Samstag, 6. Februar 2010

Michael Colling


QUITO: Der Tag begann ziemlich planlos und endete auch so. Den Vormittag hab ich noch im Garten des Hotels La Cartuja verbracht und den Blog aktualisiert. Joanne und Warren hab ich noch gefragt, ob sie mich am Dienstag zum Äquator begleiten wollen. Inzwischen haben sie halbwegs verbindlich zugesagt. Auch Martyn hab ich noch getroffen, aber er reist am Dienstag zurück nach England. Um 11 Uhr hab ich das Hotel verlassen und bin 200 m weiter ins Hotel Embassy gezogen, da das La Cartuja ab der kommenden Nacht ausgebucht war. Überhaupt scheinen Unterkünfte zurzeit in Quito rar zu sein. Der Grund dafür hat sich mir noch nicht erschlossen. Wahrscheinlich gibt es einfach zu wenig davon. Ich habe den Eindruck, dass mein Gepäck zugenommen hat. Kann aber eigentlich nicht sein, denn für das eine neue T-Shirt habe ich ein altes entsorgt. Der Reiseführer und das Fernglas von Sandra, die ich zurzeit mittrage, können es doch auch nicht ausmachen. Das Embassy trägt vier Sterne, zu Hause wären es wahrscheinlich drei, würde aber auch das Doppelte kosten. Es ist von außen pfui, von innen hui. Ich habe Zimmer „Catorce“. Als U2-Fan weiß ich natürlich, dass das 14 heißt. Zweiter Hinterhof mit Ausblick zum Parkplatz, aber mit Parkett, zwei Schlafzimmern, Küche, Bad und einem Wohnzimmer mit Kamin. Da es in diesem Augenblich zu regnen angefangen hat, hab ich es mir vorm Fernseher gemütlich gemacht und die Highlights der WM 78 verfolgt. Der Regen hat aber auch sein Gutes. Er hat den örtlichen Fanfarenzug vertrieben, der bis dahin in der Straße trainiert hat. Ich hab die Zeit genutzt, um bei GAP Adventures anzurufen und die Tour zum Äquator zu arrangieren. Erst mal blieb es mir verwehrt und auf meine Nachfrage erklärte man mir, dass es erst freigeschaltet werden müsse. Man lege halt nur Wert darauf, den Gästen persönlich zu erklären, dass die Telefonate zu bezahlen sind. Ich hab geschworen, dass ich das morgen tun werde und durfte fortan telefonieren. In der Kundendatei von GAP Adventures werde ich nun als Michael Colling geführt, weil ich mich mit „Maikäll`s calling“ gemeldet habe. Unter diesem Namen werde ich also am Dienstag auf dem Äquator stehen. Ich kann den Regen noch nicht ganz einordnen, da es der erste ist, den ich hier erlebe. Jetzt am Abend hält er noch an. Hoffe nur, dass das nicht über Tage so geht, denn die nächsten zwei Tage möchte ich mit Höhentraining über 4000 m am Cotopaxi verbringen. Ich bin dann nochmal durch den Regen gestapft, um bei Texas Chicken den Magen zu füllen. Man glaubt dort übrigens nicht an die Wirkung von Gabeln und Servietten und gibt den Gästen stattdessen Plastikhandschuhe. Die Sauerei wird dadurch nicht kleiner, sondern wird lediglich von meinen Händen auf den Tisch verlagert, da ich beim Essen mit Handschuhen nicht sehr behände wirke. Ich hab mir dann noch ein trockenes Plätzchen im Dragonfly am Plaza El Quinde gesucht und bei zwei Bier zum Preis von einem die Übertragung der südamerikanischen Universitätsmeisterschaften im Basketball verfolgt. Jetzt sitze ich im Wohnzimmer und müsste eigentlich mein Gepäck noch einmal optimieren, aber im Fernsehen läuft „Keinohrhasen“. Zum Glück mit spanischem Untertitel, dieses Deutsch ist ja ganz schwer zu lernen. Werde mich dann mal noch mit einem Gläschen Rotwein vor den lodernden Kamin verziehen. Der Regen hat Quito auf arktische 15 Grad runter gekühlt. Klingt in Deutschland wahrscheinlich komisch, ist aber so. Mangels Brennholz wird allerdings der Fernseher die Kaminrolle übernehmen. Und mangels Rotwein tut es auch eine Dose Bier.

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