Samstag, 15. Mai 2010

Wandertag in Downtown















HONOLULU: Ich habe mir gestern die Haare selbst geschnitten und mache heute den Test am Publikum. Es scheint einigermaßen ordentlich geworden zu sein, denn ich werde nicht ausgelacht. Bei der morgendlichen Joggingrunde besteht meine Frisur auch den Regentest, der danach aber glücklicherweise schnell beendet ist. Durch die Wartetraube vor dem immer noch defekten Fahrstuhl kommt man schnell mit anderen Bewohnern ins Gespräch. Eine ältere Lady aus Kentucky versucht zu erraten, woher ich komme und tippt auf England. Im Allgemeinen ist das zwar kein Kompliment, aber für meine Sprachkenntnisse schon. Das Rennen unter den Mietwagenanbietern macht Alamo, nachdem ich morgens noch bei Enterprise anfragen konnte. Bei Alamo habe ich nun einen Chevy Cobalt für Montag und Dienstag bestellt. Anschließend mache ich mich auf den Weg in die Innenstadt. Die alten Holzbusse, die hier noch sehr viel auf den Straßen zu sehen sind, haben keine Außenwände, was die Klimaanlage erspart, auf die man sonst nicht verzichten könnte. Die Innenstadt ist sehr beschaulich. Die Fahnen sind auf Halbmast geflaggt, was wohl am "Tag der US Army" liegt, der heute begangen wird, von dem man aber sonst nicht viel merkt. Ich glaube, es geht hier einfach immer etwas ruhiger und langsamer zu. Selbst die Rolltreppen laufen langsamer. Nachdem ich den Aloha Tower erklommen habe und ein wenig in der Stadt rumgeschlendert bin, kehre ich zur Mittagspause im Hooter's am Hafenbecken ein. Das Hafenbecken ist fast ein Aquarium. Alles voller bunter Fische und sogar Erklärungstafeln dazu. Den Rückweg absolviere ich zu Fuß und werde ungewollt Zeuge einer Hundeshow. Schrecklich hässlich zurecht gemachte Hunde, die teilweise die alten Sachen Ihrer Herrchen aufzutragen scheinen und sich mehrheitlich für ein Hütchen entschieden haben. Meine Stimme für die beste Frisur ist schnell vergeben. An den Moderator. Da kommt kein Pudel ran. Auch im "Ala Moana Center", nahe meiner Unterkunft, herrscht entspannte Atmosphäre und ich kaufe mir bei Macy's eine neue Uhr. Fossil für 75 Dollar, da kann man nicht meckern. Ich hoffe nur, sie hält länger, als die Tüte, denn die reißt noch ehe ich das Shopping Center verlasse.

Freitag, 14. Mai 2010

Ein Tag unter Palmen




HONOLULU: Um 6 Uhr weckt mich mein Wecker auftragsgemäß. Ich nehme heute das Konditionstraining wieder auf, denn in zehn Wochen will ich auf dem Kilimandscharo stehen. Und um diese Zeit umgehe ich die größte Hitze. Offenbar haben sich das einige gedacht, denn es herrscht bereits reger Betrieb auf den Straßen und auf der Laufstrecke um den kleiner See am "Hilton Hawaiian Village", nur etwa hundert Meter vom Pazifik entfernt. Am Strand liegen einige Leute in Schlafsäcken. Touristen ohne Hotelzimmer oder Einheimische ohne Obdach? Das lässt sich so leicht nicht sagen. Wahrscheinlich beides. Nach dem Frühstück zieht es mich ans Meer. Auf dem kurzen Weg zum Strand kommt mir ein Geschäftsmann entgegen. Der Kerl, graue Haare und das Gesicht zur Faust geballt, trägt einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und grauer Krawatte. Und dazu, nicht ganz stilsicher, aber patriotisch, eine Blumenkette. Das muss man den Hawaiianern ja lassen, sie ziehen diese Südseenummer konsequent durch. Am Waikiki Beach suche ich die berühmten Südseeschönheiten aber vergebens. Nichts mit Baströckchen, schokobrauner Haut und Ananas im Haar. Der Strand ist fest in der Hand weißhäutiger Touristen, bei denen wenig Platz zwischen den Problemzonen ist. Die wenigen Schattenplätze unter den vereinzelten Palmen sind begehrt, aber ich mache mir einen frei, indem ich die weißen Tauben verscheuche. Hier läßt es sich schonmal ein paar Stunden aushalten. Wenn die Mahlzeit zwischen Frühstück und Mittag Brunch heißt, wie heißt dann eigentlich die Mahlzeit zwischen Mittag und Abendessen? Ich meine jetzt nicht Kaffee und Kuchen, sondern richtiges Essen. Liner oder Dunch? Wenn es dafür noch kein Wort gibt, muss es erfunden werden, denn sowas halte ich nachmittags ab, im Hard Rock Cafe. Danach gehe ich noch ins "Discovery Bay Center", nur hundert Meter von meinem Appartement entfernt, um den hawaiianischen Mietwagenmarkt zu sondieren. Schließlich will ich meine Zeit auf Hawaii nicht nur in Honolulu verbringen. Der Freitagabend wird, wie angeblich jede Woche, mit einem viertelstündigen Feuerwerk eingeläutet.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Der längste Tag meines Lebens














HONOLULU: Der Tag wollte einfach kein Ende nehmen. Um 8 Uhr in Hongkong gestartet, den Nachmittag in Tokio verbracht und dann ging es weiter. Sieben Stunden bis Honolulu. Hier bin ich um 7:30 Uhr morgens gelandet und zwar immer noch am gleichen Tag. Der Flug über die Datumsgrenze macht das möglich. Ich habe mir auf einen Schlag all die Stunden zurück geholt, die ich seit den Galapagos Inseln nach und nach verloren habe. Der Tag dauert dadurch am Ende 42 Stunden. Ich habe zwei Sonnenaufgänge erlebt, in Hongkong und über dem Pazifik. Zwei Sonnenuntergänge natürlich auch. Den ersten noch in Tokio, den zweiten auf Hawaii. Der Flug dauerte noch einmal sieben Stunden. Er war in der Delta 747 aus übernommenen Northwest-Beständen trotz nahezu fehlendem Entertainmentprogramms ganz angenehm, was vor allem daran lag, dass ich mir mit einem Franzosen eine Viererreihe teilen konnte. Da hat es auch nicht weiter gestört, dass wir von Chinesen umgeben waren, die immer mehr das Reisen entdecken, denen dabei aber verständlicherweise noch etwas die Routine fehlt. Dass sie bereits auf dem Weg zur Rollbahn dem Flugbegleiter mitgeteilt haben, dass sie sich für Chicken entschieden haben, fand der genauso putzig wie ich. Dass sie dann ihre Tupperdosen mit Proviant ausgepackt haben, der für vier Tage gereicht hätte auch. Dass sie sich über vier Reihen hinweg unterhalten ist schon etwas anstrengend. Und dann mussten sie, wahrscheinlich zum ersten mal in ihrem Leben, eine Zolldeklaration ausfüllen und das, wenn nur einer von ihnen Englisch versteht. Aber gut, ich habe darin natürlich inzwischen etwas mehr Routine. Ich fülle einen solchen Schein allein in dieser Woche zum dritten mal aus. Die Stewardess fragt mich, ob ich amerikanischer Staatsbürger sei und ich antworte in gewohnter Korrektheit "No, European." Damit bringe ich sie etwas aus dem Konzept, da sie schon weiß, dass Europa aus mehreren Ländern besteht. Dass das auch für Amerika gilt, hat sie heute gelernt. Es ist recht früh und ich befürchte, dass ich mein Appartement im Waikiki Marina noch nicht beziehen kann. Die Einwanderungsbehörde tut ihr Bestes, um die Wartezeit auszufüllen, aber es hilft nichts. Ich lass mein Gepäck stehen und starte zu einem ersten Erkundungsgang durch Waikiki. Nicht, dass ich es mir gewünscht hätte nach dem langen Flug, aber bin ich quasi gezwungen, die Zeit nicht zu vergammeln. Ich beziehe Quartier im 15. Stock des "waikiki Marina" am Ala Moana Boulevard. Das Haus hat 39 Etagen plus Penthouse und fällt mit dieser Höhe nicht sonderlich auf. Honolulu ist eben doch eine Großstadt. Leider ist auch noch einer der beiden Fahrstühle ausgefallen, so dass sich eine Traube von Wartenden bildet. Ich habe mir ein Appartement gemietet mit kleiner offener Küche und Bad. Zwar ohne Balkon, aber mit großen Fenstern und Meerblick, wenn man zwischen den Hotels und Seniorenheimen in der ersten Reihe durchschaut. Nachdem ich in etwas bequemeres geschlüpft bin und meine Wanderschuhe und Socken bis auf Weiteres in den Schrank verbannt habe, gehe ich noch ein wenig zum Strand, der nur einen Block entfernt ist. Auch wenn ich etwas warten muss, entscheide ich mich wieder für den Aufzug, da ich mir im Treppenhaus ständig den Kopf stoßen würde. Die Amis bauen eben aus anatomischen Gründen eher in die Breite, als in die Höhe. Die Atmosphäre am Strand ist sehr entspannt. Keine Händler, keine Musik und es ist auch nicht zu voll. Und die Einheimischen pflegen sämtliche Klischees. Man begrüßt sich hier tatsächlich mit "Aloha" und die Hawaiihemden haben hier überlebt. Sie füllen ganze Geschäfte. Selbst die Immigration Officers tragen sie, verlieren dadurch allerdings etwas an Respekt. Im "ABC Store" um die Ecke erwerbe ich als Nachfolger meiner Bundeswehrlatschen ein Paar feinster Surfersandalen für fünf Dollar und etwas, um meinen Kühlschrank zu füllen. Da mich die Müdigkeit nun doch übermannt, ziehe ich mich früh vor den Fernseher zurück und verbringe den Abend mit "America's funniest Videos", wo die Leute ihre Kinder reihenweise gegen Wände laufen oder die Treppe runterstürzen lassen und das filmen.

Stempel holen und weiter












TOKIO: Ich muß den Nachtportier wecken, um meinen Schlüssel gegen die 100 HKD Kaution einzutauschen. Der Flughafenbus 21N hält direkt auf der anderen Straßenseite. Also muss ich die Taxiparade auf der Nathan Road enttäuschen. Die Fahrt dauert etwa vierzig Minuten. Die letzten sieben bis acht Haltestellen liegen schon im Umfeld des Flughafens. Catering, Cargo, Parkplatz etc. Da fällt es schon schwer, den richtigen Stopp zu erwischen, aber glücklicherweise weist mich eine Mitfahrerin rechtzeitig darauf hin. Mit dem Delta-Airbus geht es zunächst nach Tokio. Ich habe hier knapp sechs Stunden Aufenthalt. Zu wenig, um in die Stadt zu fahren. Aber natürlich nutze ich die Zeit, um offiziell einzureisen. Schließlich habe ich noch ein paar Seiten meines Reisepasses zu füllen. Ich finde auch wieder eine Aussichtsplattform, die man kostenlos betreten kann, von der aus man aber auch nur einen kleinen Teil der Flughafens Narita überblickt. Natürlich habe ich auch noch genug Zeit für ein Mittagessen. Umgerechnet knapp zehn Euro finde ich für ein deftiges Omelett mit Reis, Pilzen und Sauce auf einem Tokioter Flughafen auch nicht überteuert. Da man hier überall mit Kreditkarte zahlen kann, muss ich auch nicht extra Yen kaufen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum man schon lange suchen muss, um einen Geldautomaten zu finden. Stattdessen steht an jeder Ecke eine Batterie von Versicherungsautomaten, an denen die Japaner in letzter Sekunde noch eine Reiseversicherung abschließen können. Es ist schon komisch. Jetzt sitze ich hier in Tokio am Flughafen und warte auf einen Flug nach Honolulu. Vor einem Monat saß ich noch in Kapstadt, vor zweien in Rio und vor drei Monaten in Lima. Es könnte schlechter laufen.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Vernebelte Aussicht















HONGKONG: Ich hatte hoch gepokert. Für den Ausflug nach Hongkong Island wollte ich mir einen Tag mit klarer Sicht aussuchen. Nach dem großen Regen am Ankunftstag ist es zwar bis heute trocken geblieben, aber die Wolken hängen tief und verhüllen die Gipfel der Berge, die Hongkong umgeben. Das war gestern so und ist es leider auch noch heute. Trotzdem, da ich morgen weiterreise, muss es heute sein. Ich nehme eine der ersten Fähren und bin erwartungsgemäß der einzige, der offenbar nicht zur Arbeit fährt. Vor dem Terminal in Kowloon werden gerade Paletten der Gratiszeitungen ausgepackt, die hier täglich millionenfach in der gesamten Stadt verteilt werden. Da mein Chinesisch nicht sattelfest ist, verzichte ich im Gegensatz zu den anderen Passagieren darauf. Die kurze Fahrt nach Wan Chai kostet zwei Hongkong-Dollar, also etwa 20 Cent. Am Convention Center auf der anderen Seite sind die Frühsportler noch mit asiatischen Kampfsportarten beschäftigt. In der Harcourt Road fahren auch die berühmten doppelstöckigen Straßenbahnen. Ich entscheide mich aber für eine einstöckige, aber auch nicht modernere, um auf den Peak, die höchste Stelle der Stadt zu fahren. Die Sicht von hier oben ist grandios, jedoch natürlich nicht, wenn sie nach hundert Metern endet. Ein Bild zur Erklärung des Ausblicks lässt es mich nur erahnen. So bleibt mir nur eine steile Fahrt mit einer alten Straßenbahn, die vor allem auf dem Rückweg spannend ist, denn da sitzt man rückwärts, während man durch dichten Wald nach unten fährt. Den Rest des Vormittags verbringe ich in den Straßen von Hongkong Island. Besonders sehenswert sind die Elgin und Staunton Street. Vom Man Mo Temple bin ich etwas enttäuscht, da ich ihn beinahe übersehen hätte. Da der Aufenthalt auf dem Peak recht kurz ausfiel, nutze ich die gewonnene Zeit für einen Ausflug zum Flughafen. Einerseits, weil dieser, auf einer künstlich errichteten Insel architektonisch und technisch eindrucksvoll sein dürfte, andererseits, um den Airbus A 380 in Aktion zu bewundern. Am Bahnhof Kowloon, von dem der Airport Express unter anderem abfährt, gibt es bereits die Möglichkeit, sein Gepäck für den Flug aufzugeben. Die Bahn ist wirklich schnell und hält nur noch einmal zwischen Kowloon und dem Flughafen, aber eine halbe Stunde braucht er trotzdem. Ich mache es mir auf der Aussichtsplattform bequem und sehe neben vielen anderen Flugzeugen den A 380 von SIngapore Airlines auf der einen Seite landen und eine gute Stunde später auf der anderen wieder starten. Auf dem Rückweg schaue ich noch im Shopping Center "ELEMENTS' vorbei, das sich über dem Bahnhof Kowloon befindet und in vier Teile augeteilt ist, die Feuer, Eis, Wasser und Holz thematisieren. Im Eissektor ist natürlich auch eine Eisbahn von der Größe eines Eishockeyfeldes aufgebaut. Im Hotel packe ich meinen Rucksack, denn morgen muss ich mal wieder sehr früh zum Flughafen. Aber auf einen Snack und ein Kilkenny zum Abschied schaue ich schon noch im "Murphy's" vorbei.

Dienstag, 11. Mai 2010

Hundert Tage unterwegs




HONGKONG: Seit hundert Tagen bin ich nun unterwegs. So langsam ist auch ein Ende in Sicht. Es kommt mir vor, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Alle Erinnerungen an frühere Begegnungen und Erlebnisse, die mir so tagtäglich durch den Kopf schießen, haben sich während dieser Reise abgespielt. Als hätte ich nicht schon vorher viel erlebt. Wie schnell sind dagegen früher hundert Tage vergangen. Habe ich nicht gerade erst meinen 30. Geburtstag gefeiert? Und jetzt bin ich angeblich schon 35? Aber wenn man jeden Tag so intensiv erlebt, wie ich zur Zeit, dauern diese eben eine gefühlte Ewigkeit. Der Plan, mit dieser Reise mein Leben etwas zu entschleunigen, ist also schonmal aufgegangen. Oder, wie es Mahatma Gandhi so treffend formuliert und Matthias dankenswerterweise weitergetragen hat: "Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.". So langsam nehme ich aber auch eine gewisse Reizüberflutung zur Kenntnis. Vielleicht ist auch das der Grund dafür, dass ich schon genug habe von Hongkong. Die vollen Straßen, die tausend Gerüche, die Absperrbänder, die selbst die Schlange vor dem Fahrstuhl ordnen. Ich sehne mich nach ruhigeren Tagen. Aber ich will mich nicht beklagen. Das Leben meint es schon gut mit mir in diesen Tagen und spätestens, wenn ich wieder in der Alltagsmühle bin, werde ich mich danach zurücksehnen. Den Tag beginne ich mit einem Frühstück bei "Pacific Coffee", der großen Konkurrenz von Starbucks. Anschließend laufe ich durch die Straßen von Mong Kok am nördlichen Ende der Nathan Road. Jede Straße beherbergt hier einen anderen Markt. Auf dem "Goldfish Market" im nördlichen Teil der Tung Choi Street werden nicht nur Goldfische, aber tatsächlich nur potetielle Aquarienbewohner verkauft. Paradoxerweise riecht es hier nach trockenem Katzenfutter. Man kann hier schonmal einen Tag verbringen. Ich gehe wieder ins "Murphy's". Mal sehen, ob ich Mary nochmal nüchtern erlebe, bevor sie morgen nach Shanghai fliegt. Sie ist heute nicht hier, dafür schaffe ich es, mein Kilimandscharobuch auszulesen. Zwei Iren fragen die Kellnerin zur Begrüßung, ob sie Uhren verkaufe. Die beiden sind offenbar auch gerade durch das Spalier der Rolexhändler gelaufen. Mich kennen sie inzwischen und wissen, dass ich ihnen ihre Spielzeuguhren nicht als Luxusgüter abkaufe. Sie entdecken deshalb die Ehrlichkeit für sich und rufen mir nicht mehr "Rolex" hinterher, sondern "Copy Watches". Danach gehe ich noch einmal nach Mong Kok in die südliche Tung Choi Street, wo heute vormittag noch eifrig aufgebaut wurde. Hier ist nun der Textilmarkt angesiedelt und ich komme noch zu meinem obligatorischen T-Shirt für vier Euro, was wahrscheinlich immer noch zuviel ist.

Montag, 10. Mai 2010

Die Rolex-Metropole



















HONGKONG: Um 3 Uhr morgens werde ich unsanft aus dem Bett gerissen. Um 6 Uhr startet mein United Airlines-Flug nach Hongkong. Der Flug ist offensichtlich gut gebucht. Die zwei Stunden vergehen schnell, aber ich verliere wieder mal eine Stunde. Bei der Taxiwahl muss ich auf die Farbe achten, da nur die städtischen, roten Taxis in die Innenstadt fahren dürfen. Ich muss zur "Chunking Mansion" in der Nathan Road, der Pulsader von Kowloon. Meine Pension, das "Tai Wan Hostel" befindet sich in der dritten Etage. Der Weg dahin ist ranzig, aber ich bin hier mal wieder mitten im Leben. Ich bin etwas früh dran und mein Zimmer noch nicht frei. Also werfe ich den Rucksack ab und nutze die Zeit für einen Mittagssnack, da es ohnehin zu regnen begonnen hat. Um halb zwölf bin ich der erste Gast im T.G.I. Friday's. Das gibt dem Chefkellner Gelegenheit, mich ausführlich bei der Zusammenstellung meines Programms der nächsten Tage zu unterstützen. Viel Zeit bleibt mir nämlich nicht für Hongkong, denn der nächste Flug ist bereits für Donnerstag gebucht. Einer Empfehlung folge ich umgehend, da es immer noch regnet. "Harbour City" trägt den Namen zu Recht. Eine Stadtrundfahrt würde sich hier schon lohnen. Das "ALEXA" zum Quadrat, ein ICC rangeklebt und ein Estrel Hotel oben drauf, so kann man es sich vorstellen. Von Luxus bis Ramsch wird hier jedes Segment bedient. Und es gibt einen direkten Zugang zum Kreuzfrahrtterminal, damit die Kreuzfahrer, wenn sie schonmal in der Stadt sind, nicht auch noch auf die Straße müssen. Wenn man sich hier neue Turnschuhe kauft, steht einem zum Testen kein Laufband, sondern ein Basketballfeld zur Verfügung. Um ein Uhr nachmittags ist dann auch mein Zimmer frei. Es ist winzig, aber für hiesige Verhältnisse billig und sauber. Es ist auch erstaunlich, was man in einer solchen Kammer alles unterbringen kann. Das Bett reicht von Wand zu Wand, ist ziemlich breit, aber nicht ganz so lang wie ich. Also mache ich mich schonmal mit der Embryonalstellung vertraut. Daneben ist ein Streifen von knapp einem Meter zum Leben vorgesehen. Dort muss ich allerdings auch meine Sachen unterbringen, denn für einen Schrank war nun wirklich kein Platz mehr. Und daneben ist noch eine kleine Nische von etwa einem Quadratmeter, die als Duschklo ausgebaut wurde. Das Warmwasser muss man zehn Minuten vorher auf dem Gang anschalten. Aber diese Umstände haben auch ihr Gutes. Wenn ich nachts auf's Klo muss, muss ich nicht extra aufstehen. Und meine Stunden in Hongkong sind ja gezählt. Ich gerate so auch nicht in Versuchung, die knappe Zeit auf dem Zimmer zu vertrödeln. Ich erkunde zunächst einmal die Südspitze Kowloons. Die Stadt hat einen eigenen "Walk of Fame", der hier "Avenue of Stars" heißt. Hier haben sich namhafte Filmgrößen, wie Kwan Tak Hing, verewigt. Den größten von ihnen wurden Denkmäler gebaut. Neben Jackie Chan und Bruce Lee stehen hier aber auch zwei der Berliner Buddybären. Anschließend laufe ich die Nathan Road in Richtung Norden. Als Tourist erlebt man einen wahren Spießrutenlauf. Es gibt hier die wahrscheinlich weltweit größte Dichte an Rolexverkäufern, von denen die wenigsten ein eigenes Geschäft besitzen. Dazu diverse Massagesalons mit etwas aufdringlichen "Masseusen" davor. Den Abend verbringe ich überraschend mit Mary, gebürtige Bosnierin, die seit zehn Jahren in Perth lebt und gerade ihren achtwöchigen Urlaub hier und in Schanghai verbringt. Sie sitzt im "Murphy's", einem irish Pub um die Ecke und nachdem ich zweimal auf ihren Laptop aufpassen sollte, setze ich mich der Einfachheit halber zu ihr. Sie erzählt, sie würde gern Bier trinken, aber das hatte ich bereits erraten. Sie hat sich schon einen guten Vorsprung herausgearbeitet, was die Konversation etwas anstrengend macht. Zurück auf meinem Zimmer und in meine Schlafnische eingekuschelt befällt mich ein merkwürdiger Juckreiz. Aber den bilde ich mir wohl nur ein, weil hier eben alles etwas alt und schmuddelig wirkt.

Sonntag, 9. Mai 2010

Tag der Abschiede






HO CHI MINH STADT: Nachdem ich mir den Sonnenaufgang vom Fenster aus betrachtet habe, bin ich kurz nach sechs beim Frühstück. Früh, aber immer noch zu spät für die Waliser. Die haben es tatsächlich geschafft, vor mir aufzustehen. Von ihnen muss ich mich heute wieder verabschieden, denn sie hängen noch ein paar Tage Badeurlaub ran und kommen nicht mit zurück nach Saigon. Um 7 Uhr fahren wir aber noch gemeinsam auf den größten schwimmenden Markt der Region. Die Begleiterin, wohl die Frau des Bootsführers, stimmt uns mit Ananas und Melone milde für den anschließenden Verkauf feinsten vietnamesischen Modeschmucks. Ich bleibe standhaft, aber die Waliser schlagen zu. Nun bin ich quasi mit Yong allein, denn unser Fahrer kann sich nicht mit mir unterhalten. In der Höhle des Löwen, denn ich bin gestern schon unfreiwillig ins Zentrum ihrer Hochzeitsgeschichten geraten. Wie gut doch unsere Sternzeichen zueinander passen. Ich Tiger, sie Feuer, keine Ahnung, warum das passen soll. Der Beruf ist ein wichtiges Kriterium bei der vietnamesischen Partnerwahl. Als Ingenieur hat man die besten Karten. Also betone ich wiederholt, dass ich arbeitslos bin. Damit stehe ich aber in der vietnamesischen Hierarchie immer noch über Reiseleitern. Die Fahrt dauert knapp vier Stunden dank der riesigen Brücken, die den Mekong überspannen und auf die die Vietnamesen zurecht stolz sind. Ich fürchte, Yong meint es ernst und bemühe mich um einen zügigen Abschied. Dankenswerterweise weist sie mich noch einmal darauf hin, dass für Notfälle ihre Handynummer an der Rezeption hinterlegt ist.Im "Allez Boo" in der Pham Ngu Lao nehme ich auf dem Balkon der dritten Etage Platz, um von Vietnam Abschied zu nehmen, denn morgen in aller Frühe starte ich in Richtung Norden. Ich komme mal wieder in den Genuß des vietnamesischen Bestellsystems. Man bekommt eine Karte gereicht und möge bitte in dem Augenblick auch seine Bestellung loswerden. Bittet man um eine Minute, um wenigstens mal einen Blick in die Karte werfen zu können, wird man vorläufig mit Nichtachtung bestraft. Aber das Essen ist gut und der Blick über den benachbarten Platz das, was ich mir für den letzten Abend vorgestellt hatte. Man trifft sich zum Sport an diesem Sonntag in Saigon. Neben Badminton steht auch Fußballtennis ganz hoch im Kurs. Zurück im Hotel geht es mal wieder ans Packen. Nach den Abschieden von den Walisern, Yong und Vietnam ist nun der Moment gekommen, meine Bundeswehrbadelatschen nach einem Jahr Dienst am Vaterland und weiteren 15 an meinen Füßen in den Ruhestand zu schicken. Sie werden, ebenso wie meine grünen Shorts Vietnam nicht mehr verlassen. Ich möchte nicht mit ihnen tauschen, denn bei allen Glanzlichtern, die das Land zweifelsfrei zu bieten hat und für die sich auch die lande Reise lohnt, gibt es doch auch zu viel Schatten und es wäre für mich insgesamt kein Land zum Leben.