LIMA: Nach dem Frühstück heißt es mal wieder Rucksack schnüren. Ich begleiche an der Rezeption noch meine Rechnung für den Laundry Service in Höhe von 131,40 Soles, also etwa 35 €, was mir angesichts dessen, dass meine dreckige Wäsche nicht komplett in den Sack gepasst hat, fair erscheint. Natürlich hat auch das Hotel nicht genug Wechselgeld, was komischerweise auch auf jeden Taxifahrer zutrifft, aber ich schaffe es gerade so, passend zu zahlen. Mit geschätzten 22 kg auf dem Rücken und weiteren 10 kg vor der Brust mache ich mich zu Fuß auf den Weg ins Hotel Antigua Miraflores, keinen Kilometer entfernt. Auf dem Zimmer angekommen, rufe ich erst mal die Bundesligaergebnisse ab und stelle fest, dass ich wohl Berlin erst wieder als Zweitligastandort betreten werde. Mit sieben Millionen Einwohnern ist Lima doppelt so groß wie Berlin. Trotzdem habe ich das Gefühl, gesehen zu haben, was sehenswert ist und verbringe den Rest des Tages schlendernd in den Straßen von Miraflores. Um 19 Uhr treffen wir uns mit unseren Begleitern für die nächsten zwei Wochen, um den morgigen Tag zu besprechen. Wenn Sandras Flug keine Verspätung hat, könnte sie es gerade so schaffen. Ansonsten muss ich gut aufpassen. Nachdem ich mich noch ein wenig auf dem Kunstmarkt im Parque Kennedy rumgetrieben und am vernebelten Pazifikufer Abschied von Quito genommen habe, setze ich mich mit einem Buch in die Lobby und warte, wer so kommt. Von Sandra erhalte ich eine SMS, dass sie pünktlich gelandet und auf dem Weg ist, da setzen sich Clare und Robert Hills, ein älteres Ehepaar aus Kanada zu mir. Sie werden uns bis La Paz begleiten oder vielmehr wir sie, denn ihre Reise geht weiter nach Buenos Aires. Wenig später kommt auch Daniela Villa von GAP Adventures, um uns mit Deteils über unsere bevorstehende Tour mitzuteilen. Wir warten noch auf Hadleigh Stollar aus England sowie Audrey Biesty und Fiona Prendergast aus Irland. Ich bin gespannt, ob es zufällig die Fiona vom Äquator ist, glaube es aber nicht, da sie eigentlich andere Pläne hatte. Erfahren werde ich es erst morgen, denn die drei fehlenden sind offenbar noch nicht in Lima angekommen. So schafft es Sandra noch rechtzeitig zum Briefing, was wir nun zu viert abhalten. Unsere Hoffnung, auf dieser Tour in die Inkaruinen von Machu Picchu zu besuchen, muss Daniela gleich enttäuschen. Nach den verheerenden Erdrutschen vor einigen Wochen sind die Wege dorthin noch immer abgeschnitten. Eine realistische Chance bestand wahrscheinlich nie, denn mindestens bis Ende März wird kein Besucher mehr nach Machu Picchu gelangen. Trotzdem freuen wir uns auf die Tour, zu der wir morgen sehr zeitig aufbrechen werden. Sandra ist von ihrem Flug verständlicherweise gerädert, aber wir gehen noch auf einen Happen in die Pizza Street um die Ecke und verteidigen uns tapfer gegen Rosenverkäufer, Fotografen und Musiker. Nachträglich zum Geburtstag schenkt mir Sandra noch deutsche Backwaren, wie Pumpernickel und Leinsamenbrot.
Samstag, 13. Februar 2010
Machu Picchu muss warten
LIMA: Nach dem Frühstück heißt es mal wieder Rucksack schnüren. Ich begleiche an der Rezeption noch meine Rechnung für den Laundry Service in Höhe von 131,40 Soles, also etwa 35 €, was mir angesichts dessen, dass meine dreckige Wäsche nicht komplett in den Sack gepasst hat, fair erscheint. Natürlich hat auch das Hotel nicht genug Wechselgeld, was komischerweise auch auf jeden Taxifahrer zutrifft, aber ich schaffe es gerade so, passend zu zahlen. Mit geschätzten 22 kg auf dem Rücken und weiteren 10 kg vor der Brust mache ich mich zu Fuß auf den Weg ins Hotel Antigua Miraflores, keinen Kilometer entfernt. Auf dem Zimmer angekommen, rufe ich erst mal die Bundesligaergebnisse ab und stelle fest, dass ich wohl Berlin erst wieder als Zweitligastandort betreten werde. Mit sieben Millionen Einwohnern ist Lima doppelt so groß wie Berlin. Trotzdem habe ich das Gefühl, gesehen zu haben, was sehenswert ist und verbringe den Rest des Tages schlendernd in den Straßen von Miraflores. Um 19 Uhr treffen wir uns mit unseren Begleitern für die nächsten zwei Wochen, um den morgigen Tag zu besprechen. Wenn Sandras Flug keine Verspätung hat, könnte sie es gerade so schaffen. Ansonsten muss ich gut aufpassen. Nachdem ich mich noch ein wenig auf dem Kunstmarkt im Parque Kennedy rumgetrieben und am vernebelten Pazifikufer Abschied von Quito genommen habe, setze ich mich mit einem Buch in die Lobby und warte, wer so kommt. Von Sandra erhalte ich eine SMS, dass sie pünktlich gelandet und auf dem Weg ist, da setzen sich Clare und Robert Hills, ein älteres Ehepaar aus Kanada zu mir. Sie werden uns bis La Paz begleiten oder vielmehr wir sie, denn ihre Reise geht weiter nach Buenos Aires. Wenig später kommt auch Daniela Villa von GAP Adventures, um uns mit Deteils über unsere bevorstehende Tour mitzuteilen. Wir warten noch auf Hadleigh Stollar aus England sowie Audrey Biesty und Fiona Prendergast aus Irland. Ich bin gespannt, ob es zufällig die Fiona vom Äquator ist, glaube es aber nicht, da sie eigentlich andere Pläne hatte. Erfahren werde ich es erst morgen, denn die drei fehlenden sind offenbar noch nicht in Lima angekommen. So schafft es Sandra noch rechtzeitig zum Briefing, was wir nun zu viert abhalten. Unsere Hoffnung, auf dieser Tour in die Inkaruinen von Machu Picchu zu besuchen, muss Daniela gleich enttäuschen. Nach den verheerenden Erdrutschen vor einigen Wochen sind die Wege dorthin noch immer abgeschnitten. Eine realistische Chance bestand wahrscheinlich nie, denn mindestens bis Ende März wird kein Besucher mehr nach Machu Picchu gelangen. Trotzdem freuen wir uns auf die Tour, zu der wir morgen sehr zeitig aufbrechen werden. Sandra ist von ihrem Flug verständlicherweise gerädert, aber wir gehen noch auf einen Happen in die Pizza Street um die Ecke und verteidigen uns tapfer gegen Rosenverkäufer, Fotografen und Musiker. Nachträglich zum Geburtstag schenkt mir Sandra noch deutsche Backwaren, wie Pumpernickel und Leinsamenbrot.
Freitag, 12. Februar 2010
Die Kühe von Lima

LIMA: Es ist passiert. Zur Beruhigung meines Magens habe ich gegen meine Überzeugung zur Pille gegriffen. Vielleicht sollte ich das Burger-Knäcke-Angebot annehmen, nur andererseits wird mein Magen in den nächsten Monaten einigen Kummer ertragen müssen und kann nicht früh genug abgehärtet werden. Ich nehme die Sockensuche wieder auf, aber die Stadt erwacht langsamer und später als ich. Nur die Schuhputzer sind schon bei der Arbeit und bieten mir mehrfach an, meine Wildleder-Trekking-Schuhe zu polieren. Ich verspreche, mich zu melden. Und die Klemmbrettmänner sind schon bei der Arbeit. Vor jedem zweiten Geschäft in Lima stehen emsige Mitarbeiter mit Klemmbrettern und machen sich Notizen zu rein-, raus- und vorbeigehenden Personen. Der Klemmbretthandel in Lima muss ein einträgliches Geschäft sein, denn auch die Bushaltestellen haben zwar keine Funktion für die Fahrgäste, da diese ohnehin nach Bedarf eingeladen und raus gelassen werden, beherbergen aber Herren mit kleineren Klemmbrettern, die den Bustürstehern Zahlen zurufen und dafür etwas Kleingeld von diesen bekommen. Vor der Banco de la Nación in der Avenida José Pardo hat sich etwas später eine lange Schlange gebildet. Vermutlich sind heute die Löhne auf den Konten. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es den Leuten um eine Investmentberatung geht. Zufällig darf ich dem morgendlichen Fahnenappell der Stadtverwaltung beiwohnen. Danach unterstütze ich das Limaer Sockenoligopol von Ripley und Saga Falabella am Parque Kennedy mit dem Erwerb von 9 Paar Socken ungewisser Qualität zum Preis von 44,80 Soles, nach Tageskurs 11,85 €. Bei der Gelegenheit schaue ich noch nach Peruanischen Fußballtrikots, die jedoch leider von Bayern-, HSV- und Deutschland-Trikots aus dem Kaufhaus verdrängt wurden. Limas Antwort auf unsere Buddybären ist übrigens die „Cow Parade“, wie man in den zahlreichen liebevoll gestalteten Parks sehen kann. Mein Favorit ist die Elviskuh aus dem Parque el Faro. Als es mir dann nachmittags zu heiß draußen wurde, hab ich ein wenig die Live-Übertragung des Freitagsspiels der Bundesliga auf GOL-TV verfolgt. Aber was liegt da weißes am Spielfeldrand in Mönchengladbach? Und warum tragen auch die Feldspieler Handschuhe? Verrücktes Land! Die Spiele werden mit spanischem Kommentar übertragen, der im Untertitel ins Englische übersetzt wird. Auf dem Foto ist gerade das 2:1 gefallen und es läuft der Rest des Torjubels „GOOOAL“, der auch schon die drei vorherigen Zeilen eingenommen hat. Aus dem Internet erfahre ich von meiner 1,7 in der VWL-Prüfung, was mir ja schon fast unheimlich ist. Steht bloß noch das Ergebnis in Wirtschaftsrecht aus. Sollte das mein erstes Semester ohne eine einzige Wiederholungsprüfung sein? Ich hätte nichts dagegen. Ich weiß mich schon zu beschäftigen in Lima, aber allmählich will ich wieder auf die Piste. Morgen ziehe ich erst mal in ein anderes Hotel um, wo ich neben Sandra auch den Rest der Reisegruppe treffe, mit denen ich mich die nächsten zwei Wochen durch`s Inka-Reich schlage.
Donnerstag, 11. Februar 2010
No Gringo Size
LIMA: Die Nacht und der Morgen sagten mir, ich solle heute besser im Bett bleiben. Mein Magen hat mich mehrmals ins Bad geschickt und obwohl ich zur Beseitigung kleinerer gesundheitlicher Probleme gern meinem Körper vertraue, lege ich mir schonmal die Tabletten bereit. Der Straßenlärm lässt einen Schlaf ohnehin kaum zu und die Klimaanlage kühlt zwar das Zimmer auf deutsche Temperaturen runter, macht in der Lautstärke jedoch der Straße Konkurrenz. Anlässlich des Zähneputzens mache ich noch ein Glas kaputt und begebe mich voller Erwartung auf das, was der Tag noch so für mich bereithält zum Frühstück. Das muss sich hier nicht vor europäischen Häusern verstecken. Trotzdem flitze ich nochmal ins Bad bevor ich meine Reise ins Centro Historico plane. Ich bestelle mir ein Taxi an der Hotelrezeption. Zwar ist jedes zweite Auto in Lima ein Taxi und man muss eigentlich nur auf die Straße zu gehen, um eins zu finden, aber ich hoffe auf eine gute Empfehlung der schwangeren Rezeptionistin. Die Fahrt dauert fast so lange wie der Flughafentransfer, kostet mich aber nur ein Drittel davon, umgerechnet ca. 5 €. Die Vorfahrtregeln sind einfach. Wer zuerst hupt, hat Vorfahrt. Abgesehen davon hat die Hupe auch die Funktion, Fußgänger vom Zebrastreifen zu vertreiben, das demnächst zu erwartende Umspringen der Ampel auf Grün anzukündigen oder eine Bestellung bei einem der fliegenden Händler an den Kreuzungen aufzugeben, die Reisebedarf anbieten, wie Getränke, Wunderbäumchen, Wattestäbchen oder Fingernagelknipser. Die Hupe ist daher überlebenswichtig, während auf westlichen Schnickschnack, wie Blinker gern verzichtet wird. Die werden, wenn überhaupt, nur gleichzeitig eingesetzt, um den nachfolgenden Verkehr darauf hinzuweisen, dass man demnächst auf dieser Spur, gern auch der zweiten oder dritten, anhalten wird. Taxis und Busse blinken zuweilen auch ohne Grund. Könnte ja sein, dass sie demnächst halten müssen. Die Propagandisten der zahlreichen bunten Busse geben jedenfalls alles, indem sie an den Türen hängen und unentwegt den Leuten ihre Haltestellen zurufen. An den größten Kreuzungen sind Verkehrspolizisten zur Verkehrsregelung positioniert. Präsentiert wird diese von Inca Cola, was an den bunten Hochständen zu erkennen ist. Inca Cola ist ein Erfrischungsgetränk des Coca Cola-Konzerns, das weder in Farbe, noch im Geschmack an Cola erinnert. Der Einfluss des Westens ist an der Altstadt völlig vorbei gegangen. Kein Fast Food, kein Supermarkt. Leider fällt es mir auch schwer, ein Sockengeschäft zu finden, nachdem ich heute früh mehrere Paare planmäßig beerdigt habe. Ein entsprechendes Geschäft finde ich zwar, bekomme aber zur Antwort „Sorry, no Gringo Size!“ Werde mich in Miraflores nochmal umschauen. Da ist man doch sicher auf Schuhgröße 45 eingerichtet. Ich beginne meine Sightseeing-Tour auf der Plaza Mayor, um die sich der Präsidentenpalast, die Kathedrale und das Rathaus versammelt haben. Die Altstadt bietet ein anderes Bild als Miraflores. Prunkvolle Regierungsbauten, zweckmäßige Regierungsbauten und dazwischen andere Bauten mit liebevoll verzierten Holzerkern. Am Rio Rimac erhoffe ich mir ein Café oder ein schattiges Plätzchen zum verweilen, aber der Fluss ist ein braunes Rinnsal, umgeben von lärmenden Straßen. Von der Brücke Puente de Piedra habe ich dafür einen guten Blick auf einen Berg an dessen Fuß die einfache Bevölkerung ihre Behausungen errichtet hat. Über der Stadt kreisen Adler, keine Ahnung wonach sie suchen. Zurück an der Plaza Mayor verfolge ich die Exerzier- und Musizieraufführung der Präsidentengarde. Ein reich behangener Militär ruft der Garde etwas zu. Der Präsident ist es aber nicht, der da schreit. Den kenne ich ja schon aus Quito. Nach diesem Schauspiel winke ich mir ein Taxi an den Straßenrand, der mir die Fahrt für 10 Soles, der Hälfte der Hinfahrt, anbietet. Bei 2,50 € wage ich es nicht zu feilschen. Statt seiner Lizenz baumelt allerdings eine Silvester 2010-Spaßbrille am Rückspiegel und die Hupe ist fachmännisch mit Klebeband im Lenkrad befestigt. Nach kurzem Zwischenstopp im Hotel gehe ich noch einmal zu Vivanda, meinem Supermarkt, und erwerbe eine viertel Melone, eine Flasche Wasser, eine 410 ml Flasche Inca Cola auf die Hand und eine Flasche Chicha, einem Fruchtsaft aus Brombeere, Ananas, Limette und Zimt, mit deutlicher Brombeerdominanz. Gibt es hier überall und ist sehr erfrischend. Bei meinem nachmittäglichen E-Mail-Check nehme ich erfreut die 1,7 in der Englisch-Klausur zur Kenntnis. Fehlen nur noch VWL und Recht, aber ich hab ein gutes Gefühl. Auf GOL-TV, einem der vier Fußballsender laufen die Vorberichte auf den nächsten Bundesligaspieltag. Abends ziehe ich nochmal durch die Pizza Straße, die Partymeile Limas. Meine Sockenfahndung bleibt indes erfolglos. Meine Hoffnung ruhte auf Wong am Óvalo Gutiérrez, wo es eigentlich alles gibt. Ist aber offensichtlich auch so ein Alles-außer-Socken-Laden. Morgen fang ich an zu stricken.
Mittwoch, 10. Februar 2010
Holá, Perú!
LIMA: Um 3 Uhr klingelt mein Wecker in Quito. Das, vorsichtshalber auch für um 3 bestellte, Wachklopfen erfolgt pünktlich um halb vier. Das Taxi ist da schon pünktlicher. Auch wenn Quito keine Traumstadt ist, kommt doch ein wenig Wehmut auf, als wir zum letzten mal mit Tempo 120 durch die Avenida 6 de Diciembre, vermutlich zu Ehren des Nikolaus so benannt, fahren und rote Ampeln als Empfehlung zur Kenntnis nehmen. 2:40 Stunden vor Abflug ist die Schlange für den Flug der Copa Airlines nach Panama schon lang und besteht natürlich überwiegend aus HERBALIFE-Aktivisten. Die Abfertigung verläuft zäh, aber reibungslos. Ich stelle fest, dass mein Gepäck zwar an Volumen, nicht aber an Gewicht zugenommen hat. In der anderen Ecke des Terminals darf ich nun noch meinen Departure Tax von 42 Dollar entrichten und der Ausreise steht nichts mehr im Wege. Der Weg führt mich zunächst wieder über den Äquator nach Panama. Aus der Luft macht die Stadt Lust auf mehr, aber nach gut einer Stunde schlage ich die Gegenrichtung ein, fliege wieder in die südliche Hemisphäre und lande 13:30 Uhr in Lima. Zugegeben, es gibt kürzere Wege von Quito nach Lima, aber dieser war der günstigste. Außerdem sammle ich Flugmeilen, einen weiteren Länderpunkt und bekomme zwei warme Mahlzeiten, denn Copa serviert auch in der Economy selbst auf einem kurzen 85-Minuten-Flug ein Frühstück mit warmen Pancakes und Schinken. Schau Dir das an, Iberia! Für den Weiterflug hat Copa kurzfristig die Embraer 190 durch die größere Boeing 737 ersetzt, was uns mehr Platz verschafft. Die Einreise erfolgt ohne Fragen, was aber auch dem Losglück zu verdanken ist, denn beim Zoll betätigt man einen Knopf, der nach dem Zufallsprinzip den Weg geradeaus oder nach links zum Interview weist. Das Preisgefälle zwischen den verschiedenen Taxianbietern ist groß und ich entscheide mich für die 23 $-Variante von Taxi Green. Lima ist ein Moloch und die Kriminalität hoch. Alfredo hat auch bereits mit Engelszungen auf mich eingeredet, ich solle mich nicht auf eine Busfahrt einlassen. Die Fahrt nach Miraflores dauert ca. 40 Minuten und erweckt bei mir keine Vorfreude auf Lima. Die suburbanen Gebiete um Lima wirken wie ein einziges großes Industriegebiet. Von dem kolonialen Charme Quitos ist hier nichts zu sehen, allerdings fahren wir auch nicht durch das historische Zentrum. Miraflores gehört noch zu Lima, ist aber eher das für die Stadt, wie Warnemünde für Rostock. Hier kann man sich zwar auch noch im Dunkeln raus trauen, aber es ist eben doch nur eine Aneinanderreihung von Tankstellen, Hotels und Fast Food-Läden. Ich steige ab im Hotel San Agustin Colonial an der Avenida Comandante Espinar, die extrem befahren ist auf der sich die Tankstellen auf dem Mittelstreifen befinden. Bei einem ersten Spaziergang an die steile Pazifikküste, die offensichtlich bei Surfern sehr beliebt ist, mich aber eher abschreckt, gewinne ich Gefallen an der Stadt und werde sogar schon wieder von Einheimischen nach dem Weg gefragt. Und dann finde ich sogar noch einen Supermarkt, der nicht nur wie in Deutschland funktioniert, sondern neben Flensburger Pils auch Burger Knäcke führt. Ich kann widerstehen, denn dafür fliege ich nicht um die halbe Welt. In zwei Monaten reagiere ich vielleicht anders. Jetzt werde ich mal noch Bestandsaufnahme bei meiner Wäsche machen, um morgen mal einen Teil waschen zu lassen und mich von der einen oder anderen Socke zu trennen.
Dienstag, 9. Februar 2010
Der Naht entlang
QUITO: Die Wände und Decken des Hostels Jhomana sind dünn und hellhörig. Mein Bad ist mit dem des Nachbarzimmers durch ein Oberlicht verbunden. Das ist zwar geschlossen, aber nicht schalldicht, was mitunter eine Geräuschkulisse bewirkt, auf die ich gern verzichtet hätte. Aber Preis und Leistung stehen trotzdem im guten Verhältnis. Als ich beim Frühstück im Garten saß, kam erwartungsgemäß Santiago an, um Mr. Colling, der ja nunmehr ich bin, zur Äquatortour abzuholen. Leider muss ich ihn enttäuschen, da man mir ja nun gestern gesagt hat, Alfredo würde uns auf die Nordhalbkugel bringen. Es tut mir leid für Santiago, der auch einen sympathischen Eindruck machte, aber wichtig ist mir ja, mit den beiden Australiern unterwegs zu sein. Nach zwei Telefonaten verabschiedet er sich wieder von mir ohne mich seinen, sicherlich vorhandenen, Unmut spüren zu lassen. Da bin ich wohl Objekt eines Revierkampfes geworden. Kurz nach 9 Uhr kommt Alfredo mit einer jungen Frau auf dem Beifahrersitz an. Sie stellt sich mir als Fiona vor und anhand ihrer roten Löckchen enttarne ich sie als Irin, was sie bestätigt. Sie gehört auch zu den HERBALIFE-Horden und hat sich kurzfristig entschlossen, unsere kleine Reisegruppe zu vervollständigen. Ob das die richtige Entscheidung war, weiß ich noch nicht, denn sie ist um halb 6 Uhr morgens von einer Party gekommen, was ich ihr, angesichts ihrer leichten Alkoholfahne, die sie erfolglos mit der Hand bei sich zu halten versucht, unbesehen glaube. Nach fünfminütigen Gespräch steht fest, dass sie ihre nächste Reise nach Berlin führen wird. Ich muss sie natürlich um Geduld bitten, denn vor Ende Mai kann ich Ihr kein Obdach bieten. Wir laden noch die Dunlop Family ein und beginnen unseren Ausflug mit einer kleinen Citytour durch Quito. Es ist nicht der beste Tag dafür, denn der Südamerikagipfel mit Hugo Chavez und Konsorten legt die Stadt lahm. Chavez bekommen wir vor dem Präsidentenpalast nicht zu Gesicht, aber den peruanischen Präsidenten, Alán Garcia Peréz. Fiona gibt kurzerhand Schülern für ihre Englisch-Hausaufgaben ein Interview und nach ein paar weiteren Zwischenstopps in Quito nehmen wir Kurs gen Norden. Joanne erwägt den Kauf einer Kokosnuss, die hier von fliegenden Händlern im Dauerstau angeboten werden, entscheidet sich aber für ihre Gesundheit. Am Äquatormuseum angekommen, bewundern wir zunächst die einheimische Fauna, von Lamas bis Meerschweinchen, denen hier allerdings der Grill droht. Eine rote Linie markiert den Äquator und bei einigen Spielchen, wie den Eier- oder den Wasserstrudeltest, erkennen wir, dass es sich hierbei um keinen Marketinggag handelt, sondern wir tatsächlich auf der Naht zwischen Nord- und Südhalbkugel entlang spazieren. Auf dem Foto ist mein rechter Fuß auf der Nordhalbkugel. Die unterschiedliche Wirkung auf der Äquatorlinie und nur ein bis zwei Meter daneben ist verblüffend. Auf der Rückfahrt erzählt uns Alfredo von seiner Bekanntschaft mit der früheren australischen Miss Universe und ein paar Geschichten, die er mit einer australischen TV-Größe erlebt, und geschworen hat, sie niemandem weiter zu erzählen. Fiona, Joanne und Warren steigen an der Mariscal Foch aus, um noch ein wenig durch das Zentrum zu flanieren. Ich verabschiede mich von Alfredo vor meinem Hostel, das nur zwei Straßen weiter gelegen ist. Nachdem ich kurz die Füße hochgelegt habe, gehe ich noch einmal zum Plaza El Quinde, um mich von Quito einstweilen zu verabschieden. Um 4 Uhr morgens steht mein Taxi vor der Tür, was mich natürlich in meinem Versuch, mich an die hiesige Zeit zu gewöhnen weit zurück wirft, und dann heißt es „Hasta luego, Ecuador!“
Montag, 8. Februar 2010
Die größte Banane der Welt
QUITO: Die Vögel im Garten der Hacienda haben mich geweckt. Ich bin gestern Abend bei der ecuadorianischen Ausgabe von „Wer wird Millionär?“ schnell eingeschlafen. Hab zwar nicht viel verstanden, aber der hiesige Günther Jauch ist auch so recht komisch. Geschlafen habe ich sehr gut. Hier finde ich die Ruhe, nach der ich mich in den vergangenen Jahren oft gesehnt habe. Es hat schon etwas von einem Kloster, aber ich bin doch ganz froh, heute Nachmittag wieder nach Quito zurück zu kehren. Ich bin eben doch nicht fürs Kloster geschaffen. Ich war natürlich der erste beim Frühstück, doch schon sehr bald setzten sich zwei grau melierte Herren an den Nachbartisch. In meinen Outdoor-Klamotten fühlte ich mich etwas deplatziert und darin bestätigt, dass es richtig war, gestern Abend nicht ins Restaurant zu gehen. Die beiden erweisen sich dann aber als recht zutraulich. Es sind Wissenschaftler aus Amsterdam auf den Spuren eines französischen Biologen, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe. Als Deutscher wähnen sie mich hier natürlich auf den Humboldt`s Spuren, was ich verneinen muss. Aber meine Pläne finden sie nicht weniger interessant. Die beiden kommen aus dem Amazonas-Gebiet und fahren auch heute weiter nach Quito, um dort eine Vortrag an der dortigen San Francisco Universität zu halten. Mit meiner Erzählung von der Begegnung mit dem Kondor treffe ich die beiden in ihr Forscherherz. Sie hatten danach Ausschau gehalten, ihn aber um wenige Stunden verpasst. Nach dem Frühstück bin ich ein wenig die Panamericana entlang gewandert, wobei sich mir keine Fotomotive boten, abgesehen von einem ecuadorianischen Schlagloch in einer Seitenstraße, durch das ein kleines Bächlein floss. Fairerweise muss man aber sagen, dass die Straßenverhältnisse in Ecuador deutlich besser sind, als ich es nach meinen Erfahrungen aus Mittelamerika auch hier erwartet hatte. Anschließend habe ich noch ein bisschen im Garten entspannt und um 14 Uhr hat mich Alfredo abgeholt. Er teilt mir mit, dass Joanne und Warren sich endgültig entschieden haben, morgen mit zum Äquator zu kommen und das er, nicht wie vorgesehen Santiago, uns fahren wird. Unterwegs diskutieren wir das Marketing von Chevrolet und ich erfahre, warum die Hotelsituation in Quito so ist wie sie ist. Hier findet zurzeit ein großer internationaler HERBALIFE-Kongress statt, was auch die vielen Menschen mit entsprechenden T-Shirts und Taschen im Embassy Hotel erklärt. Ich lerne heute das dritte Hotel in Quito kennen, das Hostal Jhomana. Alfredo ruft von unterwegs noch einmal dort an, um eine grobe Navigation zu erfahren. Mit Erfolg. Das Jhomana ist ein Hostel, würde nach meinen Ansprüchen aber durchaus als normales Hotel durchgehen. Vom Dach des Hotels hab ich noch einmal einen Rundumblick über Quito genossen und mich anschließend planlos auf den Weg durch die Stadt gemacht. Planlos im doppelten Sinne, denn ich hatte weder ein Ziel, noch einen Stadtplan dabei. Die Orientierung fällt mir inzwischen recht leicht und ich bewege mich recht routiniert durch Mariscal. Inzwischen laufe ich sogar, wie die Einheimischen, blind auf die Straße und vertraue den Bremsen der herannahenden Autos. Sogar einen Supermarkt habe ich entdeckt. Es ist der erste, den ich hier sehe und wahrscheinlich auch der einzige, denn er ist für mein Empfinden leicht überdimensioniert. Das betrifft nicht nur den Markt als solches, sondern auch die darin angebotenen Waren. Ich bin mir ziemlich sicher, heute die größte Banane der Welt gekauft zu haben. Der Kundenandrang ist ordentlich und der Stau an den Kassen vorprogrammiert. Die Kassen wurden nahe genug nebeneinander postiert, um ein Durchdringen mit dem Einkaufswagen zu verhindern. Also lässt man die Wagen vor der Kasse stehen, wo sie von Zeit zu Zeit abgeholt werden. Das macht ein Durchdringen auch ohne Wagen schwierig. Der Supermarkt ist aber auch hier ein sehr kommunikativer Ort. Die Dame vor mir, die ich innerlich schon zu einer alten Schnepfe erklärt hatte, räumte plötzlich hektisch den Kindersitz ihres Einkaufswagens frei, um mir diesen für meinen Einkauf anzubieten, den ich bis dahin in beiden Händen hielt. Ich nehme dankend an. Neben diesem Supermarkt gibt es diverse winzige Lebensmittelgeschäfte in der Stadt, die aber zum Teil sehr gut versteckt sind. Anders ist es mit Copyshops. Quito hat davon wahrscheinlich die größte Dichte weltweit. Ich gehe zurück in Hostel. Auf das Dach komme ich jetzt leider nicht mehr, also mache ich es mir in meinem Zimmer bequem, ungewohnterweise ohne Kamin, und lausche den Karaoke-Klängen von der anderen Straßenseite. Aus dem Internet erfahre ich hocherfreut, dass ich die Finanzwirtschaft-Klausur mit 3,3 souverän bestanden habe und versuche mich an der Banane, die das, was sie an Größe gewonnen, offenbar an Geschmack eingebüßt hat.
Sonntag, 7. Februar 2010
Der Berg ruft!
COTOPAXI: Ich bin mal wieder viel zu früh wach geworden. Auch knapp eine Woche nach unserer Ankunft in Ecuador will sich meine innere Uhr nicht umstellen. Allerdings waren die unruhigen Galapagos-Nächte dazu auch nicht eben geeignet. Ich hab die Zeit genutzt, um meinen Rucksack neu zu packen. Weniger ist es dadurch aber auch nicht geworden. Ich bin dann etwas zeitiger frühstücken gegangen und habe anschließend einen Morgenspaziergang durch die fast leere Innenstadt unternommen. Es hat in der Nacht aufgehört zu regnen und die Sicht ist klarer denn je. Das ermöglichte mir ein paar, bis dahin unbekannte, Blicke auf die schneebedeckten und nebelumschweiften Berge, die die Stadt umgeben. Rechtzeitig um 9 saß ich mit all meinem Gepäck in der Hotellobby und wartete auf Alfredo Carrera, meinen persönlichen Bergführer, der mir heute den Cotopaxi und ein paar andere der zahlreichen Vulkane zeigen wollte. Ein etwas altersschwacher, zum Verkauf angepriesener, Chevrolet Trooper hielt vor der Tür und ein leicht untersetzter Mann, was auf fast jeden Ecuadorianer zutrifft, mit Piratenkopftuch, Sonnenbrille und Jogginghose stieg aus. Ich hab ihn nicht als meinen Tour Guide erkannt, er mich aber als seinen Gast. Und so nehmen wir schnell Fahrt auf und kommen ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass Alfredo einen Tag vorher eine Tour mit unseren neuen Freunden Warren und Joanne unternommen hat. Alfredo versicherte mir auch, dass nach einem Regentag wie den gestrigen lange Zeit die Sonne scheinen würde. Den Tankstopp an der, hier gut erhaltenen Panamericana, die Alaska mit Feuerland verbindet hab ich dann genutzt, um mich mit Wasser, Keksen und Maisfladen sowie einem dick belegten Sandwich einzudecken. Nachdem wir in den Cotopaxi Nationalpark eingefahren sind, erkundigte sich Alfredo jede viertel Stunde nach meinem Befinden. Die zunehmende Höhe steckt nicht jeder so leicht weg. Er lässt mich zur Akklimatisierung auch mal ein paar Hundert Meter laufen, aber Symptome von Höhenkrankheit stellten sich auch auf 3800 m nicht ein. Nachdem er nun einsehen musste, dass ich ein harter Brocken bin, ist er mit mir auf 4500 m Höhe gefahren. Auch hier bin ich immer noch in der Lage, beim Auto anschieben zu helfen. Nicht unser Auto, sondern das von einigen Einheimischen. Unser Ziel ist das Refugio, eine gelbe Hütte auf 4800 m Höhe. Die letzten 300 Höhenmeter sind ziemlich knackig. Weniger wegen der Höhe, sondern mehr wegen des sandigen Untergrundes, der mich zu vielen Verschnaufpausen zwang. Die Hütte befindet sich circa 1100 m unterhalb des Gipfels. Der Cotopaxi ist damit ähnlich hoch wie der Kilimajaro. Also, Alex, Matthias und Sven, höhentauglich bin ich. An der Kondition arbeite ich noch bis Juli. An der Hütte angekommen, hab ich Alfredo auf einen Kakao eingeladen. Das Wechselgeld hat er, wohl eher unbewusst, eingesteckt. Ich hab aber nichts gesagt, sondern es mal als vorgezogenes Trinkgeld verbucht. Wieder am Auto angekommen haben wir dann Kurs bergab genommen zu einem kleinen Vulkansee. Ich konnte Alfredo überzeugen, dass wir die ca. 40-minütige Wanderung um die Laguna Limpiopungo auf 3830 m Höhe noch auf uns nehmen. Unterwegs haben wir noch einige Tiere gesehen. Zwar keinen Puma oder Wolf, aber einige Tiere, die wir nur aus dem Stall und von Speisekarten kennen. Hasen, Kühe, Pferde, Enten. Und alle leben hier wild. Das Highlight war allerdings einer der noch lebenden 80 Kondore in Ecuador, der über uns seine Kreise zog und ohne einen Flügelschlag immer mehr an Höhe gewann. Alfredo hat mich dann noch allein einen Canyon entlangwandern lassen, um mich am anderen Ende wieder einzusammeln. Irgendwie hat er meine Leistung unterschätzt und ich muss ihn wecken, als ich angekommen bin. Nachdem wir 15 Minuten weitergefahren sind, ging sein Handywecker an. Ab jetzt hatte er also mit mir gerechnet. Er hat mich dann zu meinem heutigen Domizil, der Hacienda la Ciénaga, gebracht, während er selbst zurück nach Quito musste und mich morgen Nachmittag wieder hier abholt. Die Hacienda ist ein Traum. Ein Herrenhaus aus der Kolonialzeit. Durch das schmiedeeiserne Tor gelangt man auf eine circa 300 m lange Allee mit riesigen Bäumen, die auf das Haus zu führt. Das Haus verfügt über massive Steinwände und knarrenden Parkettboden. Auch das Zimmer riecht nach Geschichte. Der obligatorische Kamin loderte bereits. Ich hab gleich erstmal ein paar Holzscheide nachgelegt und damit das Feuer nahezu erstickt. Da ich weder Anzünder, noch Zeitungspapier dabei habe, hab ich es mit zwei Kerzen versucht, die ich unter dem Holz platzierte, was dem Zimmermädchen ein Lächeln entlockte, als es eine halbe Stunde später mit Zeitungspapier und Anzünder an meine Tür klopfte. So sitze ich jetzt also doch am lodernden Kamin bei Keksen und Wasser und pelle mir den ersten Sonnenbrand von der Stirn. Ich befinde mich mal wieder in einer internetfreien Zone, weshalb der Tagesbericht erst mit einem Tag Verspätung im Blog erscheint.
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