Dienstag, 18. Mai 2010

Es gibt Bier auf Hawaii






HONOLULU: Heute Abend verlasse ich Hawaii. Mein Appartement muss ich bis 12 Uhr geräumt haben, aber so lange brauche ich nicht. Schließlich will mein Cobalt noch ein wenig bewegt werden. Ich fahre zunächst mal ostwärts zum Diamond Head. Der längst erloschene Vulkankrater wurde zu Beginn des letzten Jahrhuderts militärisch ausgebaut, konnte aber Pearl Harbour nicht verhindern und spielte nie eine militärische Rolle. Er ist aber ein beliebtes Ausflugsziel. Der Aufstieg vom Parkplatzlevel auf 61 m über NN zum Gipfel auf 232 Metern fällt mir nach der Kraxelei der letzten Monate ziemlich leicht, zumal der Weg gut ausgebaut ist. Für die meisten Amis scheint er aber doch eine ziemliche Herausforderung zu sein. Sie geraten schnell außer Puste und der Handel mit Gipfelzertifikaten für zwei Dollar floriert. Vom Gipfel hat man einen schönen Blick über Honolulu und die angrenzenden Strände. Auf der anderen Seite blickt man in den erloschenen Vulkankrater, der jedoch so groß ist, dass man ihn kaum als solchen wahrnimmt. Mittags bin ich wieder auf dem Parkplatz am Fuße des Diamond Heads angekommen und fahre durch Honolulu am Flughafen vorbei nach Pearl Harbour. Die Aneinanderreihung von Denkmälern ist gewohnt patriotisch. Die dramatischen Schicksale und die Geschichte, die sich hier abgespielt haben, vermögen sie nur teilweise zu vermitteln. Von hier zum Flughafen ist es nicht weit. Ich bin entsprechend früh dran und erfahre obendrein, dass mein ursprünglicher Northwest-Flug nach der Fusion mit Delta mit einem Abendflug zusammengelegt wurde, der um halb elf Uhr abends startet. Nun ist Delta ja eine der größten Fluggesellschaften der Welt, hebt sich aber auf Inlandsflügen kaum von den Billigfliegern ab. Einchecken am Selbstbedienungsterminal und schon das erste Gepäckstück kostet zwanzig Dollar. Als ich es abgeben will, stellt die Dame vier Kilo zuviel fest und bietet mir an, diese für neunzig Dollar mitzunehmen. Was zuviel ist, ist zuviel. Und zuviel habe ich vor allem Zeit. Also verabschiede ich mich von der Dame und optimiere lieber mein Handgepäck. Dieses wiegt nun 16 Kilo und beinhaltet unter anderem meinen Schlafsack. Aber so ist Delta bereit, mich ohne weitere Kosten mitzunehmen. Bei meinem zwangsläufigen Erkundungsrundgang durch die Traumwelt der Duty Free-Läden und Fast Food Restaurants verabschiedet sich Hawaii versöhnlich von mir und besteht auf dem Vorzeigen meines Altersnachweises, bevor man mir mein Feierabendbier zapft. Es gibt eben nicht für jeden Bier auf Hawaii.

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