Sonntag, 21. März 2010

Das Land, das Verrückte macht














SAO PAULO: Brasilien macht uns den Abschied leicht. Nach dem Frühstück checken wir aus und bekommen eine überraschende Rechnung serviert. Zur Erinnerung: Das abendliche Buffet im Restaurant sollte erst 25 Reais kosten, wie uns auf zweimalige Nachfrage bestätigt wurde und dann gratis sein, was uns selbst der Restaurantchef erklärte. Auf der Rechnung waren nun für beide Abende zweimal Buffet für 35 Reais aufgelistet. Etwas unter Zeitdruck und überrumpelt bezahlen wir und ärgern uns später darüber, hier nicht noch eine Diskussion vom Zaun gebrochen zu haben. Im Bus dann die nächsten Brasilianer, die uns das Land in den letzten Stunden noch unsympathisch machen. Man muss dazu sagen, dass Busfahren und Kassieren hier nicht in Personalunion erfolgen, sondern es einen extra Kassierer gibt, der ein paar Meter hinter dem Fahrer mit einer Kasse und einem Drehkreuz sitzt. Zwischen beiden befinden sich jedoch auch einige Sitzplätze. Wir halten es für angemessen, mit unseren großen Rucksäcken dort zu bleiben, um nicht das enge Drehkreuz zu demolieren und um am Flughafen gleich wieder vorn auszusteigen. Unser Ansinnen war dem Kassierer mit Sicherheit erkennbar, aber er wartet bis wir am Flughafen vorfahren. Dann erklärt er uns, wir müssen hinten aussteigen. Auf unseren Protest hin bestätigt auch der Fahrer, dass ein Ausstieg vorn ausgeschlossen sei und lässt vorsorglich die vordere Tür geschlossen, bis wir mit viel Mühe das Drehkreuz passiert haben und der Rückweg abgeschnitten ist. Der Sinn dieser Maßnahme erschließt sich uns nicht. Zwar dient das Drehkreuz auch der Fahrgastzählung und möglicherweise der Abrechnung, aber dann könnte man ja das Drehkreuz einfach noch zweimal drehen ohne uns vorher hinein zu quetschen. Es ist eben Dienst nach Vorschrift und lässt nichts von der buchstäblichen Lockerheit der Brasilianer erkennen, die man ihnen gern nachsagt. Von dieser Engstirnigkeit können ja selbst die Berliner Busfahrer noch einiges lernen. Gemäß unserer Bordkarte fliegen wir von Gate 1 ab. Schade, dass es in Foz do Iguacu nur Gates mit Buchstaben gibt. Naja, der Flughafen ist überschaubar und das Täuschungsmanöver misslingt. Unser Weg führt uns zunächst wieder nach Sao Paulo und wir sind heilfroh, eine separate Bordkarte für unseren Anschlussflug nach Buenos Aires zu erhalten. Damit, so hoffen wir, bleibt uns eine Neuauflage des Chaos von Sao Paulo erspart. Aber auch das Sicherheitspersonal in Sao Paulo tut einiges, um uns den fünfstündigen Aufenthalt spannend zu gestalten. Laut Bordkarte müssen wir zu Gate 6, laut Anzeige zu Gate 4 B. Den Weg zu den Gates 1 bis 13 zu nehmen, erscheint uns logisch. Ein pflichtbewusster Sicherheitsbeamter prüft aufmerksam unsere Bordingpässe und lässt uns passieren. Die Sicherheitsschleuse passiert, sehen wir die Gates 4B und 6, aber eine Glaswand versperrt uns den Weg und ist auch nicht zu umgehen. Das heißt, sie wäre zu umgehen, aber nur über den pflichtbewussten Sicherheitsbeamten, der inzwischen weibliche Verstärkung bekommen hat. Beide erklären uns, dass es nicht gestattet sei, den Bereich wieder zu verlassen. Der Weg zu Gate 4B führe zunächst die Treppe hinab. Dass dort nur die Gepäckbänder sind, steht nach Ansicht der beiden dem nicht im Wege. Nach einigem Hin und Her erklärt er uns, nun zumindest akustisch verständlich, dass wir noch einmal durch den Ankunftsbereich müssten, dann wieder hoch und diesmal aber den Eingang mit der Aufschrift „Gates 2 bis 13“, etwa fünfzig Meter weiter, nehmen müssen. In diesem Falle sind auch die Gates 4B und 6 inbegriffen. Wir tun ihm den Gefallen und so werden aus 50 eben 500 Meter. Alles im Interesse der Sicherheit. Aber wie konnten wir eigentlich mit Bordkarten in den Bereich gelangen, wenn diese gar nicht für einen Flug aus diesem Bereich gelten? Unser Flug startet laut um 20:20 Uhr. Buenos Aires erreichen wir dann gegen Mitternacht. Ohne brasilianisches Geld in der Tasche versuchen wir, uns die Zeit bis dahin zu vertreiben.

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