Freitag, 16. April 2010

Der große Weiße






KAPSTADT: Ich bin heute um Haaresbreite einer Adoption entgangen. Eine liebenswerte Dame aus Paris, die mit ihrem Sohn Cyriel unterwegs ist, hat mich sehr ins Herz geschlossen. Zum einen, weil ich aus ihrer Zweitlieblingsstadt komme. Auf Paris darf sie wohl nichts kommen lassen. Zum anderen zeigt sie sich sehr enttäuscht darüber, dass sie erfahren musste, dass das Kap der guten Hoffnung nicht der südlichste Punkt Afrikas ist. Da will sie unbedingt mal gestanden haben und fragt mich, ob ich schon einmal etwas von Ushuaia gehört habe. Es ist ihr großer Traum, einmal dort gewesen zu sein. Als ich ihr berichte, dass ich vor einer Woche noch dort war, kriegt sie sich kaum noch ein. Sie sollte eigentlich längst in Paris zurück sein, doch die Air France-Maschine war überbucht und da sie ein vergünstigtes Ticket über einen ihrer anderen Söhne, seines Zeichens Pilot bei Air France, bekommen hat, mussten sie und ein anderer Sohn ihren Aufenthalt in Südafrika unfreiwillig verlängern. Wie gemein! Sie gehört zur Reisegruppe von Wiehann Myburgh, der mich vom Frühstückstisch zu einer Tagestour abholt, während sich Sandra auf einen Shoppingtag freut. Der schneidezahnlose Barkeeper gluckst immer noch, als ich zum Frühstück komme: „Short lady is not here, hihi.“ Nach der Einsammeltour durch Kapstadt sind wir mit Wiehann zu sechst und fahren etwa zweieinhalb Stunden in südöstliche Richtung nach Hermanus. Dort wird der Bus allerdings voll. Wir sind nun 23 Leute, überwiegend Engländer, und fahren weiter nach Gansbaai. Dort warten zwei weitere Begleiter und nachdem wir mit mehreren Unterschriften sämtlichen Schadensersatzforderungen gegen „White Shark Ecoventures“ abgeschworen haben, machen wir uns an Bord der „Megalodon II“ auf die Suche nach dem weißen Hai. Uns wurde noch empfohlen, Tabletten gegen Seekrankheit zu nehmen, doch als ganzer Kerl will ich von derartigem Schnickschnack nichts wissen, was auch die Fische noch zu spüren bekommen sollten. Wir gehen vor Anker und legen einen Thunfischkopf als Köder aus. Und während uns Wiehann noch das Schiff erklärt, findet sich der erste weiße Hai neben unserem Boot ein. Dass es ein weißer Hai ist, ist leicht zu erraten, da es hier nur diese gibt. Wir pellen uns in Neoprenanzüge und steigen in Fünfergruppen in einen Käfig, der steuerbord angebracht ist. Backbord ist den seekranken Fahrgästen vorbehalten. Aber zunächst entscheide ich mich für steuerbord und meine Unterwasserkamera besteht ihre erste Bewährungsprobe. Der Wellengang ist heftig und ich begebe mich nach backbord, wo ich mit meinem Mageninhalt die Haie anlocke. Ich befinde mich hier in guter Gesellschaft und nach und nach ist diese Seite begehrter, als die, wo sich ein Hai nach dem anderen einfindet. Insgesamt sehen wir fünf Haie zwischen 2,50 und 3 Metern Länge und treten zufrieden den Heimweg an. Sandra ist etwas angesäuert, da Sebastian, mit dem sie ab Sonntag die Reise fortsetzen wollte, wegen der Aschewolke nicht in Deutschland abheben kann. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber Fakt ist, dass wir ab Montag, wie von Anfang an geplant, getrennt weiterreisen werden. Dann heißt es für mich auch, vorerst Abschied von Kapstadt zu nehmen. Ich gehe mal wieder ins „Mr. Pickwick`s“, wo mich mein Stammkellner schon freudig erwartet. Dass ich immer wieder hierher gehe liegt vor allem daran, dass ich hier für 100 Rand, also zehn Euro, ein W-LAN-Guthaben erworben habe, das wohl noch für fünf Jahre reichen dürfte. Zufällig treffe ich auch wieder die Dame aus Paris. Ihrem Sohn geht es immer noch ziemlich dreckig und sie vertreibt sich den Abend in der Stadt.

1 Kommentar:

  1. Keine Angst Ihr zwei, die Haie wollen nur spielen......

    Ich freue mich riesig für euch. Das ist ein Abenteuer. Viel Spass noch weiterhin.

    Beste Grüße

    René (Wetzel)

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