KAPSTADT: Nach dem Frühstück geht Sandra ins Internet Café, um ihre Weiterreise zu organisieren und ich mal wieder zu Mr. Pickwick`s. In Bob`s Beer Bar auf der anderen Straßenseite ist die Stimmung wie immer ausgelassen und eine gewichtige dunkelhäutige Dame übertönt mit ihrem lieblichen Gesang den Straßenlärm. Nachdem Sandra alles erledigt hat, sammelt sie mich ein und wir gehen zum Bahnhof an der Adderley Street. Mit der Metrorail, die vor allem die Innenstadt mit den umliegenden Townships verbindet und fast ausschließlich von Schwarzen genutzt wird, wollen wir eine Station bis Woodstock fahren. Das ist ein Stadtteil, der angeblich viele Parallelen mit seinem amerikanischen Namensvetter aufweist. Wir wollten schon einmal vor zwei Tagen abends dorthin fahren, aber die Empfangsdame in unserem Hotel hat uns aus Sicherheitsgründen dringend davon abgeraten, nach Einbruch der Dunkelheit nach Woodstock zu fahren, was wir dann auch lieber sein lassen hatten. Die zahnlose Dame am Infoschalter gibt uns die nötigen Fahrplaninformationen und bestätigt, dass es keine Fahrscheinautomaten gibt und wir uns wegen unserer Tickets in die Warteschlange einreihen müssen. Gut, die Bahn in acht Minuten schaffen wir dann wohl nicht. Wir spekulieren auf die nächste, die in 40 Minuten abfährt. Der Bahnhof verfügt über 14 Ticketschalter. Von diesen sind zwei besetzt, von diesen einer geöffnet. Weiter vorn in der Schlange entdecken wir sogar noch zwei weitere Weiße, scheinbar auch Touristen. Da wir nur eine Station fahren müssen, begnügen wir uns mit Tickets in der dritten Klasse für jeweils fünf Rand. Neben diversen Infobroschüren und Gratiszeitungen liegen am Infoschalter auch Kondome aus. Das Thema AIDS wird offenbar angegangen in Afrika. Wir schreiten die Bahn ab und vermuten bei einem Wagen schon, dass dies die dritte Klasse sein müsse, stellen dann aber fest, dass es die erste Klasse ist. Wagen der zweiten Klasse können wir nicht ausmachen, aber die dritte ist dann doch nicht so schlimm wie befürchtet. Die Gegend um den Bahnhof Woodstock bestätigt, dass dies nachts kein sicheres Pflaster sein dürfte und so ganz erschließt sich uns der Reiz des Viertels zunächst nicht. In einem Lebensmittelgeschäft entdecke ich „Stoney Ginger Beer“, dass äußerlich gravierende Ähnlichkeit mit „Stoney Tangawizi“ aufweist. Das ist eine Limonade mit Ingwergeschmack, die ich vor fünf Jahren in Tansania kennengelernt habe und die süchtig macht. Natürlich muss ich eine Flasche und eine Dose davon mitnehmen, um sie einem Geschmackstest zu unterziehen. Und was soll ich sagen? Es ist kein Bier, es ist original Stoney Tangawizi, nur unter falschem Namen. Matthias und Yvonne, Ihr versteht meine Freude, oder!? Das Ziel unserer Wanderung ist die Old Biscuit Mill, wo an den Wochenenden einer der größten und schönsten Märkte der Stadt seine Pforten öffnet. Hier gibt es nicht, wie der Name vermuten lassen könnte, harte Kekse, sondern eine bunte Mischung aus Second-Hand-Waren, Möbeln, Kleidung, Büchern, einfach alles. Der Neighbor Goods Market ist die Schlemmermeile und verführt uns zu einigen kleinen Sünden. Wir halten uns eine Weile hier auf, genießen das bunte, turbulente Treiben und kommen mit Einheimischen ins Gespräch. Im Umfeld des Bierstandes wird allerdings überwiegend Deutsch gesprochen. Anschließend schlendern wir noch ein wenig durch die Straßen von Woodstock und halten an der Victoria Road nach einem Taxi Ausschau. Wir entscheiden uns dann doch für einen Minibus, der halbwegs in unsere Richtung fährt. Man bietet uns zwei Plätze erster Klasse an. Die gibt es natürlich eigentlich nicht. Der mitfahrende Kassierer nennt so nur die beiden Plätze neben dem Fahrer in der ersten Reihe. Die Fahrt kostet ebenfalls fünf Rand und führt uns zurück zum Bahnhof an der Adderley Street. Es ist ein wahrer Partybus mit lauter Musik und dumpfen Bässen. Zu Fuß gehen wir dann noch nach Bo-Kaap, einem Viertel ganz in der Nähe unseres Hotels, dass vor allem für seine bunten Häuser bekannt ist. Kurz die Beine im Hotel ausgeruht und wieder ab auf die Piste. Wir fahren wieder mit dem Minibus, diesmal in der letzten Reihe, dafür für sechs Rand, nach Camps Bay, einem Vorort Kapstadts, der als Surferparadies bekannt ist. Auch an diesem Bus ist das wertvollste die Soundanlage. Wir kehren auf ein paar Biere und etwas Fingerfood ins Café Caprice ein, halb Restaurant, halb Club. Die anderen Gäste scheinen schon früher angefangen zu haben und haben einen weitaus höheren Alkoholpegel, als wir ihn uns heute noch zutrauen würden. Zurück nehmen wir dann doch ein Taxi für 100 Rand.
Samstag, 17. April 2010
STONEY Ginger Beer
KAPSTADT: Nach dem Frühstück geht Sandra ins Internet Café, um ihre Weiterreise zu organisieren und ich mal wieder zu Mr. Pickwick`s. In Bob`s Beer Bar auf der anderen Straßenseite ist die Stimmung wie immer ausgelassen und eine gewichtige dunkelhäutige Dame übertönt mit ihrem lieblichen Gesang den Straßenlärm. Nachdem Sandra alles erledigt hat, sammelt sie mich ein und wir gehen zum Bahnhof an der Adderley Street. Mit der Metrorail, die vor allem die Innenstadt mit den umliegenden Townships verbindet und fast ausschließlich von Schwarzen genutzt wird, wollen wir eine Station bis Woodstock fahren. Das ist ein Stadtteil, der angeblich viele Parallelen mit seinem amerikanischen Namensvetter aufweist. Wir wollten schon einmal vor zwei Tagen abends dorthin fahren, aber die Empfangsdame in unserem Hotel hat uns aus Sicherheitsgründen dringend davon abgeraten, nach Einbruch der Dunkelheit nach Woodstock zu fahren, was wir dann auch lieber sein lassen hatten. Die zahnlose Dame am Infoschalter gibt uns die nötigen Fahrplaninformationen und bestätigt, dass es keine Fahrscheinautomaten gibt und wir uns wegen unserer Tickets in die Warteschlange einreihen müssen. Gut, die Bahn in acht Minuten schaffen wir dann wohl nicht. Wir spekulieren auf die nächste, die in 40 Minuten abfährt. Der Bahnhof verfügt über 14 Ticketschalter. Von diesen sind zwei besetzt, von diesen einer geöffnet. Weiter vorn in der Schlange entdecken wir sogar noch zwei weitere Weiße, scheinbar auch Touristen. Da wir nur eine Station fahren müssen, begnügen wir uns mit Tickets in der dritten Klasse für jeweils fünf Rand. Neben diversen Infobroschüren und Gratiszeitungen liegen am Infoschalter auch Kondome aus. Das Thema AIDS wird offenbar angegangen in Afrika. Wir schreiten die Bahn ab und vermuten bei einem Wagen schon, dass dies die dritte Klasse sein müsse, stellen dann aber fest, dass es die erste Klasse ist. Wagen der zweiten Klasse können wir nicht ausmachen, aber die dritte ist dann doch nicht so schlimm wie befürchtet. Die Gegend um den Bahnhof Woodstock bestätigt, dass dies nachts kein sicheres Pflaster sein dürfte und so ganz erschließt sich uns der Reiz des Viertels zunächst nicht. In einem Lebensmittelgeschäft entdecke ich „Stoney Ginger Beer“, dass äußerlich gravierende Ähnlichkeit mit „Stoney Tangawizi“ aufweist. Das ist eine Limonade mit Ingwergeschmack, die ich vor fünf Jahren in Tansania kennengelernt habe und die süchtig macht. Natürlich muss ich eine Flasche und eine Dose davon mitnehmen, um sie einem Geschmackstest zu unterziehen. Und was soll ich sagen? Es ist kein Bier, es ist original Stoney Tangawizi, nur unter falschem Namen. Matthias und Yvonne, Ihr versteht meine Freude, oder!? Das Ziel unserer Wanderung ist die Old Biscuit Mill, wo an den Wochenenden einer der größten und schönsten Märkte der Stadt seine Pforten öffnet. Hier gibt es nicht, wie der Name vermuten lassen könnte, harte Kekse, sondern eine bunte Mischung aus Second-Hand-Waren, Möbeln, Kleidung, Büchern, einfach alles. Der Neighbor Goods Market ist die Schlemmermeile und verführt uns zu einigen kleinen Sünden. Wir halten uns eine Weile hier auf, genießen das bunte, turbulente Treiben und kommen mit Einheimischen ins Gespräch. Im Umfeld des Bierstandes wird allerdings überwiegend Deutsch gesprochen. Anschließend schlendern wir noch ein wenig durch die Straßen von Woodstock und halten an der Victoria Road nach einem Taxi Ausschau. Wir entscheiden uns dann doch für einen Minibus, der halbwegs in unsere Richtung fährt. Man bietet uns zwei Plätze erster Klasse an. Die gibt es natürlich eigentlich nicht. Der mitfahrende Kassierer nennt so nur die beiden Plätze neben dem Fahrer in der ersten Reihe. Die Fahrt kostet ebenfalls fünf Rand und führt uns zurück zum Bahnhof an der Adderley Street. Es ist ein wahrer Partybus mit lauter Musik und dumpfen Bässen. Zu Fuß gehen wir dann noch nach Bo-Kaap, einem Viertel ganz in der Nähe unseres Hotels, dass vor allem für seine bunten Häuser bekannt ist. Kurz die Beine im Hotel ausgeruht und wieder ab auf die Piste. Wir fahren wieder mit dem Minibus, diesmal in der letzten Reihe, dafür für sechs Rand, nach Camps Bay, einem Vorort Kapstadts, der als Surferparadies bekannt ist. Auch an diesem Bus ist das wertvollste die Soundanlage. Wir kehren auf ein paar Biere und etwas Fingerfood ins Café Caprice ein, halb Restaurant, halb Club. Die anderen Gäste scheinen schon früher angefangen zu haben und haben einen weitaus höheren Alkoholpegel, als wir ihn uns heute noch zutrauen würden. Zurück nehmen wir dann doch ein Taxi für 100 Rand.
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LECKER!! FREU MICH SCHON AUF JULI UND STONEY!
AntwortenLöschenUnd wie gross MEINE Freude erst wäre, könnte ich's auch mal probieren... ;) Viele Grüsse, Yvonne
AntwortenLöschenWOODSTOCK - auf "gut deutsch" Wittstock (Brandenburg) ;o)
AntwortenLöschenNa dann auf diese Weise viele Grüße dem "Asset-auf-Achse" aus der schönsten Stadt im Norden Hamburg... :)
Mandy