HONGKONG: Seit hundert Tagen bin ich nun unterwegs. So langsam ist auch ein Ende in Sicht. Es kommt mir vor, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Alle Erinnerungen an frühere Begegnungen und Erlebnisse, die mir so tagtäglich durch den Kopf schießen, haben sich während dieser Reise abgespielt. Als hätte ich nicht schon vorher viel erlebt. Wie schnell sind dagegen früher hundert Tage vergangen. Habe ich nicht gerade erst meinen 30. Geburtstag gefeiert? Und jetzt bin ich angeblich schon 35? Aber wenn man jeden Tag so intensiv erlebt, wie ich zur Zeit, dauern diese eben eine gefühlte Ewigkeit. Der Plan, mit dieser Reise mein Leben etwas zu entschleunigen, ist also schonmal aufgegangen. Oder, wie es Mahatma Gandhi so treffend formuliert und Matthias dankenswerterweise weitergetragen hat: "Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.". So langsam nehme ich aber auch eine gewisse Reizüberflutung zur Kenntnis. Vielleicht ist auch das der Grund dafür, dass ich schon genug habe von Hongkong. Die vollen Straßen, die tausend Gerüche, die Absperrbänder, die selbst die Schlange vor dem Fahrstuhl ordnen. Ich sehne mich nach ruhigeren Tagen. Aber ich will mich nicht beklagen. Das Leben meint es schon gut mit mir in diesen Tagen und spätestens, wenn ich wieder in der Alltagsmühle bin, werde ich mich danach zurücksehnen. Den Tag beginne ich mit einem Frühstück bei "Pacific Coffee", der großen Konkurrenz von Starbucks. Anschließend laufe ich durch die Straßen von Mong Kok am nördlichen Ende der Nathan Road. Jede Straße beherbergt hier einen anderen Markt. Auf dem "Goldfish Market" im nördlichen Teil der Tung Choi Street werden nicht nur Goldfische, aber tatsächlich nur potetielle Aquarienbewohner verkauft. Paradoxerweise riecht es hier nach trockenem Katzenfutter. Man kann hier schonmal einen Tag verbringen. Ich gehe wieder ins "Murphy's". Mal sehen, ob ich Mary nochmal nüchtern erlebe, bevor sie morgen nach Shanghai fliegt. Sie ist heute nicht hier, dafür schaffe ich es, mein Kilimandscharobuch auszulesen. Zwei Iren fragen die Kellnerin zur Begrüßung, ob sie Uhren verkaufe. Die beiden sind offenbar auch gerade durch das Spalier der Rolexhändler gelaufen. Mich kennen sie inzwischen und wissen, dass ich ihnen ihre Spielzeuguhren nicht als Luxusgüter abkaufe. Sie entdecken deshalb die Ehrlichkeit für sich und rufen mir nicht mehr "Rolex" hinterher, sondern "Copy Watches". Danach gehe ich noch einmal nach Mong Kok in die südliche Tung Choi Street, wo heute vormittag noch eifrig aufgebaut wurde. Hier ist nun der Textilmarkt angesiedelt und ich komme noch zu meinem obligatorischen T-Shirt für vier Euro, was wahrscheinlich immer noch zuviel ist.
Dienstag, 11. Mai 2010
Hundert Tage unterwegs
HONGKONG: Seit hundert Tagen bin ich nun unterwegs. So langsam ist auch ein Ende in Sicht. Es kommt mir vor, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Alle Erinnerungen an frühere Begegnungen und Erlebnisse, die mir so tagtäglich durch den Kopf schießen, haben sich während dieser Reise abgespielt. Als hätte ich nicht schon vorher viel erlebt. Wie schnell sind dagegen früher hundert Tage vergangen. Habe ich nicht gerade erst meinen 30. Geburtstag gefeiert? Und jetzt bin ich angeblich schon 35? Aber wenn man jeden Tag so intensiv erlebt, wie ich zur Zeit, dauern diese eben eine gefühlte Ewigkeit. Der Plan, mit dieser Reise mein Leben etwas zu entschleunigen, ist also schonmal aufgegangen. Oder, wie es Mahatma Gandhi so treffend formuliert und Matthias dankenswerterweise weitergetragen hat: "Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.". So langsam nehme ich aber auch eine gewisse Reizüberflutung zur Kenntnis. Vielleicht ist auch das der Grund dafür, dass ich schon genug habe von Hongkong. Die vollen Straßen, die tausend Gerüche, die Absperrbänder, die selbst die Schlange vor dem Fahrstuhl ordnen. Ich sehne mich nach ruhigeren Tagen. Aber ich will mich nicht beklagen. Das Leben meint es schon gut mit mir in diesen Tagen und spätestens, wenn ich wieder in der Alltagsmühle bin, werde ich mich danach zurücksehnen. Den Tag beginne ich mit einem Frühstück bei "Pacific Coffee", der großen Konkurrenz von Starbucks. Anschließend laufe ich durch die Straßen von Mong Kok am nördlichen Ende der Nathan Road. Jede Straße beherbergt hier einen anderen Markt. Auf dem "Goldfish Market" im nördlichen Teil der Tung Choi Street werden nicht nur Goldfische, aber tatsächlich nur potetielle Aquarienbewohner verkauft. Paradoxerweise riecht es hier nach trockenem Katzenfutter. Man kann hier schonmal einen Tag verbringen. Ich gehe wieder ins "Murphy's". Mal sehen, ob ich Mary nochmal nüchtern erlebe, bevor sie morgen nach Shanghai fliegt. Sie ist heute nicht hier, dafür schaffe ich es, mein Kilimandscharobuch auszulesen. Zwei Iren fragen die Kellnerin zur Begrüßung, ob sie Uhren verkaufe. Die beiden sind offenbar auch gerade durch das Spalier der Rolexhändler gelaufen. Mich kennen sie inzwischen und wissen, dass ich ihnen ihre Spielzeuguhren nicht als Luxusgüter abkaufe. Sie entdecken deshalb die Ehrlichkeit für sich und rufen mir nicht mehr "Rolex" hinterher, sondern "Copy Watches". Danach gehe ich noch einmal nach Mong Kok in die südliche Tung Choi Street, wo heute vormittag noch eifrig aufgebaut wurde. Hier ist nun der Textilmarkt angesiedelt und ich komme noch zu meinem obligatorischen T-Shirt für vier Euro, was wahrscheinlich immer noch zuviel ist.
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