EL CHALTÉN: Nicht überraschend, aber ungern, verlassen wir Buenos Aires vorerst vom Flughafen „Jorge Newberry“. Unser Ziel heißt Patagonien. Der Check-In verläuft schnell und gut organisiert. Um die 15 kg Freigepäck nicht zu knacken, habe ich eine kleine Tasche mit den Dingen, für die ich in Patagonien keine Verwendung finden werde, im Hotel zurück gelassen, in das wir hoffentlich in zwei Wochen zurückkehren werden. Meine Badehose zum Beispiel, denn in den Süden zu reisen, heißt hier paradoxerweise nicht, ins Warme. Mir gelingt eine Punktlandung auf 15 kg, doch auch Chad bleibt trotz seiner 23 kg unbehelligt. Die Schlange an der Sicherheitsschleuse ist endlos, doch wir entdecken zum Glück eine kürzere Schlange, die sich hinter der langen versteckt hat und erreichen unser Gate ohne in Hektik verfallen zu müssen. Die Maschine der Austral, einer Tochterairline von Aerolineas Argentinas, steht auf eine Außenposition. Zusammen mit Heather Mills aus Boston warten wir auf den zweiten Bus, während der Rest unserer Gruppe vorfährt. Nach fünf Minuten Warten erzählt der Busfahrer etwas auf Spanisch, von dem wir nichts verstehen. Es scheint aber irgendwie unseren Flug zu betreffen, denn die Busfahrgemeinschaft setzt sich in Bewegung zurück ins Terminal. Etwas später kommen auch die anderen zurück, die unser Flugzeug auch noch nicht von innen gesehen haben, dafür aber eine Runde über den Flughafen gedreht haben. Wir erfahren, dass an der Maschine noch ein Reifen gewechselt werden muss und wir von dreißig Minuten Verspätung ausgehen sollten. Nach unseren bisherigen Erfahrungen auf dieser Reise ist das kaum erwähnenswert, zumal es tatsächlich bei dieser Verspätung bleibt. Kerry Crompton aus Irland bietet mir freundlicherweise den Platz neben Sandra an, den ich dankend annehme, bleibt mir doch somit der Platz neben Jennifer Pappa aus New Jersey erspart. Sie ist schon etwas reifer und sehr anstrengend. Egal, was jemand erzählt, sie weiß es zu überbieten. Und sie scheint zu dieser Reise verurteilt worden zu sein, denn die Nörgeleien über alles, was nicht wie zu Hause läuft und über die bevorstehenden körperlichen Strapazen nehmen kein Ende. Wir nennen sie schon liebevoll „Jenny“, auch wenn ihr der Name gar nicht steht. Stattdessen sitzt nun neben mir die eher introvertierte Kristina Ahlgren, eine Lehrerin aus Schweden. Neben den bereits genannten gehören zu unserer Gruppe noch Chadi Akouri aus Sydney, neben mir der einzige Mann, Shirley Lin, Kalifornierin malaysischer Abstammung, und Fiona Beggs aus Schottland. Wir fliegen zunächst 3:40 Stunden nach Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt. Dort werden der Großteil der Passagiere und die Crew ausgetauscht und die Reise geht weiter nach El Calafate. Dort nimmt uns unser GAP-Tour-Guide Cem in Empfang. Im Kleinbus sind wir noch einmal circa drei Stunden unterwegs. Unser Busfahrer Mariano reist heute in Begleitung seiner Eltern, die die Fahrt und unsere Bekanntschaft auch sichtlich genießen. Das macht ihn irgendwie liebenswürdig. Bei einem Zwischenstopp in einem Restaurant Leona am Lago Viedma erfahren wir, wie man sich die Zeit vertreibt, wenn man hier draußen im nirgends auf Kundschaft wartet. An der Decke hängt eine Strippe mit einem Ring und an der Wand befindet sich ein Haken. Aufgabe ist es nun, den Ring so schwingen zu lassen, dass er auf dem Haken landet. Hier draußen greift man eben nach jedem Strohhalm, der nach Entertainment aussieht. Wir erreichen gegen 19 Uhr El Chaltén, wo wir für zwei Nächte bleiben werden. Der Ort kommt in Sandras Reiseführer zu Recht nicht besonders gut weg. Die Stadt ist ausschließlich für Touristen errichtet worden, hat kein richtiges Zentrum, sondern fast nur Hotels und Restaurants. Wir beziehen unser Zimmer in der Hosteria Fitzroy Inn, nicht nobel, aber sauber und ansprechend, und verabreden uns für 20 Uhr zum Abendessen. Bevor wir gehen, fallen wir noch über den Supermarkt her. Bei uns würde man das zwar nicht gleich „Supermarkt“ nennen, aber wir finden, was wir brauchen: Wasser, Obst, Kekse und etwas Käse. Wir staunen schon etwas über das Angebot, während Jenny nur darüber staunt, dass der Laden schon um 21 Uhr schließt. Beim Abendessen lauschen wir ihren philosophischen Ansätzen über die Weltwirtschaftskrise und bemühen uns, nie den Mund leer zu haben und eventuell antworten zu müssen. Ich entscheide mich für einen Topf Lokro, das als argentinische Spezialität angepriesen wird. Es ist eine Art patagonisches Resteessen, ein deftiger Eintopf mit allem, was so übrig war. Sehr lecker und sättigend. Bei Sandra gibt es einen großen Salat und eine Empanada, eine gefüllte Teigtasche.
Sonntag, 28. März 2010
Ab in den Süden
EL CHALTÉN: Nicht überraschend, aber ungern, verlassen wir Buenos Aires vorerst vom Flughafen „Jorge Newberry“. Unser Ziel heißt Patagonien. Der Check-In verläuft schnell und gut organisiert. Um die 15 kg Freigepäck nicht zu knacken, habe ich eine kleine Tasche mit den Dingen, für die ich in Patagonien keine Verwendung finden werde, im Hotel zurück gelassen, in das wir hoffentlich in zwei Wochen zurückkehren werden. Meine Badehose zum Beispiel, denn in den Süden zu reisen, heißt hier paradoxerweise nicht, ins Warme. Mir gelingt eine Punktlandung auf 15 kg, doch auch Chad bleibt trotz seiner 23 kg unbehelligt. Die Schlange an der Sicherheitsschleuse ist endlos, doch wir entdecken zum Glück eine kürzere Schlange, die sich hinter der langen versteckt hat und erreichen unser Gate ohne in Hektik verfallen zu müssen. Die Maschine der Austral, einer Tochterairline von Aerolineas Argentinas, steht auf eine Außenposition. Zusammen mit Heather Mills aus Boston warten wir auf den zweiten Bus, während der Rest unserer Gruppe vorfährt. Nach fünf Minuten Warten erzählt der Busfahrer etwas auf Spanisch, von dem wir nichts verstehen. Es scheint aber irgendwie unseren Flug zu betreffen, denn die Busfahrgemeinschaft setzt sich in Bewegung zurück ins Terminal. Etwas später kommen auch die anderen zurück, die unser Flugzeug auch noch nicht von innen gesehen haben, dafür aber eine Runde über den Flughafen gedreht haben. Wir erfahren, dass an der Maschine noch ein Reifen gewechselt werden muss und wir von dreißig Minuten Verspätung ausgehen sollten. Nach unseren bisherigen Erfahrungen auf dieser Reise ist das kaum erwähnenswert, zumal es tatsächlich bei dieser Verspätung bleibt. Kerry Crompton aus Irland bietet mir freundlicherweise den Platz neben Sandra an, den ich dankend annehme, bleibt mir doch somit der Platz neben Jennifer Pappa aus New Jersey erspart. Sie ist schon etwas reifer und sehr anstrengend. Egal, was jemand erzählt, sie weiß es zu überbieten. Und sie scheint zu dieser Reise verurteilt worden zu sein, denn die Nörgeleien über alles, was nicht wie zu Hause läuft und über die bevorstehenden körperlichen Strapazen nehmen kein Ende. Wir nennen sie schon liebevoll „Jenny“, auch wenn ihr der Name gar nicht steht. Stattdessen sitzt nun neben mir die eher introvertierte Kristina Ahlgren, eine Lehrerin aus Schweden. Neben den bereits genannten gehören zu unserer Gruppe noch Chadi Akouri aus Sydney, neben mir der einzige Mann, Shirley Lin, Kalifornierin malaysischer Abstammung, und Fiona Beggs aus Schottland. Wir fliegen zunächst 3:40 Stunden nach Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt. Dort werden der Großteil der Passagiere und die Crew ausgetauscht und die Reise geht weiter nach El Calafate. Dort nimmt uns unser GAP-Tour-Guide Cem in Empfang. Im Kleinbus sind wir noch einmal circa drei Stunden unterwegs. Unser Busfahrer Mariano reist heute in Begleitung seiner Eltern, die die Fahrt und unsere Bekanntschaft auch sichtlich genießen. Das macht ihn irgendwie liebenswürdig. Bei einem Zwischenstopp in einem Restaurant Leona am Lago Viedma erfahren wir, wie man sich die Zeit vertreibt, wenn man hier draußen im nirgends auf Kundschaft wartet. An der Decke hängt eine Strippe mit einem Ring und an der Wand befindet sich ein Haken. Aufgabe ist es nun, den Ring so schwingen zu lassen, dass er auf dem Haken landet. Hier draußen greift man eben nach jedem Strohhalm, der nach Entertainment aussieht. Wir erreichen gegen 19 Uhr El Chaltén, wo wir für zwei Nächte bleiben werden. Der Ort kommt in Sandras Reiseführer zu Recht nicht besonders gut weg. Die Stadt ist ausschließlich für Touristen errichtet worden, hat kein richtiges Zentrum, sondern fast nur Hotels und Restaurants. Wir beziehen unser Zimmer in der Hosteria Fitzroy Inn, nicht nobel, aber sauber und ansprechend, und verabreden uns für 20 Uhr zum Abendessen. Bevor wir gehen, fallen wir noch über den Supermarkt her. Bei uns würde man das zwar nicht gleich „Supermarkt“ nennen, aber wir finden, was wir brauchen: Wasser, Obst, Kekse und etwas Käse. Wir staunen schon etwas über das Angebot, während Jenny nur darüber staunt, dass der Laden schon um 21 Uhr schließt. Beim Abendessen lauschen wir ihren philosophischen Ansätzen über die Weltwirtschaftskrise und bemühen uns, nie den Mund leer zu haben und eventuell antworten zu müssen. Ich entscheide mich für einen Topf Lokro, das als argentinische Spezialität angepriesen wird. Es ist eine Art patagonisches Resteessen, ein deftiger Eintopf mit allem, was so übrig war. Sehr lecker und sättigend. Bei Sandra gibt es einen großen Salat und eine Empanada, eine gefüllte Teigtasche.
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