Freitag, 12. Februar 2010

Die Kühe von Lima







LIMA: Es ist passiert. Zur Beruhigung meines Magens habe ich gegen meine Überzeugung zur Pille gegriffen. Vielleicht sollte ich das Burger-Knäcke-Angebot annehmen, nur andererseits wird mein Magen in den nächsten Monaten einigen Kummer ertragen müssen und kann nicht früh genug abgehärtet werden. Ich nehme die Sockensuche wieder auf, aber die Stadt erwacht langsamer und später als ich. Nur die Schuhputzer sind schon bei der Arbeit und bieten mir mehrfach an, meine Wildleder-Trekking-Schuhe zu polieren. Ich verspreche, mich zu melden. Und die Klemmbrettmänner sind schon bei der Arbeit. Vor jedem zweiten Geschäft in Lima stehen emsige Mitarbeiter mit Klemmbrettern und machen sich Notizen zu rein-, raus- und vorbeigehenden Personen. Der Klemmbretthandel in Lima muss ein einträgliches Geschäft sein, denn auch die Bushaltestellen haben zwar keine Funktion für die Fahrgäste, da diese ohnehin nach Bedarf eingeladen und raus gelassen werden, beherbergen aber Herren mit kleineren Klemmbrettern, die den Bustürstehern Zahlen zurufen und dafür etwas Kleingeld von diesen bekommen. Vor der Banco de la Nación in der Avenida José Pardo hat sich etwas später eine lange Schlange gebildet. Vermutlich sind heute die Löhne auf den Konten. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es den Leuten um eine Investmentberatung geht. Zufällig darf ich dem morgendlichen Fahnenappell der Stadtverwaltung beiwohnen. Danach unterstütze ich das Limaer Sockenoligopol von Ripley und Saga Falabella am Parque Kennedy mit dem Erwerb von 9 Paar Socken ungewisser Qualität zum Preis von 44,80 Soles, nach Tageskurs 11,85 €. Bei der Gelegenheit schaue ich noch nach Peruanischen Fußballtrikots, die jedoch leider von Bayern-, HSV- und Deutschland-Trikots aus dem Kaufhaus verdrängt wurden. Limas Antwort auf unsere Buddybären ist übrigens die „Cow Parade“, wie man in den zahlreichen liebevoll gestalteten Parks sehen kann. Mein Favorit ist die Elviskuh aus dem Parque el Faro. Als es mir dann nachmittags zu heiß draußen wurde, hab ich ein wenig die Live-Übertragung des Freitagsspiels der Bundesliga auf GOL-TV verfolgt. Aber was liegt da weißes am Spielfeldrand in Mönchengladbach? Und warum tragen auch die Feldspieler Handschuhe? Verrücktes Land! Die Spiele werden mit spanischem Kommentar übertragen, der im Untertitel ins Englische übersetzt wird. Auf dem Foto ist gerade das 2:1 gefallen und es läuft der Rest des Torjubels „GOOOAL“, der auch schon die drei vorherigen Zeilen eingenommen hat. Aus dem Internet erfahre ich von meiner 1,7 in der VWL-Prüfung, was mir ja schon fast unheimlich ist. Steht bloß noch das Ergebnis in Wirtschaftsrecht aus. Sollte das mein erstes Semester ohne eine einzige Wiederholungsprüfung sein? Ich hätte nichts dagegen. Ich weiß mich schon zu beschäftigen in Lima, aber allmählich will ich wieder auf die Piste. Morgen ziehe ich erst mal in ein anderes Hotel um, wo ich neben Sandra auch den Rest der Reisegruppe treffe, mit denen ich mich die nächsten zwei Wochen durch`s Inka-Reich schlage.

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