UYUNI: Mit etwa einer halben Stunde Verspätung, was hier nicht als solche empfunden wird, fahren wir in Uyuni ein. Außer ein paar Taxifahrern ist hier niemand mehr auf den Straßen. Wir fahren also durch verwaiste, in schummriges Laternenlicht getauchte, Straßen, an deren Seiten wir keine Hinweise auf Leben finden. Um drei Uhr morgens kommen wir im Hotel La Magia de Uyuni endlich zur Ruhe. Gegen sieben Uhr morgens ist die Nacht beendet. Unter der Dusche stelle ich fest, dass der Rohrbruch wohl behoben ist, auch wenn das Wasser nicht gerade warm zu kriegen ist. Beim Rasieren muss ich feststellen, dass mein Optimismus verfrüht war, da nun auch das kalte Wasser versiegt. Dass Sandra sich nun weder duschen, noch richtig waschen kann, sollte mir von nun an vorgehalten werden, obwohl nach dem Frühstück das Wasser wieder läuft. Zu diesem Zeitpunkt haben wir längst nach Alternativen in anderen Räumlichkeiten, zumindest für den Toilettengang, gesucht. Bevor wir uns auf den Weg zum Salzsee machen, erkunden wir in einem kurzen Spaziergang Uyuni und stellen fest, dass die Stadt jetzt nicht wesentlich mehr bevölkert ist, als letzte Nacht. Wir schlendern durch sandige Straßen und sind froh, wenigstens Wasser kaufen zu können. Gegenüber der Kirche entdecken wir allerdings noch so etwas, wie eine Fußgängerzone, die offensichtlich das Zentrum bildet. Vor einem Café entdecken wir auch wieder die Horde Israelis von Rurrenabaque und passieren sie im weiten Bogen. Um halb elf hält ein bereits gut besetzter Jeep vor unserem Hotel und holt uns zur Ganztagestour durch den Salzsee ab. Zunächst geht es jedoch zum Eisenbahnfriedhof an der alten Strecke nach Chile. Wir setzen die Fahrt fort und passieren Lamaherden auf unserem Weg zum nächsten Stopp, immer noch außerhalb des Sees, wo wir Gelegenheit haben, Souvenirs aus Salz und sonstigen Touriplunder zu erwerben. Sandra nutzt die Gelegenheit, um eine Flasche ihres neuen Lieblingsbiers „El Inca“ zu kaufen. Nicht zum sofortigen Genuss, sondern als Souvenir, denn in La Paz muss man schon lange danach suchen. Von hieraus geht es weiter an den Rand des Salar de Uyuni, des höchstgelegenen Salzsees der Welt. In einem Hotel setzen wir das russische Pärchen aus Kanada ab, das hier übernachtet und morgen den zweiten Teil der Salzseetour angeht. Ich rutsche auf den Beifahrersitz und auch hinten im Land Rover wird es luftiger. Wir fahren langsam durch das flache Wasser und beobachten fleißige Arbeiter, die die aufgetürmten Salzkegel auf alte LKWs schaufeln. Dann geht es zu Fuß weiter auf der Suche nach witzigen Fotomotiven auf der spiegelglatten Oberfläche des Sees. Die Schuhe haben wir vorher abgelegt, da das Salz diese beschädigen könnte. Der Barfußgang über die groben Salzkristalle ist gesund, aber schmerzhaft. Die Kulisse mit einem schneebemützten Vulkan im Hintergrund lässt unsere Kameras nicht kalt werden. Eine kurze Weiterfahrt im Jeep und wir erreichen das „Hotel de Sal – Playa Blanca“. Hier treffen sich alle Besucher und einige übernachten hier. Das Besondere ist, dass alles, von den Wänden bis zum Bett aus Salz gebaut ist. Trotzdem sind wir ganz froh, nicht über Nacht zu bleiben, denn es kehrt schnell Langeweile ein. Wir boykottieren das Toilettenmonopol des abgeschiedenen Hauses, das 5 Bolivianos für eine mittelsaubere Toilette ohne Spül- oder Handwaschwasser verlangt. Zum Vergleich: Das Toilettenhäuschen im Busbahnhof von La Paz verlangt ein Viertel davon und bietet einiges mehr. Die Zeit im Hotel verbringen wir uns mit weiteren Fotos, einem Mittagessen, Sonnenbaden und im Museum, in dem Salzskulpturen zu bewundern sind. Die Japanerin aus unserem Jeep bleibt bis morgen hier. Dafür nehmen wir drei ihrer Landsmänner mit zurück nach Uyuni. Es wird also wieder enger im Auto. Wir erreichen Uyuni nach etwa einstündiger Fahrt gegen 17 Uhr und lassen uns am Büro von „Panasur“ absetzen, von wo aus wir um 20 Uhr die Rückfahrt antreten wollen. Zur Überbrückung der Zeit gehen wir noch einmal in die nahegelegene Fußgängerzone, und können feststellen, dass man in der zweiten der drei hier ansässigen Pizzerien „Italiana“ bereit ist, eine Bestellung entgegenzunehmen. Da auch hier die Gangart etwas gemächlicher ist, fällt es nicht schwer, die Zeit bis zur Abfahrt zu überbrücken. Rechtzeitig sind wir zurück und besteigen den Bus, mit dem wir den Weg nach La Paz in einem Ritt angehen werden. Der Bus ist modern mit Toilette und Fernseher und voll besetzt. Wieder ist eine Horde israelischer Jugendlicher in der Überzahl. Die können sich diesmal allerdings, vermutlich als Folge ihrer Müdigkeit, benehmen. Das kann man von der älteren Dame, die vor Sandra sitzt, nicht behaupten, als sie ohne Rücksicht auf Verluste und ohne einen Blick auf den Platz hinter ihr in einem Ruck ihre Rückenlehne bis zum Anschlag umlegt und somit Sandra quasi auf dem Schoß liegt. Der bolivianische Geschäftsmann vor mir versucht es auf die gleiche Tour, lässt sich aber schnell überzeugen, dass es für uns beide das Beste wäre, wenn er seine Sitzposition noch einmal überdenken würde. Auf dem Bildschirm beginnt der Film „Ninja“ und wir sind noch keine fünfzig Meter weit gekommen, da legen wir den ersten Stopp ein, um einer der Israelis die Möglichkeit zu geben, sich auf dem Bürgersteig zu übergeben. Planmäßig sollen wir La Paz in elf Stunden, also morgen früh um sieben erreichen. Allerdings muss man immer mit Pannen oder überschwemmten Straßen rechnen, so dass wir schon froh wären, bis Dienstagmittag den Bus wieder verlassen zu können. Vorsorglich haben wir uns in Uyuni noch mit etwas Proviant eingedeckt.
Montag, 8. März 2010
Ungewaschen und hundemüde
UYUNI: Mit etwa einer halben Stunde Verspätung, was hier nicht als solche empfunden wird, fahren wir in Uyuni ein. Außer ein paar Taxifahrern ist hier niemand mehr auf den Straßen. Wir fahren also durch verwaiste, in schummriges Laternenlicht getauchte, Straßen, an deren Seiten wir keine Hinweise auf Leben finden. Um drei Uhr morgens kommen wir im Hotel La Magia de Uyuni endlich zur Ruhe. Gegen sieben Uhr morgens ist die Nacht beendet. Unter der Dusche stelle ich fest, dass der Rohrbruch wohl behoben ist, auch wenn das Wasser nicht gerade warm zu kriegen ist. Beim Rasieren muss ich feststellen, dass mein Optimismus verfrüht war, da nun auch das kalte Wasser versiegt. Dass Sandra sich nun weder duschen, noch richtig waschen kann, sollte mir von nun an vorgehalten werden, obwohl nach dem Frühstück das Wasser wieder läuft. Zu diesem Zeitpunkt haben wir längst nach Alternativen in anderen Räumlichkeiten, zumindest für den Toilettengang, gesucht. Bevor wir uns auf den Weg zum Salzsee machen, erkunden wir in einem kurzen Spaziergang Uyuni und stellen fest, dass die Stadt jetzt nicht wesentlich mehr bevölkert ist, als letzte Nacht. Wir schlendern durch sandige Straßen und sind froh, wenigstens Wasser kaufen zu können. Gegenüber der Kirche entdecken wir allerdings noch so etwas, wie eine Fußgängerzone, die offensichtlich das Zentrum bildet. Vor einem Café entdecken wir auch wieder die Horde Israelis von Rurrenabaque und passieren sie im weiten Bogen. Um halb elf hält ein bereits gut besetzter Jeep vor unserem Hotel und holt uns zur Ganztagestour durch den Salzsee ab. Zunächst geht es jedoch zum Eisenbahnfriedhof an der alten Strecke nach Chile. Wir setzen die Fahrt fort und passieren Lamaherden auf unserem Weg zum nächsten Stopp, immer noch außerhalb des Sees, wo wir Gelegenheit haben, Souvenirs aus Salz und sonstigen Touriplunder zu erwerben. Sandra nutzt die Gelegenheit, um eine Flasche ihres neuen Lieblingsbiers „El Inca“ zu kaufen. Nicht zum sofortigen Genuss, sondern als Souvenir, denn in La Paz muss man schon lange danach suchen. Von hieraus geht es weiter an den Rand des Salar de Uyuni, des höchstgelegenen Salzsees der Welt. In einem Hotel setzen wir das russische Pärchen aus Kanada ab, das hier übernachtet und morgen den zweiten Teil der Salzseetour angeht. Ich rutsche auf den Beifahrersitz und auch hinten im Land Rover wird es luftiger. Wir fahren langsam durch das flache Wasser und beobachten fleißige Arbeiter, die die aufgetürmten Salzkegel auf alte LKWs schaufeln. Dann geht es zu Fuß weiter auf der Suche nach witzigen Fotomotiven auf der spiegelglatten Oberfläche des Sees. Die Schuhe haben wir vorher abgelegt, da das Salz diese beschädigen könnte. Der Barfußgang über die groben Salzkristalle ist gesund, aber schmerzhaft. Die Kulisse mit einem schneebemützten Vulkan im Hintergrund lässt unsere Kameras nicht kalt werden. Eine kurze Weiterfahrt im Jeep und wir erreichen das „Hotel de Sal – Playa Blanca“. Hier treffen sich alle Besucher und einige übernachten hier. Das Besondere ist, dass alles, von den Wänden bis zum Bett aus Salz gebaut ist. Trotzdem sind wir ganz froh, nicht über Nacht zu bleiben, denn es kehrt schnell Langeweile ein. Wir boykottieren das Toilettenmonopol des abgeschiedenen Hauses, das 5 Bolivianos für eine mittelsaubere Toilette ohne Spül- oder Handwaschwasser verlangt. Zum Vergleich: Das Toilettenhäuschen im Busbahnhof von La Paz verlangt ein Viertel davon und bietet einiges mehr. Die Zeit im Hotel verbringen wir uns mit weiteren Fotos, einem Mittagessen, Sonnenbaden und im Museum, in dem Salzskulpturen zu bewundern sind. Die Japanerin aus unserem Jeep bleibt bis morgen hier. Dafür nehmen wir drei ihrer Landsmänner mit zurück nach Uyuni. Es wird also wieder enger im Auto. Wir erreichen Uyuni nach etwa einstündiger Fahrt gegen 17 Uhr und lassen uns am Büro von „Panasur“ absetzen, von wo aus wir um 20 Uhr die Rückfahrt antreten wollen. Zur Überbrückung der Zeit gehen wir noch einmal in die nahegelegene Fußgängerzone, und können feststellen, dass man in der zweiten der drei hier ansässigen Pizzerien „Italiana“ bereit ist, eine Bestellung entgegenzunehmen. Da auch hier die Gangart etwas gemächlicher ist, fällt es nicht schwer, die Zeit bis zur Abfahrt zu überbrücken. Rechtzeitig sind wir zurück und besteigen den Bus, mit dem wir den Weg nach La Paz in einem Ritt angehen werden. Der Bus ist modern mit Toilette und Fernseher und voll besetzt. Wieder ist eine Horde israelischer Jugendlicher in der Überzahl. Die können sich diesmal allerdings, vermutlich als Folge ihrer Müdigkeit, benehmen. Das kann man von der älteren Dame, die vor Sandra sitzt, nicht behaupten, als sie ohne Rücksicht auf Verluste und ohne einen Blick auf den Platz hinter ihr in einem Ruck ihre Rückenlehne bis zum Anschlag umlegt und somit Sandra quasi auf dem Schoß liegt. Der bolivianische Geschäftsmann vor mir versucht es auf die gleiche Tour, lässt sich aber schnell überzeugen, dass es für uns beide das Beste wäre, wenn er seine Sitzposition noch einmal überdenken würde. Auf dem Bildschirm beginnt der Film „Ninja“ und wir sind noch keine fünfzig Meter weit gekommen, da legen wir den ersten Stopp ein, um einer der Israelis die Möglichkeit zu geben, sich auf dem Bürgersteig zu übergeben. Planmäßig sollen wir La Paz in elf Stunden, also morgen früh um sieben erreichen. Allerdings muss man immer mit Pannen oder überschwemmten Straßen rechnen, so dass wir schon froh wären, bis Dienstagmittag den Bus wieder verlassen zu können. Vorsorglich haben wir uns in Uyuni noch mit etwas Proviant eingedeckt.
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