CAN THO: Die Australier von gestern entpuppen sich als Waliser. Keine Ahnung, wer mir den Floh ins Ohr gesetzt hat. Allerdings hatte ich mich gestern auch gar nicht mit ihnen persönlich unterhalten. Das wird sich heute ändern, denn die nächsten zwei Tage verbringen wir gemeinsam im Mekong-Delta. Um acht Uhr holt uns Yong von "Asia Trails" ab. Wir fahren etwa drei Stunden und steigen dann auf ein Boot um. Gegen die Hitze schützt uns ein Dach und Yong vermummt sich, wann immer sie den Schatten verlassen muss mit einem dicken Kapuzenshirt, einer Gesichtsmaske und Handschuhen mit Apfelmotiv, um ihre vornehme Blässe nicht zu verlieren. Die Waliserin nutzt jeden Zwischenstopp, um sich zu übergeben. Ich denke mir, das "Shark Diving" in Südafrika wäre nichts für sie gewesen. Wir halten anfangs etwas zu häufig an, besuchen hier eine Puffreis-Fabrik, dort eine Farm. Jedesmal bekommen wir auch eine ausdruccksstarke Vorführung vietnamesischer Volksweisen dargeboten. Es geht grundsätzlich um die Arbeit auf dem Feld und ums Heiraten. Das ist ohnehin das Thema Nummer eins hier. In jedem Gespräch ist die zweite Frage, nach der nach dem Namen, ob man verheiratet ist. Yong hat auch die gesamte Fahrt im Kleinbus mit Referaten über Hochzeitsrituale verbracht. Die Waliser haben mich schon bemitleidet, da ich morgen mit Yong allein nach Saigon zurück fahren werde. Aber dann kommen wir doch noch ein wenig in Fahrt und lassen die Landschaft an uns vorüberziehen. Der Mekong ist Lebensader für die Menschen hier. Sie leben an, im und von ihm. Sie leiten ihre Abwässer hier rein und entnehmen ihr Trinkwasser. Sie putzen sich darin die Zähne und fahren auf ihm zum Markt. Ich bin einigermaßen zufrieden, nicht hier zu leben, auch wenn die Menschen einen sehr glückliuchen Eindruck machen. Die Kinder freuen sich, wenn man ihnen zuwinkt und posieren stolz für unsere Fotos. Ich knipse natürlich weiter fleißig, auch wenn ich die Bilder momentan nur klein betrachten kann. Kapitän Bing bringt uns sicher nach Can Tho, der heimlichen Hauptstadt des Mekong-Deltas. Ja, hier steht tatsächlich so etwas wie eine Stadt. Wir beziehen das "Kim Tho"-Hotel und suchen die Kühle der klimatisierten Zimmer auf. Wir haben hier momentan Spitzentemperaturen von 38 Grad im Schatten. Die Uferpromenade hat mir Lust auf mehr gemacht und ich schlendere ein wenig dort entlang und über einen Markt, der mich jedoch nicht zum Kauf animiert. Ich lasse mich schließlich in einem Straßencafe nahe dem obligatorischen Ho Chi Minh-Denkmal nieder zum essen, sehen und gesehen werden. Die Waliserin verbringt den Abend im Bad ihres Hotelzimmers und ihr Mann schaut dabei zu. Yong ist woanders untergekommen und hat mit der Frage, ob wir mit ihr in ein Fischrestaurant gehen wollen auf einen "Hot Pot" bei uns wenig Begeisterung ausgelöst. Die Vietnamesen müssen sehr aufpassen, nicht eines Tages im eigenen Müll zu ersticken. Nicht nur der Mekong macht das deutlich. Der Kellner wirft die Banderole des Bestecks mitten im Garten des eigenen Restaurants auf den Boden, der Polizist wirft die leere Zigarettenschachtel auf die Straße. Mir scheint, die Menschen haben andere Sorgen, als ihre Umwelt und graben sich damit selbst das Wasser ab. Zurück im Hotel sehe ich mir die Liveübertragung des vorläufig letzten Bundesligaspiels in Berlin an, das im vietnamesischen Fernsehen kostenlos zu sehen ist. Leider stelle ich fest, dass sich der Virus in meinem Laptop festgesetzt hat und es mir nicht einmal mehr ermöglicht, mich anzumelden. Ich werde die Sache zu Hause mal einem Spezialisten übergeben und mich vorläufig häufiger in Internetcafes aufhalten. Fotos kann ich dort leider auch nicht von der Kamera runterladen, die werde ich dann erst nach meiner Rückkehr nachpflegen. Da wird mir wieder bewußt, dass das Abenteuer bald ein Ende hat. Schon in zweieinhalb Wochen bin ich wieder in Berlin und beginne mit dem Konditionstraining für die Kilimandscharobesteigung.
Samstag, 8. Mai 2010
Ein Tag auf dem Mekong
CAN THO: Die Australier von gestern entpuppen sich als Waliser. Keine Ahnung, wer mir den Floh ins Ohr gesetzt hat. Allerdings hatte ich mich gestern auch gar nicht mit ihnen persönlich unterhalten. Das wird sich heute ändern, denn die nächsten zwei Tage verbringen wir gemeinsam im Mekong-Delta. Um acht Uhr holt uns Yong von "Asia Trails" ab. Wir fahren etwa drei Stunden und steigen dann auf ein Boot um. Gegen die Hitze schützt uns ein Dach und Yong vermummt sich, wann immer sie den Schatten verlassen muss mit einem dicken Kapuzenshirt, einer Gesichtsmaske und Handschuhen mit Apfelmotiv, um ihre vornehme Blässe nicht zu verlieren. Die Waliserin nutzt jeden Zwischenstopp, um sich zu übergeben. Ich denke mir, das "Shark Diving" in Südafrika wäre nichts für sie gewesen. Wir halten anfangs etwas zu häufig an, besuchen hier eine Puffreis-Fabrik, dort eine Farm. Jedesmal bekommen wir auch eine ausdruccksstarke Vorführung vietnamesischer Volksweisen dargeboten. Es geht grundsätzlich um die Arbeit auf dem Feld und ums Heiraten. Das ist ohnehin das Thema Nummer eins hier. In jedem Gespräch ist die zweite Frage, nach der nach dem Namen, ob man verheiratet ist. Yong hat auch die gesamte Fahrt im Kleinbus mit Referaten über Hochzeitsrituale verbracht. Die Waliser haben mich schon bemitleidet, da ich morgen mit Yong allein nach Saigon zurück fahren werde. Aber dann kommen wir doch noch ein wenig in Fahrt und lassen die Landschaft an uns vorüberziehen. Der Mekong ist Lebensader für die Menschen hier. Sie leben an, im und von ihm. Sie leiten ihre Abwässer hier rein und entnehmen ihr Trinkwasser. Sie putzen sich darin die Zähne und fahren auf ihm zum Markt. Ich bin einigermaßen zufrieden, nicht hier zu leben, auch wenn die Menschen einen sehr glückliuchen Eindruck machen. Die Kinder freuen sich, wenn man ihnen zuwinkt und posieren stolz für unsere Fotos. Ich knipse natürlich weiter fleißig, auch wenn ich die Bilder momentan nur klein betrachten kann. Kapitän Bing bringt uns sicher nach Can Tho, der heimlichen Hauptstadt des Mekong-Deltas. Ja, hier steht tatsächlich so etwas wie eine Stadt. Wir beziehen das "Kim Tho"-Hotel und suchen die Kühle der klimatisierten Zimmer auf. Wir haben hier momentan Spitzentemperaturen von 38 Grad im Schatten. Die Uferpromenade hat mir Lust auf mehr gemacht und ich schlendere ein wenig dort entlang und über einen Markt, der mich jedoch nicht zum Kauf animiert. Ich lasse mich schließlich in einem Straßencafe nahe dem obligatorischen Ho Chi Minh-Denkmal nieder zum essen, sehen und gesehen werden. Die Waliserin verbringt den Abend im Bad ihres Hotelzimmers und ihr Mann schaut dabei zu. Yong ist woanders untergekommen und hat mit der Frage, ob wir mit ihr in ein Fischrestaurant gehen wollen auf einen "Hot Pot" bei uns wenig Begeisterung ausgelöst. Die Vietnamesen müssen sehr aufpassen, nicht eines Tages im eigenen Müll zu ersticken. Nicht nur der Mekong macht das deutlich. Der Kellner wirft die Banderole des Bestecks mitten im Garten des eigenen Restaurants auf den Boden, der Polizist wirft die leere Zigarettenschachtel auf die Straße. Mir scheint, die Menschen haben andere Sorgen, als ihre Umwelt und graben sich damit selbst das Wasser ab. Zurück im Hotel sehe ich mir die Liveübertragung des vorläufig letzten Bundesligaspiels in Berlin an, das im vietnamesischen Fernsehen kostenlos zu sehen ist. Leider stelle ich fest, dass sich der Virus in meinem Laptop festgesetzt hat und es mir nicht einmal mehr ermöglicht, mich anzumelden. Ich werde die Sache zu Hause mal einem Spezialisten übergeben und mich vorläufig häufiger in Internetcafes aufhalten. Fotos kann ich dort leider auch nicht von der Kamera runterladen, die werde ich dann erst nach meiner Rückkehr nachpflegen. Da wird mir wieder bewußt, dass das Abenteuer bald ein Ende hat. Schon in zweieinhalb Wochen bin ich wieder in Berlin und beginne mit dem Konditionstraining für die Kilimandscharobesteigung.
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