Samstag, 1. Mai 2010

Erster Mai – ich bin dabei!















HANOI: Heute soll es klappen. Am 1. Mai zu Ho Chi Minh. Das hat doch was. Leider bin ich nicht der einzige, der diesen Plan hat, doch viele Einheimische nutzen den freien Tag für lustigere Freizeitbeschäftigungen. Auf einem Platz finden sich Paare zum Tanz zusammen, auf der anderen Straßenseite wurde der Bürgersteig in Badmintonfelder umfunktioniert. Doch die meisten pilgern heute, wie ich, zum Ho Chi Minh-Mausoleum. Die Schlange ist schier endlos und schlängelt sich durch die Stadt. Aufseherinnen in langen roten Gewändern schieben die Wartenden immer wieder in die korrekte Anstehposition und vereiteln jeden Vordrängelversuch. Da außer mir kaum ein Ausländer in der Schlange ist, rage ich mal wieder etwas heraus. Die kleine Jang, die mit ihrer Mutter vor mir in der Reihe steht, testet an mir ihre frisch erlernten Englischkenntnisse. Das reicht zwar nicht für eine richtige Kommunikation, aber immerhin verstehe ich sie, was man von den meisten Vietnamesen nicht behaupten kann. Aber immerhin versuchen sie es, sich auf Englisch verständlich zu machen. Eine junge Frau versucht, sich vor mir in die Schlange zu drängeln. Die Aufseherin stellt sie zur Rede und sie rettet sich mit der Behauptung, sie würde zu mir gehören. Das entnehme ich ihren Gesten. Ich will sie nicht verpfeifen, aber die Aufseherin glaubt ihr nicht und sortiert sie hinter mich ein. Damit gewinnt sie immerhin noch etwa hundert Meter. Auf Monitoren über der Warteschlange laufen Aufzeichnungen früherer Maifeiern und Videoclips von Lobliedern auf Ho Chi Minh. Den Text sämtlicher Lieder habe ich schnell drauf: „Ho Chi Minh“ in einer Endlosschleife. Davon gibt es eine Popversion, eine volkstümliche und eine Oper. Die Schlange erreicht den Platz vor dem Mausoleum. Kleine Gruppen mit Blumenkränzen, vermutlich Arbeitskollektive, werden in Zweierreihen von Soldaten in weißen Uniformen an der Schlange vorbeigeführt. Nach etwa einer Stunde erreiche ich den Eingang zum Mausoleum. Das muss man den Vietnamesen ja lassen. Mit ihrer strengen Disziplin halten sie die Durchlaufgeschwindigkeit hoch. Über einen roten Läufer aus Linoleum werden wir am Glassarg vorbeigeführt. Der Anstand, die vietnamesischen Soldaten und die, hier nun blau gewandeten Schlangenaufseherinnen verbieten es mir, im Mausoleum zu fotografieren. Meine Kamera wird mir schon mal vorgebracht. Nach zehn Sekunden ist alles vorbei. Danach laufe ich noch ein wenig im Garten des Präsidentenpalastes herum, wo auch die zwei Häuser zu besichtigen sind, in denen Ho Chi Minh lebte, seine Autos und was sonst noch so an ihn erinnert. Der Cateringbereich ist in fester Hand von Pepsi. Wenn Ho das wüsste, er würde sich in seiner Glaskiste umdrehen. Ich laufe zum Roten Fluss und sehe mir unterwegs eine Pagode an. Der Türsteher und Kassierer erzählt mir stolz, dass diese etwa im Jahre 1500 errichtet wurde und zeigt mir Inschriften, die Soldaten im Jahre 1888 in den Stein geritzt haben. Ich überquere auf einer Stahlbrücke aus dem Jahre 1954, die durchaus mal wieder einen Topf Farbe vertragen könnte, den Roten Fluss, der eher den Namen „Fäkalbrauner Fluss“ verdiente. In der Mitte fahren die Fernzüge und ich bin ganz froh, nicht darin zu sitzen und dies auch nicht vor zu haben. An mir rauschen Motorroller vorbei und ich halte mir instinktiv die Taschen zu. Die Vietnamesen transportieren alles, bis hin zu ganzen Bäumen, auf ihren Rollern. Die Orientierung in Hanoi fällt mir noch schwer, doch ich finde den Weg zurück ins Hotel und nehme mir von einer Straßenhändlerin auf einem Fahrrad noch eine Tüte Ananas in Stücken für 20000 Dong mit. Morgen werde ich Hanoi verlassen und bin darüber nicht traurig. Ich werde die Stadt als dreckig und laut in Erinnerung behalten.

Freitag, 30. April 2010

Good Morning, Vietnam!















HANOI: Um 3 Uhr morgens schlägt mein neuer Reisewecker Alarm. Eine halbe Stunde später steht mein Taxi vor der Tür. Auch, wenn die Straßen jetzt leer sind, dauert die Fahrt zum Flughafen etwa vierzig Minuten, was aber auch daran liegt, dass wir zum „LCC Terminal“ müssen, das speziell für Billigairlines eingerichtet wurde und etwas abgelegen ist. Da es in Malaysia bislang nur einen Billigflieger gibt, wird das Terminal exklusiv von Air Asia genutzt. Die Frage, was ich mit meinen restlichen malaysischen Ringgit mache, beantwortet mir die Dame bei der Gepäckannahme. Ein Kilo Übergepäck kostet mich zwanzig Ringgit und schon habe ich nur noch elf, die ich in Wasser und Kakao investiere. Einfach mehr Handgepäck mitzunehmen, wäre hier nicht so leicht gewesen, denn es Passagiere mit übergroßem Handgepäck werden hier rigoros zurückgeschickt. Das ist mir sehr sympathisch. Air Asia ist ein Billigflieger, wie er im Buche steht. Der Flug nach Hanoi dauert etwa dreieinhalb Stunden und ich bin sehr froh, dass die Maschine nicht einmal halb voll ist, denn der Sitzabstand ist nicht für meine Beine gemacht. So kann ich mich quer legen und den Schlaf der Nacht nachholen. Gegen 9 Uhr kommen wir in Hanoi an. Ich hatte mich bereits im „Queen Travel Hotel“ in der Altstadt eingebucht, was mir einen kostenlosen Hotelshuttle beschert. Das „Queen Travel Hotel“ liegt direkt im Hoan Kiem-Distrikt, Zentrum und Altstadt von Hanoi. Es ist klein und familiär und geschmackvoll eingerichtet. Das Zimmer verfügt über Holzboden und ein Bad mit Wanne und Massagedüsen. Diese helfen mir allerdings nicht, da ich schnell feststellen muss, dass das Wasser bestenfalls lauwarm wird. Und mein Zimmer hat ein Fenster. Allerdings endet der Ausblick nach weniger als einem Meter an einer Wand. Ich möchte den Tag für einen Besuch im Ho Chi Minh-Mausoleum nutzen, das ich zu Fuß erreiche, aber ich stelle fest, dass dieses nur vormittags geöffnet ist. Auf dem Weg lerne ich, dass schwer bewaffnete Soldaten nicht die Richtigen sind, um nach dem Weg zu fragen. Ich habe zwar den Eindruck, dass sie mir gern helfen würden, aber nicht dürfen. Vietnam ist sicherlich kein touristischer Geheimtipp mehr, aber so ganz haben sich die Leute in Hanoi noch nicht an normalwüchsige Mitteleuropäer gewöhnt. Dass ich die Einheimischen um ein bis zwei Köpfe überrage, ist mir auch schon aufgefallen. Aber deshalb gleich einen Personenkult um mich zu entfachen, finde ich schon ungewöhnlich. Ich stehe nichts ahnend auf dem Platz vor dem Mausoleum, als ich plötzlich eine junge Frau direkt an meiner Seite bemerke. Ich denke „Ah, Taschendiebe.“, stelle aber fest, dass sie sich lediglich neben mir fotografieren lassen hat. Etwas später ist ein junger Mann etwas mutiger und bittet mich um ein gemeinsames Foto. Nun trauen sich auch die anderen und nach vier Fotos bin ich vorläufig erlöst. Hinter dem Mausoleum das Gleiche. Ein paar Vietnamesinnen bitten mich um gemeinsame Fotos. Ich bin immer noch willig, bestehe aber auch auf einem Foto, sonst glaubt mir das ja keiner. Ich flüchte mich vor den Groupies ins „Trung Nguyen“, einem lauschigen Gartencafé gegenüber dem Mausoleum. Für 131000 Dong, was etwas mehr als fünf Euro sind, bekomme ich einen Kaffee, einen Erdbeersmoothie und eine Schale gebratenen Reis mit Ei und Gemüse. Und das ist sicherlich einer der teuersten Plätze der Stadt. Die Straßen sind voll mit tausenden von Motorrollern. Dass die Dinger nur zwei Sitze haben, hält die Vietnamesen nicht davon ab, sie mit der gesamten vierköpfigen Familie zu nutzen. Wer den Rücksitz frei hat, bietet sich als Taxi an. Ich entscheide mich aber für die gemütliche Variante und bitte einen Fahrradrikschafahrer, mich zum B-52-Museum zu bringen. Er meint, das gebe es umsonst. Wir wissen natürlich beide, dass Dong, so heißt er, einen Obolus erwartet und verdient. Dass uns der geballte Verkehr entgegen kommt, scheint für Dong kein Grund zur Beunruhigung oder zum Bremsen zu sein. Schließlich hat er mich ja noch als Knautschzone. Ein paarmal verfahren, ein paarmal nachgefragt, aber wir erreichen unser Ziel nach zehn Minuten. Ich biete ihm einen Dollar an. Da mir vorher schon eine ganze Citytour für einen Dollar angeboten wurde, scheint mir das ein fairer Preis für beide. Er wird nun aber plötzlich deutlicher und sagt, er würde zwanzig Dollar erwarten. Das scheint mir dann nur noch für ihn ein gutes Geschäft zu sein. Ich gebe ihm fünf Dollar und mache ihm klar, dass er nicht mehr von mir zu erwarten hat. Sein Protest hält sich in Grenzen. Wahrscheinlich sind fünf Dollar für ihn auch ein guter Verdienst. Das B-52-Museum ist ein grüner Tümpel, aus dem das Wrack eines B-52-Bombers herausragt. Auf dem Rückweg zum Hotel kehre ich noch in ein dreistöckiges Elektronikkaufhaus ein. Zum Kauf wird man hier nicht, wie bei uns, mit sanfter Fahrstuhlmusik animiert, sondern mit Volksweisen, die sich für mich nach Marianne und Michael anhören. Nur eben auf Vietnamesisch. Und lauter. In der zweiten Etage ist in der gleichen Lautstärke Modern Talking-Tag. Ich bin mir nicht ganz sicher, was da nun besser ist. Ich umrunde noch den Hoan Kiem-See, ein Kleinod in der, ansonsten an Grünflächen armen, Stadt. Der schmale Uferstreifen ist stark bevölkert, was den Ausflug bedingt erholsam macht. Von all dem Trubel ruhe ich mich ein wenig im Hotel aus, bevor ich abends noch einmal durch die Hang Bo Straße flaniere, wo ich im „Ngoc Diep“ für acht Euro auf dem Balkon ein Abendessen mit Suppe, Salat, Steak und zwei Bieren genieße.

Donnerstag, 29. April 2010

Tradition und Technik






KUALA LUMPUR: Nun hat mich der Jetlag doch eingeholt. Ich konnte lange nicht einschlafen und hoffte noch auf eine Live-Übertragung der Champions League aus Barcelona, hier immerhin um 2:45 Uhr morgens. Stattdessen kam aber Kickboxen, was mich dann allerdings doch noch eingeschläfert hat. Für mich ungewöhnlich spät werde ich gegen 9 Uhr wach und gehe zum Frühstück wieder ins „Swiss Inn“. Gegensätzlicher als heute könnte ich Kuala Lumpur kaum erkunden. Früh morgens widme ich mich der alten, traditionellen Stadt, nachmittags der modernen Seite. Zunächst schaue ich mir den alten Bahnhof der Stadt an, der allerdings nicht so beeindruckend ist wie erwartet. Anschließend geht es zur Nationalen Moschee, die ich zwischen Morgen- und Mittagsgebet besichtigen kann. Der Islam ist Staatsreligion in Malaysia und 60 % der Bevölkerung sind Muslime. Das Land präsentiert sich aber recht weltoffen. Im Lake Garden hinter der Moschee besichtige ich noch das National Monument, das an die gefallenen Malaysier aus drei Kriegen erinnert und das Parlamentsgebäude, ein eher zweckmäßiger Hochhausbau. Der neue Bahnhof gleicht eher, wie zu Hause einem Shopping Center mit Bahnanschluss. Von hieraus nehme ich die hochmoderne Monorail, die auf Stelzen durch die Stadt schwebt, und fahre nach Bukit Bintang, wo ich mich im „The Ship“ auf dem Bintang Walk zum angeblich besten Steak der Stadt niederlasse. Es war nicht schlecht, aber das haben die Argentinier doch besser drauf. Da ich bereits morgen weiterreise, begebe ich mich noch auf die Suche nach einem kleinen Andenken im Pasar Seni, dem Central Market. Auf dem Weg bieten mir diverse zu Puppen geschminkte Damen ihre Massagen an, aber ich habe andere Pläne. Es ist schon schwer, etwas zu finden, was nicht nach billigem Tourikitsch aussieht. Ich habe nach früheren Reisen die Erfahrung gemacht, dass meine Mitbringsel an der Wand einen würdigeren Platz finden, als auf einem meiner Billy-Regale. Vorausschauend kaufe ich deshalb mit Vorliebe Bilder, so zum Beispiel in Rio, Buenos Aires und Kapstadt. Hier macht nun eine hölzerne Buddha-Maske das Rennen, die zumindest recht authentisch wirkt und mir fortan ein langes Leben verheißt. Natürlich bekomme ich, wie gehabt ein paar Sicherheitswarnungen für mein nächstes Reiseziel mit auf den Weg. Bei meiner verdienten Erfrischungspause in der Markthalle mache ich regen Gebrauch vom Rufknopfsystem. Und dann heißt es „schnell schlafen“, denn die Nacht wird kurz.

Mittwoch, 28. April 2010

Hoch hinaus






KUALA LUMPUR: Zum Frühstück kaufe ich mich mit 15 Ringgit im Hotel „Swiss Inn“ in der Petaling Street ein. Von Jetlag keine Spur. Anschließend fahre ich mit der „KL Rapid“, der U-Bahn von Kuala Lumpur zur Station KLCC, was für Kuala Lumpur City Centre steht. Die Bahn ist um diese Zeit so voll, wie man es von einer asiatischen Zwei-Millionen-Metropole erwartet. Die Leute sind dabei aber irgendwie entspannter, als in einer halb so vollen U-Bahn in Berlin. Oder es kommt mir nur so vor, weil ich entspannter bin. KLCC liegt am Fuße der Petronas Towers, dem Wahrzeichen der Stadt und einem der höchsten Gebäude der Welt. Eine Aussichtsplattform hat Petronas in seinem Hauptquartier leider vergessen. Eventuell lässt sich mit Öl doch mehr Geld verdienen, als mit Touristen. Die schwäbischen Limousinen vor dem Eingang lassen das vermuten. Aber ich starte zu einem Morgenspaziergang im benachbarten Park. Dieser bietet einen Rundkurs, an dem sechs „Foto Spots“, Punkte mit besonders reizvollem Fotomotiv, gekennzeichnet sind. Die Punkte unterscheiden sich allerdings nicht im Motiv, sondern nur im Winkel, in dem man die Petronas Towers ablichten kann. Zu Fuß mache ich mich auf den Weg zum Kuala Lumpur Tower, dem viertgrößten seiner Art weltweit und mit 421 Metern Länge 53 Meter höher, als mein Berliner Fernsehturm, der es aber als weltweite Nummer acht wenigstens in die Galerie geschafft hat. Die Stadt ist von oben überschaubar, soweit das der Smog zulässt. Lange halte ich mich jedoch nicht auf und nehme noch den freien Eintritt in die „Animal Zone“, einem kleinen Zoo am Fuße des Turmes wahr. Auch Ponyreiten wäre inklusive, aber das tue ich den Tieren nicht an, zumal meine Beine ohnehin auf dem Boden schleifen würden. Eine kleine Verschnaufpause gönne ich mir im „Beach Bar Café“ in der Jalan P. Ramlee, einem der angesagtesten Orte zum Entspannen und Feiern in Kuala Lumpur. Anschließend laufe ich die „Jalan Sultan Ismail“ und den „Bintang Walk“, die Partymeilen der Stadt, entlang. Ich bin um diese Zeit allerdings weniger auf der Suche nach Amüsement, sondern nach ein paar Erinnerungsstücken, da mein Aufenthalt in Malaysia nur kurz sein wird. Ich habe es bisher auf meiner Reise durchgezogen, mir aus jedem Land mindestens ein T-Shirt oder Sporttrikot als Andenken mitzunehmen. Das ist hier nicht leicht, denn die T-Shirts sind in unendlicher Hässlichkeit vereint. Als Grundfarbe hat man die Wahl zwischen schwarz, weiß und pink. Der Aufdruck ist mit den Petronas Towers und dem überdimensionalen Schriftzug „Kuala Lumpur“ gesetzt. Die Farbe des Aufdrucks kann man wiederum wählen. Zwischen gold und silber. Da ich mich ja bevorzugt in blaues Wildleder kleide, komme ich mit keinem der Souvenirhändler ins Geschäft, die mir daraufhin freundlicherweise Uhren, Sonnenbrillen und Mützen anbieten. Die Auswahl an Fußballtrikots ist groß. Sie reicht von Manchester United bis zu den Sportfreunden Siegen. In einem Geschäft entdecke ich endlich ein malaysisches Trikot und bin vor lauter Verzweiflung kurz davor zuzuschlagen. Da aber die Asiaten gern kurz wachsen, scheitert das Geschäft an meinem breiten Kreuz. Auf dem Bintang Walk, der Amüsiermeile der Stadt, finde ich dann doch ein ganz ansehnliches Polo-Trikot, dem ich für 30 Ringgit ein neues zu Hause gebe. Nachmittags überkommt mich dann doch die Müdigkeit. Um dagegen anzukämpfen, laufe ich noch ein wenig in China Town umher. In der Petaling Street ist jetzt kaum noch ein Durchkommen möglich.

Dienstag, 27. April 2010

Ankunft in Asien














KUALA LUMPUR: Die Nacht war kurz, da wir der Sonne entgegen geflogen sind. Auf dem Flug nach Malaysia habe ich sechs Stunden verloren. Beim Einstieg in Johannesburg habe ich mich noch lange mit einer Gruppe von drei Australiern unterhalten, die den Heimweg nach Perth angetreten haben. Sie waren sehr interessiert an meiner Reise und etwas enttäuscht, dass Australien diesmal nicht auf meiner Route liegt. Und dann hab ich noch eine Amerikanerin glücklich gemacht, indem ich mit ihrem Mann den Platz neben ihr getauscht habe. Dafür erntete ich dann in gewohnt amerikanischer Unterkühltheit ein „thanks a million!“. Mit etwas Verspätung landen wir gegen 6 Uhr morgens, nach deutscher und südafrikanischer Zeit mitternachts, in Kuala Lumpur. Die Lufttemperatur liegt bereits bei 28°C. Die Taxifahrt dauert etwa eine Stunde, da der Flughafen, vermutlich in Erwartung fortschreitender Urbanisierung, weit außerhalb der Stadt errichtet wurde. Für 74 Ringgit, das sind keine 18 Euro, fahre ich nach China Town und beziehe im Hotel China Town Inn Quartier. Das Haus liegt direkt an der Jalan Petaling, dem quirligen Zentrum von China Town, das später am Tage für Autos gesperrt wird, damit auch die Straße mit Buden ausgefüllt werden kann. Zum Glück hat mein Zimmer kein Fenster und ich werde trotz des Trubels nachts meine Ruhe finden. Der Müdigkeit zum Trotz begebe ich mich auf einen ersten Erkundungsspaziergang durch die Stadt. Ich besichtige den Merdeka Square mit dem Sultan Abdul Samad Building und die Moschee Masjid Jamek. Zum Mittagessen lasse ich mich jedoch auf der Straße vor einer Garküche gegenüber meinem Hotel nieder. Der Teller wird mir zur Hälfte mit Reis gefüllt. Den Rest fülle ich mit teilweise unbekannten Leckereien vom Buffet. Das Ganze kostet mich sechs Ringgit, was etwa 1,50 Euro entspricht. Diese Art der Verpflegung ist nicht nur gut, billig und authentisch, sondern auch sehr kommunikativ. Ich leiste einem jungen Mann Gesellschaft bei seiner Mittagspause. Er befindet sich auf Jobsuche, nachdem er sich die letzten sieben Jahre als Tennislehrer in Australien verdingt und nun seinen Eltern zuliebe zurückgekehrt ist. Die Müdigkeit übermannt mich langsam und ich kämpfe mit einer Dusche dagegen an. Am späten Nachmittag gehe ich zum größten Markt der Stadt, dem „Central Market“, der aber eher ein Shopping Center, als ein orientalischer Markt ist. Sauber, geordnet und geruchsneutral. Völlig unasiatisch.

Montag, 26. April 2010

Bis bald, Afrika!














JOHANNESBURG: Zu viert hatten wir einen schönen letzten Abend in Südafrika. Vom Balkon eines Restaurants am Marine Drive haben wir den immer noch laufenden Triathleten zugesehen und sehr gut gegessen. Für mich gab es Kudufilet und einen exotischen Salat. Die Preise liegen hier etwas höher, als in vielen anderen Restaurants Südafrikas, aber gemessen an deutschen oder gar schwedischen Verhältnissen lebt es sich hier sehr günstig. Karin hat mit leuchtenden Augen von ihrem Traum erzählt, einmal einen Kampfjet zu fliegen. Das passt zu ihr. Irgendwie sind sie und Monica ständig auf der Suche nach dem ultimativen Kick. Die Nacht in meinem dunklen Hinterhofzimmer war kurz und der Toilettengang lang, da er mich über den Hof führte. Um 6 Uhr wartet mein Taxi vor der Tür, das mich für 40 Rand zum Flughafen von Port Elizabeth bringt. Das Hostel ist offenbar gut gebucht, wie ich beim Warten an der Eingangstür feststellen kann, da einer nach dem anderen über den Flur zum Bad und wieder zurück schleicht. Am Flughafen habe ich noch Zeit für ein kleines Frühstück und dann trete ich den dreihundertsten Flug meines Lebens an. Comair, eine Tochter von British Airways bringt mich in 1:40 Stunden nach Johannesburg. Neben mir sitzt ein kräftiger Kerl aus Port Elizabeth, der gebürtig aus Johannesburg stammt. Wir plaudern über Afrika, die Welt, die Fußball-WM und Jürgen Klinsmann. Er hat auch Karten für zwei Vorrundenspiele gekauft und findet den Preis von 140 Rand pro Ticket unverschämt teuer. Ich weiß nicht, ob man in Deutschland für 14 Euro schon ein Zweitligaspiel ansehen kann. Johannesburg ist das Luftfahrtdrehkreuz des südlichen Afrikas und schon ganz auf die WM eingestellt. Die gängigen europäischen Fluggesellschaften und so mancher Exot aus Afrika geben sich ein Stelldichein. Air France setzt sogar schon ihren brandneuen A 380 ein. Von hier aus werde ich über Nacht die Rückkehr auf die Nordhalbkugel antreten. 45 Tage vor Beginn der Fußball-WM verlasse ich das Gastgeberland, das sich mir einmal mehr als sehr freundlich und für afrikanische Verhältnisse weit entwickelt präsentiert hat. Morgen früh um 5 Uhr betrete ich asiatischen Boden und damit den dritten Kontinent auf meiner Weltreise. Afrika bleibt vorerst mein Favorit unter den Kontinenten und ich habe den Aufenthalt so kurz gehalten, da ich schon im Juli nach Afrika zur Kilimandscharo-Besteigung zurückkehren werde. Aus zwei Wochen Südafrika nehme ich 1772 Fotos mit auf meine weitere Reise. Die Erinnerungen verschwimmen immer mehr. Es vergeht eigentlich kein Morgen mehr, an dem ich nicht überlegen muss, wo ich gerade bin. Ich bin deshalb froh, meine Reise mit vielen Fotos und, zuweilen etwas detailverliebten, Texten dokumentiert zu haben.

Sonntag, 25. April 2010

Ein wenig Afrika






PORT ELIZABETH: Wir verschieben unser Frühstück zugunsten einer weiteren kurzen Pirschfahrt. Gegen die morgendliche Kälte schützen wir uns mit dicken Sachen und, was den weiblichen Teil unserer Gruppe betrifft, mit Schlafsäcken. Wir beobachten die Elefanten bei ihrem Frühstück. Es gibt Dornensträucher und Äste. Wir atmen hier doch wenigstens noch ein wenig afrikanische Luft. Die Garden Route ist landschaftlich sehr reizvoll und ich kann sie weiterempfehlen. Sie verkörpert aber nicht das Bild von Afrika, das ich z.B. in Tansania, Botswana oder Namibia kennen und lieben gelernt habe. Dazu ist sie viel zu unchaotisch und grün. Ein letztes mal wirft Morrison seine Arbeitskleidung über, um beim Zelte abbauen zu helfen. Die Arbeitskleidung ist nicht weniger dreckig als die anderen Sachen, die er so anzieht, aber darauf legt er großen Wert. Eine Stunde dauert die Fahrt bis Port Elizabeth, doch in der Stadt herrscht das reinste Verkehrschaos. Da hier heute der südafrikanische Iron Man ermittelt wird, sind viele Straßen gesperrt und Morrison kreist mehrmals durch die Stadt auf der Suche nach dem King`s Beach Backpacker`s. Er und Jeff geraten dabei heftig in Streit. Freundlicherweise lässt uns eine Polizistin eine Absperrung passieren und wir erreichen unser Ziel doch noch. Lisa und ich steigen hier aus. Ich hatte schon länger ein Einzelzimmer reserviert, da ich vom Iron Man-Wettbewerb und der damit verbundenen Hotelbettenknappheit gehört hatte. Lisa hatte bei Nomad ein Zimmer in der Eltham Lodge reserviert und gestern einen Anruf bekommen, dass kein Zimmer mehr zu bekommen war und das einzige freie Bett in einem Schlafsaal im King`s Beach steht. Aber das Haus ist ganz gemütlich und wir verabschieden uns von den anderen. Mit Monica und Karin verabreden wir uns noch für später, da sie auch noch bis Dienstag in der Stadt bleiben und in einem Vier-Sterne-Haus ganz in der Nähe residieren. Kurz lernen wir noch Elizabeth kennen, die ab hier mit Isolde und Ellie bis Durban weiterreist. Mit Lisa vertreibe ich mir noch den Nachmittag im Aquarium, an der Iron Man-Strecke und am Strand. Im Haifischbecken des Oceaniums werden gerade die Fenster geputzt. Warum der Fensterputzer nur noch eine Hand hat, darüber können wir nur spekulieren. Ohne den Trubel aufgrund des Sportevents würde mich die Stadt wohl nicht zum länger bleiben animieren. Um 20 Uhr treffen wir uns noch mit den beiden Schwedinnen zum Abschiedsessen und auf ein paar Kaltgetränke.