen „Frozen Yoghurt“ mit Erdbeere, Mango und Pistazien. Völlig durchnässt komme ich ins Hotel zurück und gönne mir vor dem Schlafengehen noch eine warme Dusche.

Dienstag, 16. März 2010

Christus hinter Gittern






RIO DE JANEIRO: Um halb sechs weckt uns Sandras Handy, denn wir wollen heute den Sonnenaufgang über der Copacabana genießen. Zum Glück sind wir ja in fünf Minuten am Strand und müssen nicht noch früher raus. Wir genießen die Ruhe dieses Morgens und verfolgen einen einfahrenden Kreuzfahrtriesen. Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Bus zur Station Corcovado, von wo aus eine Bahn mit zwei Wagen hoch zur berühmten Christusstatue fährt. Mit uns im Zug sitzen eine Horde russischer Frauen im besten Alter, die einen leichten Verwesungsgeruch verbreiten und eine hellblau uniformierte Reisegruppe, vermutlich Brasilianer. Wir lassen den Mob erst einmal abziehen und genießen etwas unterhalb der Statue den traumhaften Ausblick auf Häuser, Berge und Buchten. Dann wagen wir doch den Aufstieg, aber es ist nahezu unmöglich, ein Foto ohne fremde Touristen im Bild zu machen. Die riesige Christusstatue, die über die Stadt wacht, wird derzeit restauriert und ist deshalb eingerüstet. Glücklicherweise ist die Werbeplane am Gerüst dem Sturm vom Sonntagabend zum Opfer gefallen, so dass uns wenigstens ein vergitterter Blick auf das Wahrzeichen Rios gewährt wird. Sandra nimmt die Bahn zurück und kommt in den Genuss eines Gratiskonzerts einer Sambaband während ich es vorziehe, den Rückweg durch den Tijuca Forrest zu Fuß anzutreten, über den ein Adlerpaar seine Kreise zieht. Belohnt werde ich dafür mit der Bekanntschaft einiger kleiner und recht zutraulicher Affen. Ich setze die Wanderung fort zum Flamengo Beach, von wo aus man den besten Blick auf den Zuckerhut hat. Mit Sandra bin ich eigentlich auf dem Zimmer verabredet, aber instinktiv treffen wir uns im Internetcafé auf der anderen Straßenseite während es draußen zu regnen beginnt. Es regnet sich ein uns unser Bewegungsdrang kommt zum Erliegen. Als es scheinbar aufhört, machen wir uns noch einmal auf den Weg zu einem Kunst- und Souvenirmarkt auf dem Mittelstreifen der Strandpromenade, den wir bereits am ersten Abend in Rio abgeschritten sind. Der Regen setzt wieder ein, aber unseren Regenjacken kann das nichts anhaben, da sie im trockenen Hotelzimmer hängen. Ich interessiere mich für ein Bild und die Verhandlungsbereitschaft der Händler ist aufgrund des schlechten Wetters und der ausbleibenden Kundschaft grenzenlos. Aber der Gedanke, das Bild nur bis Ende Mai um die Welt zu tragen lässt mich zögern und ich schlage noch nicht zu. Wir gehen aber nicht mit leeren Händen, sondern mit einem Kühlschrankmagneten für Sandra und einem Flamengotrikot für mich.

Montag, 15. März 2010

Shopping in Ipanema















RIO DE JANEIRO: Nach dem Frühstück fahren wir mit der Metro nach Catete, um im Park hinter dem Republic Museum bunte Vögel und Affen bewundern zu können, die laut Sandras Reiseführer dort leben. Nun ja, die Vogelpopulation besteht aus freifliegenden Tauben und eingesperrten mutierten Riesenenten. Es können auch eingesperrte mutierte Minigänse sein. Und die Affen wurden offenbar durch Schmetterlinge ersetzt. Wenigstens eine Wasserschildkröte aalt sich in der Sonne. Unser Besuch ist kurzweilig, da er eben nicht besonders lange dauert. Wir nehmen den Bus nach Leblon, einem Stadtteil Rios und steigen am Ipanema Beach aus. Der Strand ist relativ leer, aber auch nicht besonders sauber. An der Copacabana sieht man wenigstens den Dreck vor lauter Leuten nicht. In Ipanema scheint allerdings das Wasser klarer zu sein. Bevor wir am Strand zurück laufen, statten wir jedoch noch dem Lagoa Rodrigo de Freitas einen Besuch ab. Der See befindet nicht weit weg vom Atlantik und ist mit diesem durch einen Kanal verbunden. Wir schlendern ein wenig durch die Straßen von Ipanema und registrieren, dass unsere Reisekasse hier nur zum Gucken reicht. Die Rua Garcia d`Àvila ist wohl so etwas wie die Friedrichstraße von Rio. Mir ist übrigens durchaus bewusst, dass ich hier Ausländer bin. Aber muss man es mir so deutlich machen, wie das Geschäft in einem der Shopping Center, die wir besuchen? Am Strand erklimmen wir einen Felsvorsprung und nutzen diesen malerischen Platz für ein paar Fotos. Wir sind allerdings nicht die einzigen, die auf diese Idee gekommen sind und müssen ein paar andere Touristen freundlich verscheuchen. Auf der Strandpromenade bietet eine Werbetafel eine willkommene Erfrischung auf Knopfdruck, was uns sehr gelegen kommt. Für die Fortsetzung des Shoppingbummels durch Ipanema und Copacabana trennen wir uns. Naturgemäß bin ich zuerst im Hotel und verfolge die Zusammenfassung des letzten Bundesligaspieltages auf ESPN Brasil.

Sonntag, 14. März 2010

wie die Zeit verfliegt...Wochenrueckblick





Laenderhopping...in dieser Woche haben wir gleich 3 Laender bereist...nachdem wir nun Bolivien ausfuehrlichst gesehen haben, fuehrt uns unser Weg zunaechst dann doch ueber Santiago de Chile (ohne Ruetteln und Schuetteln). Nach dem chaotischen La Paz ist Santiago eine Wonne. Sauber, ordentlich, nahezu heimisch europaeisch. Wir nutzen die Abendstunden des 12.Maerz um Santiago im Kurzdurchlauf zu erkunden, schlendern durch die City und landen Abend im chilenischen PrenzlBerg Bellavista. Am Folgetag reisen wir mit einer kleinen Umstieghuerde in Sao Paulo nach RIO! Von jetzt an soll alles wieder nach Plan laufen. Auch wenn der Taxifahrer versucht mein Bein mit seiner linken Hand zu befummeln (Anmerkung der Redaktion: Versuch missglueckt) koennen wir einen ersten Blick auf die Highlights der Stadt den Zuckerhut und die Christus-Statue werfen. Bei heissen 39Grad erkunden wir am Sonntag die menschenleere City. An der Copacabana hingegen herrschen an diesem Tag mallorquinische Verhaeltnisse...Am Abend folgt das Donnerwetter...Regen, Blitz und Donner...

Der Held vom Maracana






RIO DE JANEIRO: Rio erwacht langsam. Am Sonntag scheinbar gar nicht. Die meisten Geschäfte bleiben geschlossen. Nur die großen Supermärkte haben geöffnet. Ich hingegen bin um 6 Uhr am Strand der Copacabana zu einem halbstündigen Strandläufchen. Am Strand vermischen sich um diese Zeit Frühaufsteher mit Nachtschwärmern, Angler mit Jugendlichen bei ihrem Scheidebier, Jogger mit Partygängern, die den Weg ins Bett nicht mehr gefunden haben. Zurück im Hotel und gut gefrühstückt, machen wir uns auf den Weg nach Downtown, um die erträglich temperierten Morgenstunden zu nutzen. Mit der ungewöhnlich sauberen und gepflegten Metro fahren wir zunächst bis „Carioca“ und schlendern etwas durch die verwaiste Innenstadt. Wenn am Sonntag in den Bürotürmen nicht gearbeitet wird, sind hier nur Touristen und Obdachlose, die zuweilen dicht an dicht nebeneinander liegen. Glanz und Elend liegen in Rio so nahe beieinander wie sonst wahrscheinlich nirgends. Abgesehen von denen, die einfach nichts anzuziehen haben, zeigt man hier ohnehin gern, was man hat. Auch, wenn der Trainingserfolg, bei Frauen mitunter auch die Niederkunft, noch auf sich warten lässt. Bei einer futuristisch anmutenden, kegelförmigen Kirche neben der PETROBRAS-Zentrale befindet sich die Wendeschleife der historischen Straßenbahn. Wir fahren einmal die komplette Strecke ab und zurück. Eine andere Funktion, als Touristen zu bespaßen, hat die Bahn auch nicht mehr, denn sie wird kaum von Einheimischen genutzt und bietet beeindruckende Ausblicke auf die Stadt. Zumindest bergab dürfte man auch mit jedem Fahrrad schneller sein. Ganz vorn sitzen doch ein paar Einheimische und eine von ihnen hat ein Huhn auf dem Schoß, das ihr bei einem kurzen Zwischenhalt ausreißt und die Straße herunterläuft. Ein Junge schafft es nicht, es wieder einzufangen, da hält der Fahrer kurzerhand seine Bahn an und erledigt das höchstpersönlich. Mit Erfolg! Das Huhn ist wieder an Bord, der Fahrer auch, und die Fahrt kann weitergehen. Wir besichtigen im Vorbeigehen die historischen Gebäude der Innenstadt und verweilen kurz bei einem Oldtimertreffen auf der schattigen Plaza XV de Novembro und in der Candelariá Kirche. In der Avenida Presidente Vargas wähnen wir den Hauptbahnhof. Wir finden ihn aber nicht und wären, der Dehydrierung nahe, schon mit irgendeiner Metrostation zufrieden. Letztendlich entscheiden wir uns für einen Bus, von denen die meisten glücklicherweise durch Copacabana und somit nahe an unserem Hotel vorbei fahren. Ich erfrische mich mit einem Sprung in den Pool auf dem Dach unseres Hotels und wir entspannen ein wenig die geschundenen Füße. Den Abend verbringen wir geschlechterspezifisch getrennt. Während Sandra shoppen geht, fahre ich ins Maracana, das einst größte, heute noch siebtgrößte, Stadion der Welt, um mir das Erstligaspiel Flamengo gegen Vasco da Gama anzusehen. Das Stadion hatte ursprünglich angeblich 220.000 Menschen aufgenommen. Nach der Umrüstung auf Sitzplätze ist es mit heute 34.000 Zuschauern gerade einmal zu etwa einem Drittel gefüllt. Ich habe das Rundum-Sorglos-Paket gebucht. Busshuttle, Eintritt und Stadionführung für 100 Reais, also etwa 42 Euro. Ich versuche, mir das Geld beim Bus-Tippspiel zurück zu holen, zu dem unser eindeutig homosexuelle Reiseleiter France einlädt. Ohne einen blassen Schimmer, wo die beiden Teams im Moment stehen, ist mein Tipp 3:1 für Flamengo. Da dieser Tipp aber schon zweimal abgegeben wurde und mein Gewinn entsprechend geringer ausfallen würde, korrigiere ich auf 2:0. Kurz vor unserer Ankunft am Stadion öffnet der Himmel seine Schleusen. Wir verharren noch eine halbe Stunde im Bus in der Hoffnung auf Besserung, die jedoch ausbleibt. Auch France hat keinen Erfolg mit seinen Versuchen, einen Plastikponchoverkäufer zu einer Verkaufsveranstaltung in unserem Bus zu gewinnen. Um noch etwas von diesem Abend zu haben, entschließen wir uns schließlich zu einem Sprint unters Stadiondach, der nichts daran ändert, dass wir bis auf die Haut durchnässt werden. Feste Sitzplätze gibt es im Maracana traditionell nicht. Uns steht in unserer Ticketkategorie der gesamte Unterring offen, wobei die vorderen zwanzig Reihen nichts vom Dach abbekommen haben und somit heute nicht sehr gefragt sind. Die Ränge orientieren sich an brasilianischer Mannshöhe und ich muss achtgeben, mit meinem Kopf nicht an den Oberring zu stoßen. Das Spiel leidet unter den Platzverhältnissen sichtlich. Auch die aus Europa noch gut bekannten Flamengo-Stürmer Adriano und Vagner Love, die seit ihrer Rückkehr nach Brasilien nicht leichtfüßiger geworden sind, vermögen keinen Angriffswirbel zu entfachen. Da ist man als Berliner besseren Fußball gewöhnt. Einmal im Jahr zumindest. Beim Pokalfinale. Nach einer halben Stunde droht ein Elfmeter für Vasco meinen Refinanzierungsplan zu durchkreuzen, doch Flamengo-Torwart Bruno pariert heroisch. Der Elfmeter war in meinen Augen glasklar, was mein näheres, rot-schwarz gekleidetes, Umfeld anders sieht. Torlos geht es in die Pause und ich investiere einen Teil meines voraussichtlichen Gewinns in ein alkoholfreies Bier. Die Pause reicht gerade so, um das Stadion einmal zu umrunden und wieder in meiner ursprünglichen Kurve Platz zu nehmen. Ein schmeichelhafter Elfmeter, auch das sehen meine Sitznachbarn anders, und Adriano bringen Flamengo und mich auf die Siegerstraße. Der dritte Elfmeter dieses Spiels gibt Vasco die Chance zum Ausgleich und mir die Möglichkeit, mich durch abfälliges Kopfschütteln mit den Flamengofans zu versöhnen. Bruno hält erneut und mich damit im Spiel. Leider bleibt es jedoch bei dem müden 1:0 und die 150 Reais Gewinn gehen als Trinkgeld an France und unseren Busfahrer, da keiner der 18 Mitspieler auf dieses Ergebnis getippt hatte. Als ich im Hotel ankomme, ist Sandra noch wach und frustriert, da der Shoppingbummel frühzeitig an geschlossenen Geschäften gescheitert ist.