Samstag, 20. März 2010

Anschlagen und zurück















FOZ DO IGUACU: Mit den ersten Sonnenstrahlen erwachen die Wellensittiche im Käfig vor unserem Balkon und haben sich einiges zu erzählen. Einmal wach, beeilen wir uns beim Frühstück und nehmen anschließend den Linienbus in den Iguacu Nationalpark, der gerade vor der Haustür hält, als wir das Hotel verlassen. Der Eintritt zum Nationalpark beträgt für Touristen von außerhalb der Mercosur-Staaten 37 Reias. Eingeschlossen ist der Transport durch den Park im Bus, denn dieser erstreckt sich über 10 km entlang einer Straße. Wir fahren ein paar Stationen, um von dort auf einem Wanderweg zu den Wasserfällen zu gelangen. Der erste Blick auf die Wasserfälle ist beeindruckend und wir legen einen ersten Zwischenstopp ein. Die allgegenwärtigen und stets neugierigen Nasenbären kümmern sich emsig um die Mülltonnen. Wir laufen den Weg entlang und genießen an jeder Ecke eine völlig neue Perspektive. Langsam setzt Regen ein. Da wir auf Regen nicht eingerichtet waren, kaufen wir an einem Stand einfache Regenjacken mit Druckknöpfen zum Stückpreis von fünf Reias. Die Druckknöpfe sind bald ausgerissen und uns wird klar, dass diese Jacken nicht weit über die Dauer unseres Aufenthaltes im Nationalpark unsere Begleiter sein werden. Bis auf wenige Meter kommen wir an die tosenden Fälle heran, an denen ein Steg entlang führt. Die Gischt mischt sich mit dem immer stärker werdenden Regen und unsere Einwegregenjacken beginnen sich zu rentieren. Im Vergleich mit den Victoriafällen an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe, die ich 2002 besucht hatte, sind die Iguassufälle zwar nicht so gewaltig, weil das Wasser nicht, wie in Afrika, über hundert Meter in die Tiefe stürzt. Aufgrund der vielen kleinen Wasserfälle und Kaskaden bieten sie aber noch reizvollere Ausblicke. Bis auf die Haut durchnässt, verlassen wir auf dem Weg zurück zum Parkeingang den Bus zwei Stationen früher und wollen einen Wanderweg bestreiten. Für diesen Weg müsste man aber extra bezahlen und darf ihn auch nur in geführten Wanderungen begehen. Wir entscheiden uns dagegen und wandern ersatzweise die Straße entlang in der Hoffnung, das eine oder andere Tier zu treffen. Aufgrund des gerade verzogenen Regens sind diese aber nicht sehr aktiv und ohne Erfolg kommen wir am Parkeingang an. Wieder etwas getrocknet machen wir uns im Bus auf den Weg zur „Central“, wo sich alle Buslinien der Stadt treffen, und steigen dort in die grenzüberschreitende Linie nach Ciudad del Este um. Während wir auf den Bus warten, gibt sich nun doch noch ein Tucanpärchen die Ehre. Den Rio Paraná überqueren wir ohne jegliche Kontrolle und erleben in Paraguay eine völlig andere Welt. Das Prinzip der Grenzkontrollen ist undurchsichtig. Während Fußgänger, PKW und Reisebusse kontrolliert werden, können wir im Linienbus unbehelligt die Grenze passieren und bekommen nicht einmal Stempel in unsere Pässe gedrückt. Direkt nach der Grenze wird von Kleidung bis Möbel, von Uhren bis Unterhaltungselektronik alles gehandelt, was man sich nur vorstellen, aber nicht gebrauchen kann. Der Polenmarkt in Swinemünde ist dagegen ein Tante-Emma-Laden. Hinter den unzähligen Buden, in denen Nike-Klamotten, Rolex-Uhren und Waren des täglichen Bedarfs zu Spottpreisen gehandelt werden, befinden sich Shopping Center, unter anderem der kleine Bruder des Berliner Sony Centers. Verwechselung ausgeschlossen. Die Leute schleppen säckeweise Waren davon. Zuweilen sind diese so schwer, dass ihre Besitzer sie nur noch über den Boden schleifen. Wir fragen uns, was in den Säcken wohl drin sein mag, denn wir haben hier nichts gesehen, was annähernd unser Interesse geweckt hätte. Wahrscheinlich wird ein Großteil der Waren in den nächsten Tagen zum Doppelten des Einkaufspreises auf brasilianischen Märkten wieder auftauchen. Unsere einzige Investition tätigen wir in einer Cafeteria mit feinstem Kantinencharme in einem der Shopping Center. Hierfür extra Geld zu wechseln, ist überflüssig, da hier der Rechnungsbetrag gleich in mehreren Währungen zur freien Entscheidung ausgewiesen wird. Auf dem Weg zurück nach Brasilien bildet sich ein langer Stau und wir haben eigentlich schon beschlossen, die Grenze zu Fuß zu überqueren und uns auf brasilianischer Seite einen Bus in Richtung Flughafen zu suchen, doch da kommt Bewegung in den Stau und wir springen auf einen Bus nach „Central“ auf, der kurz darauf zum Stehen kommt. Zwar verläuft die weitere Fahrt bis zur brasilianischen Grenzkontrolle noch zähflüssig, doch auch die Fußgängerschlange ist lang und wir haben wohl die richtige Entscheidung getroffen. Auch die brasilianische Grenzkontrolle hat eher symbolischen Wert. Immerhin betritt eine Zöllnerin den Bus und wirft einen flüchtigen Blick in die größten Säcke und Taschen. Damit sind wir für sie völlig uninteressant. Morgen verlassen wir Brasilien, doch unsere Rucksäcke sind noch gepackt und so nutzen wir die Zeit im Hotel zum Entspannen und einem Abendessen vom Buffet.

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