Mittwoch, 31. März 2010

two-thirty















EL CALAFATE: Nach langer Zeit hatten wir mal wieder Rührei zum Frühstück. Üblich ist in ganz Südamerika sonst nur Toast und Erdbeermarmelade, manchmal auch Dulce de Leche, eine Nussnugatcreme. Um halb neun holt und Mariano ab und hat neben seinen Eltern auch Cecilia an Bord, eine Führerin des Los Glaciares Nationalparks. Ihr Aufgabe besteht hauptsächlich darin, uns gefühlte 22 mal zu sagen, dass wir uns nach der Besichtigung des Perito Moreno Gletschers um 14:30 Uhr wieder am Bus treffen. Sie beginnt schon, uns mit der ständigen Wiederholung "two-thirty" zu nerven und auch Chad kann sich nicht verkneifen, uns zum Spaß zuzuflüstern „What time?“ Cecilia lernt seit einem Jahr Deutsch, aber viel ist noch nicht hängen geblieben. Am Gletscher gibt es die Möglichkeit, ihn mit dem Boot von der Seeseite aus zu betrachten. Wir entscheiden uns aber dagegen, da wir dieses Vergnügen ja schon am Viedma Gletscher hatten. Die meisten nehmen die Möglichkeit aber wahr. Im Bus bleiben nur Jenny, Chad und wir beide zurück, um direkt zu den Balkonen gegenüber dem Gletscher zu fahren. Die stets klamme, wie mitteilungsbedürftige, Jenny erläutert mal wieder ungefragt ihre, natürlich rein non-monetären, Motive, warum sie sich gegen die Bootsfahrt entschieden hat und berichtet von früheren Gletscherfahrten. Natürlich versucht jeder, dem Gespräch auszuweichen. Und was tut man da als erwachsener Mensch? Man stellt sich schlafend. Die Einsicht kommt mir leider zu spät und während sich Chad hinter meiner Rückenlehne verkriecht und Sandra aus dem Fenster starrt, ist es meine unangenehme Aufgabe, auf Jenny einzugehen. Ich höre Chad noch murmeln, dass er schon seine Entscheidung überdenkt und entwaffne Jenny, indem ich sie darauf hinweise, dass wir eine solche Bootsfahrt am Vortag unternommen haben, was ihr wohl irgendwie entgangen sein muss. Bei den Balkonen angekommen geht die Flucht vor Jenny weiter. Sie führt uns drei andere direkt auf die Toiletten. Während Chad anschließend die Treppen hinauf rennt, um sie abzuschütteln, suchen wir uns eine dunkle Ecke in der Caféteria. Wir leisten uns einen Kaffee und Sandra begeht den Fauxpas, am Tisch ihren Rucksack zu öffnen. Sofort eilt eine aufmerksame Angestellte herbei, um uns mit ernster Mine einen Zettel unter die Nase zu halten, auf dem in allen Sprachen der Welt ein Verbot zum Verzehr mitgebrachter Lebensmittel steht. Wir fragen sie zwar mehrfach, worauf sie sich bezieht und ob sie irgendwo auf unserem Tisch Lebensmittel erkennen kann, doch sie ist sich sicher, hier gerade ein schweres Vergehen vereitelt zu haben. Die Wanderwege und Balkone gegenüber dem Gletscher sind gut ausgebaut und werden derzeit noch erweitert. Der Perito Moreno ist nicht der größte Gletscher, aber sehr aktiv. Er bewegt sich täglich um zwei Meter nach vorn. Im Unterschied zu den meisten anderen Gletschern wird er aber nicht kleiner, sondern bleibt in seiner Größe konstant. Das macht ihn so außergewöhnlich und berühmt. Immer wieder krachen Eisbrocken in Wasser. Bei jedem Knacken zücken wir die Kamera. An einer Stelle haben wir einen sehr guten Blick, sind aber kurz davor, weiterzulaufen, da rutscht ein riesiges Stück Eis unter lautem Getöse ins Wasser und wir erwischen dieses Schauspiel perfekt. Unsere Freunde erblassen schon ein wenig vor Neid, als wir ihnen die Bilder zeigen, die ihnen auf dem Boot entgangen sind. Da wir die Uhrzeit 14:30 Uhr dank Cecilia wohl nie vergessen könnten, finden wir uns pünktlich wieder am Bus zusammen und treten die Fahrt zurück nach El Calafate an. Nachmittags schlendern wir noch ein wenig durch die Stadt, genießen ein Eis in der Sonne und erledigen ein paar Einkäufe. Der ganze Kontinent leidet scheinbar unter Wechselgeldmangel. Selbst im Supermarkt kann man mir keine 1,50 Pesos rausgeben und rundet großzügig auf 2 Pesos auf. Man sieht das mit dem Rechnungsbetrag in Südamerika generell nicht so eng. Ein paar Cent aufzurunden, meistens zu Ungunsten des Kunden, ist hier üblich. Abends zeigt uns Cem ein Restaurant, in dem man nach seiner Aussage gut Fleisch essen kann. Es war zugegeben sehr viel, aber die Qualität hat darunter sehr gelitten. Zur Verdauung treten wir mehrheitlich den Rückweg zu Fuß an. Vor dem Hotel treiben sich wieder zwei Pferde rum, die aber von zwei Hunden vertrieben werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen