Samstag, 13. März 2010

Brasilianisches Chaos















RIO DE JANEIRO: Die Erde hat still gehalten. Wir schultern unsere gepackten Rucksäcke und verlassen das Hotel noch vor Sonnenaufgang. An der Avenida O`Higgins rufen wir ein Taxi heran. Der Fahrer ruft seinen Preis mit 30 Dollar auf, womit er bei uns nicht gut ankommt. Da er auch nicht zu Verhandlungen bereit ist, trennen wir uns einvernehmlich und entscheiden uns für das Zwanzig-Dollar-Angebot des nächsten Taxis. Der Anblick des Flughafengebäudes ist bedrückend und der Taxifahrer hat seine liebe Mühe, den provisorischen Eingang des Abflugterminals zu finden. Durch ein Zelt gelangen wir in einen nicht gesperrten Teil des Terminals, wo provisorische Schalter aufgestellt wurden und checken bei der brasilianischen TAM für den vermeintlichen Direktflug nach Rio ein. Von der Wand sind ein paar Fliesen abgefallen. Dort prangt nun die chilenische Flagge. TAM gibt uns einen ersten Eindruck von brasilianischem Organisationstalent. Dass für unseren Flug Sao Paulo als Ziel angezeigt wird, nehmen wir gelassen hin und gehen davon aus, dass wir in Rio zwischenlanden. Da in der Maschine auch nur von Sao Paulo die Rede ist, frage ich einen Flugbegleiter. Dieser gibt mir zu verstehen, dass wir in Sao Paulo umsteigen müssten, unser Gepäck durchgecheckt sei und wir für den Anschlussflug die zweite Bordkarte zu nutzen hätten. Als ob ich zum ersten mal fliege! Also erkläre ich ihm noch einmal langsam, dass wir eine Bordkarte für diesen Flug haben, auf der alles mit diesem Flug übereinstimmt, außer marginalerweise das Flugziel. Da auch die Flugnummer gleich ist, möchte er nun doch nicht mehr ausschließen, dass wir in Sao Paulo im Flugzeug bleiben und mit diesem weiter fliegen können. Natürlich kann es auch sein, dass wir zunächst aussteigen und einreisen müssen, aber das kann er ja nicht wissen. Er verspricht mir aber, sich nach der Landung beim Bodenpersonal zu erkundigen. Im Vertrauen darauf lehne ich mich zurück und bestaune die mächtigen Anden. Nach der Landung in Sao Paulo erhalten wir die versprochene Information und verlassen weisungsgemäß das Flugzeug. Das Bodenpersonal der TAM ist gut getarnt, also folgen wir dem Wegweiser „TAM Connecting Flights“, was uns naheliegend erscheint. Und tatsächlich können wir Bodenpersonal in TAM-Uniformen entdecken. Vor ihnen eine überschaubare Schlange, die sich aber aufgrund der etwas gemütlicheren Arbeitsweise nur sehr langsam verkürzt. Die dadurch gewonnene Zeit nutzt Sandra für die Suche nach weiteren TAM-Mitarbeitern oder einer Anzeigetafel und kommt erfolgreich zurück. Natürlich war die Schlange „Connecting Flights“ falsch und wir schließen uns eine Etage höher einem Mob an, vor dem ebenfalls bis zuletzt geheim gehalten wurde, wie er denn heute noch nach Rio gebracht wird. Ein zunehmend genervter Check-In-Mitarbeiter treibt uns über den Flughafen bis in einen Kleinbus, der uns über das Rollfeld zu unserer Maschine bringt, die nur noch auf unsere kleine Reisegruppe gewartet hat. Wir überfliegen das Häusermeer von Sao Paulo und wenig später das von Rio de Janeiro. Rio empfängt uns um drei Uhr nachmittags mit 38 Grad Celsius. Da der Dollar hier als Zahlungsmittel nicht die Akzeptanz findet wie in den bisher bereisten Ländern, gehen wir zunächst in die zweite Etage, in der wie an einer Perlenkette die Geldautomaten diverser brasilianischer Banken aufgereiht sind. Das Preisgefälle für eine Taxifahrt reicht von 90 bis 65 Reais. Wir entscheiden uns für letzteres Angebot, was etwa 27 Euro entspricht. Wir fahren quer durch die Stadt und der Fahrer weist uns fortwährend auf den Corcovado und den Zuckerhut hin. Einmal allerdings auch auf die Favelhas, die wir durchfahren. Wir quartieren uns im Hotel „Bandeirantes“ in der Rua Barata Ribeiro ein, nur drei Querstraßen von der Copacabana entfernt und starten einen ersten Erkundungsspaziergang zum Strand. Vorbei an unzähligen Volleyball- und Fußballfeldern gehen wir zum Wasser, das kühler als erwartet ist und unseren Füßen eine willkommene Erfrischung bietet. In der Nähe unseres Hotels entdecken wir einen Saftladen, wo wir uns eine Erfrischung gönnen. Leider müssen wir feststellen, dass Spanisch und Portugiesisch doch sehr unterschiedliche Sprachen sind und müssen im Angesicht der Karte eher raten, denn wählen. Haben aber gut geraten. Abends gehen wir in das Restaurant „Eclipse“ in der Avenida Nossa Senhora de Copacabana, der ersten Parallelstraße zum Strand. Das Essen ist gut, aber teuer. Wir werden ab morgen auf Selbstversorgung umstellen. Im Fernsehen verfolgen wir nebenbei ein Fußballspiel, irgendwo in der Stadt, das gerade von einem heftigen Gewitter überzogen wird. Der Hinweis „ao vivo“, oben rechts, was so viel heißt wie „Live“, lässt uns Böses erahnen. Es kommt, wie es kommen musste. Auf dem Heimweg werden wir vom Regen bis auf die Haut durchnässt und gönnen uns vor dem Schlafen noch jeweils eine warme Dusche.

Freitag, 12. März 2010

Santiago in fünf Stunden
















SANTIAGO DE CHILE: Wir verlassen unser Hotel ohne Frühstück. Die Stadt erwacht gerade erst. Durch die Straßen laufen vereinzelt die Verkehrserziehungszebras auf dem Weg zur Arbeit. Wir sind sehr früh am Flughafen und nehmen erfreut zur Kenntnis, dass wir heute tatsächlich nach Santiago fliegen können. Die Zeit reicht für ein Frühstück, unsere restlichen Bolivianos nicht. Aber man kann auch hier, wie fast überall im Land mit Dollar bezahlen. Wir verlassen Bolivien mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist La Paz kein Ort zum Leben, andererseits lebt es sich hier günstig und das gestörte Sicherheitsgefühl der ersten Tage ist einer bemerkenswerten Gelassenheit gewichen. Neben La Paz haben wir durch die unfreiwillige Verlängerung sehenswerte Ecken des Landes kennen gelernt und haben längst unseren Frieden mit Bolivien geschlossen. Im LAN-Airbus überfliegen wir die Atacamawüste und landen zunächst in Iquique. Der Grund für die Existenz dieser Stadt erschließt sich uns aus der Luft noch nicht. Das Wahrzeichen der Stadt scheint eine riesige Coca-Cola-Dose zu sein, die ihren Platz neben der Straße nach Süden gefunden hat. Aber irgendetwas muss es hier geben, denn die Maschine wird hier plötzlich voll. Uns dient Iquique lediglich zur Einreise, die wir bereits hier erledigen müssen. Es geht weiter nach Santiago. Nach dem ausgefallenen Abstecher auf die Osterinsel ist dies planmäßig unser letzter Flug mit der bisher so hoch gelobten LAN, die auf den heutigen Flügen ihren guten Ruf bei uns einbüßt. Das Catering verdient diese Bezeichnung nicht. Auf der ersten Teilstrecke wurde ein Bonbon und auf der zweiten drei Kekse, diesmal immerhin auch mit einem Getränk, serviert. Aber wir sind ja froh, überhaupt noch nach Chile zu kommen. Dieses Gefühl verstärkt sich, als wir das Terminal in Santiago sehen. Wir sehen es nur von außen, da es nach dem Erdbeben noch gesperrt ist. Wir müssen lange warten, bis eine Gangway zur Verfügung steht. Die Gepäckausgabe erfolgt auf dem Rollfeld. Wir nehmen uns ein Taxi für 26 Dollar und erreichen gegen 18 Uhr das Hotel Imperio Suites um 18 Uhr. Schade, denn der Teleférico, eine Seilbahn in der Stadt, schließt genau jetzt. Unser Abendplan bedarf daher der Überarbeitung und wir nehmen zunächst Kurs auf den Communications Tower, der augenscheinlich auch eine Aussichtsplattform bietet. Diesem Eindruck widerspricht der Pförtner freundlich, aber unmissverständlich. Der Turm sei privat und nicht zu begehen. Also begnügen wir uns als Ersatz für die Osterinsel mit einem der berühmten Steinköpfe der Insel, der hier auf dem Mittelstreifen aufgestellt wurde. In den Straßen im Zentrum von Santiago sind keine Schäden des Erdbebens auszumachen. Hier und da ist der Bürgersteig gesperrt, da an den Fassaden gearbeitet wird. Das können aber auch turnusmäßige Wartungsarbeiten sein. Auffällig ist der Patriotismus, mit dem die Chilenen auf das Erdbeben reagieren. Man sieht viele Fahnen und Chile-T-Shirts auf der Straße. Auf der Plaza de Gobierno „La Moneda“ stehen Denkmäler für die wichtigsten Präsidenten in der Geschichte Chiles. Pinochet ist nicht dabei, aber Salvador Allende. Auch Santiago hat seine Plaza de Armas, die hauptsächlich von Gauklern bevölkert wird. Diese sind hier aber eher Redner, ähnlich der Londoner „Speaker`s Corner“, nur offenbar unterhaltsamer. Einer von ihnen, ein kräftiges Bürschchen im Football-Trikot, von einer Menschentraube umringt, winkt mir zu und erzählt etwas, von dem ich nur „Gringo“ verstehe. Es muss wohl lustig gewesen sein, denn die Menge lacht und dreht sich nach mir um. Im Bewusstsein, meinen Beitrag an der Abendunterhaltung geleistet zu haben, verlassen wir den Platz in Richtung Barrio Bellavista. Hierzu müssen wir einen braunen Fluss überqueren, der es nicht einmal auf unseren Stadtplan geschafft hat. Das Barrio Bellavista grenzt an ein Unigelände an, was man aber wohl von der gesamten Innenstadt behaupten kann. Auch unser Hotel, einige Kilometer entfernt, grenzt an ein Unigelände. Das Viertel hier zeichnet sich durch eine extreme Kneipendichte aus, was uns sehr entgegen kommt. Wir folgen einer Empfehlung in die Pio Nono. Das Restaurant wirkt jedoch von außen eher abschreckend und wir durchstreifen weiter die Straße. Es ist schier unmöglich, hier am Samstagabend einen freien Platz an einem der unzähligen Tische auf den Straßen zu finden. Allerdings sind die meisten Kneipen hier auch nicht zum Essen da und wir entscheiden uns daher für ein peruanisches Restaurant in einem Hinterhof. Der Unterschied zwischen peruanischer und chilenischer Küche ist uns auch nach dem Essen nicht recht bewusst. Nach dem Essen entscheiden wir uns, den Rückweg zu Fuß anzutreten, was uns über eine Stunde kostet, uns aber den körperlichen Ausgleich verschafft, den wir heute vermissen, und lässt uns schnell einschlafen. Unser Chileaufenthalt war inklusive Osterinsel mit zwei Wochen eingeplant. Hieraus ist nun nicht einmal ein Tag geworden, denn morgen früh um 8 Uhr verlassen wir das Land schon wieder, werden aber in ruhigeren Zeiten sicher einen zweiten Versuch wagen.

Donnerstag, 11. März 2010

Die Currywurst von La Paz






















LA PAZ: Wir setzen unsere gestern abgebrochene Wanderung fort und schlendern über einen Steg, der sich durch den Parque Urbano Central schlängelt. Das Wetter hält diesmal durch und wir kehren zum Verschnaufen ins Café Berlin in der Loayza ein, das liebevoll mit Berlin-Accessoires und Bildern ausgestattet ist und auf der Speisekarte immerhin Bock- und Currywurst zu bieten hat. Trotzdem vertrauen wir der hiesigen Currywurst nicht so recht und entscheiden uns für ein Stück Apfelkuchen und einen Eiskaffee. Wir schlendern weiter ziellos durch die Straßen und haben eine seltene Begegnung mit traurigem Hintergrund. Auf der Straße bieten Schreibmaschinenschreiber ihre Dienste für Analphabeten an, die dringende Post zu verschicken haben. In der Straße hält ein Auto neben uns und bietet uns an, uns mitzunehmen. Es ist unser Hotelchef, der Berlin-Fan. Wir lehnen dankend ab, denn wir sind ja froh, etwas länger beschäftigt zu sein. Anschließend schlendern wir über den größten Markt der Stadt. Nicht gerade ein Vergnügen, denn ein Hauch von Urin liegt in der Luft. Aber wir nutzen die Gelegenheit, ein paar Menschen zu fotografieren, was diese im Allgemeinen nicht so mögen, wie uns zwei auf dem Boden sitzende Händlerinnen unmissverständlich zu verstehen geben. Unsere Kauflust wird hier nicht geweckt. Lediglich die Konfettigeschäfte erregen unsere Aufmerksamkeit. In riesigen Säcken werden Konfetti, sortiert nach Farben, angeboten. Entweder wurde der Karnevalsbedarf überschätzt oder man feiert eben einfach gern in La Paz. Unseren hoffentlich letzten Abend in der Stadt verbringen wir noch einmal bei einem Steak im Angelo Colonial, bevor wir unsere Rucksäcke packen und darauf hoffen, morgen wirklich die Stadt verlassen zu können. Vorher begleichen wir noch unsere Hotelrechnung, was uns einiges an Überredungskunst kostet, da die Jungs von dem vereinbarten Preis von 120 Bolivianos pro Nacht nichts mehr wissen wollen und stattdessen 180 verlangen. Zum Glück ist unser Freund, der Hotelchef gerade da und entscheidet nach etwas Murren, dass wir Recht haben.

Mittwoch, 10. März 2010

Besuch in der Kuchenstube

















LA PAZ: Wir testen diesmal zum Frühstück das „Banais“ in der Sagarnaga, das ein ordentliches Buffet mit Müsli, Rührei und frischem Obst für 25 Bolivianos anbietet. Zurück im Hotel wollen wir an unsere Sachen im Safe und erhalten, wie immer, die Antwort „twenty Minutes“. Diese Antwort bekommen wir immer mit dem Hinweis, dass nur der Hotelchef an den Safe käme, der uns als großer Berlin-Fan übrigens längst ins Herz geschlossen hat. Die „Gibt`s nich – ham wa nich – Mentalität“ ist hier weit verbreitet. Meistens stellt sich später heraus, dass es natürlich möglich gewesen wäre mit ein wenig gutem Willen. Wir wissen es inzwischen einzuordnen, aber der Phlegmatismus im bolivianischen Dienstleistungsgewerbe bringt uns schon manchmal um die Ruhe, die wir uns inzwischen angeeignet haben. Auch, dass unser Versuch, mit einem Hundert-Bolivianos-Schein zu zahlen grundsätzlich erstmal mit „No Change“ erwidert wird, wissen wir inzwischen zu verstehen. Natürlich kann das Hotel wechseln, wenn man nur etwas hartnäckig bleibt, und so kommen wir doch noch zu unserer frischen Wäsche. Den Safe werden wir aber vorsichtshalber morgen schon ausräumen, denn am Freitag wollen wir ja weiter gen Süden ziehen und da wollen wir nicht auf das Wohlwollen des Rezeptionisten angewiesen sein. Wir machen uns auf einen längeren Spaziergang in den Osten der Stadt auf. Unser Ziel ist die Calle Gutierrez, Ecke Avenida 20 de Octubre, wo wir in der „Kuchenstube“ ein wenig Heimatgefühle aufkommen lassen wollen. Bevor wir uns dort niederlassen, gehen wir jedoch noch zu HIPERMAXI, den benachbarten Supermarkt. Ja, ein richtiger Supermarkt. Der erste, den wir in La Paz entdecken. Wir können dem Apfelmus nach Thüringer Art widerstehen und wagen mit dem Erwerb von Kinoto und Pacay erneut einige Experimente in der Obstabteilung. Die Früchte sind sehr gewöhnungsbedürftig, wobei wir empfehlen können, sich nicht daran zu gewöhnen. Die „Kaffestube“ ist gut besucht und wir gönnen uns ein Päuschen bei einem Stück Apfelkuchen und einer „Copa Kaffee Stube“, einem Eisbecher. Der Himmel über La Paz war bis jetzt strahlend blau, was sich nach der Fortsetzung unserer Erkundungstour schlagartig ändert. Wir suchen Schutz vor dem einsetzenden Regen in einer Bushaltestelle und beschließen schließlich, ein Taxi zurück ins Hotel zu nehmen. Dafür bezahlen wir die fast standardisierten 10 Bolivianos, also knapp einen Euro. Bei den hiesigen Taxis kann man sich übrigens vor allem auf die Armaturabdeckung mit der typenunabhängigen Aufschrift TOYOTA verlassen, die hier wohl serienmäßig mit ausgeliefert wird. Unseren Stadtspaziergang wollen wir morgen an dieser Stelle fortsetzen, denn das ist unser letzter Tag in La Paz. Nach dem unfreiwillig langen Aufenthalt in dieser Stadt geht uns langsam die Kreativität aus, die Zeit hier sinnvoll zu verbringen. Aber ab Freitag gewinnt unsere Reise wieder an Tempo. Am Abend sind wir wieder in der Calle Linares und probieren diesmal das „Colonial Pot“ aus, das in Sandras Reiseführer ausdrücklich empfohlen wurde. Die Einrichtung ist rustikal und durchaus ansprechend, wenn auch zuweilen etwas pornographisch, wenn man mal genauer hinsieht. Wir sind die einzigen Gäste, was uns etwas zu denken gibt, und entscheiden uns für ein Dreigängemenü für 30 Bolivianos bestehend aus einer Suppe, einem Pfeffersteak und einer flambierten Banane. Der Junge, der unsere Bestellung entgegennehmen soll, ist damit etwas überfordert und ruft seinen Kollegen zur Hilfe. Nach längerem hin und her entsprechen die Notizen des Kollegen unserem Wunsch. Während bei der Suppe noch alles glatt lief, fällt beim Hauptgang auf, dass unsere beiden Essen zwar auf den gleichen Namen hören, aber ansonsten wenig Ähnlichkeit aufweisen. Wir nehmen ihn trotzdem an und als wir damit fertig sind, fragt der Junge, ob er nun die Mousse au Chocolat servieren könne. Wir erinnern ihn an unsere Bestellung zweier flambierter Bananen, die dann auch fehlerfrei serviert werden. Das „Colonial Pot“ macht einen guten ersten Eindruck, der jedoch schnell getrübt wird. Und so ganz allein fühlt man sich eben auch nicht recht wohl.

Dienstag, 9. März 2010

Der lange Weg ins Bett





















LA PAZ: Wir erreichen La Paz ungewöhnlich pünktlich im morgendlichen Berufsverkehr und sind nach elf Stunden Fahrt erwartungsgemäß gerädert. Durch die Halle des Busbahnhofes hallen schon wieder die Rufe der Propagandisten „Oruro-Oruro-Oruro-Oruro“. Wir sind nur froh, in Kürze wieder ein richtiges Bett zu haben. Unseren Proviant nehmen wir unberührt mit ins Hotel Sagarnaga, wo man uns schon wieder sehnsüchtig erwartet. Mit unserer frischen Wäsche und unseren Rucksäcken lassen wir uns erstmal auf die Betten plumpsen und machen wieder Menschen aus uns. Ich muss einsehen, dass meine Hose, mit der ich den Dschungel durchstriffen habe, wohl nicht mehr zu reinigen geht und deshalb diesen Kontinent voraussichtlich nicht verlassen wird. Wir begleichen unsere Schulden bei Ana im Reisebüro, wobei sie aus uns unbekanntem Grund nur noch 140 statt der geliehenen 200 Bolivianos verlangt. Anschließend genießen wir einmal mehr das Frühstück im „100 % Natural“. Wieder auf dem Zimmer zurück, erliegen wir der Müdigkeit. Den Nachmittag verbringen wir hauptsächlich mit dem Hochladen von Fotos im Internet, was hier ja schon mal ein paar Stunden beanspruchen kann. Außerdem koste ich eine Tafel Mango-Schokolade, die witzigerweise überhaupt nicht nach Mango schmeckt. Abends genießen wir ein leckeres Steak im „Angelo Colonial“ in der Calle Linares.

Montag, 8. März 2010

Ungewaschen und hundemüde






UYUNI: Mit etwa einer halben Stunde Verspätung, was hier nicht als solche empfunden wird, fahren wir in Uyuni ein. Außer ein paar Taxifahrern ist hier niemand mehr auf den Straßen. Wir fahren also durch verwaiste, in schummriges Laternenlicht getauchte, Straßen, an deren Seiten wir keine Hinweise auf Leben finden. Um drei Uhr morgens kommen wir im Hotel La Magia de Uyuni endlich zur Ruhe. Gegen sieben Uhr morgens ist die Nacht beendet. Unter der Dusche stelle ich fest, dass der Rohrbruch wohl behoben ist, auch wenn das Wasser nicht gerade warm zu kriegen ist. Beim Rasieren muss ich feststellen, dass mein Optimismus verfrüht war, da nun auch das kalte Wasser versiegt. Dass Sandra sich nun weder duschen, noch richtig waschen kann, sollte mir von nun an vorgehalten werden, obwohl nach dem Frühstück das Wasser wieder läuft. Zu diesem Zeitpunkt haben wir längst nach Alternativen in anderen Räumlichkeiten, zumindest für den Toilettengang, gesucht. Bevor wir uns auf den Weg zum Salzsee machen, erkunden wir in einem kurzen Spaziergang Uyuni und stellen fest, dass die Stadt jetzt nicht wesentlich mehr bevölkert ist, als letzte Nacht. Wir schlendern durch sandige Straßen und sind froh, wenigstens Wasser kaufen zu können. Gegenüber der Kirche entdecken wir allerdings noch so etwas, wie eine Fußgängerzone, die offensichtlich das Zentrum bildet. Vor einem Café entdecken wir auch wieder die Horde Israelis von Rurrenabaque und passieren sie im weiten Bogen. Um halb elf hält ein bereits gut besetzter Jeep vor unserem Hotel und holt uns zur Ganztagestour durch den Salzsee ab. Zunächst geht es jedoch zum Eisenbahnfriedhof an der alten Strecke nach Chile. Wir setzen die Fahrt fort und passieren Lamaherden auf unserem Weg zum nächsten Stopp, immer noch außerhalb des Sees, wo wir Gelegenheit haben, Souvenirs aus Salz und sonstigen Touriplunder zu erwerben. Sandra nutzt die Gelegenheit, um eine Flasche ihres neuen Lieblingsbiers „El Inca“ zu kaufen. Nicht zum sofortigen Genuss, sondern als Souvenir, denn in La Paz muss man schon lange danach suchen. Von hieraus geht es weiter an den Rand des Salar de Uyuni, des höchstgelegenen Salzsees der Welt. In einem Hotel setzen wir das russische Pärchen aus Kanada ab, das hier übernachtet und morgen den zweiten Teil der Salzseetour angeht. Ich rutsche auf den Beifahrersitz und auch hinten im Land Rover wird es luftiger. Wir fahren langsam durch das flache Wasser und beobachten fleißige Arbeiter, die die aufgetürmten Salzkegel auf alte LKWs schaufeln. Dann geht es zu Fuß weiter auf der Suche nach witzigen Fotomotiven auf der spiegelglatten Oberfläche des Sees. Die Schuhe haben wir vorher abgelegt, da das Salz diese beschädigen könnte. Der Barfußgang über die groben Salzkristalle ist gesund, aber schmerzhaft. Die Kulisse mit einem schneebemützten Vulkan im Hintergrund lässt unsere Kameras nicht kalt werden. Eine kurze Weiterfahrt im Jeep und wir erreichen das „Hotel de Sal – Playa Blanca“. Hier treffen sich alle Besucher und einige übernachten hier. Das Besondere ist, dass alles, von den Wänden bis zum Bett aus Salz gebaut ist. Trotzdem sind wir ganz froh, nicht über Nacht zu bleiben, denn es kehrt schnell Langeweile ein. Wir boykottieren das Toilettenmonopol des abgeschiedenen Hauses, das 5 Bolivianos für eine mittelsaubere Toilette ohne Spül- oder Handwaschwasser verlangt. Zum Vergleich: Das Toilettenhäuschen im Busbahnhof von La Paz verlangt ein Viertel davon und bietet einiges mehr. Die Zeit im Hotel verbringen wir uns mit weiteren Fotos, einem Mittagessen, Sonnenbaden und im Museum, in dem Salzskulpturen zu bewundern sind. Die Japanerin aus unserem Jeep bleibt bis morgen hier. Dafür nehmen wir drei ihrer Landsmänner mit zurück nach Uyuni. Es wird also wieder enger im Auto. Wir erreichen Uyuni nach etwa einstündiger Fahrt gegen 17 Uhr und lassen uns am Büro von „Panasur“ absetzen, von wo aus wir um 20 Uhr die Rückfahrt antreten wollen. Zur Überbrückung der Zeit gehen wir noch einmal in die nahegelegene Fußgängerzone, und können feststellen, dass man in der zweiten der drei hier ansässigen Pizzerien „Italiana“ bereit ist, eine Bestellung entgegenzunehmen. Da auch hier die Gangart etwas gemächlicher ist, fällt es nicht schwer, die Zeit bis zur Abfahrt zu überbrücken. Rechtzeitig sind wir zurück und besteigen den Bus, mit dem wir den Weg nach La Paz in einem Ritt angehen werden. Der Bus ist modern mit Toilette und Fernseher und voll besetzt. Wieder ist eine Horde israelischer Jugendlicher in der Überzahl. Die können sich diesmal allerdings, vermutlich als Folge ihrer Müdigkeit, benehmen. Das kann man von der älteren Dame, die vor Sandra sitzt, nicht behaupten, als sie ohne Rücksicht auf Verluste und ohne einen Blick auf den Platz hinter ihr in einem Ruck ihre Rückenlehne bis zum Anschlag umlegt und somit Sandra quasi auf dem Schoß liegt. Der bolivianische Geschäftsmann vor mir versucht es auf die gleiche Tour, lässt sich aber schnell überzeugen, dass es für uns beide das Beste wäre, wenn er seine Sitzposition noch einmal überdenken würde. Auf dem Bildschirm beginnt der Film „Ninja“ und wir sind noch keine fünfzig Meter weit gekommen, da legen wir den ersten Stopp ein, um einer der Israelis die Möglichkeit zu geben, sich auf dem Bürgersteig zu übergeben. Planmäßig sollen wir La Paz in elf Stunden, also morgen früh um sieben erreichen. Allerdings muss man immer mit Pannen oder überschwemmten Straßen rechnen, so dass wir schon froh wären, bis Dienstagmittag den Bus wieder verlassen zu können. Vorsorglich haben wir uns in Uyuni noch mit etwas Proviant eingedeckt.

Sonntag, 7. März 2010

bolivianischer Wochenrueckblick





























Die dritte Woche ist nun auch schon Vergangenheit. Unfreiwillig sind wir in Bolivien geblieben und haben das Beste aus der Situation gemacht. NAch Chile kommen wir aller Wahrscheinlichkeit nach nur kurz, als Stop over. Also nutzen wir die bolivianischen Optionen. Das allein das Buchen der Trips in das Amazonasgebiet und zum Salt Lake Uyuni sich als groesste Herausforderung herausstellt, wird uns gleich zu Beginn der Woche bewusst. Wir wollten erst nach Uyuni und anschliessend in den Dschungel. Leider macht uns der Busfahrerstreik einen Strich durch die Rechnung, sodass wir die Touren, schon gebucht, tauschen wollen. Wie wir es tatsaechlich noch geschafft haben, die Touren nach unserem Wunsch und Reihenfolge anzutreten, kann ich im Nachgang gar nicht mehr sagen:-) Im Dschungel waren die Affen, Tucans, Pink Dolphins und Capibaras los, die Anakondas haben sich hingegen gut versteckt. Nach einem kurzen Boxenstopp ging es mit dem Bus (ohne streikende Fahrer) und der Bahn (Wara Wara) nach Uyuni. Falls einer sich nochmal ueber die Deutsche Bahn beschwert, sollte in Suedamerika mal Bahn fahren. 8h Ruetteln und Schuetteln, nahezu ohne Sauerstoff...da faellt auch kaum ins Gewicht, dass der Service sonst recht gut war und wir sogar PUENKTLICH den Bahnhof Ururo verlassen haben. Der hoechste Salzsee der Welt ist imposant und schier unendlich....

Vamos!






UYUNI: Vamos, auf geht`s! Nachdem die Nacht trocken geblieben ist, wagen wir einen zweiten Versuch, nach La Paz zurück zu kehren. Die Rollbahn von Rurre ist allerdings immer noch nicht sicher, also sind wir kurz nach sechs im Amaszonas-Büro, um von dort mit dem Bus etwa vierzig Minuten nach Reyes zu fahren. Dort gibt es eine ähnliche Piste, die vom Regen der letzten Tage nicht so arg betroffen war. Vor uns sind nur die stets lauten, arroganten und respektlosen Israelis hier. Diese brauchen wie immer etwas länger, zumal immer mehr von ihnen kommen. Pässe werden durchgereicht, auf den Schreibtisch geworfen und dass wir auch warten, ignorieren sie geflissentlich. Wir bleiben aber sehr entspannt, da uns klar ist, dass die dadurch keine Sekunde früher in La Paz sein werden. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Flughafen von Rurrenabaque, dessen Grund uns nicht bekannt ist, geht die Fahrt weiter über holprige Sandpisten nach Reyes, von wo aus wir planmäßig abheben. In La Paz versorgen wir uns erst einmal mit etwas Bargeld und fahren zur Agentur TURISBUS im Hotel Rosario. Wir haben beschlossen, in La Paz nur einen kurzen Boxenstopp einzulegen und uns dann auf den Weg nach Uyuni zum Salzsee zu machen. Im Hotel Rosario wurden Bahntickets für uns hinterlegt. Mit diesen in der Tasche laufen wir zum Hotel Sagarnaga, um unseren großen Rucksäcken das Nötigste für die kommenden Tage zu entnehmen und uns anschließend mit einem Farmer Sandwich im „100 % Natural“ zu stärken. Mit dem Taxi gelangen wir zum Busbahnhof und steuern den Schalter von FENIX an. Es scheint niemand da zu sein, doch als wir gegen die Scheibe klopfen erscheint hinter dem Pult eine verschlafene junge Frau, die für unser Ansinnen, nach Oruro zu fahren gerade wenig Verständnis aufbringt und ihr Fenster mit ein paar ruppigen spanischen Floskeln vor unserer Nase zuschlägt. Nun gut, zum Glück wird die Strecke La Paz – Oruro von verschiedenen Anbieten befahren und so entscheiden wir uns für NOBLEZA, zumal deren Bus in Kürze abfahren wird. Die Fahrt dauert etwa drei Stunden und kostet pro Nase umgerechnet 1,50 Euro. Der Bus macht dem Namen seines Besitzers nicht unbedingt Ehre, genügt jedoch unseren Ansprüchen völlig. Beim Einsteigen begegnen wir noch Cintia von TURISBUS, die uns ein paar Sicherheitshinweise mit auf den Weg gibt. In Oruro fahren wir mit einem australischen Pärchen, das das gleiche Ziel hat, zum Bahnhof. Die Abfahrt des Zuges namens WARA-WARA nach Uyuni wird durch eine große gußeiserne Glocke angekündigt und erfolgt pünktlich. Wir fahren in der Komfortklasse, was etwas besser als die zweite Klasse der Deutschen Bahn ist. Ein Bordbistro bietet gutes Essen zu fairen Preisen. Wir machen davon Gebrauch, denn, wenn wir nachts um 2 in Uyuni eintreffen, dürfte das Gastronomieangebot wenig Entscheidungsspielraum lassen. Um die Gäste schläfrig zu machen, wird auf einem Fernseher am Ende des Wagons ein Film gezeigt. Ob die Wahl auf Quentin Tarantinos „Inglorious Basterds“ zu diesem Zwecke allerdings die glücklichste war, darf bezweifelt werden. Nach dem Film wird das Licht gelöscht, was als klares Kommando zum Schlafen zu verstehen ist.