HANOI: Heute soll es klappen. Am 1. Mai zu Ho Chi Minh. Das hat doch was. Leider bin ich nicht der einzige, der diesen Plan hat, doch viele Einheimische nutzen den freien Tag für lustigere Freizeitbeschäftigungen. Auf einem Platz finden sich Paare zum Tanz zusammen, auf der anderen Straßenseite wurde der Bürgersteig in Badmintonfelder umfunktioniert. Doch die meisten pilgern heute, wie ich, zum Ho Chi Minh-Mausoleum. Die Schlange ist schier endlos und schlängelt sich durch die Stadt. Aufseherinnen in langen roten Gewändern schieben die Wartenden immer wieder in die korrekte Anstehposition und vereiteln jeden Vordrängelversuch. Da außer mir kaum ein Ausländer in der Schlange ist, rage ich mal wieder etwas heraus. Die kleine Jang, die mit ihrer Mutter vor mir in der Reihe steht, testet an mir ihre frisch erlernten Englischkenntnisse. Das reicht zwar nicht für eine richtige Kommunikation, aber immerhin verstehe ich sie, was man von den meisten Vietnamesen nicht behaupten kann. Aber immerhin versuchen sie es, sich auf Englisch verständlich zu machen. Eine junge Frau versucht, sich vor mir in die Schlange zu drängeln. Die Aufseherin stellt sie zur Rede und sie rettet sich mit der Behauptung, sie würde zu mir gehören. Das entnehme ich ihren Gesten. Ich will sie nicht verpfeifen, aber die Aufseherin glaubt ihr nicht und sortiert sie hinter mich ein. Damit gewinnt sie immerhin noch etwa hundert Meter. Auf Monitoren über der Warteschlange laufen Aufzeichnungen früherer Maifeiern und Videoclips von Lobliedern auf Ho Chi Minh. Den Text sämtlicher Lieder habe ich schnell drauf: „Ho Chi Minh“ in einer Endlosschleife. Davon gibt es eine Popversion, eine volkstümliche und eine Oper. Die Schlange erreicht den Platz vor dem Mausoleum. Kleine Gruppen mit Blumenkränzen, vermutlich Arbeitskollektive, werden in Zweierreihen von Soldaten in weißen Uniformen an der Schlange vorbeigeführt. Nach etwa einer Stunde erreiche ich den Eingang zum Mausoleum. Das muss man den Vietnamesen ja lassen. Mit ihrer strengen Disziplin halten sie die Durchlaufgeschwindigkeit hoch. Über einen roten Läufer aus Linoleum werden wir am Glassarg vorbeigeführt. Der Anstand, die vietnamesischen Soldaten und die, hier nun blau gewandeten Schlangenaufseherinnen verbieten es mir, im Mausoleum zu fotografieren. Meine Kamera wird mir schon mal vorgebracht. Nach zehn Sekunden ist alles vorbei. Danach laufe ich noch ein wenig im Garten des Präsidentenpalastes herum, wo auch die zwei Häuser zu besichtigen sind, in denen Ho Chi Minh lebte, seine Autos und was sonst noch so an ihn erinnert. Der Cateringbereich ist in fester Hand von Pepsi. Wenn Ho das wüsste, er würde sich in seiner Glaskiste umdrehen. Ich laufe zum Roten Fluss und sehe mir unterwegs eine Pagode an. Der Türsteher und Kassierer erzählt mir stolz, dass diese etwa im Jahre 1500 errichtet wurde und zeigt mir Inschriften, die Soldaten im Jahre 1888 in den Stein geritzt haben. Ich überquere auf einer Stahlbrücke aus dem Jahre 1954, die durchaus mal wieder einen Topf Farbe vertragen könnte, den Roten Fluss, der eher den Namen „Fäkalbrauner Fluss“ verdiente. In der Mitte fahren die Fernzüge und ich bin ganz froh, nicht darin zu sitzen und dies auch nicht vor zu haben. An mir rauschen Motorroller vorbei und ich halte mir instinktiv die Taschen zu. Die Vietnamesen transportieren alles, bis hin zu ganzen Bäumen, auf ihren Rollern. Die Orientierung in Hanoi fällt mir noch schwer, doch ich finde den Weg zurück ins Hotel und nehme mir von einer Straßenhändlerin auf einem Fahrrad noch eine Tüte Ananas in Stücken für 20000 Dong mit. Morgen werde ich Hanoi verlassen und bin darüber nicht traurig. Ich werde die Stadt als dreckig und laut in Erinnerung behalten.
Samstag, 1. Mai 2010
Erster Mai – ich bin dabei!
HANOI: Heute soll es klappen. Am 1. Mai zu Ho Chi Minh. Das hat doch was. Leider bin ich nicht der einzige, der diesen Plan hat, doch viele Einheimische nutzen den freien Tag für lustigere Freizeitbeschäftigungen. Auf einem Platz finden sich Paare zum Tanz zusammen, auf der anderen Straßenseite wurde der Bürgersteig in Badmintonfelder umfunktioniert. Doch die meisten pilgern heute, wie ich, zum Ho Chi Minh-Mausoleum. Die Schlange ist schier endlos und schlängelt sich durch die Stadt. Aufseherinnen in langen roten Gewändern schieben die Wartenden immer wieder in die korrekte Anstehposition und vereiteln jeden Vordrängelversuch. Da außer mir kaum ein Ausländer in der Schlange ist, rage ich mal wieder etwas heraus. Die kleine Jang, die mit ihrer Mutter vor mir in der Reihe steht, testet an mir ihre frisch erlernten Englischkenntnisse. Das reicht zwar nicht für eine richtige Kommunikation, aber immerhin verstehe ich sie, was man von den meisten Vietnamesen nicht behaupten kann. Aber immerhin versuchen sie es, sich auf Englisch verständlich zu machen. Eine junge Frau versucht, sich vor mir in die Schlange zu drängeln. Die Aufseherin stellt sie zur Rede und sie rettet sich mit der Behauptung, sie würde zu mir gehören. Das entnehme ich ihren Gesten. Ich will sie nicht verpfeifen, aber die Aufseherin glaubt ihr nicht und sortiert sie hinter mich ein. Damit gewinnt sie immerhin noch etwa hundert Meter. Auf Monitoren über der Warteschlange laufen Aufzeichnungen früherer Maifeiern und Videoclips von Lobliedern auf Ho Chi Minh. Den Text sämtlicher Lieder habe ich schnell drauf: „Ho Chi Minh“ in einer Endlosschleife. Davon gibt es eine Popversion, eine volkstümliche und eine Oper. Die Schlange erreicht den Platz vor dem Mausoleum. Kleine Gruppen mit Blumenkränzen, vermutlich Arbeitskollektive, werden in Zweierreihen von Soldaten in weißen Uniformen an der Schlange vorbeigeführt. Nach etwa einer Stunde erreiche ich den Eingang zum Mausoleum. Das muss man den Vietnamesen ja lassen. Mit ihrer strengen Disziplin halten sie die Durchlaufgeschwindigkeit hoch. Über einen roten Läufer aus Linoleum werden wir am Glassarg vorbeigeführt. Der Anstand, die vietnamesischen Soldaten und die, hier nun blau gewandeten Schlangenaufseherinnen verbieten es mir, im Mausoleum zu fotografieren. Meine Kamera wird mir schon mal vorgebracht. Nach zehn Sekunden ist alles vorbei. Danach laufe ich noch ein wenig im Garten des Präsidentenpalastes herum, wo auch die zwei Häuser zu besichtigen sind, in denen Ho Chi Minh lebte, seine Autos und was sonst noch so an ihn erinnert. Der Cateringbereich ist in fester Hand von Pepsi. Wenn Ho das wüsste, er würde sich in seiner Glaskiste umdrehen. Ich laufe zum Roten Fluss und sehe mir unterwegs eine Pagode an. Der Türsteher und Kassierer erzählt mir stolz, dass diese etwa im Jahre 1500 errichtet wurde und zeigt mir Inschriften, die Soldaten im Jahre 1888 in den Stein geritzt haben. Ich überquere auf einer Stahlbrücke aus dem Jahre 1954, die durchaus mal wieder einen Topf Farbe vertragen könnte, den Roten Fluss, der eher den Namen „Fäkalbrauner Fluss“ verdiente. In der Mitte fahren die Fernzüge und ich bin ganz froh, nicht darin zu sitzen und dies auch nicht vor zu haben. An mir rauschen Motorroller vorbei und ich halte mir instinktiv die Taschen zu. Die Vietnamesen transportieren alles, bis hin zu ganzen Bäumen, auf ihren Rollern. Die Orientierung in Hanoi fällt mir noch schwer, doch ich finde den Weg zurück ins Hotel und nehme mir von einer Straßenhändlerin auf einem Fahrrad noch eine Tüte Ananas in Stücken für 20000 Dong mit. Morgen werde ich Hanoi verlassen und bin darüber nicht traurig. Ich werde die Stadt als dreckig und laut in Erinnerung behalten.
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