Freitag, 30. April 2010

Good Morning, Vietnam!















HANOI: Um 3 Uhr morgens schlägt mein neuer Reisewecker Alarm. Eine halbe Stunde später steht mein Taxi vor der Tür. Auch, wenn die Straßen jetzt leer sind, dauert die Fahrt zum Flughafen etwa vierzig Minuten, was aber auch daran liegt, dass wir zum „LCC Terminal“ müssen, das speziell für Billigairlines eingerichtet wurde und etwas abgelegen ist. Da es in Malaysia bislang nur einen Billigflieger gibt, wird das Terminal exklusiv von Air Asia genutzt. Die Frage, was ich mit meinen restlichen malaysischen Ringgit mache, beantwortet mir die Dame bei der Gepäckannahme. Ein Kilo Übergepäck kostet mich zwanzig Ringgit und schon habe ich nur noch elf, die ich in Wasser und Kakao investiere. Einfach mehr Handgepäck mitzunehmen, wäre hier nicht so leicht gewesen, denn es Passagiere mit übergroßem Handgepäck werden hier rigoros zurückgeschickt. Das ist mir sehr sympathisch. Air Asia ist ein Billigflieger, wie er im Buche steht. Der Flug nach Hanoi dauert etwa dreieinhalb Stunden und ich bin sehr froh, dass die Maschine nicht einmal halb voll ist, denn der Sitzabstand ist nicht für meine Beine gemacht. So kann ich mich quer legen und den Schlaf der Nacht nachholen. Gegen 9 Uhr kommen wir in Hanoi an. Ich hatte mich bereits im „Queen Travel Hotel“ in der Altstadt eingebucht, was mir einen kostenlosen Hotelshuttle beschert. Das „Queen Travel Hotel“ liegt direkt im Hoan Kiem-Distrikt, Zentrum und Altstadt von Hanoi. Es ist klein und familiär und geschmackvoll eingerichtet. Das Zimmer verfügt über Holzboden und ein Bad mit Wanne und Massagedüsen. Diese helfen mir allerdings nicht, da ich schnell feststellen muss, dass das Wasser bestenfalls lauwarm wird. Und mein Zimmer hat ein Fenster. Allerdings endet der Ausblick nach weniger als einem Meter an einer Wand. Ich möchte den Tag für einen Besuch im Ho Chi Minh-Mausoleum nutzen, das ich zu Fuß erreiche, aber ich stelle fest, dass dieses nur vormittags geöffnet ist. Auf dem Weg lerne ich, dass schwer bewaffnete Soldaten nicht die Richtigen sind, um nach dem Weg zu fragen. Ich habe zwar den Eindruck, dass sie mir gern helfen würden, aber nicht dürfen. Vietnam ist sicherlich kein touristischer Geheimtipp mehr, aber so ganz haben sich die Leute in Hanoi noch nicht an normalwüchsige Mitteleuropäer gewöhnt. Dass ich die Einheimischen um ein bis zwei Köpfe überrage, ist mir auch schon aufgefallen. Aber deshalb gleich einen Personenkult um mich zu entfachen, finde ich schon ungewöhnlich. Ich stehe nichts ahnend auf dem Platz vor dem Mausoleum, als ich plötzlich eine junge Frau direkt an meiner Seite bemerke. Ich denke „Ah, Taschendiebe.“, stelle aber fest, dass sie sich lediglich neben mir fotografieren lassen hat. Etwas später ist ein junger Mann etwas mutiger und bittet mich um ein gemeinsames Foto. Nun trauen sich auch die anderen und nach vier Fotos bin ich vorläufig erlöst. Hinter dem Mausoleum das Gleiche. Ein paar Vietnamesinnen bitten mich um gemeinsame Fotos. Ich bin immer noch willig, bestehe aber auch auf einem Foto, sonst glaubt mir das ja keiner. Ich flüchte mich vor den Groupies ins „Trung Nguyen“, einem lauschigen Gartencafé gegenüber dem Mausoleum. Für 131000 Dong, was etwas mehr als fünf Euro sind, bekomme ich einen Kaffee, einen Erdbeersmoothie und eine Schale gebratenen Reis mit Ei und Gemüse. Und das ist sicherlich einer der teuersten Plätze der Stadt. Die Straßen sind voll mit tausenden von Motorrollern. Dass die Dinger nur zwei Sitze haben, hält die Vietnamesen nicht davon ab, sie mit der gesamten vierköpfigen Familie zu nutzen. Wer den Rücksitz frei hat, bietet sich als Taxi an. Ich entscheide mich aber für die gemütliche Variante und bitte einen Fahrradrikschafahrer, mich zum B-52-Museum zu bringen. Er meint, das gebe es umsonst. Wir wissen natürlich beide, dass Dong, so heißt er, einen Obolus erwartet und verdient. Dass uns der geballte Verkehr entgegen kommt, scheint für Dong kein Grund zur Beunruhigung oder zum Bremsen zu sein. Schließlich hat er mich ja noch als Knautschzone. Ein paarmal verfahren, ein paarmal nachgefragt, aber wir erreichen unser Ziel nach zehn Minuten. Ich biete ihm einen Dollar an. Da mir vorher schon eine ganze Citytour für einen Dollar angeboten wurde, scheint mir das ein fairer Preis für beide. Er wird nun aber plötzlich deutlicher und sagt, er würde zwanzig Dollar erwarten. Das scheint mir dann nur noch für ihn ein gutes Geschäft zu sein. Ich gebe ihm fünf Dollar und mache ihm klar, dass er nicht mehr von mir zu erwarten hat. Sein Protest hält sich in Grenzen. Wahrscheinlich sind fünf Dollar für ihn auch ein guter Verdienst. Das B-52-Museum ist ein grüner Tümpel, aus dem das Wrack eines B-52-Bombers herausragt. Auf dem Rückweg zum Hotel kehre ich noch in ein dreistöckiges Elektronikkaufhaus ein. Zum Kauf wird man hier nicht, wie bei uns, mit sanfter Fahrstuhlmusik animiert, sondern mit Volksweisen, die sich für mich nach Marianne und Michael anhören. Nur eben auf Vietnamesisch. Und lauter. In der zweiten Etage ist in der gleichen Lautstärke Modern Talking-Tag. Ich bin mir nicht ganz sicher, was da nun besser ist. Ich umrunde noch den Hoan Kiem-See, ein Kleinod in der, ansonsten an Grünflächen armen, Stadt. Der schmale Uferstreifen ist stark bevölkert, was den Ausflug bedingt erholsam macht. Von all dem Trubel ruhe ich mich ein wenig im Hotel aus, bevor ich abends noch einmal durch die Hang Bo Straße flaniere, wo ich im „Ngoc Diep“ für acht Euro auf dem Balkon ein Abendessen mit Suppe, Salat, Steak und zwei Bieren genieße.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen