Samstag, 8. Mai 2010

Ein Tag auf dem Mekong















CAN THO: Die Australier von gestern entpuppen sich als Waliser. Keine Ahnung, wer mir den Floh ins Ohr gesetzt hat. Allerdings hatte ich mich gestern auch gar nicht mit ihnen persönlich unterhalten. Das wird sich heute ändern, denn die nächsten zwei Tage verbringen wir gemeinsam im Mekong-Delta. Um acht Uhr holt uns Yong von "Asia Trails" ab. Wir fahren etwa drei Stunden und steigen dann auf ein Boot um. Gegen die Hitze schützt uns ein Dach und Yong vermummt sich, wann immer sie den Schatten verlassen muss mit einem dicken Kapuzenshirt, einer Gesichtsmaske und Handschuhen mit Apfelmotiv, um ihre vornehme Blässe nicht zu verlieren. Die Waliserin nutzt jeden Zwischenstopp, um sich zu übergeben. Ich denke mir, das "Shark Diving" in Südafrika wäre nichts für sie gewesen. Wir halten anfangs etwas zu häufig an, besuchen hier eine Puffreis-Fabrik, dort eine Farm. Jedesmal bekommen wir auch eine ausdruccksstarke Vorführung vietnamesischer Volksweisen dargeboten. Es geht grundsätzlich um die Arbeit auf dem Feld und ums Heiraten. Das ist ohnehin das Thema Nummer eins hier. In jedem Gespräch ist die zweite Frage, nach der nach dem Namen, ob man verheiratet ist. Yong hat auch die gesamte Fahrt im Kleinbus mit Referaten über Hochzeitsrituale verbracht. Die Waliser haben mich schon bemitleidet, da ich morgen mit Yong allein nach Saigon zurück fahren werde. Aber dann kommen wir doch noch ein wenig in Fahrt und lassen die Landschaft an uns vorüberziehen. Der Mekong ist Lebensader für die Menschen hier. Sie leben an, im und von ihm. Sie leiten ihre Abwässer hier rein und entnehmen ihr Trinkwasser. Sie putzen sich darin die Zähne und fahren auf ihm zum Markt. Ich bin einigermaßen zufrieden, nicht hier zu leben, auch wenn die Menschen einen sehr glückliuchen Eindruck machen. Die Kinder freuen sich, wenn man ihnen zuwinkt und posieren stolz für unsere Fotos. Ich knipse natürlich weiter fleißig, auch wenn ich die Bilder momentan nur klein betrachten kann. Kapitän Bing bringt uns sicher nach Can Tho, der heimlichen Hauptstadt des Mekong-Deltas. Ja, hier steht tatsächlich so etwas wie eine Stadt. Wir beziehen das "Kim Tho"-Hotel und suchen die Kühle der klimatisierten Zimmer auf. Wir haben hier momentan Spitzentemperaturen von 38 Grad im Schatten. Die Uferpromenade hat mir Lust auf mehr gemacht und ich schlendere ein wenig dort entlang und über einen Markt, der mich jedoch nicht zum Kauf animiert. Ich lasse mich schließlich in einem Straßencafe nahe dem obligatorischen Ho Chi Minh-Denkmal nieder zum essen, sehen und gesehen werden. Die Waliserin verbringt den Abend im Bad ihres Hotelzimmers und ihr Mann schaut dabei zu. Yong ist woanders untergekommen und hat mit der Frage, ob wir mit ihr in ein Fischrestaurant gehen wollen auf einen "Hot Pot" bei uns wenig Begeisterung ausgelöst. Die Vietnamesen müssen sehr aufpassen, nicht eines Tages im eigenen Müll zu ersticken. Nicht nur der Mekong macht das deutlich. Der Kellner wirft die Banderole des Bestecks mitten im Garten des eigenen Restaurants auf den Boden, der Polizist wirft die leere Zigarettenschachtel auf die Straße. Mir scheint, die Menschen haben andere Sorgen, als ihre Umwelt und graben sich damit selbst das Wasser ab. Zurück im Hotel sehe ich mir die Liveübertragung des vorläufig letzten Bundesligaspiels in Berlin an, das im vietnamesischen Fernsehen kostenlos zu sehen ist. Leider stelle ich fest, dass sich der Virus in meinem Laptop festgesetzt hat und es mir nicht einmal mehr ermöglicht, mich anzumelden. Ich werde die Sache zu Hause mal einem Spezialisten übergeben und mich vorläufig häufiger in Internetcafes aufhalten. Fotos kann ich dort leider auch nicht von der Kamera runterladen, die werde ich dann erst nach meiner Rückkehr nachpflegen. Da wird mir wieder bewußt, dass das Abenteuer bald ein Ende hat. Schon in zweieinhalb Wochen bin ich wieder in Berlin und beginne mit dem Konditionstraining für die Kilimandscharobesteigung.

Freitag, 7. Mai 2010

Unter Tage






HO CHI MINH STADT: Der Virus macht mir zu schaffen. Dass ich gestern doch plötzlich wieder Bilder von der Kamera laden konnte, war wohl nur ein kurzes Aufbäumen. Ich weiß auch nicht, woran es liegt. Ich habe definitiv einen Virus auf dem Laptop, kann aber auch die Bilder nicht auf einem anderen Computer von der Kamera laden. Liegt es an der Kamera? Aber warum kann ich die Fotos dann dort sehen? Ich glaube, hier brauche ich professionelle Hilfe. Kann aber sein, dass deshalb der Blog vorläufig ohne Fotos auskommen muss und die dann erst später nachgepflegt werden. Auch heute habe ich wieder viele Fotos gemacht. Um 8:15 Uhr werde ich von Asia Trails im Hotel abgeholt. Mit dabei sind noch zwei Paare aus Holland, eines davon mit ihrem etwa einjährigen Sohn, und ein Paar aus Australien. Unser Ziel ist Cu Chi, etwa 60 km nördlich von HCMC am Saigon River. Unterwegs werde ich zum Held des Tages gekürt, weil ich im heroischen Kampf den Moskito bezwungen habe, der sich mit an Bord unseres Kleinbusses geschmuggelt hatte. Die Fahrt dauert anderthalb Stunden, von denen wir die längste Zeit damit verbringen, die Stadt zu verlassen. Ziel unseres Ausflugs ist ein 200 km langes Tunnelsystem, von dem aus die Vietnamesen Saigon gegen die Amerikaner zurück erobert haben. Statt WC-Steinen benutzt man hier übrigens Eiswürfel, wie ich nach der Ankunft feststellen kann. Nach einem Vortrag über das Tunnelsystem besichtigen wir einige freigelegte Teile und kommen schließlich zur Teststrecke, wo man wahlweise 20 oder 40 m selbst durch den Tunnel kriechen kann. Das ist natürlich mal wieder nichts für Klaustrophobiker. Nach meinen bisherigen Tunnelerfahrungen nehme ich jedoch, zusammen mit unserem Guide und dem Australier die lange Strecke. Zurück in Saigon drängle ich erst einmal an der Rezeption wegen meiner gestern abgegebenen Wäsche, die mir quasi in diesem Augenblick auf mein Zimmer gebracht wird. Dann laufe ich noch durch die Shoppingmeilen der Stadt und gebe nach dem zweiten Internetcafé das Projekt „Fotos runterladen“ auf. Anschließend mache ich mich ans Rucksackpacken für die nächsten zwei Tage.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Die Spuren des Krieges















HO CHI MINH STADT: Beim Frühstück im Hotel offenbart sich mal wieder ein erheblicher Personalüberhang. Arbeitskräfte sind in Vietnam offensichtlich billig, was zu einer Überbesetzung in Geschäften, Restaurants und eben auch im Hotel führt. Das Frühstücksteam hat sich um den Fernseher versammelt, auf dem der Comickanal läuft. Man kann den Vietnamesen aber nicht vorwerfen, dass sie nicht arbeiten wollen. Als der Toaster ausgetauscht werden muss, erledigen sie das zu viert. Man lässt es ruhig angehen in Saigon. Die Straßencafés sind gut besucht an diesem Donnerstagmorgen. Mein erstes Ziel ist der Tao Dan Park, in dem sich um diese Zeit die Einheimischen zum Meditieren oder zur gemeinsamen Morgengymnastik versammeln. Weiter führt mich mein Weg zum Reunification Place, in dessen Garten, rund um den obligatorischen, mit Ho-Bildern und roten Fahnen, geschmückten Palast Panzer und Jagdbomber stehen. Ohnehin begegnen einem im Stadtbild Saigons auf Schritt und Tritt Erinnerungen an den gewonnenen Vietnamkrieg. Da verwundert es wenig, dass die meistbesuchte Sehenswürdigkeit das Kriegsmuseum ist, wohin ich als nächstes gehe. Das Museum ist wirklich sehenswert. Außen ist die militärische Sicht dargestellt, innen die menschlichen Tragödien. Ich gebe mich betont deutsch, um hier bloß nicht für einen Amerikaner gehalten zu werden. Die Hitze ist schon vormittags unerträglich und ich ziehe mich auf einen Melonensaft in ein Straßencafé zurück. Dazu wird, auch wenn man nichts isst, gratis ein eisgekühlter gelblicher Tee gereicht. Als mir zum dritten mal nachgeschenkt wird, bemerkt die Kellnerin richtigerweise „Vietnam very hot.“, worin wir einer Meinung sind. Ich schaue mir noch das ehemalige amerikanische Botschaftsgebäude an, von wo aus die Amis damals fluchtartig das Land verlassen haben. Die Vietnamesen sind jedoch sehr um Neutralität und gute Beziehungen zu den USA bemüht und somit erinnert keine Gedenktafel oder ähnliches daran. Ein Foto wird mir auch vom allzeit umsichtigen Sicherheitspersonal verwehrt. Weiter zur „Maria Church“ und zum altehrwürdigen Hauptpostamt, das bereits 119 Jahre alt ist, immer noch als Post dient und natürlich auch von einem riesigen Ho Chi Minh-Bild überragt wird. Ich schlendere noch ein wenig durch die Stadt, was teilweise kein Vergnügen ist. Zwar ist man hier eher an den Anblick großer Menschen gewöhnt, weiß aber auch, dass sich mit ihnen Geld verdienen lässt. Neben den Motorrollertaxis verfolgen mich permanent Verkäufer von Hängematten und T-Shirts, ab mittags auch die Sonnenbrillen- und Getränkehändler. Es ist dabei übrigens egal, wenn man gerade eine Flasche Wasser am Hals und eine Sonnenbrille auf der Nase hat. Dazu kommt der Umstand, dass Vietnamesisch grundsätzlich geschrien wird und außerdem verdrängen die Rollerfahrer die Fußgänger von den Bürgersteigen. Natürlich nur dort, wo diese gerade nicht von Rollern oder Straßencafés zugestellt sind. Der Bürgersteig ist streckenweise eine Art inoffizieller Rollerstreifen geworden. Aufgrund der Hitze bin ich nur in meinen alten Bundeswehrbadelatschen unterwegs, die Deutschland wohl nicht wiedersehen werden. Das heißt aber auch, dass ich nach jedem Ausflug die Füße vom satten schwarz befreien muss, was ich in der Regel gleich für eine Dusche nutze. Nach einer kurzen Verschnaufpause gehe ich noch ins „Barbecue Garden“ in der Nam Ký Khói Nghia. Bei angenehm kühlen 25 Grad kannm an hier unter Bäumen entspannen und auf dem Gasgrill, der in der Mitte des Tisches eingelassen ist, seine Häppchen selbst zubereiten. Heißt aber mal wieder, mit Stäbchen zu essen. Erschwerend kommen auch hier die unbeschäftigten Angestellten hinzu, die mir dabei auf die Finger schauen. Ich hab das aber inzwischen gut drauf und suche mir extra die kleinsten und schlüpfigsten Salatstückchen aus, um das zu demonstrieren. Ich glaube, es sind inzwischen eher Blicke der Bewunderung, die ich da einsammle. Neben dem Garten befindet sich ein riesiger Rollerparkplatz, sogar mit Rollerhelmgarderobe. Für den Abend und sicher auch noch den morgigen nehme ich unterwegs noch einen bunten Obstteller für knapp drei Euro mit, bestehend aus Melone, Ananas und meinem neuen Lieblingsobst, der Drachenfrucht. Leider hab ich mir auf meinem Laptop einen Virus eingefangen, der sich nicht so einfach entfernen lässt. Er äußert sich bisher vor allem darin, dass ich keine Fotos mehr von meiner Kamera runterladen kann. Das muss ich nun also gelegentlich mal nachholen. Auch vom heutigen Tag wird es also demnächst noch ein paar Bilder zu sehen geben.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Zurück im Großstadtdschungel















HO CHI MINH STADT: Im „Best Western“ genieße ich das bislang beste Frühstück dieser Reise. Dann bezahle ich noch schnell meine Hotelrechnung sowie die Cashewkerne und die Schokolade aus der Minibar, die zusammen mit dem kostenlosen Obstkorb mein gestriges Abendessen gebildet haben. Um 7 Uhr geht es im Taxi auf die zehnminütige Fahrt zum Flughafen von Haiphong, wo ich bei Vietnam Airlines einchecke. Wir fliegen von Gate 1 ab, was wenig überrascht, da es nur ein Gate gibt. Von hier starten täglich fünf Flüge nach Ho Chi Minh Stadt und das war`s. Damit ist auch das Ziel meines heutigen Fluges verraten. Ho Chi Minh Stadt oder kurz HCMC oder alt, aber immer noch gebräuchlich, Saigon. Der Flug startet überpünktlich und dauert knapp zwei Stunden. Das Frühstück kommt mir wenig entgegen, fängt doch nun rund um mich herum wieder das Geschmatze und Geschlürfe, gern begleitet vom allseits beliebten Nasehochziehen, ein. Ich quartiere mich in der zehnten Etage des „Le Duy“ Hotels im District 1 ein und begebe mich alsbald auf einen ersten Erkundungsgang durch die Stadt. Es ist wesentlich wärmer hier, als in Hanoi und an der Halong Bucht. Schließlich bin ich ja dem Äquator wieder über 1000 km näher gerückt. Der Straßenverkehr ist hier noch um einiges chaotischer, als in Hanoi. Aber das Training in der Hauptstadt lässt mich inzwischen die Straßen relativ souverän überqueren. Aber ein bisschen Nervenkitzel ist schon immer noch dabei, wenn man nach vietnamesischer Taktik einfach langsam, aber gleichmäßig, losläuft und den Roller- und Autofahrern vertraut. Mein erstes Ziel ist der Saigon Square und der „Ben Thanh Markt“, der größte Markt der Stadt. Ich halte mir mal wieder die Taschen zu und schlendere an tausenden billiger und gefälschter Textilien vorbei. Die Fisch- und Fleischabteilung kommt mir als Appetitzügler gerade recht. Was hier so auf den Tischen liegt, dürfte zu großen Teilen nicht mehr zum Verzehr geeignet sein. Ein zweifelhafter Duft Asiens setzt sich in meiner Nase fest. Weiter zum „Hotel de Ville“, das heute nur noch das Rathaus beherbergt, und dann entlang der Nguyen Hue hinunter zum Saigon River. Unterwegs, nach einem Mangoshake im „Café Angelina“, gegenüber dem deutschen Restaurant „Gartenstadt“, laufe ich durch das kleine Shopping Center „Lucky Plaza“. Eigentlich hatte ich ja schon ein T-Shirt von Vietnam, aber mein Gelübde, aus jedem Land nur eines mitzubringen, hatte ich ja schon in Kapstadt gebrochen. Und das „Vietnam Telecom“-Shirt stößt auf mein Interesse. Die Verkäuferin bettelt regelrecht darum, dass ich hier zuschlage und kommt völlig außer Atem mit meiner Größe aus dem Lager zurück. Jetzt kann ich sie nicht enttäuschen und, obwohl ich mich noch weiter umschauen wollte, mache ich sie mit dem Kauf offensichtlich sehr glücklich. Ihre Freude ist unbändig. Sie verneigt sich mehrmals bis in die Waagerechte. Ist Sie über meinen Kauf wirklich so glücklich oder gehört derart devotes Verhalten zur Verkaufsstrategie, weil man das eben von den Asiaten erwartet? Anschließend erwerbe ich an einem anderen Stand ein weiteres Bild, Nummer vier auf meiner Reise, und gestalte in Gedanken schon meine Wohnung um. Am Fluss halte ich mich nicht lange auf, gehe lieber noch über einen Straßenmarkt. In einem kleinen Laden kaufe ich noch zwei Instantsuppen und entdecke sogar eine kleine Schwarzbrotabteilung. Manchmal bin ich sehr leicht glücklich zu machen.

Dienstag, 4. Mai 2010

Wellness in Haiphong













HAIPHONG: Ein letztes mal fahren wir über die Halong Bucht. Heute früh haben wir nach einem deftigen Frühstück Cat Ba verlassen. Auf der Fahrt im Minibus zum Hafen haben wir noch ein paar Amerikaner mitgenommen. Da diese mit größerem Gepäck reisen und nicht, wie wir, ihre großen Taschen auf dem Boot gelassen haben, wird es eng und ungemütlich. Die Amis haben ihre eigene Musik mitgebracht, die von „Hotel California“ bis Modern Talking reicht. Aber sich über Rammstein aufregen! Unterwegs umkurven wir gekonnt mehrere Grüppchen von vietnamesischen Arbeitern und Bauern, die sich zum Kartenspiel auf die Straße gesetzt haben. Ob es sich um 11 Uhr noch um die Frühstücks- oder schon die Mittagspause handelt, ist nicht überliefert. Auf dem Schiff erhalten wir noch ein gutes Mittagessen, hier auch wieder mit Besteck. Ansonsten trifft man hier, selbst in unserem großen Hotel, eher auf die traditionelle Stäbchenvariante. Ich betrachte mich diesbezüglich als einigermaßen talentfrei und entschuldige mich auf diesem Wege bei allen Tischnachbarn, die das mit ansehen mussten. Unser Boot legt in Halong Bay City an, wo wir wieder in den erwarteten Trubel eintauchen. Ich fahre nicht mit den anderen zurück, sondern bin auf der Suche nach einem Transfer ins näher gelegene Haiphong, von wo aus ich morgen nach Ho Chi Minh Stadt fliegen will. Eine Zugverbindung zwischen beiden Städten gibt es nicht und die Busse scheinen mir zu unsicher und zu unbequem. Also bleibt nur die Taxivariante. Alle Taxis fahren hier nach Taxameter. Dadurch spart man sich zwar das Gefeilsche, aber einige Taxameter laufen auf wundersame Weise schneller, als andere. Die Vermittlung unseres Guides Toai nehme ich deshalb gern in Anspruch. Die Fahrt dauert zwei Stunden und kostet mich 600.000 Dong, also etwa 24 Euro. Der Toyota ist recht neu und gut erhalten und so vergeht die Zeit recht schnell. Allgegenwärtig im vietnamesischen Straßenverkehr ist der gute alte LKW W50 aus Ludwigsfelde. Der Anblick ist immer wieder schön, es sei denn, er kommt uns gerade entgegen, während mein Fahrer den Schulterblick übt. In Haiphong gönne ich mir mal das etwas bessere „Best Western Pearl River“, was für die meisten Vietnamesen wahrscheinlich unerschwinglich, für uns aber immer noch günstig ist. Da die Stadt nicht viel zu bieten hat, außer eben einen Flughafen, von dem aus man nach Saigon kommt, wollte ich es mir eben im Hotel gut gehen lassen. Gut, der Pool ist trocken und im Wellnessbereich muss ich mich der übertriebenen Fürsorge des Personals erwehren, aber ich bereue die Wahl nicht. Den Abend verbringe ich mit dem Programm der "Deutschen Welle".

Montag, 3. Mai 2010

Können Kängurus rückwärts laufen?















CAT BA: Ja, sie können. Aber dazu später. Ich habe sehr gut geschlafen und bin um halb sechs das erste mal wach geworden. Es ist taghell draußen, obwohl uns unser Guide den Sonnenaufgang erst für sechs Uhr angekündigt hatte. Die drei Hühner aus Roskilde sind auch schon wach und toben sich lautstark im Wasser aus. Wir nehmen Kurs auf die Insel Cat Ba, wo ich mit den vier Australiern von Bord gehen werde. Wir bekommen unsere Pässe zurück. Die sollten wir beim Einschiffen abgeben. Angeblich, weil die Polizei wissen will, wer in der Bucht unterwegs ist. Nun lagen die Pässe allerdings hinter der Bar. Beim Anblick des australischen Passes erkläre ich den Besitzern, warum sich im Wappen ihres Landes nur Emu und Känguru wiederfinden, aber kein Koala, Krokodil oder was es da sonst noch gibt. Das ist Symbolik, denn diese beiden Tiere sind die einzigen in Australien, die nur vorwärts laufen können und niemals rückwärts. Ich behaupte, das gelesen zu haben, weiß es aber eigentlich von der Fernsehsendung „Genial daneben“. Ich erhalte darauf eine sehr australische Korrektur. Kängurus können sehr wohl rückwärts laufen. Nämlich, wenn man sie von vorn anfährt. Mal wieder heißt es, Abschied nehmen. Mit den Hühnern, den Krankenschwestern und Liam haben wir zwei Tage lang viel geplaudert, gelacht und erlebt. Sobald man aber wieder ein paar Tage weitergereist ist, ist alles, was bleibt, ein paar E-Mails, mit denen man Fotos austauscht und irgendwann verschwindet man bestenfalls in den Facebook-Kontakten. Auf einer solchen Reise lernt man aber, damit umzugehen, und die alltäglichen flüchtigen Bekanntschaften richtig einzuordnen. Auf Cat Ba erklimmen wir nach kurzer Fahrt einen 225 Meter hohen Hügel und ich lege noch den darauf befindlichen Aussichtsturm drauf, um einen Rundumblick über die Insel zu gewinnen. Weitere zwanzig Minuten später erreichen wir Lan Ha Bay, wo wir im „Holiday View Hotel“ Quartier beziehen. Eventuell das beste, sicher das höchste, Hotel der Stadt, die außer seinem Hafen wenig zu bieten hat. Nach einem kurzen Mittagessen brechen wir deshalb zur „Monkey Island“ auf, an deren Strand wir uns niederlassen, baden und den Affen und Riesenquallen aus sicherer Distanz zusehen. Der Barbesitzer weiß, was die Touristen sehen wollen. Also, einige Touristen. Also, amerikanische Touristen. Er stellt ihnen eine Coca Cola-Dose hin. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Nachdem drei Affen mit der Dose posiert haben, bleibt sie eben da stehen. Vermutlich werden die Requisiten aber am Ende des Tages wieder eingesammelt, denn so dreckig ist der Strand nun auch wieder nicht. Als wir zurück im Hotel sind, vergehen nur noch zwei Stunden und schon ist auch der Strom wieder da. Ein Abendessen und ein paar Biere, das muss reichen für heute. Die Ambitionen, noch eine Runde im Ort zu drehen sind gering und wir verziehen uns auf unsere Zimmer.

Sonntag, 2. Mai 2010

Ein Tag auf dem Meer















HALONG BAY: Um 8 Uhr starte ich mit zwei etwas älteren australischen Paaren im Kleinbus von „Queen Travel“, denen auch unser Hotel gehört, in Richtung Halong Bucht. Ich mache es mir schon bequem, aber wir halten noch einige mal und letztendlich ist der Bus bis auf zwei Sitze voll. Die freien Plätze sind bis unter das Dach mit Gepäck beladen. Ich komme ins Gespräch mit zwei Mädels aus Österreich. Sie haben ihre Jobs gekündigt, um vier Monate zu verreisen. Ich erkenne Parallelen, aber auch einige Gegensätze. Vor allem sind es echte Tussis, die ich nicht lange ertragen kann. Die Fahrt nach Halong Bay City dauert fünf Stunden, von denen wir eine halbe in einer Werkstatt verbringen, wo behinderte Menschen Tourikram produzieren. Ich kann widerstehen, wie im Übrigen alle Businsassen. In Halong Bay City bricht nun das reinste Chaos aus, aber das empfinden vielleicht auch nur wir so. Die Aufgabe ist es, die angekommenen Reisenden auf Boote zu verteilen. Kompliziert wird das Ganze dadurch, dass jeder etwas anderes gebucht hat. Zwei Tage, drei Tage, eine Woche. Ich lande letztendlich auf der „Dang Tam“. Den Namen sollte man sich schon merken, denn die Unterschiede zwischen den Booten sind ansonsten marginal. Das Boot ist angenehm locker gefüllt. Neben mir und den vier Australiern sind holländischen Krankenschwestern Femke und Eline an Bord, mit denen ich schnell auf einer Wellenlänge liege. Die beiden befinden sich auch auf einer mehrmonatigen Weltreise. Dann sind da noch drei schmollmündige Hühner aus Roskilde in Dänemark, die nach Abschluss ihrer Schule vor etwa einem Jahr zu einem Volontariat nach Indien aufgebrochen sind und nun, vor Beginn ihres Studiums, noch ein bisschen durch Indochina reisen. Dänemark ist auf unserem Boot etwas überrepräsentiert, denn neben den dreien ist noch ein Pärchen aus der Nähe von Aarhus dabei. Außerdem ein 33-jähriger Waliser in Begleitung seiner Mutter. Ich beziehe Kabine drei, neben Femke und Eline, und wir stechen in See. Ich lasse mich auf einer der Liegen auf dem Dach nieder. Schnell scharen sich die Krankenschwestern und Hühner um mich, was wohl eher am grandiosen Ausblick, als an mir, liegt. Bizarre, grün bewucherte, Felsen ragen aus dem Wasser hervor. An einem von ihnen gehen wir an Land und steigen zu einer Höhle auf. Nach den Cango Caves in Südafrika sind die aber eher ein Kinderspielplatz für mich. Eine Geschäftsidee nehme ich aber mit. Man interpretiert in einen Stein eine Schildkröte hinein und behauptet, es würde Glück bringen, wenn man ihr Geld auf den Kopf legt. Funktioniert hier offenbar ganz gut. Nach kurzer Fahrt machen wir an einer Plattform fest, von der aus wir die Möglichkeit zum Kajakfahren haben. Mit dem Engländer Liam nehme ich diese wahr. Etwa eine Stunde rudern wir zwischen den Felsen umher, durch einen Tunnel und in geflutete Höhlen. Auf einem Felsen sehen wir Affen, die sich auf den Bäumen austoben. Wieder ein paar Meter gefahren gehen wir auf einer weiteren Insel an Land. Ich gehe mit Eline baden und anschließend wandere ich mit ihr und Femke auf den Gipfel des Eilands. Irgendwie ist das unserem Guide, dessen Namen ich noch lerne, wohl entgangen, denn wir sehen unser Boot gerade ablegen, als wir zur Anlegestelle zurückkehren. Ein lauter Pfiff von Eline bewegt sie in letzter Sekunde zur Umkehr und wir werden doch noch mitgenommen. Naja, spätestens beim Abendessen wäre es ja aufgefallen. Das nehmen wir am feierlichen Tisch ein, aber mit den Krankenschwestern geselle ich mich schnell zur Crew, die wesentlich gemütlicher auf einer Decke auf den Planken platzgenommen hat. Da ich satt bin koste ich nur vom Reiswein, der schon fast alle ist. Dass in dieser Runde Schmatzen und Schlürfen zum guten Ton gehören, ist gewöhnungsbedürftig, aber eben eine kulturelle Eigenart. Im Übrigen macht es auch nicht gerade Spaß, den Australiern beim Essen zuzusehen. Es fällt mir ja schon schwer, zu tolerieren, wenn jemand mit vollem Mund redet, aber zu reden, während man den Löffel, ein Hühnerbein oder die eigene Faust im Mund hat, ist schon grenzwertig. Rülpsen ist offenbar in Australien auch okay. Die Crew hat die Karaoke-Anlage für uns raus gekramt, aber so ganz locker sind wir dann doch noch nicht und so lauschen wir lieber vom Dach des Bootes den Gesangskünsten auf den anderen Booten, denn Karaoke ist hier offenbar das einzige Animationsprogramm. Ich kann das Lied „Yellow Submarine“ nicht mehr hören.