Sonntag, 7. Februar 2010

Der Berg ruft!




COTOPAXI: Ich bin mal wieder viel zu früh wach geworden. Auch knapp eine Woche nach unserer Ankunft in Ecuador will sich meine innere Uhr nicht umstellen. Allerdings waren die unruhigen Galapagos-Nächte dazu auch nicht eben geeignet. Ich hab die Zeit genutzt, um meinen Rucksack neu zu packen. Weniger ist es dadurch aber auch nicht geworden. Ich bin dann etwas zeitiger frühstücken gegangen und habe anschließend einen Morgenspaziergang durch die fast leere Innenstadt unternommen. Es hat in der Nacht aufgehört zu regnen und die Sicht ist klarer denn je. Das ermöglichte mir ein paar, bis dahin unbekannte, Blicke auf die schneebedeckten und nebelumschweiften Berge, die die Stadt umgeben. Rechtzeitig um 9 saß ich mit all meinem Gepäck in der Hotellobby und wartete auf Alfredo Carrera, meinen persönlichen Bergführer, der mir heute den Cotopaxi und ein paar andere der zahlreichen Vulkane zeigen wollte. Ein etwas altersschwacher, zum Verkauf angepriesener, Chevrolet Trooper hielt vor der Tür und ein leicht untersetzter Mann, was auf fast jeden Ecuadorianer zutrifft, mit Piratenkopftuch, Sonnenbrille und Jogginghose stieg aus. Ich hab ihn nicht als meinen Tour Guide erkannt, er mich aber als seinen Gast. Und so nehmen wir schnell Fahrt auf und kommen ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass Alfredo einen Tag vorher eine Tour mit unseren neuen Freunden Warren und Joanne unternommen hat. Alfredo versicherte mir auch, dass nach einem Regentag wie den gestrigen lange Zeit die Sonne scheinen würde. Den Tankstopp an der, hier gut erhaltenen Panamericana, die Alaska mit Feuerland verbindet hab ich dann genutzt, um mich mit Wasser, Keksen und Maisfladen sowie einem dick belegten Sandwich einzudecken. Nachdem wir in den Cotopaxi Nationalpark eingefahren sind, erkundigte sich Alfredo jede viertel Stunde nach meinem Befinden. Die zunehmende Höhe steckt nicht jeder so leicht weg. Er lässt mich zur Akklimatisierung auch mal ein paar Hundert Meter laufen, aber Symptome von Höhenkrankheit stellten sich auch auf 3800 m nicht ein. Nachdem er nun einsehen musste, dass ich ein harter Brocken bin, ist er mit mir auf 4500 m Höhe gefahren. Auch hier bin ich immer noch in der Lage, beim Auto anschieben zu helfen. Nicht unser Auto, sondern das von einigen Einheimischen. Unser Ziel ist das Refugio, eine gelbe Hütte auf 4800 m Höhe. Die letzten 300 Höhenmeter sind ziemlich knackig. Weniger wegen der Höhe, sondern mehr wegen des sandigen Untergrundes, der mich zu vielen Verschnaufpausen zwang. Die Hütte befindet sich circa 1100 m unterhalb des Gipfels. Der Cotopaxi ist damit ähnlich hoch wie der Kilimajaro. Also, Alex, Matthias und Sven, höhentauglich bin ich. An der Kondition arbeite ich noch bis Juli. An der Hütte angekommen, hab ich Alfredo auf einen Kakao eingeladen. Das Wechselgeld hat er, wohl eher unbewusst, eingesteckt. Ich hab aber nichts gesagt, sondern es mal als vorgezogenes Trinkgeld verbucht. Wieder am Auto angekommen haben wir dann Kurs bergab genommen zu einem kleinen Vulkansee. Ich konnte Alfredo überzeugen, dass wir die ca. 40-minütige Wanderung um die Laguna Limpiopungo auf 3830 m Höhe noch auf uns nehmen. Unterwegs haben wir noch einige Tiere gesehen. Zwar keinen Puma oder Wolf, aber einige Tiere, die wir nur aus dem Stall und von Speisekarten kennen. Hasen, Kühe, Pferde, Enten. Und alle leben hier wild. Das Highlight war allerdings einer der noch lebenden 80 Kondore in Ecuador, der über uns seine Kreise zog und ohne einen Flügelschlag immer mehr an Höhe gewann. Alfredo hat mich dann noch allein einen Canyon entlangwandern lassen, um mich am anderen Ende wieder einzusammeln. Irgendwie hat er meine Leistung unterschätzt und ich muss ihn wecken, als ich angekommen bin. Nachdem wir 15 Minuten weitergefahren sind, ging sein Handywecker an. Ab jetzt hatte er also mit mir gerechnet. Er hat mich dann zu meinem heutigen Domizil, der Hacienda la Ciénaga, gebracht, während er selbst zurück nach Quito musste und mich morgen Nachmittag wieder hier abholt. Die Hacienda ist ein Traum. Ein Herrenhaus aus der Kolonialzeit. Durch das schmiedeeiserne Tor gelangt man auf eine circa 300 m lange Allee mit riesigen Bäumen, die auf das Haus zu führt. Das Haus verfügt über massive Steinwände und knarrenden Parkettboden. Auch das Zimmer riecht nach Geschichte. Der obligatorische Kamin loderte bereits. Ich hab gleich erstmal ein paar Holzscheide nachgelegt und damit das Feuer nahezu erstickt. Da ich weder Anzünder, noch Zeitungspapier dabei habe, hab ich es mit zwei Kerzen versucht, die ich unter dem Holz platzierte, was dem Zimmermädchen ein Lächeln entlockte, als es eine halbe Stunde später mit Zeitungspapier und Anzünder an meine Tür klopfte. So sitze ich jetzt also doch am lodernden Kamin bei Keksen und Wasser und pelle mir den ersten Sonnenbrand von der Stirn. Ich befinde mich mal wieder in einer internetfreien Zone, weshalb der Tagesbericht erst mit einem Tag Verspätung im Blog erscheint.

3 Kommentare:

  1. ...ich habe auch kein Problem mit der Höhe. Während keinem der unzähligen Flüge hatte ich die Höhenkrankheit. Den Kili mach ich mit gefesselten Beinen und auf den Rücken gebundenen Arm.

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  2. Vielleicht können wir ja das Gepäck unserer Träger tragen.

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  3. verschönere mir den Olympiaabend gerade mit Deinen
    Reiseberichten, die sich hervorragend Lesen.
    Offensichtlich ist Dein Entdeckergeist geweckt,

    Biathlon Verfolgfung Fr.Neuner ist in Führung gegangen.... oooh ein Fehlschuß noch 2km laufen
    mit 6 SEC Vorsprung wird das reichen
    Olympiasieg für Fr.Neuner

    lg aus B. von goldi

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