Freitag, 9. April 2010

Es gibt zwei Rudi Völler






BUENOS AIRES: Cem steht mit traurigen Augen am Flughafen, als er uns gegen Mittag verabschieden muss. Die Trauer ist ganz unsererseits, aber eigentlich können wir froh sein, heute überhaupt zurück nach Buenos Aires zu kommen. Nach mehreren Umbuchungen, Flugstreichungen, Zusammenlegungen und Verschiebungen, nachdem wir zwischenzeitlich auf den Abendflug von LAN gebucht haben, heben wir nunmehr mittags mit Aerolineas Argentinas zum Direktflug nach Buenos Aires ab. An Bord wird auch viel Deutsch gesprochen und eine Dame fragt mich ernsthaft, als uns noch etwa 200 Meter vom Boden trennen, ob wir jetzt in Buenos Aires landen. Als ich am Gepäckband den anderen davon erzähle, hält selbst Jenny, die sich sonst für keine Frage zu schade ist, das für eine „stupid question“, worüber sich der Rest der Runde eines Grinsens nicht erwehren kann. Ich dachte mir eigentlich, dass man die beiden mal miteinander bekannt machen sollte. Die würden sich bestimmt gut verstehen. Am Ausgang warten mehrere Kamerateams. Überraschenderweise aber nicht auf uns. Welcher B-Promi hier mit an Bord war, ist selbst Nadia nicht bekannt, die uns freudig im Empfang nimmt. Nachdem wir unser Zimmer im Hotel Carsson bezogen haben, gehen wir zum Büro von BUQUEBUS in der Avenida Cordoba. Wir buchen einen Tagesausflug nach Uruguay für 193 Pesos. An der Kasse bedient uns das Ebenbild des jungen Rudi Völlers. Um 19:30 Uhr treffen wir uns mit Kerry, Fiona, Shirley, Heather und Chad, um in zwei Taxis zum Restaurant „La Cabrera“ in gleichnamiger Straße, das angeblich die besten Steaks der Stadt serviert. Das das Thema „Jenny“ hinreichend ausdiskutiert ist, richten sich unsere Lästereien mit Kerry und Fiona während der Fahrt gegen Heather. Sie liefert natürlich nicht annähernd so viel Stoff, wie Jenny, überzeugt aber auch durch ihre Naivität und grenzenlose Selbstüberschätzung. Sie glaubt immer noch, dass zwischen ihr und dem 14 Jahre jüngeren Chad etwas gehen könnte. Fiona hat zwar auf dem Flug eine Wahrscheinlichkeit von 98 % ausgerechnet, aber wer die beiden sieht, kann dafür nur ein müdes Lächeln übrig haben. Das Steak ist wirklich gut und riesig. Glücklicherweise haben wir reserviert und müssen uns nicht in die lange Schlange einreihen. Ein Geheimtipp scheint das Restaurant jedenfalls nicht zu sein. Wir sind mit unseren 400 g-Steaks gut bedient, zumal es diverse Side Orders, wie Salat, Kartoffelpüree und Apfelmus dazu gibt. Aber auch Chad bezwingt sein 800 g-Steak. Zur Rechnung gibt es einen Lollibaum, an dem wir uns freizügig bedienen können. Die Kneipenvielfalt in Palermo ist groß und wir entscheiden uns für einen Absacker im OMM. Ein Zauberer unterhält uns mit Kartentricks und handelt sich beinahe Ärger ein, als er eine glühende Zigarette in mein T-Shirt drückt. Es bleibt aber unversehrt und er verdient sich ein kleines Trinkgeld. Ansonsten vertreiben wir uns die Zeit wieder einmal mit einem „What-Face-Contest“, bei dem ich ganz vorn dabei bin. Es geht darum, Jenny`s Gesicht bestmöglich zu imitieren, wenn sie wieder einmal etwas nicht glauben kann oder wohl eher nicht versteht und im sauberen „American English“ mit dem Wort „What?“ um eine Wiederholung oder einfachere Erklärung bittet. Die anderen ziehen weiter durch Palermo, während Sandra und ich ins Hotel zurück fahren, da wir morgen früh raus müssen. Wir verabreden uns aber lose für Samstagabend im Milhouse Hostel. So ganz können wir auch nach zwei Wochen noch nicht voneinander lassen.

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