Donnerstag, 6. Mai 2010

Die Spuren des Krieges















HO CHI MINH STADT: Beim Frühstück im Hotel offenbart sich mal wieder ein erheblicher Personalüberhang. Arbeitskräfte sind in Vietnam offensichtlich billig, was zu einer Überbesetzung in Geschäften, Restaurants und eben auch im Hotel führt. Das Frühstücksteam hat sich um den Fernseher versammelt, auf dem der Comickanal läuft. Man kann den Vietnamesen aber nicht vorwerfen, dass sie nicht arbeiten wollen. Als der Toaster ausgetauscht werden muss, erledigen sie das zu viert. Man lässt es ruhig angehen in Saigon. Die Straßencafés sind gut besucht an diesem Donnerstagmorgen. Mein erstes Ziel ist der Tao Dan Park, in dem sich um diese Zeit die Einheimischen zum Meditieren oder zur gemeinsamen Morgengymnastik versammeln. Weiter führt mich mein Weg zum Reunification Place, in dessen Garten, rund um den obligatorischen, mit Ho-Bildern und roten Fahnen, geschmückten Palast Panzer und Jagdbomber stehen. Ohnehin begegnen einem im Stadtbild Saigons auf Schritt und Tritt Erinnerungen an den gewonnenen Vietnamkrieg. Da verwundert es wenig, dass die meistbesuchte Sehenswürdigkeit das Kriegsmuseum ist, wohin ich als nächstes gehe. Das Museum ist wirklich sehenswert. Außen ist die militärische Sicht dargestellt, innen die menschlichen Tragödien. Ich gebe mich betont deutsch, um hier bloß nicht für einen Amerikaner gehalten zu werden. Die Hitze ist schon vormittags unerträglich und ich ziehe mich auf einen Melonensaft in ein Straßencafé zurück. Dazu wird, auch wenn man nichts isst, gratis ein eisgekühlter gelblicher Tee gereicht. Als mir zum dritten mal nachgeschenkt wird, bemerkt die Kellnerin richtigerweise „Vietnam very hot.“, worin wir einer Meinung sind. Ich schaue mir noch das ehemalige amerikanische Botschaftsgebäude an, von wo aus die Amis damals fluchtartig das Land verlassen haben. Die Vietnamesen sind jedoch sehr um Neutralität und gute Beziehungen zu den USA bemüht und somit erinnert keine Gedenktafel oder ähnliches daran. Ein Foto wird mir auch vom allzeit umsichtigen Sicherheitspersonal verwehrt. Weiter zur „Maria Church“ und zum altehrwürdigen Hauptpostamt, das bereits 119 Jahre alt ist, immer noch als Post dient und natürlich auch von einem riesigen Ho Chi Minh-Bild überragt wird. Ich schlendere noch ein wenig durch die Stadt, was teilweise kein Vergnügen ist. Zwar ist man hier eher an den Anblick großer Menschen gewöhnt, weiß aber auch, dass sich mit ihnen Geld verdienen lässt. Neben den Motorrollertaxis verfolgen mich permanent Verkäufer von Hängematten und T-Shirts, ab mittags auch die Sonnenbrillen- und Getränkehändler. Es ist dabei übrigens egal, wenn man gerade eine Flasche Wasser am Hals und eine Sonnenbrille auf der Nase hat. Dazu kommt der Umstand, dass Vietnamesisch grundsätzlich geschrien wird und außerdem verdrängen die Rollerfahrer die Fußgänger von den Bürgersteigen. Natürlich nur dort, wo diese gerade nicht von Rollern oder Straßencafés zugestellt sind. Der Bürgersteig ist streckenweise eine Art inoffizieller Rollerstreifen geworden. Aufgrund der Hitze bin ich nur in meinen alten Bundeswehrbadelatschen unterwegs, die Deutschland wohl nicht wiedersehen werden. Das heißt aber auch, dass ich nach jedem Ausflug die Füße vom satten schwarz befreien muss, was ich in der Regel gleich für eine Dusche nutze. Nach einer kurzen Verschnaufpause gehe ich noch ins „Barbecue Garden“ in der Nam Ký Khói Nghia. Bei angenehm kühlen 25 Grad kannm an hier unter Bäumen entspannen und auf dem Gasgrill, der in der Mitte des Tisches eingelassen ist, seine Häppchen selbst zubereiten. Heißt aber mal wieder, mit Stäbchen zu essen. Erschwerend kommen auch hier die unbeschäftigten Angestellten hinzu, die mir dabei auf die Finger schauen. Ich hab das aber inzwischen gut drauf und suche mir extra die kleinsten und schlüpfigsten Salatstückchen aus, um das zu demonstrieren. Ich glaube, es sind inzwischen eher Blicke der Bewunderung, die ich da einsammle. Neben dem Garten befindet sich ein riesiger Rollerparkplatz, sogar mit Rollerhelmgarderobe. Für den Abend und sicher auch noch den morgigen nehme ich unterwegs noch einen bunten Obstteller für knapp drei Euro mit, bestehend aus Melone, Ananas und meinem neuen Lieblingsobst, der Drachenfrucht. Leider hab ich mir auf meinem Laptop einen Virus eingefangen, der sich nicht so einfach entfernen lässt. Er äußert sich bisher vor allem darin, dass ich keine Fotos mehr von meiner Kamera runterladen kann. Das muss ich nun also gelegentlich mal nachholen. Auch vom heutigen Tag wird es also demnächst noch ein paar Bilder zu sehen geben.

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