HONOLULU: Der Tag wollte einfach kein Ende nehmen. Um 8 Uhr in Hongkong gestartet, den Nachmittag in Tokio verbracht und dann ging es weiter. Sieben Stunden bis Honolulu. Hier bin ich um 7:30 Uhr morgens gelandet und zwar immer noch am gleichen Tag. Der Flug über die Datumsgrenze macht das möglich. Ich habe mir auf einen Schlag all die Stunden zurück geholt, die ich seit den Galapagos Inseln nach und nach verloren habe. Der Tag dauert dadurch am Ende 42 Stunden. Ich habe zwei Sonnenaufgänge erlebt, in Hongkong und über dem Pazifik. Zwei Sonnenuntergänge natürlich auch. Den ersten noch in Tokio, den zweiten auf Hawaii. Der Flug dauerte noch einmal sieben Stunden. Er war in der Delta 747 aus übernommenen Northwest-Beständen trotz nahezu fehlendem Entertainmentprogramms ganz angenehm, was vor allem daran lag, dass ich mir mit einem Franzosen eine Viererreihe teilen konnte. Da hat es auch nicht weiter gestört, dass wir von Chinesen umgeben waren, die immer mehr das Reisen entdecken, denen dabei aber verständlicherweise noch etwas die Routine fehlt. Dass sie bereits auf dem Weg zur Rollbahn dem Flugbegleiter mitgeteilt haben, dass sie sich für Chicken entschieden haben, fand der genauso putzig wie ich. Dass sie dann ihre Tupperdosen mit Proviant ausgepackt haben, der für vier Tage gereicht hätte auch. Dass sie sich über vier Reihen hinweg unterhalten ist schon etwas anstrengend. Und dann mussten sie, wahrscheinlich zum ersten mal in ihrem Leben, eine Zolldeklaration ausfüllen und das, wenn nur einer von ihnen Englisch versteht. Aber gut, ich habe darin natürlich inzwischen etwas mehr Routine. Ich fülle einen solchen Schein allein in dieser Woche zum dritten mal aus. Die Stewardess fragt mich, ob ich amerikanischer Staatsbürger sei und ich antworte in gewohnter Korrektheit "No, European." Damit bringe ich sie etwas aus dem Konzept, da sie schon weiß, dass Europa aus mehreren Ländern besteht. Dass das auch für Amerika gilt, hat sie heute gelernt. Es ist recht früh und ich befürchte, dass ich mein Appartement im Waikiki Marina noch nicht beziehen kann. Die Einwanderungsbehörde tut ihr Bestes, um die Wartezeit auszufüllen, aber es hilft nichts. Ich lass mein Gepäck stehen und starte zu einem ersten Erkundungsgang durch Waikiki. Nicht, dass ich es mir gewünscht hätte nach dem langen Flug, aber bin ich quasi gezwungen, die Zeit nicht zu vergammeln. Ich beziehe Quartier im 15. Stock des "waikiki Marina" am Ala Moana Boulevard. Das Haus hat 39 Etagen plus Penthouse und fällt mit dieser Höhe nicht sonderlich auf. Honolulu ist eben doch eine Großstadt. Leider ist auch noch einer der beiden Fahrstühle ausgefallen, so dass sich eine Traube von Wartenden bildet. Ich habe mir ein Appartement gemietet mit kleiner offener Küche und Bad. Zwar ohne Balkon, aber mit großen Fenstern und Meerblick, wenn man zwischen den Hotels und Seniorenheimen in der ersten Reihe durchschaut. Nachdem ich in etwas bequemeres geschlüpft bin und meine Wanderschuhe und Socken bis auf Weiteres in den Schrank verbannt habe, gehe ich noch ein wenig zum Strand, der nur einen Block entfernt ist. Auch wenn ich etwas warten muss, entscheide ich mich wieder für den Aufzug, da ich mir im Treppenhaus ständig den Kopf stoßen würde. Die Amis bauen eben aus anatomischen Gründen eher in die Breite, als in die Höhe. Die Atmosphäre am Strand ist sehr entspannt. Keine Händler, keine Musik und es ist auch nicht zu voll. Und die Einheimischen pflegen sämtliche Klischees. Man begrüßt sich hier tatsächlich mit "Aloha" und die Hawaiihemden haben hier überlebt. Sie füllen ganze Geschäfte. Selbst die Immigration Officers tragen sie, verlieren dadurch allerdings etwas an Respekt. Im "ABC Store" um die Ecke erwerbe ich als Nachfolger meiner Bundeswehrlatschen ein Paar feinster Surfersandalen für fünf Dollar und etwas, um meinen Kühlschrank zu füllen. Da mich die Müdigkeit nun doch übermannt, ziehe ich mich früh vor den Fernseher zurück und verbringe den Abend mit "America's funniest Videos", wo die Leute ihre Kinder reihenweise gegen Wände laufen oder die Treppe runterstürzen lassen und das filmen.
Donnerstag, 13. Mai 2010
Der längste Tag meines Lebens
HONOLULU: Der Tag wollte einfach kein Ende nehmen. Um 8 Uhr in Hongkong gestartet, den Nachmittag in Tokio verbracht und dann ging es weiter. Sieben Stunden bis Honolulu. Hier bin ich um 7:30 Uhr morgens gelandet und zwar immer noch am gleichen Tag. Der Flug über die Datumsgrenze macht das möglich. Ich habe mir auf einen Schlag all die Stunden zurück geholt, die ich seit den Galapagos Inseln nach und nach verloren habe. Der Tag dauert dadurch am Ende 42 Stunden. Ich habe zwei Sonnenaufgänge erlebt, in Hongkong und über dem Pazifik. Zwei Sonnenuntergänge natürlich auch. Den ersten noch in Tokio, den zweiten auf Hawaii. Der Flug dauerte noch einmal sieben Stunden. Er war in der Delta 747 aus übernommenen Northwest-Beständen trotz nahezu fehlendem Entertainmentprogramms ganz angenehm, was vor allem daran lag, dass ich mir mit einem Franzosen eine Viererreihe teilen konnte. Da hat es auch nicht weiter gestört, dass wir von Chinesen umgeben waren, die immer mehr das Reisen entdecken, denen dabei aber verständlicherweise noch etwas die Routine fehlt. Dass sie bereits auf dem Weg zur Rollbahn dem Flugbegleiter mitgeteilt haben, dass sie sich für Chicken entschieden haben, fand der genauso putzig wie ich. Dass sie dann ihre Tupperdosen mit Proviant ausgepackt haben, der für vier Tage gereicht hätte auch. Dass sie sich über vier Reihen hinweg unterhalten ist schon etwas anstrengend. Und dann mussten sie, wahrscheinlich zum ersten mal in ihrem Leben, eine Zolldeklaration ausfüllen und das, wenn nur einer von ihnen Englisch versteht. Aber gut, ich habe darin natürlich inzwischen etwas mehr Routine. Ich fülle einen solchen Schein allein in dieser Woche zum dritten mal aus. Die Stewardess fragt mich, ob ich amerikanischer Staatsbürger sei und ich antworte in gewohnter Korrektheit "No, European." Damit bringe ich sie etwas aus dem Konzept, da sie schon weiß, dass Europa aus mehreren Ländern besteht. Dass das auch für Amerika gilt, hat sie heute gelernt. Es ist recht früh und ich befürchte, dass ich mein Appartement im Waikiki Marina noch nicht beziehen kann. Die Einwanderungsbehörde tut ihr Bestes, um die Wartezeit auszufüllen, aber es hilft nichts. Ich lass mein Gepäck stehen und starte zu einem ersten Erkundungsgang durch Waikiki. Nicht, dass ich es mir gewünscht hätte nach dem langen Flug, aber bin ich quasi gezwungen, die Zeit nicht zu vergammeln. Ich beziehe Quartier im 15. Stock des "waikiki Marina" am Ala Moana Boulevard. Das Haus hat 39 Etagen plus Penthouse und fällt mit dieser Höhe nicht sonderlich auf. Honolulu ist eben doch eine Großstadt. Leider ist auch noch einer der beiden Fahrstühle ausgefallen, so dass sich eine Traube von Wartenden bildet. Ich habe mir ein Appartement gemietet mit kleiner offener Küche und Bad. Zwar ohne Balkon, aber mit großen Fenstern und Meerblick, wenn man zwischen den Hotels und Seniorenheimen in der ersten Reihe durchschaut. Nachdem ich in etwas bequemeres geschlüpft bin und meine Wanderschuhe und Socken bis auf Weiteres in den Schrank verbannt habe, gehe ich noch ein wenig zum Strand, der nur einen Block entfernt ist. Auch wenn ich etwas warten muss, entscheide ich mich wieder für den Aufzug, da ich mir im Treppenhaus ständig den Kopf stoßen würde. Die Amis bauen eben aus anatomischen Gründen eher in die Breite, als in die Höhe. Die Atmosphäre am Strand ist sehr entspannt. Keine Händler, keine Musik und es ist auch nicht zu voll. Und die Einheimischen pflegen sämtliche Klischees. Man begrüßt sich hier tatsächlich mit "Aloha" und die Hawaiihemden haben hier überlebt. Sie füllen ganze Geschäfte. Selbst die Immigration Officers tragen sie, verlieren dadurch allerdings etwas an Respekt. Im "ABC Store" um die Ecke erwerbe ich als Nachfolger meiner Bundeswehrlatschen ein Paar feinster Surfersandalen für fünf Dollar und etwas, um meinen Kühlschrank zu füllen. Da mich die Müdigkeit nun doch übermannt, ziehe ich mich früh vor den Fernseher zurück und verbringe den Abend mit "America's funniest Videos", wo die Leute ihre Kinder reihenweise gegen Wände laufen oder die Treppe runterstürzen lassen und das filmen.
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