Donnerstag, 18. März 2010

Ein Tag voller Klischees















RIO DE JANEIRO: Was tut man, wenn man nur einen Tag in Rio hat? Richtig! Man fährt auf den Zuckerhut, geht anschließend an der Copacabana baden, aalt sich ein wenig in der Sonne, schlürft eine Caipirinha und saugt zu Sambaklängen eine Kokosnuss aus, während man den Beach Boys beim Strandkicker zusieht. Nun hatten wir zwar nicht nur einen Tag in Rio, aber heute ist unser letzter, denn morgen früh verlassen wir die Stadt nach sechs Tagen wieder. Also erledigen wir heute all das, was man als ordentlicher Tourist eben so macht. Die Wolken hängen bedrohlich tief an diesem Donnerstagmorgen. Aber es ist trocken und, auch wenn wir den Zuckerhut nicht sehen, nehmen wir den Bus nach Urca, der quasi am Fuße des Morro da Urca hält. Die Tickets für die Seilbahn bis zum Gipfel des Zuckerhutes kosten 44 Reias, also etwa 19 Euro. Wahlweise kann man auch nur für die Hälfte auf den Morro da Urca fahren, aber das wäre ja nicht dasselbe. Sehr schnell sind wir umgeben von Kreuzfahrttouristen, fast ausschließlich Deutsche, die offenbar wirklich nur einen Tag für Rio haben, bevor sie wieder zurück in den Stall müssen. Böse Zungen behaupten ja, auf Kreuzfahrt würde man erst im Herbst des Lebens gehen. Also, zumindest diese Heerscharen untermauern dieses Vorurteil eindrucksvoll. Für viele von ihnen ist es wahrscheinlich die letzte große Reise bzw. die vorletzte, wenn man so will. Sie sind nicht nur alt, sondern vor allem altklug, hektisch und aufgeregt. Wir versuchen, uns im sicheren Abstand zu ihnen zu bewegen, aber sie sind überall und drängen sich uns auch gern auf. Der Blick vom Morro da Urca auf die Stadt ist grandios, wenn auch mitunter etwas vernebelt. Der Blick zum Zuckerhut wird immer wieder versperrt durch Wolken, die den Felsen streicheln. Auf dem Gipfel angekommen, gewähren uns die tiefen Wolken rund um den Corcovado ganz eigene und mystisch anmutende Perspektiven, geben aber auch immer wieder den Blick frei und verziehen sich schließlich ganz. Zurück am Boden und an der Copacabana kehren wir auf einen „Frozen Yoghurt“ ein und packen dann unsere Sachen für einen entspannten Nachmittag am Strand. Wir machen es uns auf unseren Mikrofaserhandtüchern bequem und stürzen uns hin und wieder in die tosenden Wellen. Zwei Gestalten schleichen um die Sonnenschirme und Klappstühle und übermalen eilig die Werbeaufschriften auf diesen. Wohl ein Protest!? Nachdem die Haut immer mehr zu spannen beginnt, gehen wir zu Punkt 3 unseres Tagesplanes über. Um einen Caipi zu trinken entscheiden wir uns für ein etwas gediegeneres Strandcafé, auch wenn er hier zwei Reias teurer ist, als in den Nachbarcafés, die dafür direkt an der stark befahrenen Avenida Atlantico liegen. Mit sechs Reias ist er immer noch fast geschenkt, gerade wenn man dieses Ambiente gratis dazu bekommt. Meine Kokusnuss für drei Reias bestelle ich am Nachbarstand. Und, um den Tag perfekt zu machen, kommt wie auf Kommando eine Sambacombo, die sich ein kleines Trinkgeld verdient. Zurück auf dem Zimmer und frisch geduscht, machen wir uns zunächst ans Resteessen, bevor wir noch einmal auf die Straße gehen und den ersten Abend in Rio ohne Regen genießen. Nach einem Happen zu Essen in der Rua do Bolivar schlendern wir noch einmal über den Kunst- und Souvenirmarkt, wo sich Sandra noch ein Ipanema-Shirt als Andenken an Rio kauft und genießen einen letzten Spaziergang entlang der nachts in Flutlicht getauchten Copacabana.

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