KAPSTADT: Nach dem Frühstück geht Sandra ins Internet Café, um ihre Weiterreise zu organisieren und ich mal wieder zu Mr. Pickwick`s. In Bob`s Beer Bar auf der anderen Straßenseite ist die Stimmung wie immer ausgelassen und eine gewichtige dunkelhäutige Dame übertönt mit ihrem lieblichen Gesang den Straßenlärm. Nachdem Sandra alles erledigt hat, sammelt sie mich ein und wir gehen zum Bahnhof an der Adderley Street. Mit der Metrorail, die vor allem die Innenstadt mit den umliegenden Townships verbindet und fast ausschließlich von Schwarzen genutzt wird, wollen wir eine Station bis Woodstock fahren. Das ist ein Stadtteil, der angeblich viele Parallelen mit seinem amerikanischen Namensvetter aufweist. Wir wollten schon einmal vor zwei Tagen abends dorthin fahren, aber die Empfangsdame in unserem Hotel hat uns aus Sicherheitsgründen dringend davon abgeraten, nach Einbruch der Dunkelheit nach Woodstock zu fahren, was wir dann auch lieber sein lassen hatten. Die zahnlose Dame am Infoschalter gibt uns die nötigen Fahrplaninformationen und bestätigt, dass es keine Fahrscheinautomaten gibt und wir uns wegen unserer Tickets in die Warteschlange einreihen müssen. Gut, die Bahn in acht Minuten schaffen wir dann wohl nicht. Wir spekulieren auf die nächste, die in 40 Minuten abfährt. Der Bahnhof verfügt über 14 Ticketschalter. Von diesen sind zwei besetzt, von diesen einer geöffnet. Weiter vorn in der Schlange entdecken wir sogar noch zwei weitere Weiße, scheinbar auch Touristen. Da wir nur eine Station fahren müssen, begnügen wir uns mit Tickets in der dritten Klasse für jeweils fünf Rand. Neben diversen Infobroschüren und Gratiszeitungen liegen am Infoschalter auch Kondome aus. Das Thema AIDS wird offenbar angegangen in Afrika. Wir schreiten die Bahn ab und vermuten bei einem Wagen schon, dass dies die dritte Klasse sein müsse, stellen dann aber fest, dass es die erste Klasse ist. Wagen der zweiten Klasse können wir nicht ausmachen, aber die dritte ist dann doch nicht so schlimm wie befürchtet. Die Gegend um den Bahnhof Woodstock bestätigt, dass dies nachts kein sicheres Pflaster sein dürfte und so ganz erschließt sich uns der Reiz des Viertels zunächst nicht. In einem Lebensmittelgeschäft entdecke ich „Stoney Ginger Beer“, dass äußerlich gravierende Ähnlichkeit mit „Stoney Tangawizi“ aufweist. Das ist eine Limonade mit Ingwergeschmack, die ich vor fünf Jahren in Tansania kennengelernt habe und die süchtig macht. Natürlich muss ich eine Flasche und eine Dose davon mitnehmen, um sie einem Geschmackstest zu unterziehen. Und was soll ich sagen? Es ist kein Bier, es ist original Stoney Tangawizi, nur unter falschem Namen. Matthias und Yvonne, Ihr versteht meine Freude, oder!? Das Ziel unserer Wanderung ist die Old Biscuit Mill, wo an den Wochenenden einer der größten und schönsten Märkte der Stadt seine Pforten öffnet. Hier gibt es nicht, wie der Name vermuten lassen könnte, harte Kekse, sondern eine bunte Mischung aus Second-Hand-Waren, Möbeln, Kleidung, Büchern, einfach alles. Der Neighbor Goods Market ist die Schlemmermeile und verführt uns zu einigen kleinen Sünden. Wir halten uns eine Weile hier auf, genießen das bunte, turbulente Treiben und kommen mit Einheimischen ins Gespräch. Im Umfeld des Bierstandes wird allerdings überwiegend Deutsch gesprochen. Anschließend schlendern wir noch ein wenig durch die Straßen von Woodstock und halten an der Victoria Road nach einem Taxi Ausschau. Wir entscheiden uns dann doch für einen Minibus, der halbwegs in unsere Richtung fährt. Man bietet uns zwei Plätze erster Klasse an. Die gibt es natürlich eigentlich nicht. Der mitfahrende Kassierer nennt so nur die beiden Plätze neben dem Fahrer in der ersten Reihe. Die Fahrt kostet ebenfalls fünf Rand und führt uns zurück zum Bahnhof an der Adderley Street. Es ist ein wahrer Partybus mit lauter Musik und dumpfen Bässen. Zu Fuß gehen wir dann noch nach Bo-Kaap, einem Viertel ganz in der Nähe unseres Hotels, dass vor allem für seine bunten Häuser bekannt ist. Kurz die Beine im Hotel ausgeruht und wieder ab auf die Piste. Wir fahren wieder mit dem Minibus, diesmal in der letzten Reihe, dafür für sechs Rand, nach Camps Bay, einem Vorort Kapstadts, der als Surferparadies bekannt ist. Auch an diesem Bus ist das wertvollste die Soundanlage. Wir kehren auf ein paar Biere und etwas Fingerfood ins Café Caprice ein, halb Restaurant, halb Club. Die anderen Gäste scheinen schon früher angefangen zu haben und haben einen weitaus höheren Alkoholpegel, als wir ihn uns heute noch zutrauen würden. Zurück nehmen wir dann doch ein Taxi für 100 Rand.
Samstag, 17. April 2010
STONEY Ginger Beer
KAPSTADT: Nach dem Frühstück geht Sandra ins Internet Café, um ihre Weiterreise zu organisieren und ich mal wieder zu Mr. Pickwick`s. In Bob`s Beer Bar auf der anderen Straßenseite ist die Stimmung wie immer ausgelassen und eine gewichtige dunkelhäutige Dame übertönt mit ihrem lieblichen Gesang den Straßenlärm. Nachdem Sandra alles erledigt hat, sammelt sie mich ein und wir gehen zum Bahnhof an der Adderley Street. Mit der Metrorail, die vor allem die Innenstadt mit den umliegenden Townships verbindet und fast ausschließlich von Schwarzen genutzt wird, wollen wir eine Station bis Woodstock fahren. Das ist ein Stadtteil, der angeblich viele Parallelen mit seinem amerikanischen Namensvetter aufweist. Wir wollten schon einmal vor zwei Tagen abends dorthin fahren, aber die Empfangsdame in unserem Hotel hat uns aus Sicherheitsgründen dringend davon abgeraten, nach Einbruch der Dunkelheit nach Woodstock zu fahren, was wir dann auch lieber sein lassen hatten. Die zahnlose Dame am Infoschalter gibt uns die nötigen Fahrplaninformationen und bestätigt, dass es keine Fahrscheinautomaten gibt und wir uns wegen unserer Tickets in die Warteschlange einreihen müssen. Gut, die Bahn in acht Minuten schaffen wir dann wohl nicht. Wir spekulieren auf die nächste, die in 40 Minuten abfährt. Der Bahnhof verfügt über 14 Ticketschalter. Von diesen sind zwei besetzt, von diesen einer geöffnet. Weiter vorn in der Schlange entdecken wir sogar noch zwei weitere Weiße, scheinbar auch Touristen. Da wir nur eine Station fahren müssen, begnügen wir uns mit Tickets in der dritten Klasse für jeweils fünf Rand. Neben diversen Infobroschüren und Gratiszeitungen liegen am Infoschalter auch Kondome aus. Das Thema AIDS wird offenbar angegangen in Afrika. Wir schreiten die Bahn ab und vermuten bei einem Wagen schon, dass dies die dritte Klasse sein müsse, stellen dann aber fest, dass es die erste Klasse ist. Wagen der zweiten Klasse können wir nicht ausmachen, aber die dritte ist dann doch nicht so schlimm wie befürchtet. Die Gegend um den Bahnhof Woodstock bestätigt, dass dies nachts kein sicheres Pflaster sein dürfte und so ganz erschließt sich uns der Reiz des Viertels zunächst nicht. In einem Lebensmittelgeschäft entdecke ich „Stoney Ginger Beer“, dass äußerlich gravierende Ähnlichkeit mit „Stoney Tangawizi“ aufweist. Das ist eine Limonade mit Ingwergeschmack, die ich vor fünf Jahren in Tansania kennengelernt habe und die süchtig macht. Natürlich muss ich eine Flasche und eine Dose davon mitnehmen, um sie einem Geschmackstest zu unterziehen. Und was soll ich sagen? Es ist kein Bier, es ist original Stoney Tangawizi, nur unter falschem Namen. Matthias und Yvonne, Ihr versteht meine Freude, oder!? Das Ziel unserer Wanderung ist die Old Biscuit Mill, wo an den Wochenenden einer der größten und schönsten Märkte der Stadt seine Pforten öffnet. Hier gibt es nicht, wie der Name vermuten lassen könnte, harte Kekse, sondern eine bunte Mischung aus Second-Hand-Waren, Möbeln, Kleidung, Büchern, einfach alles. Der Neighbor Goods Market ist die Schlemmermeile und verführt uns zu einigen kleinen Sünden. Wir halten uns eine Weile hier auf, genießen das bunte, turbulente Treiben und kommen mit Einheimischen ins Gespräch. Im Umfeld des Bierstandes wird allerdings überwiegend Deutsch gesprochen. Anschließend schlendern wir noch ein wenig durch die Straßen von Woodstock und halten an der Victoria Road nach einem Taxi Ausschau. Wir entscheiden uns dann doch für einen Minibus, der halbwegs in unsere Richtung fährt. Man bietet uns zwei Plätze erster Klasse an. Die gibt es natürlich eigentlich nicht. Der mitfahrende Kassierer nennt so nur die beiden Plätze neben dem Fahrer in der ersten Reihe. Die Fahrt kostet ebenfalls fünf Rand und führt uns zurück zum Bahnhof an der Adderley Street. Es ist ein wahrer Partybus mit lauter Musik und dumpfen Bässen. Zu Fuß gehen wir dann noch nach Bo-Kaap, einem Viertel ganz in der Nähe unseres Hotels, dass vor allem für seine bunten Häuser bekannt ist. Kurz die Beine im Hotel ausgeruht und wieder ab auf die Piste. Wir fahren wieder mit dem Minibus, diesmal in der letzten Reihe, dafür für sechs Rand, nach Camps Bay, einem Vorort Kapstadts, der als Surferparadies bekannt ist. Auch an diesem Bus ist das wertvollste die Soundanlage. Wir kehren auf ein paar Biere und etwas Fingerfood ins Café Caprice ein, halb Restaurant, halb Club. Die anderen Gäste scheinen schon früher angefangen zu haben und haben einen weitaus höheren Alkoholpegel, als wir ihn uns heute noch zutrauen würden. Zurück nehmen wir dann doch ein Taxi für 100 Rand.
Freitag, 16. April 2010
Der große Weiße
KAPSTADT: Ich bin heute um Haaresbreite einer Adoption entgangen. Eine liebenswerte Dame aus Paris, die mit ihrem Sohn Cyriel unterwegs ist, hat mich sehr ins Herz geschlossen. Zum einen, weil ich aus ihrer Zweitlieblingsstadt komme. Auf Paris darf sie wohl nichts kommen lassen. Zum anderen zeigt sie sich sehr enttäuscht darüber, dass sie erfahren musste, dass das Kap der guten Hoffnung nicht der südlichste Punkt Afrikas ist. Da will sie unbedingt mal gestanden haben und fragt mich, ob ich schon einmal etwas von Ushuaia gehört habe. Es ist ihr großer Traum, einmal dort gewesen zu sein. Als ich ihr berichte, dass ich vor einer Woche noch dort war, kriegt sie sich kaum noch ein. Sie sollte eigentlich längst in Paris zurück sein, doch die Air France-Maschine war überbucht und da sie ein vergünstigtes Ticket über einen ihrer anderen Söhne, seines Zeichens Pilot bei Air France, bekommen hat, mussten sie und ein anderer Sohn ihren Aufenthalt in Südafrika unfreiwillig verlängern. Wie gemein! Sie gehört zur Reisegruppe von Wiehann Myburgh, der mich vom Frühstückstisch zu einer Tagestour abholt, während sich Sandra auf einen Shoppingtag freut. Der schneidezahnlose Barkeeper gluckst immer noch, als ich zum Frühstück komme: „Short lady is not here, hihi.“ Nach der Einsammeltour durch Kapstadt sind wir mit Wiehann zu sechst und fahren etwa zweieinhalb Stunden in südöstliche Richtung nach Hermanus. Dort wird der Bus allerdings voll. Wir sind nun 23 Leute, überwiegend Engländer, und fahren weiter nach Gansbaai. Dort warten zwei weitere Begleiter und nachdem wir mit mehreren Unterschriften sämtlichen Schadensersatzforderungen gegen „White Shark Ecoventures“ abgeschworen haben, machen wir uns an Bord der „Megalodon II“ auf die Suche nach dem weißen Hai. Uns wurde noch empfohlen, Tabletten gegen Seekrankheit zu nehmen, doch als ganzer Kerl will ich von derartigem Schnickschnack nichts wissen, was auch die Fische noch zu spüren bekommen sollten. Wir gehen vor Anker und legen einen Thunfischkopf als Köder aus. Und während uns Wiehann noch das Schiff erklärt, findet sich der erste weiße Hai neben unserem Boot ein. Dass es ein weißer Hai ist, ist leicht zu erraten, da es hier nur diese gibt. Wir pellen uns in Neoprenanzüge und steigen in Fünfergruppen in einen Käfig, der steuerbord angebracht ist. Backbord ist den seekranken Fahrgästen vorbehalten. Aber zunächst entscheide ich mich für steuerbord und meine Unterwasserkamera besteht ihre erste Bewährungsprobe. Der Wellengang ist heftig und ich begebe mich nach backbord, wo ich mit meinem Mageninhalt die Haie anlocke. Ich befinde mich hier in guter Gesellschaft und nach und nach ist diese Seite begehrter, als die, wo sich ein Hai nach dem anderen einfindet. Insgesamt sehen wir fünf Haie zwischen 2,50 und 3 Metern Länge und treten zufrieden den Heimweg an. Sandra ist etwas angesäuert, da Sebastian, mit dem sie ab Sonntag die Reise fortsetzen wollte, wegen der Aschewolke nicht in Deutschland abheben kann. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber Fakt ist, dass wir ab Montag, wie von Anfang an geplant, getrennt weiterreisen werden. Dann heißt es für mich auch, vorerst Abschied von Kapstadt zu nehmen. Ich gehe mal wieder ins „Mr. Pickwick`s“, wo mich mein Stammkellner schon freudig erwartet. Dass ich immer wieder hierher gehe liegt vor allem daran, dass ich hier für 100 Rand, also zehn Euro, ein W-LAN-Guthaben erworben habe, das wohl noch für fünf Jahre reichen dürfte. Zufällig treffe ich auch wieder die Dame aus Paris. Ihrem Sohn geht es immer noch ziemlich dreckig und sie vertreibt sich den Abend in der Stadt.
Donnerstag, 15. April 2010
Ash tray for your joint?
KAPSTADT: Die Südafrikaner, besonders die schwarzen, haben eine sehr lockere Einstellung zu ihrer Arbeit und sind ihren Kunden gegenüber immer freundlich, aber auch gern zu Späßchen aufgelegt. Schon beim Frühstück erhalte ich eine Kostprobe davon. Einem weiblichen Gast läuft die Kaffeetasse über und ihre logische Erklärung ist, dass sie zu klein sei und deshalb nicht sehen konnte, dass die Tasse schon voll ist. Der stets gut gelaunte Barkeeper kümmert um die Beseitigung der Sauerei, aber nicht, ohne sich erst einmal köstlich über die Dame zu amüsieren. Er kommt extra noch zweimal an meinen Tisch und flüstert mir kichernd zu: „This woman – too small!“ Ich laufe die Long Street runter und fotografiere die etwa hundert Meter lange Schlange vor der FNB Bank. Von der Kamera animiert, posiert einer der Bauarbeiter, die gerade mit dem Feinschliff in der Stadt beschäftigt sind und fordert mich zu einem Foto auf. Ich tue ihm den Gefallen und sehe ihn vor einer großen Modelkarriere. Nach unseren Erfahrungen in Südamerika müssen wir uns erstmal wieder daran gewöhnen, dass Autos hier vor Zebrastreifen anhalten. Das mag allerdings auch daran liegen, dass sich darunter grundsätzlich ein Speedhügel versteckt. Der Tafelberg ist in dichte Nebelschwaden gehüllt und der Wind bläst kräftig über`s Meer. Das verändert meinen heutigen Tagesplan, denn alle Fähren nach Robben Island sind für heute gecancelt. Ich buche auf eine Fähre am Sonntag um und nutze den gewonnenen Tag, um mir das neue WM-Stadion, in dem unter anderem ein Halbfinale ausgetragen wird, einmal aus der Nähe zu betrachten. Auch hier wird noch gewerkelt und ein Wachschützer stellt sich mir in den Weg. Aber die Grenze der Bestechlichkeit ist hier sehr niedrig und für zehn Rand, also einen Euro, öffnet sich mir das Stadiontor. Ins Stadioninnere komme ich aber leider nicht. Der ebenfalls schwarze Wachschützer erklärt mir, dass er nicht das Problem sei, sondern die Damen da drüben und deutet auf die weißen Verwaltungsdamen hin, die immer ein wachsames Auge auf die Wachschützer haben. Bei der Jobvergabe hat die Apartheid offensichtlich die letzten 16 Jahre überlebt. Aber in Berlin einen Taxifahrer ohne Migrationshintergrund zu finden, ist ja auch eine ambitionierte Aufgabe. Da Sandra längst zu ihrem für heute geplanten Shoppingbummel an der Waterfront gestartet sein dürfte, widme ich mich auch der Förderung der südafrikanischen T-Shirt-Industrie. Am Nachmittag mache ich es mir auf dem Balkon des „Mr. Pickwick`s“, einer Bar in der Long Street mit meinem Laptop bequem. Am Nachbartisch wird fröhlich gekifft und die Bedienung fragt nur, ob sie einen Aschenbecher für ihren Joint bräuchten. Ja, Kapstadt ist in jeder Hinsicht sehr liberal. Da sich Sandra den Bauch mit rohem Fisch vollgeschlagen hat, gehe ich abends nochmal allein auf einen Burger bei „Steers“ und einen „Frozen Yoghurt“ zur Waterfront.
Und jetzt zu Euch, Caro & Co. Ich kann mir Eure Tiraden bei Eurem wöchentlichen Treff im Hooter`s schon vorstellen: „Was `ne Pfeife. Hat bestimmt unser T-Shirt gar nicht mitgenommen.“ Falsch! Hier der Beweis. Ich trage das T-Shirt in Ehren und voller Stolz um die Welt. Ich hoffe, Zuckerhut und Tafelberg sind als Kulissen für die Fotos für`s erste prominent genug.
Zu Euren Fragen.
Sven: Na, in Berlin.
Matze: Ja.
Alex: Nein.
Armin: Montag mal wieder.
Goldie: Voraussichtlich am 25. Mai
Enno: Schon 23, wahrscheinlich noch 12.
Caro: Das ist keine Frage.
Mittwoch, 14. April 2010
Der Wal am Kap
KAPSTADT: Den Jetlag haben wir immer noch nicht überwunden. Zwischen 2 und 4 Uhr morgens sind wir beide wach geworden und haben auch eine Weile gebraucht, um wieder einzuschlafen. Das Aufstehen fällt uns entsprechend schwer, aber einfach liegen bleiben geht auch nicht. Kurz nach acht holt uns Roger von BAZ-Bus ab, um mit uns zum Kap der guten Hoffnung zu fahren. Am Ende der Einsammeltour sind wir eine bunte kleine Reisegruppe aus England, Korea, USA, Neuseeland und Deutschland. Wir fahren zunächst nach Hout Bay, von wo aus wir mit dem Boot zu einer Insel starten, wo wir die südafrikanische Pelzrobbe beobachten können. Anschließend geht es quer über die Halbinsel Peninsula nach Boulders, wo wir auf Pinguine hoffen. Dass uns allerdings schon an der Straße einer von ihnen aus seinem Nest im Wasserablauf beobachtet, überrascht uns dann schon. Am Foxy Beach leben hunderte von ihnen und wir beobachten sie von einem Holzsteg aus. Wenig später steigen wir vom Bus auf Fahrräder um und radeln bis Buffels Bay. Die Bewegung tut uns gut. Es geht 6 km die Küste entlang, überwiegend leicht bergab. Mit unserem Kleinbus nähern wir uns immer mehr dem Kap. Das Kap der guten Hoffnung ist zwar entgegen der landläufigen Meinung nicht der südlichste Punkt Afrikas, aber weitaus prominenter, als das weiter östlich gelegene Kap Agulhas und es ist schon etwas besonderes, hier zu stehen. Es wird hier fast nur Französisch und Deutsch gesprochen, was dem Moment ein wenig die Exotik raubt. Wir konnten von der heutigen Tour noch nicht das „wahre“ Afrika erwarten. Umso mehr freuen wir uns über die Tiere, die wir beobachten können. Paviane, Straußen und die putzigen Klippschiefer. Das Highlight liegt jedoch im Wasser. Nahe der Küste und von den Klippen aus gut zu beobachten hat sich ein riesiger Wal verirrt. Das ist wirklich außergewöhnliches Glück, denn die Walsaison ist in Südafrika eigentlich von Juni bis November. Unser liebenswürdiger Reiseleiter Roger bekommt Bestnoten von uns. Wir beschließen diesen Tag im „Mama Africa“ in der Long Street. Ja, ich wage mich wieder in die Höhle des Löwen, wo man vor acht Jahren meine Kreditkarte kopiert hatte. Wir sind fast die ersten Gäste und bekommen somit auch ohne Reservierung einen Tisch. Ich entscheide mich für ein „Bushman`s Hunt“ als Vorspeise. Das ist ein bunter Salat mit Springbockstreifen. Die Hauptgänge lesen sich exotisch. Zebra, Kudu, Krokodil und so weiter. Leider gibt es scheinbar in ganz Kapstadt kein Oryx, das leckerste Fleisch, das ich je probiert habe, seit Namibia im letzten Jahr jedoch vergeblich suche. Somit entscheide ich mich für das einzige Fleisch, dass ich noch nicht probiert habe: Warzenschwein. Nicht ganz zu definieren, aber wohlschmeckend. Bei Sandra gibt es Boboti, eine Art Auflauf. Der Livemusik können wir nur noch kurz lauschen, bevor wir etwas schwerfällig ins Hotel zurück laufen.
Dienstag, 13. April 2010
Sorry, London!
KAPSTADT: Der Jetlag hat uns lange um den Schlaf gebracht. Entsprechend schwer fällt uns das Aufstehen. Nach dem Standard-Frühstück in Südamerika mit Toast und Erdbeermarmelade machen wir uns genussvoll über das hiesige Frühstücksbuffet her, das kaum einen Wunsch offen lässt. Sandras erste Tagesaufgabe besteht darin, mich von dem Kilo Haare zu befreien, das seit La Paz meinen Kopf bevölkert hat. Sie meistert die Aufgabe mit Bravour und auch ich war tapfer. Anschließend schlendern wir durch die Long Street und kehren in einem Reisebüro ein, in dem wir uns gestern schon über ein paar interessante Tagestrips informiert hatten, um unsere Pläne für die nächsten Tage finanziell zu untermauern. Weiter geht`s zur Waterfront zum Schaufensterbummel und in einen Elektronikmarkt, wo ich eine sensationelle Unterwasserkamera erwerbe, die sich in wenigen Tagen nützlich machen kann. Die Preise lassen sich hier leicht umrechnen, was den Shoppingbummel enorm erleichtert. Zehn Rand entsprechen einem Euro. Aber auch die Angestellten geben ihr Bestes. Als ich mich vor einem Damenbekleidungsgeschäft abgestellt finde, stellt mir der Verkäufer einen Barhocker an einen Tresen vor dem Laden und fragt mich, ob ich rauche. Eine Art „Männerhort“. Ich hatte Kapstadt als sehr schöne Stadt in Erinnerung, aber meine Erwartungen wurden trotzdem übertroffen. Ein angenehmes warmes Klima, ein annehmbares Preisniveau und vor allem sehr entspannte, freundliche und lässige Menschen. Von Ressentiments der schwarzen Mehrheit uns Weißen gegenüber ist hier nichts zu spüren. Das mag im flachen Land anders aussehen. Sorry, London, aber den Titel meiner „Zweitlieblingsstadt auf Erden“ bist Du erstmal wieder los. Um weitere Endorphine freizusetzen, fahren wir im Taxi in das Shoppingparadies „Century City“ und geben uns gegenseitig zwei Stunden Zeit. Um 16 Uhr bittet Sandra um zwei Stunden Verlängerung. Zu diesem Zeitpunkt tragen wir beide schon Tüten mit uns herum, denn die Auswahl ist riesig und die Preise moderat. Da ich soweit durch bin, gönne ich mir für 300 Rand, also 30 Euro eine einstündige Massage im Untergeschoss des „Canal Walk“. Die chinesische Masseurin wandelt haarscharf an einer Anzeige wegen Körperverletzung entlang. Nach all den Wanderungen, Flügen und dem ständigen Rucksackschleppen hat sie Schwerstarbeit zu verrichten, was zuweilen recht schmerzhaft, aber wirkungsvoll ist. Danach schaue ich mir noch die Zusammenfassung der Bundesligaspiele vom Wochenende auf einem der Fernseher im „Food Court“ an. Nach den zwei Stunden Nachspielzeit hat auch Sandra nun alles gesehen und wir treten den Rückweg an. Unser muslimischer und offensichtlich streng religiöse Taxifahrer hat sich beim Entertainmentprogramm für Gebete und Koranverse in arabischer Sprache aus dem Radio entschieden, deren Inhalte wir nur fragmentarisch wiedergeben könnten. Um nichts aus dem Zusammenhang zu reißen, verzichten wir lieber darauf. Irgendwie hat er sich wohl dabei ein wenig verfahren, worauf wir ihn höflich, aber bestimmt, hinweisen. Nach der Ehrenrunde handeln wir den Fahrpreis noch ein wenig herunter und er sieht ein, dass er hier etwa nachgeben muss ohne sich dadurch zu ruinieren.
Montag, 12. April 2010
Mein Afrika
KAPSTADT: Kurz nach 9 Uhr morgens betreten wir in Kapstadt mal wieder afrikanischen Boden. Es ist noch kein Jahr her, dass wir zusammen in Namibia waren. Und jetzt bin ich wieder hier und es wird nicht mein einziger Afrikabesuch in diesem Jahr bleiben. Wieder in Afrika. Mein Afrika! Da kann sich Amerika noch so anstrengen. Dieser Kontinent hat es mir angetan. Mein erster und bisher einziger Besuch in Kapstadt liegt allerdings schon fast acht Jahre zurück. Mit Malaysia Airlines sind wir die Nacht durch geflogen. Zwei Europäer reisen mit einer asiatischen Fluggesellschaft von Amerika nach Afrika. Das ist Globalisierung. Das Entertainmentangebot hat den Flug kurzweilig gemacht. Zwei, in Deutschland noch unbekannte, Simpsons-Folgen, eine Reportage über Fußball in Berlin und ein paar Spielchen. Dazu das ausbaufähige Catering und der achtstündige Flug vergeht quasi im Handumdrehen. Unser Mitleid gilt nur den Fluggästen, die in Kapstadt nicht aussteigen, sondern weiter über Johannesburg nach Kuala Lumpur fliegen müssen. Etwas gerädert sind wir auch und ein Shuttle Service bringt uns zum Hotel Cape Diamond in der Longmarket Street, sehr gepflegt und durch seine Lage bestechend. Die Badewanne im Zimmer entspricht allerdings nicht unseren Vorstellungen und wir können zum Glück noch in ein Zimmer mit separatem Bad wechseln. Unsere Ankunft begehen wir mit einem Sandwich und einem Salat auf einem der Balkone in der Long Street. Auch wenn hier Herbst ist, sind die Temperaturen sommerlich warm. Die Stimmung in der Stadt ist gelassen und entspannt. Von Fußballfieber ist knapp zwei Monate vor Beginn der WM noch keine Spur. Dass sich das Land im Endspurt befindet ist jedoch unübersehbar. An vielen Ecken wird noch gewerkelt, werden Baugruben eilig verscharrt und Pflanzen an Stellen ausgesetzt, wo diese die WM nicht weit überdauern werden. Das Restaurant „Mama Africa“, wo man damals meine Kreditkarte kopiert hat und damit in Griechenland auf Shoppingtour gehen wollte, lassen wir links liegen. Wie auch schon vor acht Jahren treibt uns der strahlend blaue Himmel gleich am ersten Tag mit dem Taxi zur Cable Car Station und rauf auf den Tafelberg, von wo aus wir uns von der Stadt mit traumhaftem Blick zum Lions Head, zum Kap der guten Hoffnung, auf das neue Stadion und zwei Ozeane willkommen heißen lassen. Den Rückweg von der Talstation der Seilbahn ins Hotel nehmen wir zu Fuß. Der Schlafentzug fordert allmählich Tribut und so plätschern die restlichen Stunden des Tages so dahin.
Sonntag, 11. April 2010
Das war`s, Südamerika!
BUENOS AIRES: Wir sind doch zum Schlafen gekommen, denn irgendwie haben wir uns mit den anderen verpasst. Es war unsere letzte Nacht in Südamerika, denn heute Abend werden wir den Kontinent verlassen und morgen in einer anderen Welt aufwachen. Siebzig Tage Südamerika liegen hinter mir, hinter Sandra ein paar weniger. Den heutige verbringen wir mit einem letzten Rucksackpacken und ein paar letzten Besorgungen. Ich habe den Kontinent vermessen. Vom Äquator bis Feuerland, vom Pazifik zum Atlantik und zurück. Wir standen auf ewigem Eis und haben bei Temperaturen um die vierzig Grad geschwitzt. Wir haben Höhenunterschiede von bis zu 4800 Metern gemeistert, Berge und Täler zu Fuß hinter uns gelassen. Aber die Welt ist zu groß, um sich mit einem Kontinent zu begnügen. Mit 5958 Fotos, 7 T-Shirts und einigen mehr oder weniger praktischen Mitbringseln, vielen Eindrücken und netten Bekanntschaften heben wir um 20:20 Uhr vom Flughafen Pistarini ab und verlassen Buenos Aires, das überraschend meine Lieblingsstadt auf diesem Kontinent geworden ist. Drei Mautstationen passieren wir auf dem Weg mit dem Taxi zum Flughafen. Südamerika wird wahrscheinlich nicht mein Lieblingskontinent, aber sicherlich werde ich nicht zum letzten mal hier gewesen sein. Die Gegensätze sind spannend, aber auch schockierend. Auf jeden Fall gibt es noch genug zu sehen für eine zweite Reise. Die Natur hat uns ja noch zwei Highlights vorenthalten. Machu Picchu und die Osterinsel.
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