QUITO: Die Wände und Decken des Hostels Jhomana sind dünn und hellhörig. Mein Bad ist mit dem des Nachbarzimmers durch ein Oberlicht verbunden. Das ist zwar geschlossen, aber nicht schalldicht, was mitunter eine Geräuschkulisse bewirkt, auf die ich gern verzichtet hätte. Aber Preis und Leistung stehen trotzdem im guten Verhältnis. Als ich beim Frühstück im Garten saß, kam erwartungsgemäß Santiago an, um Mr. Colling, der ja nunmehr ich bin, zur Äquatortour abzuholen. Leider muss ich ihn enttäuschen, da man mir ja nun gestern gesagt hat, Alfredo würde uns auf die Nordhalbkugel bringen. Es tut mir leid für Santiago, der auch einen sympathischen Eindruck machte, aber wichtig ist mir ja, mit den beiden Australiern unterwegs zu sein. Nach zwei Telefonaten verabschiedet er sich wieder von mir ohne mich seinen, sicherlich vorhandenen, Unmut spüren zu lassen. Da bin ich wohl Objekt eines Revierkampfes geworden. Kurz nach 9 Uhr kommt Alfredo mit einer jungen Frau auf dem Beifahrersitz an. Sie stellt sich mir als Fiona vor und anhand ihrer roten Löckchen enttarne ich sie als Irin, was sie bestätigt. Sie gehört auch zu den HERBALIFE-Horden und hat sich kurzfristig entschlossen, unsere kleine Reisegruppe zu vervollständigen. Ob das die richtige Entscheidung war, weiß ich noch nicht, denn sie ist um halb 6 Uhr morgens von einer Party gekommen, was ich ihr, angesichts ihrer leichten Alkoholfahne, die sie erfolglos mit der Hand bei sich zu halten versucht, unbesehen glaube. Nach fünfminütigen Gespräch steht fest, dass sie ihre nächste Reise nach Berlin führen wird. Ich muss sie natürlich um Geduld bitten, denn vor Ende Mai kann ich Ihr kein Obdach bieten. Wir laden noch die Dunlop Family ein und beginnen unseren Ausflug mit einer kleinen Citytour durch Quito. Es ist nicht der beste Tag dafür, denn der Südamerikagipfel mit Hugo Chavez und Konsorten legt die Stadt lahm. Chavez bekommen wir vor dem Präsidentenpalast nicht zu Gesicht, aber den peruanischen Präsidenten, Alán Garcia Peréz. Fiona gibt kurzerhand Schülern für ihre Englisch-Hausaufgaben ein Interview und nach ein paar weiteren Zwischenstopps in Quito nehmen wir Kurs gen Norden. Joanne erwägt den Kauf einer Kokosnuss, die hier von fliegenden Händlern im Dauerstau angeboten werden, entscheidet sich aber für ihre Gesundheit. Am Äquatormuseum angekommen, bewundern wir zunächst die einheimische Fauna, von Lamas bis Meerschweinchen, denen hier allerdings der Grill droht. Eine rote Linie markiert den Äquator und bei einigen Spielchen, wie den Eier- oder den Wasserstrudeltest, erkennen wir, dass es sich hierbei um keinen Marketinggag handelt, sondern wir tatsächlich auf der Naht zwischen Nord- und Südhalbkugel entlang spazieren. Auf dem Foto ist mein rechter Fuß auf der Nordhalbkugel. Die unterschiedliche Wirkung auf der Äquatorlinie und nur ein bis zwei Meter daneben ist verblüffend. Auf der Rückfahrt erzählt uns Alfredo von seiner Bekanntschaft mit der früheren australischen Miss Universe und ein paar Geschichten, die er mit einer australischen TV-Größe erlebt, und geschworen hat, sie niemandem weiter zu erzählen. Fiona, Joanne und Warren steigen an der Mariscal Foch aus, um noch ein wenig durch das Zentrum zu flanieren. Ich verabschiede mich von Alfredo vor meinem Hostel, das nur zwei Straßen weiter gelegen ist. Nachdem ich kurz die Füße hochgelegt habe, gehe ich noch einmal zum Plaza El Quinde, um mich von Quito einstweilen zu verabschieden. Um 4 Uhr morgens steht mein Taxi vor der Tür, was mich natürlich in meinem Versuch, mich an die hiesige Zeit zu gewöhnen weit zurück wirft, und dann heißt es „Hasta luego, Ecuador!“
Dienstag, 9. Februar 2010
Der Naht entlang
QUITO: Die Wände und Decken des Hostels Jhomana sind dünn und hellhörig. Mein Bad ist mit dem des Nachbarzimmers durch ein Oberlicht verbunden. Das ist zwar geschlossen, aber nicht schalldicht, was mitunter eine Geräuschkulisse bewirkt, auf die ich gern verzichtet hätte. Aber Preis und Leistung stehen trotzdem im guten Verhältnis. Als ich beim Frühstück im Garten saß, kam erwartungsgemäß Santiago an, um Mr. Colling, der ja nunmehr ich bin, zur Äquatortour abzuholen. Leider muss ich ihn enttäuschen, da man mir ja nun gestern gesagt hat, Alfredo würde uns auf die Nordhalbkugel bringen. Es tut mir leid für Santiago, der auch einen sympathischen Eindruck machte, aber wichtig ist mir ja, mit den beiden Australiern unterwegs zu sein. Nach zwei Telefonaten verabschiedet er sich wieder von mir ohne mich seinen, sicherlich vorhandenen, Unmut spüren zu lassen. Da bin ich wohl Objekt eines Revierkampfes geworden. Kurz nach 9 Uhr kommt Alfredo mit einer jungen Frau auf dem Beifahrersitz an. Sie stellt sich mir als Fiona vor und anhand ihrer roten Löckchen enttarne ich sie als Irin, was sie bestätigt. Sie gehört auch zu den HERBALIFE-Horden und hat sich kurzfristig entschlossen, unsere kleine Reisegruppe zu vervollständigen. Ob das die richtige Entscheidung war, weiß ich noch nicht, denn sie ist um halb 6 Uhr morgens von einer Party gekommen, was ich ihr, angesichts ihrer leichten Alkoholfahne, die sie erfolglos mit der Hand bei sich zu halten versucht, unbesehen glaube. Nach fünfminütigen Gespräch steht fest, dass sie ihre nächste Reise nach Berlin führen wird. Ich muss sie natürlich um Geduld bitten, denn vor Ende Mai kann ich Ihr kein Obdach bieten. Wir laden noch die Dunlop Family ein und beginnen unseren Ausflug mit einer kleinen Citytour durch Quito. Es ist nicht der beste Tag dafür, denn der Südamerikagipfel mit Hugo Chavez und Konsorten legt die Stadt lahm. Chavez bekommen wir vor dem Präsidentenpalast nicht zu Gesicht, aber den peruanischen Präsidenten, Alán Garcia Peréz. Fiona gibt kurzerhand Schülern für ihre Englisch-Hausaufgaben ein Interview und nach ein paar weiteren Zwischenstopps in Quito nehmen wir Kurs gen Norden. Joanne erwägt den Kauf einer Kokosnuss, die hier von fliegenden Händlern im Dauerstau angeboten werden, entscheidet sich aber für ihre Gesundheit. Am Äquatormuseum angekommen, bewundern wir zunächst die einheimische Fauna, von Lamas bis Meerschweinchen, denen hier allerdings der Grill droht. Eine rote Linie markiert den Äquator und bei einigen Spielchen, wie den Eier- oder den Wasserstrudeltest, erkennen wir, dass es sich hierbei um keinen Marketinggag handelt, sondern wir tatsächlich auf der Naht zwischen Nord- und Südhalbkugel entlang spazieren. Auf dem Foto ist mein rechter Fuß auf der Nordhalbkugel. Die unterschiedliche Wirkung auf der Äquatorlinie und nur ein bis zwei Meter daneben ist verblüffend. Auf der Rückfahrt erzählt uns Alfredo von seiner Bekanntschaft mit der früheren australischen Miss Universe und ein paar Geschichten, die er mit einer australischen TV-Größe erlebt, und geschworen hat, sie niemandem weiter zu erzählen. Fiona, Joanne und Warren steigen an der Mariscal Foch aus, um noch ein wenig durch das Zentrum zu flanieren. Ich verabschiede mich von Alfredo vor meinem Hostel, das nur zwei Straßen weiter gelegen ist. Nachdem ich kurz die Füße hochgelegt habe, gehe ich noch einmal zum Plaza El Quinde, um mich von Quito einstweilen zu verabschieden. Um 4 Uhr morgens steht mein Taxi vor der Tür, was mich natürlich in meinem Versuch, mich an die hiesige Zeit zu gewöhnen weit zurück wirft, und dann heißt es „Hasta luego, Ecuador!“
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