Samstag, 27. März 2010

Ende der schlaflosen Nächte




BUENOS AIRES: Es war mal wieder eine Nacht mit wenig Schlaf. Gegen vier Uhr morgens kamen ein paar angetrunkene Hostelbewohner, vermutlich Engländer, zurück und haben sich laut über den Hof unterhalten. Von Wehmut ist daher nichts zu spüren, als wir das Hostel gegen Mittag verlassen. Wir schnappen uns das erste der unzähligen schwarz-gelben Taxis und fahren für zehn Pesos ins Hotel Carsson in der Viamonte. Hier treffen wir uns heute Abend mit unseren sieben Begleitern, mit denen wir morgen Buenos Aires verlassen. Nachdem wir das Gepäck auf dem Zimmer abgeworfen haben, beschließen wir, mit der historischen Straßenbahn zu fahren, die vor über hundert Jahren einmal für Barcelona gebaut und später hier ihren Dienst verrichtet hat. Heute wird sie von einem Verein gepflegt, der an Wochenenden und Feiertagen Fahrten damit anbietet. Um mit der Straßenbahn zu fahren, müssen wir jedoch erstmal eine Weile mit der U-Bahn fahren, die, zumindest auf der Linie A, nicht weniger historisch anmutet. In der Mitre, Ecke Bonifacio, finden wir die großen Industriehallen, aus denen wenig später die Bahn fahren soll. Allmählich gesellen sich auch andere Fahrgäste zu uns. Wir sind die einzigen ohne Kinder, scheinbar aber auch die einzigen Ausländer. Die Bahn hat sich wohl noch nicht rumgesprochen. Die Fahrt dauert etwa zwanzig Minuten und kostet nichts. Anschließend fahren wir nun wieder mit der offiziellen Bahn zurück zum Hotel, wo wir um 19 Uhr mit unseren neuen Reisebegleitern zusammentreffen. Eine bunte Mischung aus neun Leuten mit deutlichem Frauenüberschuss aus Australien, Amerika und Europa und einem Altersdurchschnitt deutlich unter unserem. Zum einstweiligen Abschied von Buenos Aires bekommen wir in einem Restaurant in der Defensa das beste Steak unseres hiesigen Aufenthaltes serviert, wie ich finde. Wir behalten Buenos Aires in guter Erinnerung. Hat mir persönlich sogar besser als Rio gefallen. Ein angenehmes Klima, entspanntes Tempo und sehr nette Leute. Wann immer wir ratlos an einer Bushaltestelle oder Straßenecke standen hat irgendjemand unsere Frage in unseren Gesichtern abgelesen und uns Hilfe angeboten. In der Straßenbahn heute hat eine andere Passagierin gemerkt, dass wir den spanischen Erklärungen nicht recht folgen können und spontan für uns übersetzt.

Freitag, 26. März 2010

Die Entdeckung von Palermo














BUENOS AIRES: Wir freuen uns auf einen entspannten Tag im Freibad. Im Parque Norte ist eines und wir besteigen den Bus Richtung Universität. Der Park liegt irgendwo zwischen dem Inlandsflughafen „Jorge Newberry“ und der Uni. Aus dem Bus erspähen wir den Park nicht. Wir laufen also von der Uni zurück und fragen im christlichen Themenpark, zu dem vermutlich nur Schulklassen im Religionsunterricht genötigt werden, nach dem Weg. Sie versuchen ihn uns zu erklären. Wir verstehen zwar nicht ganz, aber wir verstehen, dass das Freibad ohnehin geschlossen ist. Somit erfährt unser Tagesplan eine geringfügige Änderung. Vorher lassen wir aber noch von einem Steg den Blick über das azurbraune Delta des Rio de la Plata schweifen und sehen am Horizont die Skyline von Montevideo in Uruguay, einem der wenigen Länder in Südamerika, die wohl auf unseren Besuch weiter warten müssen. Anschließend besteigen wir den Bus zur Plaza Italia und schlendern ein wenig durch den Botanischen Garten und anschließend durch den Stadtteil Palermo. In diesem Zusammenhang müssen wir feststellen, dass wir an unserem ersten Tag in Buenos Aires nicht in Palermo, sondern in Puerto Madero waren. Das gastronomische Angebot an der Plaza Cortázar ist scheinbar unendlich und die Atmosphäre trotz des Trödelmarktes angenehm entspannt. Wir entscheiden uns für das „Prologo“. Noch ein Eis auf die Hand und zurück zur Plaza Italia, von wo aus wir uns einen Bus Richtung Plaza de Mayo suchen. Nun gibt es in Argentinien sogar einen 2-Pesos-Schein, was in Geld 40 Cent entspricht. Im Bus kann man seine 1,20 Pesos aber nur in Hartgeld entrichten, was ich kurz zuvor großzügig an die Straßenmusikanten verteilt habe. Ein älterer Herr rettet jedoch die Busfahrt, indem er mir meinen letzten 2-Pesos-Schein in Hartgeld wechselt. Zurück im Hostel komme ich an der Bar ich mit einem anderen Deutschen aus der Nähe von München ins Gespräch und merke mal wieder, dass ich langsam dem Jugendherbergsalter entwachse, als er mich zuerst mit „Sie“ anspricht, was ich ihm schnell austreibe. Er ist für sieben Wochen in Argentinien und Chile, um Spanisch zu lernen. Sein Budget reichte nur für ein Bett in einem Achtmannzimmer, wovon er gehörig die Nase voll hat. Zumal er jeden Morgen um 9 Uhr in der Schule sein muss. Abends fahren wir mit der U-Bahn, nachdem wir zunächst in die falsche Richtung gefahren sind, in das „El Ateneo“ in der Santa Clara 1860. Das Gebäude war mal ein Theater und beherbergt heute eine Buchhandlung dussmann`schen Ausmaßes. Wir beschließen, zurück zu laufen. Gerade noch gejammert, wie weit es doch sei, stehen wir plötzlich auf der Avenida 9 de Julio. Allerdings am anderen Ende und damit weit genug, um weiter zu jammern. Trotzdem schaffen wir es noch und kehren an der Ecke zu unserem Hostel noch auf ein Bier und etwas zu Essen ein. Den Plan, unsere Essgewohnheiten argentinischen Gepflogenheiten anzupassen, verwirklichen wir etwas halbherzig. Zwar essen wir jetzt schon mittags warm und üppig, lassen aber deshalb noch nicht das warme Abendessen wegfallen.

Donnerstag, 25. März 2010

Derbyfieber




BUENOS AIRES: Der Tag steht in Argentinien ganz im Zeichen des größten Klassikers des argentinischen Fußballs. Um 15:45 Uhr ist Anstoß zwischen den Boca Juniors und River Plate. Die Mehrheit scheint hier eindeutig auf Seiten von Boca, dem Maradona-Ex-Club. Als wir etwa halb zwei das Haus verlassen, sind nur noch einige wenige Fans auf den Straßen zu sehen. Die meisten dürften längst im Stadion sein oder in dem Viertel rund um das Stadion, das wir ja bereits gestern erkundet hatten. Wir wollen unseren Tagesrhythmus an dem der Argentinier etwas anpassen und begeben uns bereits jetzt auf die Suche nach einem Steak. In der Avenida Peru werden wir fündig und bekommen das bisher beste argentinische Steak serviert. Wir lernen auch langsam den Unterschied zwischen Lomo, Costilla und Chorizo, die derzeit in dieser Reihenfolge unseren Geschmack treffen. Es ist Anpfiffzeit im Boca-Stadion, als wir getrennt zum Shoppingbummel aufbrechen. Eine Uhr braucht man nicht, um das zu merken. Aus keinem Autoradio tönt Musik, in jedem Restaurant läuft das Spiel im Fernsehen und die, die zu wenig Hunger oder Geld für einen Restaurantbesuch haben, drücken sich die Nasen an den Fensterscheiben platt. Ich verschiebe den Shoppingbummel auf später, um mir vorher das Spiel auf der Leinwand im Hostel anzusehen. Auf dem Weg dahin verheißt ein Hupkonzert das 1:0 für Boca. Das Spiel endet 2:0 und ich finde doch noch die Zeit, mir eine neue 16 GB-Speicherkarte für die nächsten 3000 Fotos zu kaufen. Den Abend nutze ich noch für ein paar Nachtaufnahmen in der Innenstadt. Aus dem Internet empfangen wir immer wieder interessante Neuigkeiten von früheren Reisebekanntschaften. Sie sind ja alle irgendwie auf außergewöhnlichen Pfaden unterwegs. Fiona und Audrey schreiben aus Neuseeland, Joanne und Warren liegen gerade im Schiff vor der Antarktis. Ja, es gibt noch viel zu entdecken. Eine Weltreise reicht da wohl nicht.

Mittwoch, 24. März 2010

Tag der Erinnerung















BUENOS AIRES: Es ist Feiertag in Argentinien. Man feiert den „Nationalen Tag der Erinnerung an Recht und Gerechtigkeit“ und erinnert damit an den Militärputsch von General Videla im Jahre 1976, mit dem die letzte Diktaturphase des Landes eingeläutet wurde.. An vielen Ecken der, ansonsten heute leeren, Stadt wird demonstriert. Die größte Kundgebung findet auf der Plaza de Mayo statt, über der ein Hubschrauber kreist. Noch während der Aufbauarbeiten fahren wir von dort mit dem 29er Bus zur Caminito, einer kleinen Straße im Stadtteil Boca. Es ist ein guter Tag, um nach Boca zu fahren, denn während im Rest der Stadt viele Geschäfte geschlossen sind, herrscht hier an Sonn- und Feiertagen reges Markttreiben. Es ist ein armes, aber sehr buntes Viertel mit vielen kleinen Häusern aus Holz und Wellblech, kleinen Cafés und Läden, Straßenmusikern und Tangotänzern. Nach einem Kaffee kaufe ich ein Holzbild für fünfzig Pesos und wir schlendern weiter durch die Gassen. Aus dem Häusermeer erhebt sich das Stadion der Boca Juniors. Das größte Idol der Einwohner ist natürlich Diego Armando Maradona. Man kann ihn an jeder zweiten Straßenecke als Plastikfigur bewundern. In Lebensgröße, was bei ihm ja rohstoffsparend ist. Hier und da mischen sich auch mal andere Volkshelden, wie Che Guevara, Evita Perón oder Homer Simpson, zwischen die Diego-Figuren. Mit dem „Walk of Fame“ vor dem Stadion hat man aber auch Spielern ein Denkmal gesetzt, die heute noch mehr als hundert Meter ohne Sauerstoffgerät am Stück zurücklegen können. Auf dem Heimweg suchen wir ein wenig nach der Plaza Dorrego, letztendlich mit Erfolg. Ein schöner Platz, um bei einem Mittagspäuschen dem Tangopaar zuzusehen und rechtzeitig zu verschwinden, bevor auch dort die Kundgebung beginnt. Wieder im Hostel angekommen, schaue ich auf der Leinwand an der Bar die Premier League-Übertragung und surfe nebenbei ein wenig im Internet. Abends gehen wir noch auf ein Steak in die Avenida de Mayo. Nach dem Grad, wie man dieses gern hätte, wird man in Argentinien nicht gefragt. Äußert man seinen Wunsch nicht von allein, kommt es blutig. Das wussten wir aber glücklicherweise schon. Die Restaurants hier im Zentrum hatten sicher einen guten Tag. Sie sind gut gefüllt und einige der Gäste scheinen den Feiertag hier verbracht zu haben. Zurück geht es, wie immer, vorbei an Müllbergen. Die Stadt ist tagsüber wirklich sauber, aber abends türmen sich die Müllsäcke am Straßenrand, da sie nachts abgeholt werden.

Dienstag, 23. März 2010

Shopping ohne Rausch




BUENOS AIRES: Auch diese Nacht konnten wir nicht durchschlafen. Nach dem Frühstück holen wir unsere frische Wäsche ab, surfen ein bisschen im Internet und schon ist es halb zwölf. Es ist damit an der Zeit, unseren Shoppingbummel durch die Avenida Florida, eine Fußgängerzone, zu beginnen. Dieser ist das Highlight dieses ereignislosen Tages. An der Galeria Pacifico trennen wir uns. Männer und Frauen können einfach nicht zusammen shoppen. Die Galeria lohnt sich schon allein wegen ihrer Architektur. Auf dem weiteren Weg kaufe ich mir noch ein BOCA-T-Shirt, womit nicht der Stadtteil La Boca, sondern der dort beheimatete Verein Boca Juniors gemeint ist. Am Donnerstag spielen die übrigens gegen den Lokalrivalen River Plate. Karten wären zu bekommen, kosten aber über 130 Euro und das ist es mir dann doch nicht wert. Ansonsten ist das Preisniveau in Buenos Aires aber akzeptabel. Das trifft sich gut, denn ich muss in den nächsten Tagen eine neue Speicherkarte für meine Kamera kaufen. Erwähnenswert, aber kein Grund zur Beunruhigung, ist noch, dass der Bürgermeister von Buenos Aires auf großen Plakaten vor Denguefieber warnt. Abends schlendere ich noch einmal durch die Straßen und überquere mehrmals die Avenida 9 de Julio. Das ist deshalb erwähnenswert, weil diese über zehn Spuren verfügt. Pro Richtung! Den Schlenderschritt kann ich da schwer beibehalten. Aus dem Wetterbericht im Fernsehen bei McDonald`s erfahre ich hocherfreut, dass sich das Traumwetter der letzten zwei Tage bis zum Ende der Woche halten wird. Am Sonntag werden wir weitereisen und nach all dem Regen in Bolivien und Brasilien, haben wir uns so viel Sonne redlich verdient.

Montag, 22. März 2010

Ein Zimmer namens Sandro






BUENOS AIRES: Unser Abflug von Sao Paulo letzte Nacht hat sich um über anderthalb Stunden verzögert. Nachdem bereits die Gates 4B und 6 im Gespräch waren, entdecke ich während eines meiner zeitvertreibenden Streifzüge durch die Duty Free-Traumwelten, dass wir nunmehr von Gate 11 abfliegen sollen. Besondere Spannung erhält dieser Umstand dadurch, dass zur gleichen Zeit am gleichen Gate auch der Iberia-Flug nach Madrid aufgerufen ist. Und, als wäre das noch nicht genug, steht auch noch eine halbe Stunde nach unserer Boardingzeit die EL AL-Maschine nach Tel Aviv an der Brücke und bewegt sich nicht vom Fleck. Dabei haben die Rabbis ihre Gebete gen Rollfeld längst beendet und im Flieger Platz genommen. Am Gate 11 bilden sich nun zwei parallele Schlangen für Madrid und Buenos Aires. Das Schlangestehen ist in ganz Südamerika sehr beliebt. Auch an Bushaltestellen legen die Fahrgäste eine Wartedisziplin an den Tag, die das sonstige Chaos nicht vermuten lassen würde. Aber zurück zu unserem Flug. Allmählich merkt auch das Servicepersonal von Sao Paolo, dass alles zum Einstieg bereit ist, abgesehen von den passenden Maschinen. Also verlegt man das Boarding nach Madrid kurzerhand nach Gate 9, was die verantwortlichen aber lange Zeit nicht preisgeben. Unser Flugzeug wird ans Gate gezogen, sobald die dort stehende Maschine auf den Weg nach Tel Aviv gebracht wurde. Jetzt mag der Leser denken, es gäbe in Sao Paulo nur diese zwei Gates, aber weit gefehlt. Es sind auch andere frei, aber wahrscheinlich verhindert ein jahrhundertealter Aberglaube einen erneuten Gatewechsel. Nachdem wir dann doch ins Flugzeug gelassen wurden und ein Stündchen gewartet haben, berichtet uns der Kapitän, dass sich aufgrund der Verspätung die Flugroute geändert hat und er noch auf den neuen Flugplan warten muss. Sicher unser Fehler. Er ist sehr mitteilungsbedürftig und jede zweite Mitteilung übersetzt er sogar in gebrochenes Englisch. Gerade erzählt er noch, dass es vermutlich fünfzig Minuten dauern würde, da stockt seine Stimme, denn er erhält in diesem Augenblick den allseits ersehnten Flugplan und die Maschine wird eilig startklar gemacht. Wir erreichen Buenos Aires gegen ein Uhr nachts. Die Einwanderungsformalitäten gehen zügig und problemlos voran. Wir entscheiden uns für ein offizielles Taxi, auch wenn die inoffizielle Konkurrenz sichtlich groß ist. Die Fahrt ins Stadtzentrum kostet 118 Pesos, etwa 25 Euro, und führt uns etwa eine halbe Stunde durch anfangs dichten Nebel. Die Stadt ist um diese Zeit mit 16 Grad angenehm temperiert und wir erreichen das Milhouse Hostel in der Hipolito Yrigoyen gegen 2 Uhr. Im Erdgeschoss ist die allabendliche Backpacker-Party in vollem Gange. Mit einem hellblauen Papierarmband werden wir inventarisiert und beziehen unser Zimmer „Sandro“ in der dritten Etage über die Treppen, da mit dem Aufzug gerade Biernachschub aus dem Keller gehoben wird. Leider verfügt unser Zimmer nur über ein Bett, was definitiv zu klein ist, um sich nachts aus dem Weg zu gehen. Ein Wechsel zu dieser Stunde ist leider nicht mehr möglich und so richten wir uns notdürftig ein. Ich schlafe erstaunlich gut, obwohl die Wände dünn und die Mitbewohner rücksichtslos sind. Sandras Schlaf war nicht so fest und Ihre Laune am Morgen entsprechend. Wir geben dem Hostel noch eine Chance, aber Gedanken an einen vorzeitigen Umzug machen sich schon breit. Wir erörtern noch einmal das Bettenproblem und empfangen schnell Hilfe in Form eines zweiten Bettes. Da uns die saubere Wäsche ausgeht, geben wir je eine Kiste beim Laundry Service ab. Die ganze Kiste kostet 15 Pesos, was gerade mal drei Euro sind. Insgesamt sammelt Buenos Aires am ersten Tag einige Pluspunkte und avanciert zu meinem Favoriten unter den südamerikanischen Großstädten. Die Leute sind freundlich und unkompliziert. Die Stadt wirkt sauber, aufgeräumt und entspannt. Von Verkehrschaos und Smog keine Spur. Der Himmel ist blau und die Luft bei 24 bis 26 Grad warm, aber nicht zu heiß. Und ständig weht uns eine leichte Atlantikbriese um die Nase. Wir starten unsere Erkundungstour durch die Stadt beim Wahrzeichen der Stadt, dem Obelisken auf der Avenida 9 de Julio. Dann wandern wir über die Plaza de Mayo und den Parque Colon zum Stadtteil Palermo, wo Buenos Aires sichtbar in die Höhe wächst. Die argentinischen Bauunternehmen scheinen gut beschäftigt zu sein. Wir lassen uns am Puerto Madero auf einen Salat und einen Eisbecher „Semifreddo“ nieder bevor wir noch ein wenig durch die Straßen von San Telmo schlendern. Während Sandra sich etwas auf dem Zimmer ausruht, erkunde ich noch die Avenida de Mayo bis hin zum Kongressgebäude. Abends wollen wir nun unsere Ankunft in Argentinien standesgemäß mit einem Steak begehen und stellen fest, dass hier eher mittags üppig gegessen wird. Viele der tagsüber gut gefüllten Restaurants sind nun schon geschlossen. Wir landen letztendlich in einem Steakhouse in der Avenida Peru, was keine schlechte Wahl war. Ja, argentinisches Steak ist doch etwas Besonderes. Sehr dick, aber auch etwas fett und sehnig. Auf offenem Feuer gegrillt, außen sehr knusprig und innen auf den Punkt getroffen. Man präferiert hier Trennkost, das heißt keine Beilagen, was bei den angebotenen Fleischbergen auch überflüssig erscheint. Dennoch bestellen wir uns jeweils einen Salat dazu und die Kellnerin weist uns freundlicherweise darauf hin, dass der Salat groß genug für zwei sei und wir uns doch einen teilen könnten, womit sie Recht behalten sollte. Der Verdauungsspaziergang zurück ins Hostel tut jedenfalls sehr gut.

Sonntag, 21. März 2010

Das Land, das Verrückte macht














SAO PAULO: Brasilien macht uns den Abschied leicht. Nach dem Frühstück checken wir aus und bekommen eine überraschende Rechnung serviert. Zur Erinnerung: Das abendliche Buffet im Restaurant sollte erst 25 Reais kosten, wie uns auf zweimalige Nachfrage bestätigt wurde und dann gratis sein, was uns selbst der Restaurantchef erklärte. Auf der Rechnung waren nun für beide Abende zweimal Buffet für 35 Reais aufgelistet. Etwas unter Zeitdruck und überrumpelt bezahlen wir und ärgern uns später darüber, hier nicht noch eine Diskussion vom Zaun gebrochen zu haben. Im Bus dann die nächsten Brasilianer, die uns das Land in den letzten Stunden noch unsympathisch machen. Man muss dazu sagen, dass Busfahren und Kassieren hier nicht in Personalunion erfolgen, sondern es einen extra Kassierer gibt, der ein paar Meter hinter dem Fahrer mit einer Kasse und einem Drehkreuz sitzt. Zwischen beiden befinden sich jedoch auch einige Sitzplätze. Wir halten es für angemessen, mit unseren großen Rucksäcken dort zu bleiben, um nicht das enge Drehkreuz zu demolieren und um am Flughafen gleich wieder vorn auszusteigen. Unser Ansinnen war dem Kassierer mit Sicherheit erkennbar, aber er wartet bis wir am Flughafen vorfahren. Dann erklärt er uns, wir müssen hinten aussteigen. Auf unseren Protest hin bestätigt auch der Fahrer, dass ein Ausstieg vorn ausgeschlossen sei und lässt vorsorglich die vordere Tür geschlossen, bis wir mit viel Mühe das Drehkreuz passiert haben und der Rückweg abgeschnitten ist. Der Sinn dieser Maßnahme erschließt sich uns nicht. Zwar dient das Drehkreuz auch der Fahrgastzählung und möglicherweise der Abrechnung, aber dann könnte man ja das Drehkreuz einfach noch zweimal drehen ohne uns vorher hinein zu quetschen. Es ist eben Dienst nach Vorschrift und lässt nichts von der buchstäblichen Lockerheit der Brasilianer erkennen, die man ihnen gern nachsagt. Von dieser Engstirnigkeit können ja selbst die Berliner Busfahrer noch einiges lernen. Gemäß unserer Bordkarte fliegen wir von Gate 1 ab. Schade, dass es in Foz do Iguacu nur Gates mit Buchstaben gibt. Naja, der Flughafen ist überschaubar und das Täuschungsmanöver misslingt. Unser Weg führt uns zunächst wieder nach Sao Paulo und wir sind heilfroh, eine separate Bordkarte für unseren Anschlussflug nach Buenos Aires zu erhalten. Damit, so hoffen wir, bleibt uns eine Neuauflage des Chaos von Sao Paulo erspart. Aber auch das Sicherheitspersonal in Sao Paulo tut einiges, um uns den fünfstündigen Aufenthalt spannend zu gestalten. Laut Bordkarte müssen wir zu Gate 6, laut Anzeige zu Gate 4 B. Den Weg zu den Gates 1 bis 13 zu nehmen, erscheint uns logisch. Ein pflichtbewusster Sicherheitsbeamter prüft aufmerksam unsere Bordingpässe und lässt uns passieren. Die Sicherheitsschleuse passiert, sehen wir die Gates 4B und 6, aber eine Glaswand versperrt uns den Weg und ist auch nicht zu umgehen. Das heißt, sie wäre zu umgehen, aber nur über den pflichtbewussten Sicherheitsbeamten, der inzwischen weibliche Verstärkung bekommen hat. Beide erklären uns, dass es nicht gestattet sei, den Bereich wieder zu verlassen. Der Weg zu Gate 4B führe zunächst die Treppe hinab. Dass dort nur die Gepäckbänder sind, steht nach Ansicht der beiden dem nicht im Wege. Nach einigem Hin und Her erklärt er uns, nun zumindest akustisch verständlich, dass wir noch einmal durch den Ankunftsbereich müssten, dann wieder hoch und diesmal aber den Eingang mit der Aufschrift „Gates 2 bis 13“, etwa fünfzig Meter weiter, nehmen müssen. In diesem Falle sind auch die Gates 4B und 6 inbegriffen. Wir tun ihm den Gefallen und so werden aus 50 eben 500 Meter. Alles im Interesse der Sicherheit. Aber wie konnten wir eigentlich mit Bordkarten in den Bereich gelangen, wenn diese gar nicht für einen Flug aus diesem Bereich gelten? Unser Flug startet laut um 20:20 Uhr. Buenos Aires erreichen wir dann gegen Mitternacht. Ohne brasilianisches Geld in der Tasche versuchen wir, uns die Zeit bis dahin zu vertreiben.