HONOLULU: Ein perfekter Tag. Um 8 Uhr hole ich den Mietwagen, einen Chevy Cobalt, bei Alamo ab. Das Büro ist nur etwa hndert Meter entfernt. So kommt mein internationaler Führerschein auch mal zum Einsatz. Der Alamo-Mann amüsiert sich über das Wort "Führerschein". Wahrscheinlich, weil das Wort "Führer" eines der wenigen deutschen Wörter ist, die er kennt. Sein Versuch, den Mietpreis um zehn Dollar pro Tag anzuheben, scheitert indes an meinem Adlerauge. Ich fahre durch Downtown in Richtung Flughafen und dann weiter auf der Interstate H2 Richtung Norden. Die Straßenverhältnisse sind traumhaft und ich komme schnell voran. Das Tempolimit wird großzügig ausgelegt. Ich versuche, es nicht um mehr als fünf Meilen pro Stunde zu überschreiten und bin damit meistens der Langsamste. Um halb zehn erreiche ich die North Shore bei Haleiwa, ein beschaulicher Ort, bei dem man gute Chancen auf eine Pipeline hat. Diese röhrenförmige Riesenwelle zieht Surfer aus aller Welt an. Auch wenn ich selber nicht surfe, will ich mir das Spektakel nicht entgehen lassen. Der Pazifik ist heute aber sehr ruhig und die Wellen haben Müggelseeniveau. Dann schaue ich mich eben noch ein wenig im Ort um. Im Supermarkt gibt es sogar Wassermelone, die ich in Honolulu vergeblich gesucht habe. Da schlage ich doch gleich mal zu. Erstaunlich finde ich bei den Amis wieder, wie sehr sie auf ihre Kunden eingehen. Allein, dass man sich an mich erinnert, wenn ich einen Supermarkt, keinen Tante-Emma-Laden, eine halbe Stunde später wieder betrete, finde ich schon sehr angenehm. Außer einem Becher gewürfelter Melone kaufe ich mal wieder eine neue Speicherkarte. Ich bin ganz zuversichtlich, dass meine Bilder sicher sind, auch wenn ich sie momentan nicht auf den Monitor eines Computers bekomme. Ich fahre dann die Küstenstraße ostwärts weiter und dann Richtung Süden und halte hier und da an, wenn ich mal wieder einen Traumstrand entdecke. In der Waimea Bay komme ich auf den Klippen ins Straucheln, verletze mich zwar nicht, habe aber fortan nasse Füße. In Ehukai Beach verspreche ich mir die berühmte Pipeline, denn da ist sie sogar auf meiner Karte eingezeichnet, die ich mir gestern extra gekauft habe. Aber auch hier Fehlanzeige, wobei die Wellen hier schon höher und lauter sind und auch ein paar Surfer anlocken. Weiter über Orte wie Kawela und Kahuku geht es nach Laie, wo mich ein christlicher Tempel anlockt, den die alten Griechen nicht schöner und prunkvoller hätten bauen können. Mir reicht aber ein Blick von außen. Das Angebot eine Besichtigung nehme ich nicht wahr. Das ganze kommt mir doch sehr sektenartig vor. Nicht, dass ich noch bekehrt werde. Im Kreisverkehr entdecke ich am Ende einer langen Palmenallee einen weiteren Tempel. Auch diesen möchte ich mir noch aus der Nähe betrachten und stelle dabei fest, dass es sich lediglich um den Hawaii Campus der Brigham Young University handelt. Den nächsten Stopp lege ich in Kaaawa ein. Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Die stadt schreibt sich mit drei a. Zum Mittagessen lasse ich mir einen Burger mit Pazifikblick auf der schattigen Terrasse des Crouching Lion Inn schmecken. Einen längeren Halt lege ich noch im Lanikai Beach Park ein, bevor ich wieder Kurs auf Honolulu nehme, wo ich noch einmal nach Sand Island fahre, ein Naherholungsgebiet für die gestressten Großstädter, von wo aus man einen schönen Rundumblick auf den Hafen und Downtown genießen kann. Im Waikiki Marina erwerbe ich noch für 18 Dollar ein 24-stündiges Nutzungsrecht für einen Stellplatz im angeschlossenen Parkhaus, was für hiesige Verhältnisse ein Schnäppchen ist. Ich schreibe noch meine letzten 13 Karten von Hawaii, denn morgen Abend verlasse ich Oahu wieder in Richtung Westen und schon in einer Woche befinde ich mich auf dem Heimweg, sofern mir kein Vulkan im Wege steht. Ich verabschiede mich von Hawaii im Outdoor-Whirlpool. Bald gesellt sich einer der Aufzugsmonteure zu mir. Er genießt zum Feierabend noch einmal die Annehmlichkeiten seines Arbeitsplatzes. Ich belästige ihn nicht mit den ewig gleichen Fragen nach dem Gesundheitszustand unseres Aufzugs und lasse mir erklären, dass es normal ist, im Mai auf Hawaii keine Pipeline zu finden. Die beste Zeit hierfür sei Januar und Februar. Im Sommer zieht es die Hawaiianer zum Surfen eher nach Indonesien, wo er im vergangenen Jahr für 2000 Dollar ein Grundstück erworben hat.
Montag, 17. Mai 2010
Suche nach der Pipeline
HONOLULU: Ein perfekter Tag. Um 8 Uhr hole ich den Mietwagen, einen Chevy Cobalt, bei Alamo ab. Das Büro ist nur etwa hndert Meter entfernt. So kommt mein internationaler Führerschein auch mal zum Einsatz. Der Alamo-Mann amüsiert sich über das Wort "Führerschein". Wahrscheinlich, weil das Wort "Führer" eines der wenigen deutschen Wörter ist, die er kennt. Sein Versuch, den Mietpreis um zehn Dollar pro Tag anzuheben, scheitert indes an meinem Adlerauge. Ich fahre durch Downtown in Richtung Flughafen und dann weiter auf der Interstate H2 Richtung Norden. Die Straßenverhältnisse sind traumhaft und ich komme schnell voran. Das Tempolimit wird großzügig ausgelegt. Ich versuche, es nicht um mehr als fünf Meilen pro Stunde zu überschreiten und bin damit meistens der Langsamste. Um halb zehn erreiche ich die North Shore bei Haleiwa, ein beschaulicher Ort, bei dem man gute Chancen auf eine Pipeline hat. Diese röhrenförmige Riesenwelle zieht Surfer aus aller Welt an. Auch wenn ich selber nicht surfe, will ich mir das Spektakel nicht entgehen lassen. Der Pazifik ist heute aber sehr ruhig und die Wellen haben Müggelseeniveau. Dann schaue ich mich eben noch ein wenig im Ort um. Im Supermarkt gibt es sogar Wassermelone, die ich in Honolulu vergeblich gesucht habe. Da schlage ich doch gleich mal zu. Erstaunlich finde ich bei den Amis wieder, wie sehr sie auf ihre Kunden eingehen. Allein, dass man sich an mich erinnert, wenn ich einen Supermarkt, keinen Tante-Emma-Laden, eine halbe Stunde später wieder betrete, finde ich schon sehr angenehm. Außer einem Becher gewürfelter Melone kaufe ich mal wieder eine neue Speicherkarte. Ich bin ganz zuversichtlich, dass meine Bilder sicher sind, auch wenn ich sie momentan nicht auf den Monitor eines Computers bekomme. Ich fahre dann die Küstenstraße ostwärts weiter und dann Richtung Süden und halte hier und da an, wenn ich mal wieder einen Traumstrand entdecke. In der Waimea Bay komme ich auf den Klippen ins Straucheln, verletze mich zwar nicht, habe aber fortan nasse Füße. In Ehukai Beach verspreche ich mir die berühmte Pipeline, denn da ist sie sogar auf meiner Karte eingezeichnet, die ich mir gestern extra gekauft habe. Aber auch hier Fehlanzeige, wobei die Wellen hier schon höher und lauter sind und auch ein paar Surfer anlocken. Weiter über Orte wie Kawela und Kahuku geht es nach Laie, wo mich ein christlicher Tempel anlockt, den die alten Griechen nicht schöner und prunkvoller hätten bauen können. Mir reicht aber ein Blick von außen. Das Angebot eine Besichtigung nehme ich nicht wahr. Das ganze kommt mir doch sehr sektenartig vor. Nicht, dass ich noch bekehrt werde. Im Kreisverkehr entdecke ich am Ende einer langen Palmenallee einen weiteren Tempel. Auch diesen möchte ich mir noch aus der Nähe betrachten und stelle dabei fest, dass es sich lediglich um den Hawaii Campus der Brigham Young University handelt. Den nächsten Stopp lege ich in Kaaawa ein. Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Die stadt schreibt sich mit drei a. Zum Mittagessen lasse ich mir einen Burger mit Pazifikblick auf der schattigen Terrasse des Crouching Lion Inn schmecken. Einen längeren Halt lege ich noch im Lanikai Beach Park ein, bevor ich wieder Kurs auf Honolulu nehme, wo ich noch einmal nach Sand Island fahre, ein Naherholungsgebiet für die gestressten Großstädter, von wo aus man einen schönen Rundumblick auf den Hafen und Downtown genießen kann. Im Waikiki Marina erwerbe ich noch für 18 Dollar ein 24-stündiges Nutzungsrecht für einen Stellplatz im angeschlossenen Parkhaus, was für hiesige Verhältnisse ein Schnäppchen ist. Ich schreibe noch meine letzten 13 Karten von Hawaii, denn morgen Abend verlasse ich Oahu wieder in Richtung Westen und schon in einer Woche befinde ich mich auf dem Heimweg, sofern mir kein Vulkan im Wege steht. Ich verabschiede mich von Hawaii im Outdoor-Whirlpool. Bald gesellt sich einer der Aufzugsmonteure zu mir. Er genießt zum Feierabend noch einmal die Annehmlichkeiten seines Arbeitsplatzes. Ich belästige ihn nicht mit den ewig gleichen Fragen nach dem Gesundheitszustand unseres Aufzugs und lasse mir erklären, dass es normal ist, im Mai auf Hawaii keine Pipeline zu finden. Die beste Zeit hierfür sei Januar und Februar. Im Sommer zieht es die Hawaiianer zum Surfen eher nach Indonesien, wo er im vergangenen Jahr für 2000 Dollar ein Grundstück erworben hat.
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