RURRENABAQUE: Ich hatte die ganze Nacht über ein Ohr am Fenster, um nach Regen zu lauschen. Einige male wurde ich von heftigem Rauschen aufgeschreckt, konnte aber feststellen, dass nur der Wind durch die Bäume gefegt ist. Entsprechend positiv fällt die Prognose von Amaszonas um 8:30 Uhr aus, wir werden aber gebeten, um 13 Uhr noch einmal nachzufragen. Die Zeit bis dahin verbringen wir mit einigen unspektakulären Besorgungen und mit permanentem Blick zum Himmel. Der blaue Himmel wird immer blauer und die Amaszonas-Dame verkündet uns voller Zuversicht den Start unseres Fluges für 18:30 Uhr. Daraufhin gehen wir in eine Pizzeria und helfen einem der dort lebenden Papageien beim Versuch, eine Banane zu essen. Und während auch wir etwas essen, bemerken wir, dass die kleinen weißen Schäfchenwolken zu dicken schwarzen Wolken mutieren, die erst ganz vorsichtig abzuregnen beginnen, dann aber einen viertelstündigen Platzregen über Rurre ergehen lassen. Diese Viertelstunde reicht, um unsere Pläne zerplatzen zu lassen, wie ein erneuter Besuch im Amaszonas-Büro erkennen lässt. Unser Zimmer im Hotel Oriental hatten wir ohnehin bereits für etwa zehn Euro um eine Nacht verlängert, um den heutigen Tag noch hier verbringen zu können, aber uns geht langsam das Bargeld aus. Die einzige Bank von Rurrenabaque ist bis Montag geschlossen und mit ihr der einzige Geldautomat. Über unsere Reiseagentur, die uns durch die Pampa geführt hat, stelle ich einen Draht zu Ana in La Paz her. Diese gibt dem Hotel telefonisch 200 Bolivianos Kredit, von denen wir die eine zusätzliche Übernachtung begleichen und etwas Liquidität bis Montag erlangen können. Freundlicherweise erklärt das der Agenturmitarbeiter, mit dem ich spontan auf dem Moped mitfahre, dem Hotelpersonal. Das Geld geben wir dann Ana in La Paz zurück, wo es wieder Geldautomaten und Wechselstuben in Überfluss gibt. In einem Restaurant am Beni River verbringen wir diesen unerwarteten zusätzlichen Abend in der Pampa.
Samstag, 6. März 2010
Verhinderte Abreise
RURRENABAQUE: Ich hatte die ganze Nacht über ein Ohr am Fenster, um nach Regen zu lauschen. Einige male wurde ich von heftigem Rauschen aufgeschreckt, konnte aber feststellen, dass nur der Wind durch die Bäume gefegt ist. Entsprechend positiv fällt die Prognose von Amaszonas um 8:30 Uhr aus, wir werden aber gebeten, um 13 Uhr noch einmal nachzufragen. Die Zeit bis dahin verbringen wir mit einigen unspektakulären Besorgungen und mit permanentem Blick zum Himmel. Der blaue Himmel wird immer blauer und die Amaszonas-Dame verkündet uns voller Zuversicht den Start unseres Fluges für 18:30 Uhr. Daraufhin gehen wir in eine Pizzeria und helfen einem der dort lebenden Papageien beim Versuch, eine Banane zu essen. Und während auch wir etwas essen, bemerken wir, dass die kleinen weißen Schäfchenwolken zu dicken schwarzen Wolken mutieren, die erst ganz vorsichtig abzuregnen beginnen, dann aber einen viertelstündigen Platzregen über Rurre ergehen lassen. Diese Viertelstunde reicht, um unsere Pläne zerplatzen zu lassen, wie ein erneuter Besuch im Amaszonas-Büro erkennen lässt. Unser Zimmer im Hotel Oriental hatten wir ohnehin bereits für etwa zehn Euro um eine Nacht verlängert, um den heutigen Tag noch hier verbringen zu können, aber uns geht langsam das Bargeld aus. Die einzige Bank von Rurrenabaque ist bis Montag geschlossen und mit ihr der einzige Geldautomat. Über unsere Reiseagentur, die uns durch die Pampa geführt hat, stelle ich einen Draht zu Ana in La Paz her. Diese gibt dem Hotel telefonisch 200 Bolivianos Kredit, von denen wir die eine zusätzliche Übernachtung begleichen und etwas Liquidität bis Montag erlangen können. Freundlicherweise erklärt das der Agenturmitarbeiter, mit dem ich spontan auf dem Moped mitfahre, dem Hotelpersonal. Das Geld geben wir dann Ana in La Paz zurück, wo es wieder Geldautomaten und Wechselstuben in Überfluss gibt. In einem Restaurant am Beni River verbringen wir diesen unerwarteten zusätzlichen Abend in der Pampa.
Freitag, 5. März 2010
Rückkehr nach Rurre
RURRENABAQUE: Um 8 Uhr sticht die „Dolphin VII“ mit uns an Bord in See. Wir wollen heute Piranhas angeln. Leider setzt in diesem Augenblick mal wieder Regen ein, der das Unterfangen nicht nur unangenehm für uns macht, sondern auch die Beißlust der Piranhas gegen Null streben lässt. Kurzum, wir bekommen keinen der eigentlich so gefräßigen Fische an die Angel und somit auch nicht zu Gesicht und kehren einigermaßen durchnässt zur Lodge zurück, wo wir heute schon um elf Uhr zu Mittag essen, um uns anschließend auf den langen Rückweg nach Rurrenabaque zu machen. Der Regen prasselt immer heftiger auf das Wellblechdach und wir machen es uns in den Hängematten bequem. Erik kündigt noch an, aufzubrechen, wenn es aufgehört hat zu regnen, doch eine halbe Stunde später wird er unruhig und bläst zum Abmarsch, auch wenn der Regen kein bisschen nachgelassen hat. Hermetisch in unsere Jacken gewickelt kann keine Rede davon sein, dass wir die Fahrt genießen. Auf einmal steuert Erik unseren Kahn mit voller Fahrt in die Uferböschung, so dass das bolivianische Fähnchen am Bug abbricht. Uns passiert dabei nichts, aber es bedarf einiger Anstrengung, uns von dem Busch zu lösen. Unsere Vermutung, Erik sei am Ruder eingeschlafen, entkräftet er, als er uns ein paar Meter rückwärts den Grund seines gewagten und etwas missglückten Manövers zeigt. Am Ufer hat sich eine Capibara-Familie versammelt. Die putzigen Tiere sehen aus wie Meerschweinchen, sind aber so groß wie normale Hausschweine. Wir sind zwar bis auf die Haut durchnässt, aber diese Entdeckung entschädigt uns dafür und ist ein gelungener Abschied von der Pampa. Nach dem Anlegen sehen wir, dass der blaue ISUZU ist wieder fit ist. Er wird aber nicht lange blau bleiben, denn die tiefen Pfützen tauchen ihn schnell in ein deckendes rotbraun. Die Scheibenwischer funktionieren, nicht aber die Wasserdüsen, so dass unserem Fahrer nichts anderes einfällt, als an einer Pfütze zu halten und das rote Wasser mit den Händen auf die Windschutzscheibe zu schaufeln, was vorläufig durchaus für Durchblick sorgt. Es regnet nicht mehr und wir haben die Hoffnung, dass unser Flug morgen früh um 8:50 Uhr pünktlich nach La Paz abhebt. Diese wird im Büro von Amaszonas Airlines zerstört. Heute ging nur der erste Flug von Rurrenabaque und seitdem keiner mehr. Morgen stellt man uns Plätze im 18-Uhr-Flieger in Aussicht. Die neuesten Informationen sollen wir uns früh um 8:30 Uhr abholen. Vor dem Abendessen im Luna`s schauen wir noch einmal im Internet-Café vorbei, um unter anderem zu erfahren, dass die Flüge von La Paz nach Santiago wieder aufgenommen wurden, nun aber natürlich heiß begehrt sind, da wir nicht die einzigen Gestrandeten sind. Die Dame vom LAN-Büro in La Paz hat sich zwar nicht gemeldet, zum Glück aber Micha von STA Travel in Berlin, bei dem wir die Flüge gebucht hatten. Aufgrund der enormen Nachfrage kommen wir nun allerdings erst am Freitag nach Santiago. Das bedeutet ganze 17 Stunden brutto in Chile statt der geplanten zwei Wochen. Aber wir wollen schnellstmöglich auf unsere Route zurückfinden und keine unnötigen Stornierungen oder Umbuchungen vornehmen. Und für Samstag haben wir nun mal den nächsten Flug gebucht. Nun ja, es gibt sicherlich auch reizvollere Ziele, als ein erdbebenerschüttertes Land. Es macht ja auch Sinn, sich nicht alle Träume auf einmal zu erfüllen.
Donnerstag, 4. März 2010
Suche nach der Anakonda
DOLPHIN LODGE: Um sechs Uhr stehen wir auf, um eine halbe Stunde später ungeduscht in See zu stechen. Um diese Zeit bietet der Regenwald eine besondere Tiervielfalt. Das spektakulärste an diesem Morgen sind allerdings ein paar Papageien. Wir fahren zum Frühstück zurück und brechen anschließend zu einer längeren Wanderung auf der Suche nach Schlangen, vor allem der Anakonda, auf. Wahrscheinlich wimmelt es hier von Anakondas, doch außer einem Kopf, den Sandra noch kurz sieht, bleiben sie vor uns versteckt. Das Wasser steht einfach zu hoch und da haben die Schlangen eben klare Vorteile uns gegenüber. Es gibt angenehmere Momente, als im schulterhohen Schilf bis über beide Knie im Wasser zu stehen. Besonders dann, wenn die Gummistiefel nur bis knapp unter die Knie reichen. Wenig zur Erheiterung trägt dann ein ortskundiger Tour Guide bei, dem dazu nichts weiter einfällt, als „Hm, is deep.“ Im Volleyball- und Football-Camp leeren wir unsere Gummistiefel und Yumi spielt mit einer riesigen Kröte. Zurück im Camp werden wir von einem Kaiman begrüßt, der sich nun doch an Land getraut hat. Bloß gut, dass die Biester keine Treppen steigen können. Nachmittags brechen wir noch einmal auf und bekommen nun endlich auch zwei Tukane zu Gesicht. Unser Ziel sind allerdings die rosa Delphine, die hier allerdings nicht sehr verspielt sind und unsere Versuche, mit ihnen zu schwimmen, ignorieren. Zum Sonnenuntergang treffen wir uns mit den Hühnern und den anderen Abenteurern wieder im Volleyball-Camp und geben Erik für die zwei Tukane ein Bier aus.
Mittwoch, 3. März 2010
Das Dschungel Camp
DOLPHIN LODGE: Pünktlich um 8:45 Uhr sind wir beim Büro von Dolphin Travels, von wo aus wir in die Pampa und den Dschungel starten wollen. Kurz nach neun macht sich die Chefin, ich glaube, das ist sie, im Auto davon und ist etwa zehn Minuten später mit zwei jungen Damen wieder da, die ich heute früh schon beim Frühstück gesehen hatte. Sie stellen sich als Elizabeth und Georginia vor, zwei echte Tussies aus der Londoner Werbebranche. Dazu gesellt sich noch Yumi aus der Nähe von Tokio, deren Wortschatz im Wesentlichen aus den Lauten „Ah“ und „Oh“ besteht. Zu guter Letzt kommt auch noch unser Guide, der etwas introvertierte, aber stets bemühte, Erik. Seine Kommunikationsbeiträge lauten in der Regel „Okay!“ oder „Good!?“. Letzteres auch gern in Kombination mit tageszeitabhängigen Vokabeln, wie „sleep“ oder „food“. Mit unserem Fahrer und einer Köchin machen wir uns also zu acht im blauen ISUZU auf die dreistündige Fahrt über staubige Schotterpisten. Als größter darf ich vorn sitzen. Heftiger Regen setzt ein und der Motor unseres Fahrzeugs aus. Sämtliche Reparaturversuche bleiben vergebens, so dass Erik die erste Mitfahrgelegenheit nutzt und etwa eine halbe Stunde auf dem Beifahrersitz eines etwas altersschwachen, aber fahrenden, Toyotas zurückkehrt, auf den wir nun uns nebst Gepäck und Proviant umladen. Nach einer weiteren Stunde, einschließlich eines gemeinsamen Mittagessens, erreichen wir die Anlegestelle der Touristenboote und bevölkern unseren Kahn, die „Dolphin VII“. Die Fahrt dauert nun noch einmal drei Stunden, wobei wir nicht den direkten Weg wählen, sondern ein wenig die Tierwelt des Regenwaldes beobachten. Wir fahren vorbei an Schildkröten, Äffchen und vielen bunten Vögeln und sind ganz froh, nicht in der Lodge zu wohnen, vor der ein ausgewachsener Kaiman liegt. Einen Tukan haben wir noch nicht gesehen, womit Erik seine Aufgabe hat. Wir legen an der Dolphin Lodge an. Die Lodge besteht aus mehreren Zimmern auf Stelzen, die bis auf Brusthöhe aus Brettern zusammengenagelt wurden und darüber mit einem Drahtnetz abgetrennt sind. Für Privatsphäre ist hier kein Platz, zumal wir uns ein Zimmer zu fünft teilen. Jedes Bett verfügt über ein eigenes Moskitonetz, was die ohnehin fast unerträgliche Hitze unter dem Wellblechdach noch erhöht, aber durchaus sinnvoll erscheint, da sich die Moskitopopulation gerade erholt. Immerhin bietet die Lodge aber Hängematten, Toiletten und Duschen, allerdings ohne Mitspracherecht bezüglich der Temperatur. Zum Sonnenuntergang gehen wir ins „Pink Dolphin“, kein Schwulenclub, sondern eine Bar, die wir über einen etwa 200 m langen Steg erreichen und die nach den hier lebenden, rosa schimmernden, Süßwasserdelphinen benannt ist. Ein Blick auf das Volleyballfeld verrät uns, es ist Regenzeit. Bei einem kühlen „Pacena“, das hier mit dem Zusatz „Tropical Extra“ verkauft wird, aber genauso schmeckt, würden wir gern die Ruhe genießen. Dieser Plan geht aber nicht auf, da neben uns nicht nur die israelischen Hühner aus dem Flugzeug, sondern auch diverse andere Boote aus den umliegenden Lodges hier anlegen. Vor dem Abendessen zeigt uns Erik noch die Tarantel des Hauses, die pünktlich jeden Abend ihren Lieblingsbaum erklimmt. Bei einer Nachtwanderung durch die nähere Umgebung sehen wir außer dicken Schmetterlingslarven und ein paar Fröschen nichts Interessantes. Auch wir bekommen noch Besuch von einem Kaiman, der uns jedoch vorläufig nur vom Wasser aus beobachtet.
Dienstag, 2. März 2010
Flucht aus La Paz
RURRENABAQUE: Wir finden unsere Verschwörungstheorie vom Vortag bestätigt. Der Busfahrerstreik beginnt um Mitternacht. Die Reiseagentin empfiehlt uns, noch abends nach Uyuni aufzubrechen. Auf mehrfache Nachfrage unsererseits erkennt auch sie, dass uns dann möglicherweise der Rückweg abgeschnitten ist. Als wäre das alles noch nicht genug, werden die Züge von Oruru nach Uyuni wegen überlaufender Flüsse über Potosi umgeleitet und in Uyuni gab es einen großen Rohrbruch, so dass alle Hotels kein Wasser haben. Wir ändern kurzerhand unseren Plan und reservieren Tickets für kommenden Sonntag. Wir kämen dann am Dienstagmittag zurück und könnten am Mittwoch um 10 Uhr nach Santiago fliegen. Als wir das der Agentin eröffnen, sagt sie uns, dass diese Zeit zu knapp wäre, da Busse und Züge gern auch mal mit einem Tag Verspätung ankommen. Vorher sprach sie noch von ein bis zwei Stunden. Ohnehin wirken hier sämtliche Reiseagenten etwas phlegmatisch und überrascht von unseren Anliegen. Entweder sind sie Teil der Verschwörung oder Opfer der dünnen Luft. Wir planen also den Flug nach Santiago für den 11.03.2010 und gehen zu der Agentur gegenüber unserem Hotel, um über einen Ausflug in den Amazonasdschungel zu reden. Auch hier begrüßt man uns mit der gleichen Kompetenz. Leider ist Ana nicht da und die dort hingesetzte Dame und der Junge sehen voller Bewunderung zum ersten mal ein Flugticket. Wir beschließen spontan, La Paz noch heute zu verlassen und nach Rurrenabaque, kurz Rurre, in den bolivianischen Amazonasdschungel zu fliegen. Das Wetter scheint günstig, denn bei Regen kann auf der Sandpiste von Rurre nicht gelandet werden. Die einzige Alternative wäre dann eine 18-stündige Busfahrt, die uns natürlich noch auf der Rücktour drohen kann. Die Dame telefoniert eifrig und sagt, wir mögen um halb eins wieder kommen, dann habe sie unsere Tickets, die ursprünglich auf den Samstag datiert waren, entsprechend ändern lassen. Wir packen unsere nötigsten Sachen für vier Tage Regenwald zusammen und übergeben den großen Rest unseres Gepäcks dem Hotel Sagarnaga, begleichen unsere Rechnung und kündigen unsere Rückkehr für Samstag an. Pünktlich halb eins sind wir wieder im Büro, die Dame vom Vormittag jedoch nicht. Sie ward nicht mehr gesehen und katapultiert sich damit in meiner persönlichen Hassliste auf Platz 2. Noch vor dem Dänen aus dem Loki Backpackers, der mich fragte, ob der Kerl da am Billardtisch mein Sohn sei. Aber immer noch hinter der Dame aus dem Internetcafé, die mir ein Computerverbot auferlegt hat, weil sie der Meinung ist, USB-Sticks würden Computer kaputt machen. Der Junge steht etwas im Wald und telefoniert Ana herbei. Sie bittet mich am Telefon, doch um halb fünf wieder zu kommen. Ich mache ihr klar, dass wir unsere Reservierung heute Vormittag geändert haben und um vier am Flughafen sein müssen. Etwas genervt legt sie auf uns erscheint wenig später im Büro. Nach einigem hin und her statten wir sie mit 200 Bolivianos aus, mit denen sie sich nun auf den Weg zur Fluggesellschaft Amaszonas macht, um unsere Tickets ändern zu lassen und wir verabreden uns für 14 Uhr. Der Junge stellt uns eine Quittung über 120 Bolivianos aus und gibt uns, um die Quittung korrekt zu machen, 80 Bolivianos. Die Zeit nutzen wir, um wieder zu der anderen Agentur zu gehen und dort unseren Bus-und-Bahn-Trip nach Uyuni fest zu machen. Nach einem deftigen Sandwich im Bioladen kehren wir zu Ana zurück, die zu unserer großen Freude alles regeln konnte und steigen direkt ins Taxi zum Flughafen. Dieses quält sich auf 4000 m Höhe, wo wir glücklich, die Stadt doch schon heute verlassen zu können, einchecken und wenig später in der Fairchild-Maschine der Amaszonas Airline sitzen. Ich sitze in der drittletzten Reihe und bin umringt von hebräisch gackernden Hühnern. Die lassen mich zwar nicht an Schlaf denken, übertönen jedoch die diversen Alarmsignale, die aus dem Cockpit dringen. Sandra bekommt davon in der ersten Reihe schon mehr mit. Wir überfliegen spektakuläre Landschaften und landen in einer Staubwolke auf dem Flughafen von Rurrenabaque. Von dort aus geht es weiter im Minibus ins Oriental Hotel. Die Luftfeuchtigkeit, der Geruch von nassem Sand und die Geräuschkulisse verraten uns, wir sind im Regenwald angekommen. Rurre ist ein Regenwaldörtchen wie aus dem Bilderbuch. Nach einem kurzen Besuch des Beni Rivers, eines Seitenarms des Amazonas, lösen wir in der „Moskito Jungle Bar“ ein paar unserer Gutscheine ein, die wir von der Airline bekommen haben und genießen in den Hängematten unseres Hotels ein wenig die Ruhe, bevor wir uns in unserem hellblauen Zimmerchen unter dem Riesenventilator zur Ruhe betten.
Montag, 1. März 2010
Ein Hoffnungsschimmer
LA PAZ: Seit gestern treiben wir Frühsport. Heute paradoxerweise aber erst um 16 Uhr. Vorher haben wir unsere Alternativreiseplanung vorangetrieben. Um 10 Uhr holen wir Daniela in ihrem Hotel ab. Sie hat sich freundlicherweise bereit erklärt, uns noch einmal als Dolmetscherin im, heute wieder geöffneten LAN-Büro zur Seite zu stehen. Wir werden sehr freundlich bedient und verlassen das Büro mit einem kleinen Lichtblick. Zwar müssen wir den Ausflug auf die Osterinsel wohl endgültig begraben, aber die Chancen stehen nicht schlecht, zumindest noch kurz nach Santiago zu kommen, wenig an unserer Planung ändern zu müssen und keine horrenden Storno- und Umbuchungsgebühren schultern zu müssen. Auch unser Hotel, das wir für Santiago bereits kontaktiert hatten, hat auf unsere gestrige E-Mail geantwortet. Die wurden zwar etwas durchgeschüttelt, aber das Haus steht und es gab keine Verletzten. Nach Aussage von LAN wird der Flughafen voraussichtlich in den nächsten Tagen wieder eröffnet. Glücklicherweise sind die Rollbahnen unversehrt geblieben und voraussichtlich wird ein provisorisches Terminal genutzt. Bei einem Stück Kuchen und einem Eisbecher Fridolin in gleichnamigem Café sowie zu den Klängen von Modern Talking und C.C. Catch schmieden wir unsere Reisepläne aufgrund der neuen Nachrichten um und besuchen anschließend zwei Reiseagenturen, um mit ihnen unsere Pläne zu verfeinern. So langsam glauben wir an eine große Verschwörung der bolivianischen Tourismusindustrie gegen uns. Gern wären wir morgen mit dem Bus nach Oruro gefahren und dann mit dem Zug weiter nach Uyuni, um dort den höchsten Salzsee der Welt zu besichtigen. Aber der Zug ist für morgen ausgebucht. Und für übermorgen drohen die Busfahrer mit Streik. Wir vertagen uns auf morgen früh, wenn der Streik bestätigt oder abgesagt ist. Wir wollen nur weg aus La Paz, das wir immer noch nicht so recht ins Herz geschlossen haben, auch wenn wir uns von Tag zu Tag sicherer fühlen. Ohnehin fällt auf, dass wir nach Aussage der Einheimischen in immer gefährlichere Städte reisen. Alfredo in Quito hat uns vor Lima gewarnt. Daniela aus Lima warnt uns vor La Paz. Mal sehen, wo das noch hinführt. Wir flüchten uns vor dem einsetzenden Regen in ein Shopping Center und erfahren dort, dass Südamerikas Superstar in Buenos Aires gekürt wird. Steht auch noch auf unserer Liste der Städte, die wir in Südamerika besuchen wollen. Unsere Chancen bei diesem Wettbewerb würde ich als mittelmäßig bezeichnen, aber es bleibt uns ja noch Zeit. Zurück im Hotel darf Sandra mithilfe meiner, für zehn Euro erworbenen, Haarschneidemaschine ihre Friseurkünste unter Beweis stellen. Da der Akku nicht so lange hält, legen wir eine Halbzeitpause ein, die wir für einen Besuch bei Ana im gegenüberliegenden Reisebüro nutzen. Ohne Gewissheit über unseren Verbleib in den nächsten Tagen fahren wir noch einmal ins Loki Backpackers, um mit Audrey, Fiona und Daniela Abschied zu feiern. Zum Glück haben wir den nächsten Tag noch zum Ausschlafen.
Sonntag, 28. Februar 2010
Wochenrueckblick, die Zweite
Superlative! Eine erlebnisreiche Woche geht zu Ende. Am Montag ging es in einem super bequemen Reisebus zum Titikakasee, dem hoechsten See der Welt! Grossartig. Nach zwei Tagen auf dem See und auf Inseln, bei Einheimischen uebernachtet und die "Dorfdisco" unsicher gemacht, ging es am Donnerstag nach La Paz. Nach der weniger einladenden Stadt Puno, am Titikakasee gelegen, haben wir uns auf die hoeste Stadt der Welt gefreut. Bis zur Ankunft wurde aber unsere Vorfreude getruebt, denn La PAz ist so gefaehrlich. Etwas unsicher und ohne Wertgegenstaende erkunden wir La Paz und koennen am zweiten Tag doch einen gewissen Charme der Stadt spueren. Zuvor ging es zur "motherculture" Tiwanaku. Wieder eine Ruine- abgehakt:-) Am Sonntag (also heute) sollte es nach Santiago weitergehen. Aufgrund des Erdbebens am Samstag, welches wir hier nicht gespuert haben, sitzt der Schock ueber die Ereignisse noch tief und wir verbingen den Samstag und Sonntag mit dem Verarbeiten der Katastrophe sowie dem Planen einer alternativen Reiseroute. Chile scheint unpassierbar, sodass wir hoechst wahrscheinlich auch in der kommenden Woche in Bolivien bleiben werden...
Ein Tag ohne Foto
LA PAZ: Diese Fotos passen hier chronologisch nicht rein. Es sind die Top 3 der Schnorchelbilder von den Galapagos-Inseln. Aber erstens wurden diese Fotos noch mit einer analogen Unterwasser-Einweg-Kamera geschossen und die Bilder mussten erst entwickelt werden und stehen uns erst jetzt digital zur Verfügung. Und zweitens war dieser Tag so ereignisarm, dass ich kein einziges Foto gemacht habe. Wer schon mal mit mir im Urlaub war, weiß, dass ich auch aus einem durchschnittlichen Tag gern mal mit fünfzig Fotos und mehr raus gehe. Nach unserem gestrigen Abend haben wir aber den heutigen Tag ruhig angehen lassen und erst gegen Mittag das Haus verlassen. Ein bisschen im Internet gesurft, ein wenig planlos durch die Stadt gelaufen und dann haben wir noch einem Tourveranstalter einen Besuch abgestattet, um unsere Planung für den unverhofft verlängerten Bolivienaufenthalt voranzutreiben. War aber eher semierfolgreich, da die gute Dame gerade damit beschäftigt war, eine gestrandete Reisegruppe, deren Flug ausgefallen ist, ans Ziel zu bringen. Wir haben uns dann besser auf morgen vertagt und sind noch etwas essen gegangen.
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