Donnerstag, 25. Februar 2010

Da ist der Wurm drin






LA PAZ: Beim letzten Frühstück in Peru werden wir für den neuen Werbeprospekt des Hotels abgelichtet. Im Minibus fahren wir zum Busbahnhof von Puno, von wo aus wir heute nach Bolivien weiterreisen wollen. Der Bus ist diesmal voll besetzt, ist aber trotzdem wieder die komfortable Variante von „TourPERU“, die fast ausschließlich von Ausländern gebucht wird. Die Fahrt geht zunächst über matschige Schotterpisten, später besser werdende Straßen, vorbei an bunten Feldern und linkerhand immer am Seeufer entlang. In jedem Ort in Peru gibt es ein Stadion, das in der Regel „Estadio Municipal“ oder „Estadio Simon Bolivar“ heißt. Die Arenen sind allesamt nicht WM-tauglich, es sei denn, die FIFA stört sich nicht an Bäumen im Mittelkreis. Wir erreichen die bolivianische Grenze noch vormittags mit einem mulmigen Gefühl. Kriminalität und Polizeiwillkür sind hier um einiges dramatischer, als in Ecuador oder Peru. Außerdem darf niemand merken, dass Daniela zu uns gehört. Als Peruanerin darf sie in Bolivien nicht arbeiten und riskiert als Tour Guide ihre Ausweisung. Letztlich passieren wir die Grenze jedoch vollzählig und unproblematisch, was man von unserem Bus nicht behaupten kann. Direkt nach dem Einreisehäuschen finden wir den ersten bolivianischen Copy Shop. Gegenüber den zweiten. Das Kopiergeschäft scheint in ganz Südamerika zu florieren. Da unser Bus einem peruanischen Unternehmen gehört, ist die Durchfahrterlaubnis bis Copacabana ungewiss. Heute darf er nicht weiter, also tragen wir unser Gepäck über die Grenze, legen es sicher auf dem Dach eines Minibusses ab und besetzen diesen mit 15 Personen. Die Fahrt geht nur bis Copacabana, die erste Stadt auf bolivianischem Boden, die jedoch wenig mit dem gleichnamigen Strand in Rio gemein haben dürfte. Wir warten hier etwa eine Stunde auf ein privates Busunternehmen, mit dem wir wiederrum im Kleinbus nach La Paz weiterfahren wollen. Der Bus ist pünktlich und hat sogar Platz im Inneren für unser Gepäck. Vor der Fahrt müssen wir uns jedoch mit Passnummer in einer Liste eintragen. Ob das ein Gesicht des Überwachungsstaates ist oder unserer späteren Identifizierung dienen soll, bleibt uns verborgen. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beiden. La Paz begrüßt uns mit heftigem Regen. Trotzdem halten wir oberhalb der Stadt, um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen. Sie wirkt von hier einladend, umgeben von mächtigen Bergen, die teilweise schneebedeckt sind. Den ersten Eindruck müssen wir revidieren, als wir uns weiter der Innenstadt nähern. Die Stadt erstickt im Stau und Smog und die Gebäude hätte die deutsche Bauaufsicht zu einem großen Teil längst gesperrt. Unser Hotel, das Las Brisas, hat zwar nur ein Fenster zum Flur, liegt aber sehr zentral und nach dem Einchecken lassen wir uns von Daniela die Straßen zeigen, die wir bedenkenlos entlang flanieren können und welche wir abends meiden müssen. Zur Verkehrserziehung stehen an den Fußgängerampeln Menschen als Zebras und Esel verkleidet, die darauf hinweisen, wer sich richtig verhält und wer falsch. Die Stadt schürt immer noch keine Freude auf die nächsten Tage und wir gehen zurück ins Hotel. Das Internet funktioniert hier noch schlechter als in Cuzco und Puno. Abends gehen wir mit Daniela, Hadleigh und einem weiteren Engländer aus unserem Hotel in ein englisches Restaurant, in dem das Bier schon mal gern mit Wurm serviert wird. Für zwei Bier ohne Wurm und ein reichliches Steak zahle ich umgerechnet etwa 8 Euro.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen