Samstag, 20. Februar 2010

I´m still alive



Eine Woche Peru und ich bin wohlauf! Die neue Woche beginnt mit einem guten Vorsatz: ich werde mich wöchentlich auf dem Blog zu Wort melden. Keine Angst, es wird bei Weitem nicht so ausführlich wie bei meinem Mitreisenden:-)
Morgen geht´s los. Bis dann...

Elvis an Spaghetti



















CUZCO: Leute, schließt Eure Meerschweinchen ein. Wir haben es getan. Wir haben gegrilltes Meerschwein gekostet. Der Tropenregen über Ollantaytambo würde uns um 4 Uhr wecken, wenn das nicht schön längst der hoteleigene Hahn, offenbar Frühaufsteher, getan hätte. Um 8:30 Uhr fahren wir ab in Richtung Cuzco und nehmen die drei Norweger vom Lares Trek mit. Wir erreichen Cuzco gegen Mittag, steigen wieder im Tika Wasi ab und erkundigen uns sogleich nach dem Laundry Service, da sich unsere saubere Kleidung dem Ende neigt. Wir sammeln eilig alles zusammen und bekommen es am gleichen Tag für 24 bzw. 21 Soles zurück. Daniela hat schon wieder Hunger, was auf die meiste Zeit des Tages zutrifft und fragt nach, ob wir sie zum Essen begleiten wollen, was wir aber dankend ablehnen. Wir verbringen den Nachmittag im Garten und entspannen unsere geschundenen Füße. Und dann ist es passiert. Wir wollten es einfach mal kosten, denn Guinea Pig, also Meerschwein, ist hier eine große Delikatesse. Und so haben wir uns dann mit Bob, Fiona und Audrey ein ganzes Schwein geteilt. Dankenswerterweise wurde es nach meinem vor über zwanzig Jahren verstorbenen Haustier Elvis benannt. Viel ist allerdings nicht dran und es besteht hauptsächlich aus Knochen. Zum Glück haben wir Elvis nicht so vorgesetzt bekommen, wie er auf dem Bild noch zu sehen ist. Auf unseren Tellern erinnerte nicht mehr viel an Meerschwein. Wirklich geschmeckt hat es auch nicht. Mein eigentliches Abendessen war dann Ente nach einem nordperuanischen Rezept. Die ging so. Wirklich glücklich war nur Hadleigh, da Daniela ein koscheres Lebensmittelgeschäft für ihn gefunden hat und er erstmals seit Wochen ein Sandwich mit Hühnerfleisch essen kann. Wir gehen dann mit Bob zurück ins Hotel, während die anderen noch in einen Club fahren, aber unser Bewegungsdrang ist heute sehr begrenzt. Sandra kann sich vor Muskelkater kaum bewegen und auch ich wirkte schon sportlicher.

Freitag, 19. Februar 2010

Ein Königreich für eine Dusche
















OLLANTAYTAMBO: Wieder werden wir um 6 Uhr geweckt, diesmal sogar mit einem Tee unserer Wahl. Wir bleiben dem Coca Tee treu, haben aber noch Danielas Warnung im Ohr. Nicht mehr als 5 pro Tag und nicht mehr nach 5 Uhr. Da haben wir ja noch Zeit. Zum Frühstück gibt es Pancakes, auf die unser Koch mit Schokolade "Lares" drauf geschrieben hat. Die Jungs haben sich ihr Trinkgeld redlich verdient. Die heutige Etappe ist mit 13 km die längste, führt aber stetig bergab bis Ollantaytambo auf 2800 m Höhe. Nach vier Stunden ereignisarmer Wanderung erreichen wir ein kleines Lokal, in dem wir unser letztes gemeinsames Mittagessen einnehmen und uns von unserer Crew verabschieden. Von hieraus geht es noch einmal zehn Minuten bergab ins Zentrum von Ollantaytambo, wo wir es uns bei Inca-Bucks Coffee, der peruanischen Antwort auf STARBUCKS gemütlich machen. Die Stadt im Urubamba River Valley wäre der Startpunkt nach Machu Picchu gewesen, doch wenn man die Verwüstungen sieht, wird klar, dass nie eine realistische Chance bestand, dorthin zu gelangen. Wir überqueren eine provisorische Brücke, denn vom Original sind nur noch Fragmente zu sehen. Bei einem Mango-Shake warten wir auf unsere früheren Begleiter, die auch nicht lange auf sich warten lassen. Für die letzten drei Tage ernten wir Schulterklopfen und Nasrümpfen von ihnen und auch wir sehenen uns nach einer warmen Dusche. Doch zunächst geht es noch einmal bergauf auf die gewaltige Inka-Ruine, die die Stadt überragt. Das norwegische Trio steigt beim Anblick der endlosen Treppe aus und lässt sich dadurch das Inka-Profil im Fels entgehen, das seinen Schatten auf die Ruine wirft. Wir nächtigen im Hotel Tika Wasi Valley in der Mascabamba Street, die nur schwer als Straße zu erkennen ist. Nach der heiß ersehnten Dusche verbringt Sandra den Abend mit Wundenlecken, während ich mit den anderen noch ein Menü aus Knoblauchbrot, Tomatensuppe und Huhn mit Reis am Marktplatz genieße und mir dazu eine Literflasche Bier mit Bob teile. Die zu Hause gebliebenen lauschen voller Bewunderung unseren Erzählungen und sorgen sich rührend um Sandras Wohl. Fiona gibt mir noch ein paar Magentabletten mit, die zusammen mit etwas trockenem Brot Sandras Abendessen bilden. Bob, der wohlgemerkt keine 30 km in den Beinen hat, bemüht sich schon wieder, Mitstreiten für eine Wanderung im Morgengrauen zu rekrutieren, doch ehe ich antworten kann, vereitelt Daniela diesen Plan als sie uns eröffnet, dass wir morgen früh um 8:30 Uhr nach Cuzco aufbrechen werden. Ich bin ganz dankbar dafür und auch Hadleigh scheint es zu verschmerzen.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Gipfelsturm






TRANKA PUNKU: Unsere Crew kümmert sich rührend um uns. Um 6 Uhr wecken sie uns leise mit einer Tasse Coca Tee am Zelt. Um 6:30 Uhr gibt es Frühstück mit Toast und Omelette. Wie zaubern die Kerle das nur hier im Nirgendwo? Die Stärkung ist dringend nötig, denn die nächsten vier Stunden steigen wir stetig bergauf zum Kauchayoc Pass auf 4482 m Höhe. Das ist der höchste Punkt des Lares Treks. Also haben die größten Strapazen nachmittags ein Ende, so hoffen wir. Hadleigh machen seine Verletzungen und die Höhe zu schaffen, doch wir ziehen ihn mit. Janelle, mit Abstand auch die Älteste unter uns, bleibt von Anfang an zurück, aber Jeremi bleibt bei ihr und sie beißt sich tapfer durch. Trotz des üppiger Frühstücks und der Aussicht auf ein nicht weniger üppiges Mittagessen haben wir kleine Lunchpakete mit einem Käsebrot einem Schokoriegel und einem Lolli bekommen. Die Lollis verschenken wir großzügig an die Kinder am Wegesrand. Im Hagelschauer erreichen wir den Kauchayoc Pass und haben Zeit zum Verschnaufen und für ein Gruppenfoto. Ab nun geht es bergab, was aber auch recht beschwerlich ist, da die Wege sehr matschig sind. Wir werden wieder einmal mit einer vollwärtigen Mahlzeit in der Wildnis verwöhnt, wohin es aber auch mal wieder die Verkäufer geschafft haben, die bereits ihren kleinen Markt aufgebaut haben. Wir durchschreiten gewaltige Täler und spüren immer mehr unsere Muskeln und Knochen. Im Ort Patacancha auf 3915 m Höhe wird gefeiert, doch unser Ziel liegt einhundert Meter tiefer. Unser Camp nennt sich Tranka Punku und besteht aus einer morastigen Wiese. Natürlich ist bereits alles aufgebaut und es wird zur Tea Time gerufen. Die Wiese kann man teilweise nur über Steine überqueren und ich erkunde einen Weg, auf dem ich auch im Dunkeln zum Toilettenzelt finden könnte. Überraschenderweise gibt es hier keine Verkäufer, doch der Abend endet ohnehin früh.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Auftakt im Regen















RANRAYOQ: Der Morgen in Calca verspricht nichts Gutes. Von dem Beagle, der neben dem Schäferhund, der die Straßenüberwachung übernommen hat, für unsere Sicherheit verantwortlich ist, werde ich auf dem Laubengang angebellt. Allerdings bringen ihm ein paar deutliche Worte von mir zur Vernunft und wir schließen Freundschaft. Die reicht aber nur bis zur Tür der Herbergsmutter. Dort, zwanzig Meter weiter, finden wir uns nämlich im Esszimmer zum Frühstück ein. Da ich mich nur darauf konzentriere, meinen neuen Freund nicht durchschlüpfen zu lassen und vergesse, dass sich die Türrahmenhöhe am Durchschnittsperuaner orientiert, unterziehe ich den Rahmen einem Härtetest mit meiner Stirn. Die Gastgeberin entschuldigt sich einige male, wobei sich mir nicht so recht erschließt, wofür. Unser Transferbus kommt aus Cuzco und hat aufgrund einer Reifenpanne etwas Verspätung. Da die Reisegruppen ohne Machu Picchu deutlich zusammengeschrumpft sind, nehmen wir die Fahrt mit anderen Wanderern auf, was uns die angenehme Bekanntschafft von Isabelle und Erik aus Schweden, Inga Betty und Ovind aus Norwegen und Janelle aus Australien beschert. Bevor wir den Trek in Angriff nehmen, fahren wir jedoch cirka drei Stunden über enge Serpentinen nach Lares und entgehen dabei nur knapp einem Frontalzusammenstoß. Lamas und Alpacas stehen am Straßenrand, nehmen aber kaum Notiz von uns. Lares, die Stadt, die dem Trek ihren Namen gab, liegt bereits auf 3250 m Höhe. Wir durchqueren die heißen Quellen und nehmen mehrheitlich das WC-Angebot für einen Sol an. Es wird das letzte WC für die nächsten zwei Tage sein. Nach zwei Minuten, wir haben die Therme kaum verlassen, gibt es den ersten Verletzten in unseren Reihen. Hadleigh ist ausgerutscht und hat sich mit dem Knie abgefangen, was Knie und Hose etwas deformiert hat. Er beißt aber die Zähne zusammen und nimmt den ersten knackigen Anstieg mit uns in Angriff. Der hat es wirklich in sich, aber danach verflacht das Gelände etwas und wir haben Zeit zum Verschnaufen. Diese Etappe über cirka sieben Kilometer führt uns nach Ranrayoq auf 4175 m Höhe. Schon nach kurzer Zeit kommen die Ponchos zum Einsatz, denn ein erster Regen erfasst uns. Sonne und Regen wechseln hier jedoch stetig. Zwischen den Lams und Alpacas stehen immer wieder schick zurecht gemachte Kinder am Wegesrand, die ihr süßestes Lächeln aufsetzen und auf etwas Obst oder Süßigkeiten hoffen, was ihnen meistens gelingt. Wir erreichen eine Wiese, auf der unsere Begleitcrew ein Zelt aufgebaut hat, wo wir unsere Mittagspause verbringen und ein, für diese Umstände, sensationelles Essen serviert bekommen. Auch ein Sanitärzelt wurde errichtet, was jedoch nur eine Grundfläche von einem Quadratmeter und ein eilig gebuddeltes Loch in der Mitte besitzt. Auch uns Männern wird klar, dass wir uns angesichts der vor uns liegenden Tage damit anfreunden müssen. Während der Mittagspause wird der Regen heftiger, doch Jeremi, unser Bergführer ruft zum Aufbruch auf, wenn wir unser Etappenziel noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wollen. Unsere einheimischen Begleiter erkundigen sich immer wieder nach unserem Befinden, doch wir sind nicht nur ziemlich schnell, wir zeigen auch keine Anzeichen von Höhenkrankheit. Während einer kurzen Pause machen Sandra und ich unsere beliebten Jump-Fotos, bei der nächsten spielen die Norweger mit ihren Wanderstöcken Galgenraten. Notiz für Kili-Team: Wanderstöcke mitnehmen! Hatte ich jetzt zwar nicht und sieht auch albern aus, macht aber Sinn. Unser Gepäck wird nun übrigens doch nicht von Lamas, sondern ganz gewöhnlichen Pferden getragen, die uns überholen, was uns Hoffnung auf ein leckeres Abendessen und ein bereits aufgebautes Zelt macht. Wir passieren ein Dorffest, bei dem die Bewohner um einen mit Luftballons festlich geschmückten Baum tanzen und beobachten das Geschehen aus der Ferne. Da wir uns jedoch verlaufen haben, kommen wir noch einmal daran vorbei und ein paar Dorfkinder, auch mit Luftballons geschmückt, ringen Hadleigh ein paar Süßigkeiten ab. Die Nachricht verbreitet sich schneller, als es das Internet jemals könnte und wenig später ist Hedleigh von mehr als zehn Kindern umringt und seine Tüte Kaubonbons alle. Auf einem verlassenen Bauernhof erspähen wir unsere Zelte und zu unserer großen Freude auch das Toilettenzelt. Hier werden wir nun also nächtigen. Für unser leibliches Wohl sorgen nicht nur unsere Crew, sondern auch die einheimischen, die in Windeseile auf drei Decken neben den üblichen Textilien auch Getränke wie Bier und Cola anbieten. Sandra, Erik und ich nehmen ihnen je ein Bier ab und der Abend wird gemütlich, doch um 20 Uhr verschwinden wir in unseren Zelten und schlafen schnell ein. Selbst die Angst vor der grimmig drein schauenden Frau mit der Hacke auf dem Rücken, die um unsere Zelte schleicht, hält uns davon nicht ab.

Dienstag, 16. Februar 2010

Aufwärts in die Anden















CALCA: Um 7:30 Uhr klopft der Weckdienst an unsere Tür, aber wir sind schon seit einer Stunde damit beschäftigt, unser gesamtes Gepäck auf jeweils drei Taschen zu verteilen. Eine erhalten wir am Samstag wieder, wenn wir nach Cuzco zurückgekehrt sind, eine wird uns auf dem Lares Trek von Lamas hinterhergetragen und eine, möglichst die leichteste, wird für die nächsten Tage eine enge Bindung mit unseren Rücken eingehen. Nach dem dürftigen Frühstück vom Vortag sehen wir uns heute gezwungen, die Reste vom Nachbartisch zu verspeisen, da weder ein Frühstück, noch jemand, der uns ein solchen zubereiten könnte, in Sicht ist. Für uns reicht es, um den ersten Hunger zu stillen, doch als Fiona und Audrey kommen, erklärt sich Sandra bereit, bei der Rezeption zu fragen. Da auch dort niemand zu sehen ist, bemüht sie die Klingel am Haupt- und einzigen Eingang, um auf unseren nahenden Hungertod aufmerksam zu machen und schon springt die gesamte, also dreiköpfige, Belegschaft aus dem Untergeschoss, darunter auch die Frühstücksfee, die uns nun mit frischem Melonensaft, Kaffee, Brötchen und Rührei verwöhnt. Um 8:30 Uhr werden wir von Mary Lu abgeholt, die uns heute durch das Sacred Valley in den peruanischen Anden führen wird. Wir durchqueren die mächtigen Anden und lernen die Dörfchen Chinchero und Moray kennen und besichtigen Inkaruinen und -terrassen. Unterwegs begegnen uns immer noch ein paar lustige Karnevalisten, die singend und tanzend die Straßen entlang rennen. Wir fahren weiter nach Pisac, wo wir zum Mittagessen in Ulrike`s Café einkehren. Mary Lu hat uns vorgewarnt, dass das Restaurantangebot in Calca, unserem heutigen Ziel, überschaubar ist und wir besser jetzt zuschlagen sollten. Wir folgen ihrem Rat und entscheiden uns für ein Dreigängemenü aus Kürbissuppe, einem Hauptgang auf Hühnerbasis und einem Apfelstrudel und hoffen, mit der Verdauung bis zum nächsten Morgen fertig zu sein. Für den Abend kaufen wir auf dem Markt noch ein paar Bananen und eine Mango und ich erwerbe als Souvenir ein Schachspiel, auf dem, wie üblich, Inka gegen Spanier kämpfen. Anschließend fahren wir den Berg hinauf zu den Ruinen von Pisac. Mary Lu hat uns mit ihren langen Referaten und lehrerhaften Gehabe inzwischen den letzten Nerv geraubt und wir sind ganz froh, als die Fahrt weiter nach Calca geht, wo wir vor dem Los Laureles Casa Hospedaje halten, in dem wir die Nacht verbringen und morgen früh den Lares Trek in Angriff nehmen werden. Erfreulicherweise hat sich Hedleigh`s Zustand soweit verbessert, dass er mit uns aussteigt. Und so verabschieden wir drei uns einstweilen vom Rest der Bande. Während Hedleigh noch einmal auf der Suche nach einem magenschonenden Abendessen auf den Marktplatz von Calca geht, machen wir es uns in unserer Pension gemütlich, um noch ein wenig die Füße auszuruhen vor den Strapazen der nächsten Tage. Wir befinden uns jetzt mit 2928 m Höhe nur wenig höher als in Cuzco und merken noch keine Auswirkungen, was auch auf diesem Level nicht aus zuschließen ist.

Montag, 15. Februar 2010

Von Pachakuteq zu Jesus Christus






CUZCO: Letzte Nacht habe ich kaum geschlafen und hatte heute früh leichte Kopfschmerzen. Das können nun Anzeichen von Höhenkrankheit sein oder eine Erinnerung an den gestrigen Abend in Paddy`s Pub an der Plaza de Armas. Sandra ging es da schon besser. Sie war allerdings auch nicht mehr mit im Pub und hat bestens geschlafen. Ausgeschlafen oder nicht sind wir beide früh wach und die ersten im Frühstücksraum, wo uns Kaffee und Coca Tee serviert wird sowie ungetoastetes Toastbrot mit Butter und Marmelade. Auf dem Zimmer schlachten wir noch eine Pepino, die wir gestern, in völliger Unkenntnis dieser Frucht, aus Gato`s Markt mitgenommen hatten. Sie ist auch innen gelb, ziemlich süß und erinnert am ehesten an Melone. Nicht satt, aber bereit zu neuen Erkundungen, machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt und schlendern durch die Straßen, vorbei an zahlreichen Souvenirgeschäften, die gestern alle geschlossen waren. An Karneval erinnert heute am Rosenmontag nicht mehr viel, außer ein überschaubarer Rosenmontagszug mit schätzungsweise 100 Akteuren und 30 Schaufensterpuppen. Wir wandern weiter zum Ovalo Pachakuteq in dessen Mitte für gleichnamigen Incakönig ein Denkmal errichtet wurde, welches wir bis zu seinen Füßen erklimmen. Wir genießen einige Minuten den Rundumblick über Cuzco und gehen dann noch einmal zu dem Markt, in dem wir gestern bereits einheimische Textilwaren erworben hatten. Diesmal informieren wir uns über Alpaca-Mützen, die uns hervorragend kleiden, können uns jedoch vorerst noch nicht zum Kauf entschließen. Auf dem Rückweg nehmen wir noch reichlich Wasser und ein paar Knabbereien für die nächsten Tage mit und entschließen uns zu unserer ersten Taxifahrt in Cuzco. Jede Fahrt innerhalb der Stadtmauern kostet hier 3 Soles, als ca. 0,75 €. Im Hotel zurück und kurz die Beine ausgeruht entschließe ich mich, auf Anraten von Robert, zur Christusstatue oberhalb der Stadt aufzusteigen, während sich Sandra mit ihrem Buch ein schattiges Plätzchen im Garten sucht. Es ist ein kurzer, aber knackiger, Anstieg mit gefühlten 3000 Stufen, die mitten zwischen Wohnhäusern hinaufführen. Auf dem Weg liegen drei streunende Hunde und davor wartet ein einheimischer Junge, der mit etwas auf Spanisch fragt, das aud "passar" endet. Ich vermute, er bietet mir Geleitschutz an den Hunden vorbei an, lasse ihn gewähren und bereite mich darauf vor, ihn mit etwas Inca Popcorn für seine Dienste zu entlohnen. Sicher an den Hunden vorbei gekommen, bemerke ich, dass ich hier ein falsches Rollenverständnis hatte und ich nicht der Beschützte, sondern der Beschützer war, denn der Junge sagt "Gracias!" und verschwindet in einem der Häuser. Am Fuße der Christus-Statue bietet sich mir ein traumhafter Blick über Cuzco, das zu allen Seiten weit die Hügel hinauf gewachsen ist. Ein Einheimischer bietet mir einen Pferdeausritt an. Wäre er unten mit dem Angebot gekommen, den Ausritt auf den Berg zu führen, wären wir eventuell ins Geschäft gekommen. So laufe ich zu Fuß zurück und werde bis kurz vor`s Hotel von einem Hund eskortiert. Da Sandra gerade via Skype Privatgespräche führt, ziehe ich mich in den Garten zurück und erkläre Robert, dass Berlin nicht im Schwarzwald liegt. Abends wage ich mich dann noch an ein Alpaca-Kebab ran, was ich durchaus weiterempfehlen kann. Morgen begeben wir uns nunmehr auf eine viertägige Wanderung auf dem Lares Trek. Voraussichtlich werden Sandra und ich zusammen mit ein paar Einheimischen allein sein, denn den letzten Mitstreiter, Hedleigh, hat offenbar die Höhenkrankheit lahmgelegt. Unser Gepäck müssen wir dafür auf 8 kg dezimieren. Natürlich bleibt auch das Notebook hier, zumal wir auf dem Lares Trek in Zelten ohne W-LAN übernachten. Es wird nun also ein paar Tage nichts Neues von uns geben, aber am Wochenende die geballte Informationsflut.

Sonntag, 14. Februar 2010

Wasserbomben über Cuzco










CUZCO: Der Empfang in Cuzco ist ungewöhnlich. Kurz vor 6 stehen wir in Lima auf, um 7 Uhr den Bus zum Flughafen zu besteigen. Jetzt lernen wir auch Fiona und Audrey kennen. Es ist erwartungsgemäß nicht die Äquator-Fiona. Die beiden sind Lehrerinnen und für sieben Monate auf Weltreise. Dagegen sehen wir mit unseren vier Monaten natürlich ziemlich blass aus. Um 9:30 Uhr startet der LAN-Airbus nach Cuzco. Die Berge unter uns werden deutlich höher und nach unserer Landung werde ich etwas kurzatmig, was ich auch in Quito schon einige male gespürt habe. Einige von uns haben aber auch schnell Kopfschmerzen und Schwindelgefühl, was mir vorerst erspart bleibt. Wir befinden uns auf 3.360 m Höhe und da kann sowas schonmal vorkommen. Am Flughafen haben wir vor einem großen Wandbild Gelegenheit, unser einziges Foto von Machu Picchu zu machen. Wir fahren ins Tika Wagi Hostal, oberhalb der Innenstadt. Das Haus versprüht keinen Herbergscharme und bietet einen fantastischen Blick über die alte Inkahauptstadt, älteste noch bewohnte Stadt Südamerikas. Hier treffen wir auch Hedleigh aus Manchester, der direkt nach Cuzco gekommen ist. Gemeinsam machen wir einen ersten Orientierungs- und Akklimatisierungsspaziergang. Cuzco riecht an jeder Ecke nach Geschichte, doch wir kehren erst einmal nahe der Kathedrale San Blas zum Mittagessen und auf eine Inca Kola ein, von der ich Sandra offensichtlich nicht überzeugen kann. Vor der Tür bekriegen sich Kinder mit Wasserbomben und -pistolen und wir schauen ihnen amüsiert zu. Nun geraten wir jedoch selbst in die Schussbahn, jedoch nicht in die der Kinder, sondern einer erwachsenen Frau, die mit einer Wasserpistole auf dem Boden sitzt. Das kommt uns doch schon etwas peruanisch vor. Erst recht, als uns die erwachsenen Frauen nunmehr mit großen Wasserflaschen folgen und ich das erste mal auf dem Rücken komplett durchnässt werde. Daniela liefert die Lösung. Hier ist Karneval und offenbar begeht man diesen eben so. Auf der Plaza de Armas angekommen, sind wir endgültig davon überzeugt. Der Platz ist der gesellschaftliche Knotenpunkt Cuzcos und hier läuft die größte Wasserbombenschlacht, die ich jemals gesehen hab. Mehrmals geraten wir, unter anderem aus vorbeifahrenden Autos, massiv unter Beschuss, als wir die Hauptverkehrsstraße Avenida el Sol entlangschlendern. Einige der Karnevalskrieger sind auch mit Schaumspraydosen bewaffnet. Während Sandra und ich noch zum Centro Artesanal und zu einem Geldautomaten wollen, entschließt sich der Rest der Gruppe aus Sicherheitsgründen zur Umkehr. Das Centro Artesanal ist der größte Markt der Stadt für Souvenirs und Handwerk. Trotz Sonntag und Karneval sind die Stande geöffnet, wir aber fast die einzigen Kunden, was unseren Marktbummel sehr entspannt macht. Dazu kommt, dass die Peruaner ohnehin nicht so aufdringliche Händler sind. Und so erwerben wir ein peruanisches Fußballtrikot für mich zum nachverhandelten Preis von 18 Soles und ein T-Shirt für Sandra für ebenfalls dezent gedrückte 9 Soles. Etwas Angst haben wir vor unserem Rückweg, doch wir kommen trocken an der Kathedrale Santo Domingo und der Plaza de Armas, den Hauptschlachtfeldern, vorbei und wähnen uns bereits in Sicherheit, als wir in der Cuesta San Blas erneut in einen Hinterhalt geraten und bis auf die Haut durchnässt werden. Wir haben es einfach versäumt, uns in der Zwischenzeit auch zu bewaffnen. Im Garten unseres Hostels sitzen Robert und Hadleigh bei einem ersten Bierchen und ich helfe Robert bei seinem. Wir bleiben noch etwas im Garten sitzen, doch über uns brauen sich dunkle Wolken zusammen. Als die ersten Tropfen fallen, treten wir den Rückzug in den Wintergarten an, der jedoch auch nicht an allen Stellen trocken bleibt. Der Regen geht schnell in Hagel über und will kaum enden. Nun ist auch unser Garten weiß, wenn Euch das in Deutschland ein Trost ist. Nur den Wasserkriegern dürfte dadurch im wahrsten Sinne des Wortes der Spaß verhagelt worden sein.