SANTIAGO DE CHILE: Wir verlassen unser Hotel ohne Frühstück. Die Stadt erwacht gerade erst. Durch die Straßen laufen vereinzelt die Verkehrserziehungszebras auf dem Weg zur Arbeit. Wir sind sehr früh am Flughafen und nehmen erfreut zur Kenntnis, dass wir heute tatsächlich nach Santiago fliegen können. Die Zeit reicht für ein Frühstück, unsere restlichen Bolivianos nicht. Aber man kann auch hier, wie fast überall im Land mit Dollar bezahlen. Wir verlassen Bolivien mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist La Paz kein Ort zum Leben, andererseits lebt es sich hier günstig und das gestörte Sicherheitsgefühl der ersten Tage ist einer bemerkenswerten Gelassenheit gewichen. Neben La Paz haben wir durch die unfreiwillige Verlängerung sehenswerte Ecken des Landes kennen gelernt und haben längst unseren Frieden mit Bolivien geschlossen. Im LAN-Airbus überfliegen wir die Atacamawüste und landen zunächst in Iquique. Der Grund für die Existenz dieser Stadt erschließt sich uns aus der Luft noch nicht. Das Wahrzeichen der Stadt scheint eine riesige Coca-Cola-Dose zu sein, die ihren Platz neben der Straße nach Süden gefunden hat. Aber irgendetwas muss es hier geben, denn die Maschine wird hier plötzlich voll. Uns dient Iquique lediglich zur Einreise, die wir bereits hier erledigen müssen. Es geht weiter nach Santiago. Nach dem ausgefallenen Abstecher auf die Osterinsel ist dies planmäßig unser letzter Flug mit der bisher so hoch gelobten LAN, die auf den heutigen Flügen ihren guten Ruf bei uns einbüßt. Das Catering verdient diese Bezeichnung nicht. Auf der ersten Teilstrecke wurde ein Bonbon und auf der zweiten drei Kekse, diesmal immerhin auch mit einem Getränk, serviert. Aber wir sind ja froh, überhaupt noch nach Chile zu kommen. Dieses Gefühl verstärkt sich, als wir das Terminal in Santiago sehen. Wir sehen es nur von außen, da es nach dem Erdbeben noch gesperrt ist. Wir müssen lange warten, bis eine Gangway zur Verfügung steht. Die Gepäckausgabe erfolgt auf dem Rollfeld. Wir nehmen uns ein Taxi für 26 Dollar und erreichen gegen 18 Uhr das Hotel Imperio Suites um 18 Uhr. Schade, denn der Teleférico, eine Seilbahn in der Stadt, schließt genau jetzt. Unser Abendplan bedarf daher der Überarbeitung und wir nehmen zunächst Kurs auf den Communications Tower, der augenscheinlich auch eine Aussichtsplattform bietet. Diesem Eindruck widerspricht der Pförtner freundlich, aber unmissverständlich. Der Turm sei privat und nicht zu begehen. Also begnügen wir uns als Ersatz für die Osterinsel mit einem der berühmten Steinköpfe der Insel, der hier auf dem Mittelstreifen aufgestellt wurde. In den Straßen im Zentrum von Santiago sind keine Schäden des Erdbebens auszumachen. Hier und da ist der Bürgersteig gesperrt, da an den Fassaden gearbeitet wird. Das können aber auch turnusmäßige Wartungsarbeiten sein. Auffällig ist der Patriotismus, mit dem die Chilenen auf das Erdbeben reagieren. Man sieht viele Fahnen und Chile-T-Shirts auf der Straße. Auf der Plaza de Gobierno „La Moneda“ stehen Denkmäler für die wichtigsten Präsidenten in der Geschichte Chiles. Pinochet ist nicht dabei, aber Salvador Allende. Auch Santiago hat seine Plaza de Armas, die hauptsächlich von Gauklern bevölkert wird. Diese sind hier aber eher Redner, ähnlich der Londoner „Speaker`s Corner“, nur offenbar unterhaltsamer. Einer von ihnen, ein kräftiges Bürschchen im Football-Trikot, von einer Menschentraube umringt, winkt mir zu und erzählt etwas, von dem ich nur „Gringo“ verstehe. Es muss wohl lustig gewesen sein, denn die Menge lacht und dreht sich nach mir um. Im Bewusstsein, meinen Beitrag an der Abendunterhaltung geleistet zu haben, verlassen wir den Platz in Richtung Barrio Bellavista. Hierzu müssen wir einen braunen Fluss überqueren, der es nicht einmal auf unseren Stadtplan geschafft hat. Das Barrio Bellavista grenzt an ein Unigelände an, was man aber wohl von der gesamten Innenstadt behaupten kann. Auch unser Hotel, einige Kilometer entfernt, grenzt an ein Unigelände. Das Viertel hier zeichnet sich durch eine extreme Kneipendichte aus, was uns sehr entgegen kommt. Wir folgen einer Empfehlung in die Pio Nono. Das Restaurant wirkt jedoch von außen eher abschreckend und wir durchstreifen weiter die Straße. Es ist schier unmöglich, hier am Samstagabend einen freien Platz an einem der unzähligen Tische auf den Straßen zu finden. Allerdings sind die meisten Kneipen hier auch nicht zum Essen da und wir entscheiden uns daher für ein peruanisches Restaurant in einem Hinterhof. Der Unterschied zwischen peruanischer und chilenischer Küche ist uns auch nach dem Essen nicht recht bewusst. Nach dem Essen entscheiden wir uns, den Rückweg zu Fuß anzutreten, was uns über eine Stunde kostet, uns aber den körperlichen Ausgleich verschafft, den wir heute vermissen, und lässt uns schnell einschlafen. Unser Chileaufenthalt war inklusive Osterinsel mit zwei Wochen eingeplant. Hieraus ist nun nicht einmal ein Tag geworden, denn morgen früh um 8 Uhr verlassen wir das Land schon wieder, werden aber in ruhigeren Zeiten sicher einen zweiten Versuch wagen.
Freitag, 12. März 2010
Santiago in fünf Stunden
SANTIAGO DE CHILE: Wir verlassen unser Hotel ohne Frühstück. Die Stadt erwacht gerade erst. Durch die Straßen laufen vereinzelt die Verkehrserziehungszebras auf dem Weg zur Arbeit. Wir sind sehr früh am Flughafen und nehmen erfreut zur Kenntnis, dass wir heute tatsächlich nach Santiago fliegen können. Die Zeit reicht für ein Frühstück, unsere restlichen Bolivianos nicht. Aber man kann auch hier, wie fast überall im Land mit Dollar bezahlen. Wir verlassen Bolivien mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist La Paz kein Ort zum Leben, andererseits lebt es sich hier günstig und das gestörte Sicherheitsgefühl der ersten Tage ist einer bemerkenswerten Gelassenheit gewichen. Neben La Paz haben wir durch die unfreiwillige Verlängerung sehenswerte Ecken des Landes kennen gelernt und haben längst unseren Frieden mit Bolivien geschlossen. Im LAN-Airbus überfliegen wir die Atacamawüste und landen zunächst in Iquique. Der Grund für die Existenz dieser Stadt erschließt sich uns aus der Luft noch nicht. Das Wahrzeichen der Stadt scheint eine riesige Coca-Cola-Dose zu sein, die ihren Platz neben der Straße nach Süden gefunden hat. Aber irgendetwas muss es hier geben, denn die Maschine wird hier plötzlich voll. Uns dient Iquique lediglich zur Einreise, die wir bereits hier erledigen müssen. Es geht weiter nach Santiago. Nach dem ausgefallenen Abstecher auf die Osterinsel ist dies planmäßig unser letzter Flug mit der bisher so hoch gelobten LAN, die auf den heutigen Flügen ihren guten Ruf bei uns einbüßt. Das Catering verdient diese Bezeichnung nicht. Auf der ersten Teilstrecke wurde ein Bonbon und auf der zweiten drei Kekse, diesmal immerhin auch mit einem Getränk, serviert. Aber wir sind ja froh, überhaupt noch nach Chile zu kommen. Dieses Gefühl verstärkt sich, als wir das Terminal in Santiago sehen. Wir sehen es nur von außen, da es nach dem Erdbeben noch gesperrt ist. Wir müssen lange warten, bis eine Gangway zur Verfügung steht. Die Gepäckausgabe erfolgt auf dem Rollfeld. Wir nehmen uns ein Taxi für 26 Dollar und erreichen gegen 18 Uhr das Hotel Imperio Suites um 18 Uhr. Schade, denn der Teleférico, eine Seilbahn in der Stadt, schließt genau jetzt. Unser Abendplan bedarf daher der Überarbeitung und wir nehmen zunächst Kurs auf den Communications Tower, der augenscheinlich auch eine Aussichtsplattform bietet. Diesem Eindruck widerspricht der Pförtner freundlich, aber unmissverständlich. Der Turm sei privat und nicht zu begehen. Also begnügen wir uns als Ersatz für die Osterinsel mit einem der berühmten Steinköpfe der Insel, der hier auf dem Mittelstreifen aufgestellt wurde. In den Straßen im Zentrum von Santiago sind keine Schäden des Erdbebens auszumachen. Hier und da ist der Bürgersteig gesperrt, da an den Fassaden gearbeitet wird. Das können aber auch turnusmäßige Wartungsarbeiten sein. Auffällig ist der Patriotismus, mit dem die Chilenen auf das Erdbeben reagieren. Man sieht viele Fahnen und Chile-T-Shirts auf der Straße. Auf der Plaza de Gobierno „La Moneda“ stehen Denkmäler für die wichtigsten Präsidenten in der Geschichte Chiles. Pinochet ist nicht dabei, aber Salvador Allende. Auch Santiago hat seine Plaza de Armas, die hauptsächlich von Gauklern bevölkert wird. Diese sind hier aber eher Redner, ähnlich der Londoner „Speaker`s Corner“, nur offenbar unterhaltsamer. Einer von ihnen, ein kräftiges Bürschchen im Football-Trikot, von einer Menschentraube umringt, winkt mir zu und erzählt etwas, von dem ich nur „Gringo“ verstehe. Es muss wohl lustig gewesen sein, denn die Menge lacht und dreht sich nach mir um. Im Bewusstsein, meinen Beitrag an der Abendunterhaltung geleistet zu haben, verlassen wir den Platz in Richtung Barrio Bellavista. Hierzu müssen wir einen braunen Fluss überqueren, der es nicht einmal auf unseren Stadtplan geschafft hat. Das Barrio Bellavista grenzt an ein Unigelände an, was man aber wohl von der gesamten Innenstadt behaupten kann. Auch unser Hotel, einige Kilometer entfernt, grenzt an ein Unigelände. Das Viertel hier zeichnet sich durch eine extreme Kneipendichte aus, was uns sehr entgegen kommt. Wir folgen einer Empfehlung in die Pio Nono. Das Restaurant wirkt jedoch von außen eher abschreckend und wir durchstreifen weiter die Straße. Es ist schier unmöglich, hier am Samstagabend einen freien Platz an einem der unzähligen Tische auf den Straßen zu finden. Allerdings sind die meisten Kneipen hier auch nicht zum Essen da und wir entscheiden uns daher für ein peruanisches Restaurant in einem Hinterhof. Der Unterschied zwischen peruanischer und chilenischer Küche ist uns auch nach dem Essen nicht recht bewusst. Nach dem Essen entscheiden wir uns, den Rückweg zu Fuß anzutreten, was uns über eine Stunde kostet, uns aber den körperlichen Ausgleich verschafft, den wir heute vermissen, und lässt uns schnell einschlafen. Unser Chileaufenthalt war inklusive Osterinsel mit zwei Wochen eingeplant. Hieraus ist nun nicht einmal ein Tag geworden, denn morgen früh um 8 Uhr verlassen wir das Land schon wieder, werden aber in ruhigeren Zeiten sicher einen zweiten Versuch wagen.
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