RIO DE JANEIRO: Die Erde hat still gehalten. Wir schultern unsere gepackten Rucksäcke und verlassen das Hotel noch vor Sonnenaufgang. An der Avenida O`Higgins rufen wir ein Taxi heran. Der Fahrer ruft seinen Preis mit 30 Dollar auf, womit er bei uns nicht gut ankommt. Da er auch nicht zu Verhandlungen bereit ist, trennen wir uns einvernehmlich und entscheiden uns für das Zwanzig-Dollar-Angebot des nächsten Taxis. Der Anblick des Flughafengebäudes ist bedrückend und der Taxifahrer hat seine liebe Mühe, den provisorischen Eingang des Abflugterminals zu finden. Durch ein Zelt gelangen wir in einen nicht gesperrten Teil des Terminals, wo provisorische Schalter aufgestellt wurden und checken bei der brasilianischen TAM für den vermeintlichen Direktflug nach Rio ein. Von der Wand sind ein paar Fliesen abgefallen. Dort prangt nun die chilenische Flagge. TAM gibt uns einen ersten Eindruck von brasilianischem Organisationstalent. Dass für unseren Flug Sao Paulo als Ziel angezeigt wird, nehmen wir gelassen hin und gehen davon aus, dass wir in Rio zwischenlanden. Da in der Maschine auch nur von Sao Paulo die Rede ist, frage ich einen Flugbegleiter. Dieser gibt mir zu verstehen, dass wir in Sao Paulo umsteigen müssten, unser Gepäck durchgecheckt sei und wir für den Anschlussflug die zweite Bordkarte zu nutzen hätten. Als ob ich zum ersten mal fliege! Also erkläre ich ihm noch einmal langsam, dass wir eine Bordkarte für diesen Flug haben, auf der alles mit diesem Flug übereinstimmt, außer marginalerweise das Flugziel. Da auch die Flugnummer gleich ist, möchte er nun doch nicht mehr ausschließen, dass wir in Sao Paulo im Flugzeug bleiben und mit diesem weiter fliegen können. Natürlich kann es auch sein, dass wir zunächst aussteigen und einreisen müssen, aber das kann er ja nicht wissen. Er verspricht mir aber, sich nach der Landung beim Bodenpersonal zu erkundigen. Im Vertrauen darauf lehne ich mich zurück und bestaune die mächtigen Anden. Nach der Landung in Sao Paulo erhalten wir die versprochene Information und verlassen weisungsgemäß das Flugzeug. Das Bodenpersonal der TAM ist gut getarnt, also folgen wir dem Wegweiser „TAM Connecting Flights“, was uns naheliegend erscheint. Und tatsächlich können wir Bodenpersonal in TAM-Uniformen entdecken. Vor ihnen eine überschaubare Schlange, die sich aber aufgrund der etwas gemütlicheren Arbeitsweise nur sehr langsam verkürzt. Die dadurch gewonnene Zeit nutzt Sandra für die Suche nach weiteren TAM-Mitarbeitern oder einer Anzeigetafel und kommt erfolgreich zurück. Natürlich war die Schlange „Connecting Flights“ falsch und wir schließen uns eine Etage höher einem Mob an, vor dem ebenfalls bis zuletzt geheim gehalten wurde, wie er denn heute noch nach Rio gebracht wird. Ein zunehmend genervter Check-In-Mitarbeiter treibt uns über den Flughafen bis in einen Kleinbus, der uns über das Rollfeld zu unserer Maschine bringt, die nur noch auf unsere kleine Reisegruppe gewartet hat. Wir überfliegen das Häusermeer von Sao Paulo und wenig später das von Rio de Janeiro. Rio empfängt uns um drei Uhr nachmittags mit 38 Grad Celsius. Da der Dollar hier als Zahlungsmittel nicht die Akzeptanz findet wie in den bisher bereisten Ländern, gehen wir zunächst in die zweite Etage, in der wie an einer Perlenkette die Geldautomaten diverser brasilianischer Banken aufgereiht sind. Das Preisgefälle für eine Taxifahrt reicht von 90 bis 65 Reais. Wir entscheiden uns für letzteres Angebot, was etwa 27 Euro entspricht. Wir fahren quer durch die Stadt und der Fahrer weist uns fortwährend auf den Corcovado und den Zuckerhut hin. Einmal allerdings auch auf die Favelhas, die wir durchfahren. Wir quartieren uns im Hotel „Bandeirantes“ in der Rua Barata Ribeiro ein, nur drei Querstraßen von der Copacabana entfernt und starten einen ersten Erkundungsspaziergang zum Strand. Vorbei an unzähligen Volleyball- und Fußballfeldern gehen wir zum Wasser, das kühler als erwartet ist und unseren Füßen eine willkommene Erfrischung bietet. In der Nähe unseres Hotels entdecken wir einen Saftladen, wo wir uns eine Erfrischung gönnen. Leider müssen wir feststellen, dass Spanisch und Portugiesisch doch sehr unterschiedliche Sprachen sind und müssen im Angesicht der Karte eher raten, denn wählen. Haben aber gut geraten. Abends gehen wir in das Restaurant „Eclipse“ in der Avenida Nossa Senhora de Copacabana, der ersten Parallelstraße zum Strand. Das Essen ist gut, aber teuer. Wir werden ab morgen auf Selbstversorgung umstellen. Im Fernsehen verfolgen wir nebenbei ein Fußballspiel, irgendwo in der Stadt, das gerade von einem heftigen Gewitter überzogen wird. Der Hinweis „ao vivo“, oben rechts, was so viel heißt wie „Live“, lässt uns Böses erahnen. Es kommt, wie es kommen musste. Auf dem Heimweg werden wir vom Regen bis auf die Haut durchnässt und gönnen uns vor dem Schlafen noch jeweils eine warme Dusche.
Samstag, 13. März 2010
Brasilianisches Chaos
RIO DE JANEIRO: Die Erde hat still gehalten. Wir schultern unsere gepackten Rucksäcke und verlassen das Hotel noch vor Sonnenaufgang. An der Avenida O`Higgins rufen wir ein Taxi heran. Der Fahrer ruft seinen Preis mit 30 Dollar auf, womit er bei uns nicht gut ankommt. Da er auch nicht zu Verhandlungen bereit ist, trennen wir uns einvernehmlich und entscheiden uns für das Zwanzig-Dollar-Angebot des nächsten Taxis. Der Anblick des Flughafengebäudes ist bedrückend und der Taxifahrer hat seine liebe Mühe, den provisorischen Eingang des Abflugterminals zu finden. Durch ein Zelt gelangen wir in einen nicht gesperrten Teil des Terminals, wo provisorische Schalter aufgestellt wurden und checken bei der brasilianischen TAM für den vermeintlichen Direktflug nach Rio ein. Von der Wand sind ein paar Fliesen abgefallen. Dort prangt nun die chilenische Flagge. TAM gibt uns einen ersten Eindruck von brasilianischem Organisationstalent. Dass für unseren Flug Sao Paulo als Ziel angezeigt wird, nehmen wir gelassen hin und gehen davon aus, dass wir in Rio zwischenlanden. Da in der Maschine auch nur von Sao Paulo die Rede ist, frage ich einen Flugbegleiter. Dieser gibt mir zu verstehen, dass wir in Sao Paulo umsteigen müssten, unser Gepäck durchgecheckt sei und wir für den Anschlussflug die zweite Bordkarte zu nutzen hätten. Als ob ich zum ersten mal fliege! Also erkläre ich ihm noch einmal langsam, dass wir eine Bordkarte für diesen Flug haben, auf der alles mit diesem Flug übereinstimmt, außer marginalerweise das Flugziel. Da auch die Flugnummer gleich ist, möchte er nun doch nicht mehr ausschließen, dass wir in Sao Paulo im Flugzeug bleiben und mit diesem weiter fliegen können. Natürlich kann es auch sein, dass wir zunächst aussteigen und einreisen müssen, aber das kann er ja nicht wissen. Er verspricht mir aber, sich nach der Landung beim Bodenpersonal zu erkundigen. Im Vertrauen darauf lehne ich mich zurück und bestaune die mächtigen Anden. Nach der Landung in Sao Paulo erhalten wir die versprochene Information und verlassen weisungsgemäß das Flugzeug. Das Bodenpersonal der TAM ist gut getarnt, also folgen wir dem Wegweiser „TAM Connecting Flights“, was uns naheliegend erscheint. Und tatsächlich können wir Bodenpersonal in TAM-Uniformen entdecken. Vor ihnen eine überschaubare Schlange, die sich aber aufgrund der etwas gemütlicheren Arbeitsweise nur sehr langsam verkürzt. Die dadurch gewonnene Zeit nutzt Sandra für die Suche nach weiteren TAM-Mitarbeitern oder einer Anzeigetafel und kommt erfolgreich zurück. Natürlich war die Schlange „Connecting Flights“ falsch und wir schließen uns eine Etage höher einem Mob an, vor dem ebenfalls bis zuletzt geheim gehalten wurde, wie er denn heute noch nach Rio gebracht wird. Ein zunehmend genervter Check-In-Mitarbeiter treibt uns über den Flughafen bis in einen Kleinbus, der uns über das Rollfeld zu unserer Maschine bringt, die nur noch auf unsere kleine Reisegruppe gewartet hat. Wir überfliegen das Häusermeer von Sao Paulo und wenig später das von Rio de Janeiro. Rio empfängt uns um drei Uhr nachmittags mit 38 Grad Celsius. Da der Dollar hier als Zahlungsmittel nicht die Akzeptanz findet wie in den bisher bereisten Ländern, gehen wir zunächst in die zweite Etage, in der wie an einer Perlenkette die Geldautomaten diverser brasilianischer Banken aufgereiht sind. Das Preisgefälle für eine Taxifahrt reicht von 90 bis 65 Reais. Wir entscheiden uns für letzteres Angebot, was etwa 27 Euro entspricht. Wir fahren quer durch die Stadt und der Fahrer weist uns fortwährend auf den Corcovado und den Zuckerhut hin. Einmal allerdings auch auf die Favelhas, die wir durchfahren. Wir quartieren uns im Hotel „Bandeirantes“ in der Rua Barata Ribeiro ein, nur drei Querstraßen von der Copacabana entfernt und starten einen ersten Erkundungsspaziergang zum Strand. Vorbei an unzähligen Volleyball- und Fußballfeldern gehen wir zum Wasser, das kühler als erwartet ist und unseren Füßen eine willkommene Erfrischung bietet. In der Nähe unseres Hotels entdecken wir einen Saftladen, wo wir uns eine Erfrischung gönnen. Leider müssen wir feststellen, dass Spanisch und Portugiesisch doch sehr unterschiedliche Sprachen sind und müssen im Angesicht der Karte eher raten, denn wählen. Haben aber gut geraten. Abends gehen wir in das Restaurant „Eclipse“ in der Avenida Nossa Senhora de Copacabana, der ersten Parallelstraße zum Strand. Das Essen ist gut, aber teuer. Wir werden ab morgen auf Selbstversorgung umstellen. Im Fernsehen verfolgen wir nebenbei ein Fußballspiel, irgendwo in der Stadt, das gerade von einem heftigen Gewitter überzogen wird. Der Hinweis „ao vivo“, oben rechts, was so viel heißt wie „Live“, lässt uns Böses erahnen. Es kommt, wie es kommen musste. Auf dem Heimweg werden wir vom Regen bis auf die Haut durchnässt und gönnen uns vor dem Schlafen noch jeweils eine warme Dusche.
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