QUITO: Die Vögel im Garten der Hacienda haben mich geweckt. Ich bin gestern Abend bei der ecuadorianischen Ausgabe von „Wer wird Millionär?“ schnell eingeschlafen. Hab zwar nicht viel verstanden, aber der hiesige Günther Jauch ist auch so recht komisch. Geschlafen habe ich sehr gut. Hier finde ich die Ruhe, nach der ich mich in den vergangenen Jahren oft gesehnt habe. Es hat schon etwas von einem Kloster, aber ich bin doch ganz froh, heute Nachmittag wieder nach Quito zurück zu kehren. Ich bin eben doch nicht fürs Kloster geschaffen. Ich war natürlich der erste beim Frühstück, doch schon sehr bald setzten sich zwei grau melierte Herren an den Nachbartisch. In meinen Outdoor-Klamotten fühlte ich mich etwas deplatziert und darin bestätigt, dass es richtig war, gestern Abend nicht ins Restaurant zu gehen. Die beiden erweisen sich dann aber als recht zutraulich. Es sind Wissenschaftler aus Amsterdam auf den Spuren eines französischen Biologen, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe. Als Deutscher wähnen sie mich hier natürlich auf den Humboldt`s Spuren, was ich verneinen muss. Aber meine Pläne finden sie nicht weniger interessant. Die beiden kommen aus dem Amazonas-Gebiet und fahren auch heute weiter nach Quito, um dort eine Vortrag an der dortigen San Francisco Universität zu halten. Mit meiner Erzählung von der Begegnung mit dem Kondor treffe ich die beiden in ihr Forscherherz. Sie hatten danach Ausschau gehalten, ihn aber um wenige Stunden verpasst. Nach dem Frühstück bin ich ein wenig die Panamericana entlang gewandert, wobei sich mir keine Fotomotive boten, abgesehen von einem ecuadorianischen Schlagloch in einer Seitenstraße, durch das ein kleines Bächlein floss. Fairerweise muss man aber sagen, dass die Straßenverhältnisse in Ecuador deutlich besser sind, als ich es nach meinen Erfahrungen aus Mittelamerika auch hier erwartet hatte. Anschließend habe ich noch ein bisschen im Garten entspannt und um 14 Uhr hat mich Alfredo abgeholt. Er teilt mir mit, dass Joanne und Warren sich endgültig entschieden haben, morgen mit zum Äquator zu kommen und das er, nicht wie vorgesehen Santiago, uns fahren wird. Unterwegs diskutieren wir das Marketing von Chevrolet und ich erfahre, warum die Hotelsituation in Quito so ist wie sie ist. Hier findet zurzeit ein großer internationaler HERBALIFE-Kongress statt, was auch die vielen Menschen mit entsprechenden T-Shirts und Taschen im Embassy Hotel erklärt. Ich lerne heute das dritte Hotel in Quito kennen, das Hostal Jhomana. Alfredo ruft von unterwegs noch einmal dort an, um eine grobe Navigation zu erfahren. Mit Erfolg. Das Jhomana ist ein Hostel, würde nach meinen Ansprüchen aber durchaus als normales Hotel durchgehen. Vom Dach des Hotels hab ich noch einmal einen Rundumblick über Quito genossen und mich anschließend planlos auf den Weg durch die Stadt gemacht. Planlos im doppelten Sinne, denn ich hatte weder ein Ziel, noch einen Stadtplan dabei. Die Orientierung fällt mir inzwischen recht leicht und ich bewege mich recht routiniert durch Mariscal. Inzwischen laufe ich sogar, wie die Einheimischen, blind auf die Straße und vertraue den Bremsen der herannahenden Autos. Sogar einen Supermarkt habe ich entdeckt. Es ist der erste, den ich hier sehe und wahrscheinlich auch der einzige, denn er ist für mein Empfinden leicht überdimensioniert. Das betrifft nicht nur den Markt als solches, sondern auch die darin angebotenen Waren. Ich bin mir ziemlich sicher, heute die größte Banane der Welt gekauft zu haben. Der Kundenandrang ist ordentlich und der Stau an den Kassen vorprogrammiert. Die Kassen wurden nahe genug nebeneinander postiert, um ein Durchdringen mit dem Einkaufswagen zu verhindern. Also lässt man die Wagen vor der Kasse stehen, wo sie von Zeit zu Zeit abgeholt werden. Das macht ein Durchdringen auch ohne Wagen schwierig. Der Supermarkt ist aber auch hier ein sehr kommunikativer Ort. Die Dame vor mir, die ich innerlich schon zu einer alten Schnepfe erklärt hatte, räumte plötzlich hektisch den Kindersitz ihres Einkaufswagens frei, um mir diesen für meinen Einkauf anzubieten, den ich bis dahin in beiden Händen hielt. Ich nehme dankend an. Neben diesem Supermarkt gibt es diverse winzige Lebensmittelgeschäfte in der Stadt, die aber zum Teil sehr gut versteckt sind. Anders ist es mit Copyshops. Quito hat davon wahrscheinlich die größte Dichte weltweit. Ich gehe zurück in Hostel. Auf das Dach komme ich jetzt leider nicht mehr, also mache ich es mir in meinem Zimmer bequem, ungewohnterweise ohne Kamin, und lausche den Karaoke-Klängen von der anderen Straßenseite. Aus dem Internet erfahre ich hocherfreut, dass ich die Finanzwirtschaft-Klausur mit 3,3 souverän bestanden habe und versuche mich an der Banane, die das, was sie an Größe gewonnen, offenbar an Geschmack eingebüßt hat.
Montag, 8. Februar 2010
Die größte Banane der Welt
QUITO: Die Vögel im Garten der Hacienda haben mich geweckt. Ich bin gestern Abend bei der ecuadorianischen Ausgabe von „Wer wird Millionär?“ schnell eingeschlafen. Hab zwar nicht viel verstanden, aber der hiesige Günther Jauch ist auch so recht komisch. Geschlafen habe ich sehr gut. Hier finde ich die Ruhe, nach der ich mich in den vergangenen Jahren oft gesehnt habe. Es hat schon etwas von einem Kloster, aber ich bin doch ganz froh, heute Nachmittag wieder nach Quito zurück zu kehren. Ich bin eben doch nicht fürs Kloster geschaffen. Ich war natürlich der erste beim Frühstück, doch schon sehr bald setzten sich zwei grau melierte Herren an den Nachbartisch. In meinen Outdoor-Klamotten fühlte ich mich etwas deplatziert und darin bestätigt, dass es richtig war, gestern Abend nicht ins Restaurant zu gehen. Die beiden erweisen sich dann aber als recht zutraulich. Es sind Wissenschaftler aus Amsterdam auf den Spuren eines französischen Biologen, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe. Als Deutscher wähnen sie mich hier natürlich auf den Humboldt`s Spuren, was ich verneinen muss. Aber meine Pläne finden sie nicht weniger interessant. Die beiden kommen aus dem Amazonas-Gebiet und fahren auch heute weiter nach Quito, um dort eine Vortrag an der dortigen San Francisco Universität zu halten. Mit meiner Erzählung von der Begegnung mit dem Kondor treffe ich die beiden in ihr Forscherherz. Sie hatten danach Ausschau gehalten, ihn aber um wenige Stunden verpasst. Nach dem Frühstück bin ich ein wenig die Panamericana entlang gewandert, wobei sich mir keine Fotomotive boten, abgesehen von einem ecuadorianischen Schlagloch in einer Seitenstraße, durch das ein kleines Bächlein floss. Fairerweise muss man aber sagen, dass die Straßenverhältnisse in Ecuador deutlich besser sind, als ich es nach meinen Erfahrungen aus Mittelamerika auch hier erwartet hatte. Anschließend habe ich noch ein bisschen im Garten entspannt und um 14 Uhr hat mich Alfredo abgeholt. Er teilt mir mit, dass Joanne und Warren sich endgültig entschieden haben, morgen mit zum Äquator zu kommen und das er, nicht wie vorgesehen Santiago, uns fahren wird. Unterwegs diskutieren wir das Marketing von Chevrolet und ich erfahre, warum die Hotelsituation in Quito so ist wie sie ist. Hier findet zurzeit ein großer internationaler HERBALIFE-Kongress statt, was auch die vielen Menschen mit entsprechenden T-Shirts und Taschen im Embassy Hotel erklärt. Ich lerne heute das dritte Hotel in Quito kennen, das Hostal Jhomana. Alfredo ruft von unterwegs noch einmal dort an, um eine grobe Navigation zu erfahren. Mit Erfolg. Das Jhomana ist ein Hostel, würde nach meinen Ansprüchen aber durchaus als normales Hotel durchgehen. Vom Dach des Hotels hab ich noch einmal einen Rundumblick über Quito genossen und mich anschließend planlos auf den Weg durch die Stadt gemacht. Planlos im doppelten Sinne, denn ich hatte weder ein Ziel, noch einen Stadtplan dabei. Die Orientierung fällt mir inzwischen recht leicht und ich bewege mich recht routiniert durch Mariscal. Inzwischen laufe ich sogar, wie die Einheimischen, blind auf die Straße und vertraue den Bremsen der herannahenden Autos. Sogar einen Supermarkt habe ich entdeckt. Es ist der erste, den ich hier sehe und wahrscheinlich auch der einzige, denn er ist für mein Empfinden leicht überdimensioniert. Das betrifft nicht nur den Markt als solches, sondern auch die darin angebotenen Waren. Ich bin mir ziemlich sicher, heute die größte Banane der Welt gekauft zu haben. Der Kundenandrang ist ordentlich und der Stau an den Kassen vorprogrammiert. Die Kassen wurden nahe genug nebeneinander postiert, um ein Durchdringen mit dem Einkaufswagen zu verhindern. Also lässt man die Wagen vor der Kasse stehen, wo sie von Zeit zu Zeit abgeholt werden. Das macht ein Durchdringen auch ohne Wagen schwierig. Der Supermarkt ist aber auch hier ein sehr kommunikativer Ort. Die Dame vor mir, die ich innerlich schon zu einer alten Schnepfe erklärt hatte, räumte plötzlich hektisch den Kindersitz ihres Einkaufswagens frei, um mir diesen für meinen Einkauf anzubieten, den ich bis dahin in beiden Händen hielt. Ich nehme dankend an. Neben diesem Supermarkt gibt es diverse winzige Lebensmittelgeschäfte in der Stadt, die aber zum Teil sehr gut versteckt sind. Anders ist es mit Copyshops. Quito hat davon wahrscheinlich die größte Dichte weltweit. Ich gehe zurück in Hostel. Auf das Dach komme ich jetzt leider nicht mehr, also mache ich es mir in meinem Zimmer bequem, ungewohnterweise ohne Kamin, und lausche den Karaoke-Klängen von der anderen Straßenseite. Aus dem Internet erfahre ich hocherfreut, dass ich die Finanzwirtschaft-Klausur mit 3,3 souverän bestanden habe und versuche mich an der Banane, die das, was sie an Größe gewonnen, offenbar an Geschmack eingebüßt hat.
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Hallo Weltreisender,
AntwortenLöschenich hoffe du hast die Kochbanane gut vertragen. Die kann nämlich ordentlich Bauweh verursachen:-) Hast dich wohl im Obstregal vergriffen...naja, kann ja mal passieren.
Bis nächste Woche
Sandra
Lass mich nie wieder allein einkaufen!!!
AntwortenLöschen... das war doch eine Gurke Du Ossi !!! ;-)
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