BUENOS AIRES: Unser Abflug von Sao Paulo letzte Nacht hat sich um über anderthalb Stunden verzögert. Nachdem bereits die Gates 4B und 6 im Gespräch waren, entdecke ich während eines meiner zeitvertreibenden Streifzüge durch die Duty Free-Traumwelten, dass wir nunmehr von Gate 11 abfliegen sollen. Besondere Spannung erhält dieser Umstand dadurch, dass zur gleichen Zeit am gleichen Gate auch der Iberia-Flug nach Madrid aufgerufen ist. Und, als wäre das noch nicht genug, steht auch noch eine halbe Stunde nach unserer Boardingzeit die EL AL-Maschine nach Tel Aviv an der Brücke und bewegt sich nicht vom Fleck. Dabei haben die Rabbis ihre Gebete gen Rollfeld längst beendet und im Flieger Platz genommen. Am Gate 11 bilden sich nun zwei parallele Schlangen für Madrid und Buenos Aires. Das Schlangestehen ist in ganz Südamerika sehr beliebt. Auch an Bushaltestellen legen die Fahrgäste eine Wartedisziplin an den Tag, die das sonstige Chaos nicht vermuten lassen würde. Aber zurück zu unserem Flug. Allmählich merkt auch das Servicepersonal von Sao Paolo, dass alles zum Einstieg bereit ist, abgesehen von den passenden Maschinen. Also verlegt man das Boarding nach Madrid kurzerhand nach Gate 9, was die verantwortlichen aber lange Zeit nicht preisgeben. Unser Flugzeug wird ans Gate gezogen, sobald die dort stehende Maschine auf den Weg nach Tel Aviv gebracht wurde. Jetzt mag der Leser denken, es gäbe in Sao Paulo nur diese zwei Gates, aber weit gefehlt. Es sind auch andere frei, aber wahrscheinlich verhindert ein jahrhundertealter Aberglaube einen erneuten Gatewechsel. Nachdem wir dann doch ins Flugzeug gelassen wurden und ein Stündchen gewartet haben, berichtet uns der Kapitän, dass sich aufgrund der Verspätung die Flugroute geändert hat und er noch auf den neuen Flugplan warten muss. Sicher unser Fehler. Er ist sehr mitteilungsbedürftig und jede zweite Mitteilung übersetzt er sogar in gebrochenes Englisch. Gerade erzählt er noch, dass es vermutlich fünfzig Minuten dauern würde, da stockt seine Stimme, denn er erhält in diesem Augenblick den allseits ersehnten Flugplan und die Maschine wird eilig startklar gemacht. Wir erreichen Buenos Aires gegen ein Uhr nachts. Die Einwanderungsformalitäten gehen zügig und problemlos voran. Wir entscheiden uns für ein offizielles Taxi, auch wenn die inoffizielle Konkurrenz sichtlich groß ist. Die Fahrt ins Stadtzentrum kostet 118 Pesos, etwa 25 Euro, und führt uns etwa eine halbe Stunde durch anfangs dichten Nebel. Die Stadt ist um diese Zeit mit 16 Grad angenehm temperiert und wir erreichen das Milhouse Hostel in der Hipolito Yrigoyen gegen 2 Uhr. Im Erdgeschoss ist die allabendliche Backpacker-Party in vollem Gange. Mit einem hellblauen Papierarmband werden wir inventarisiert und beziehen unser Zimmer „Sandro“ in der dritten Etage über die Treppen, da mit dem Aufzug gerade Biernachschub aus dem Keller gehoben wird. Leider verfügt unser Zimmer nur über ein Bett, was definitiv zu klein ist, um sich nachts aus dem Weg zu gehen. Ein Wechsel zu dieser Stunde ist leider nicht mehr möglich und so richten wir uns notdürftig ein. Ich schlafe erstaunlich gut, obwohl die Wände dünn und die Mitbewohner rücksichtslos sind. Sandras Schlaf war nicht so fest und Ihre Laune am Morgen entsprechend. Wir geben dem Hostel noch eine Chance, aber Gedanken an einen vorzeitigen Umzug machen sich schon breit. Wir erörtern noch einmal das Bettenproblem und empfangen schnell Hilfe in Form eines zweiten Bettes. Da uns die saubere Wäsche ausgeht, geben wir je eine Kiste beim Laundry Service ab. Die ganze Kiste kostet 15 Pesos, was gerade mal drei Euro sind. Insgesamt sammelt Buenos Aires am ersten Tag einige Pluspunkte und avanciert zu meinem Favoriten unter den südamerikanischen Großstädten. Die Leute sind freundlich und unkompliziert. Die Stadt wirkt sauber, aufgeräumt und entspannt. Von Verkehrschaos und Smog keine Spur. Der Himmel ist blau und die Luft bei 24 bis 26 Grad warm, aber nicht zu heiß. Und ständig weht uns eine leichte Atlantikbriese um die Nase. Wir starten unsere Erkundungstour durch die Stadt beim Wahrzeichen der Stadt, dem Obelisken auf der Avenida 9 de Julio. Dann wandern wir über die Plaza de Mayo und den Parque Colon zum Stadtteil Palermo, wo Buenos Aires sichtbar in die Höhe wächst. Die argentinischen Bauunternehmen scheinen gut beschäftigt zu sein. Wir lassen uns am Puerto Madero auf einen Salat und einen Eisbecher „Semifreddo“ nieder bevor wir noch ein wenig durch die Straßen von San Telmo schlendern. Während Sandra sich etwas auf dem Zimmer ausruht, erkunde ich noch die Avenida de Mayo bis hin zum Kongressgebäude. Abends wollen wir nun unsere Ankunft in Argentinien standesgemäß mit einem Steak begehen und stellen fest, dass hier eher mittags üppig gegessen wird. Viele der tagsüber gut gefüllten Restaurants sind nun schon geschlossen. Wir landen letztendlich in einem Steakhouse in der Avenida Peru, was keine schlechte Wahl war. Ja, argentinisches Steak ist doch etwas Besonderes. Sehr dick, aber auch etwas fett und sehnig. Auf offenem Feuer gegrillt, außen sehr knusprig und innen auf den Punkt getroffen. Man präferiert hier Trennkost, das heißt keine Beilagen, was bei den angebotenen Fleischbergen auch überflüssig erscheint. Dennoch bestellen wir uns jeweils einen Salat dazu und die Kellnerin weist uns freundlicherweise darauf hin, dass der Salat groß genug für zwei sei und wir uns doch einen teilen könnten, womit sie Recht behalten sollte. Der Verdauungsspaziergang zurück ins Hostel tut jedenfalls sehr gut.
Montag, 22. März 2010
Ein Zimmer namens Sandro
BUENOS AIRES: Unser Abflug von Sao Paulo letzte Nacht hat sich um über anderthalb Stunden verzögert. Nachdem bereits die Gates 4B und 6 im Gespräch waren, entdecke ich während eines meiner zeitvertreibenden Streifzüge durch die Duty Free-Traumwelten, dass wir nunmehr von Gate 11 abfliegen sollen. Besondere Spannung erhält dieser Umstand dadurch, dass zur gleichen Zeit am gleichen Gate auch der Iberia-Flug nach Madrid aufgerufen ist. Und, als wäre das noch nicht genug, steht auch noch eine halbe Stunde nach unserer Boardingzeit die EL AL-Maschine nach Tel Aviv an der Brücke und bewegt sich nicht vom Fleck. Dabei haben die Rabbis ihre Gebete gen Rollfeld längst beendet und im Flieger Platz genommen. Am Gate 11 bilden sich nun zwei parallele Schlangen für Madrid und Buenos Aires. Das Schlangestehen ist in ganz Südamerika sehr beliebt. Auch an Bushaltestellen legen die Fahrgäste eine Wartedisziplin an den Tag, die das sonstige Chaos nicht vermuten lassen würde. Aber zurück zu unserem Flug. Allmählich merkt auch das Servicepersonal von Sao Paolo, dass alles zum Einstieg bereit ist, abgesehen von den passenden Maschinen. Also verlegt man das Boarding nach Madrid kurzerhand nach Gate 9, was die verantwortlichen aber lange Zeit nicht preisgeben. Unser Flugzeug wird ans Gate gezogen, sobald die dort stehende Maschine auf den Weg nach Tel Aviv gebracht wurde. Jetzt mag der Leser denken, es gäbe in Sao Paulo nur diese zwei Gates, aber weit gefehlt. Es sind auch andere frei, aber wahrscheinlich verhindert ein jahrhundertealter Aberglaube einen erneuten Gatewechsel. Nachdem wir dann doch ins Flugzeug gelassen wurden und ein Stündchen gewartet haben, berichtet uns der Kapitän, dass sich aufgrund der Verspätung die Flugroute geändert hat und er noch auf den neuen Flugplan warten muss. Sicher unser Fehler. Er ist sehr mitteilungsbedürftig und jede zweite Mitteilung übersetzt er sogar in gebrochenes Englisch. Gerade erzählt er noch, dass es vermutlich fünfzig Minuten dauern würde, da stockt seine Stimme, denn er erhält in diesem Augenblick den allseits ersehnten Flugplan und die Maschine wird eilig startklar gemacht. Wir erreichen Buenos Aires gegen ein Uhr nachts. Die Einwanderungsformalitäten gehen zügig und problemlos voran. Wir entscheiden uns für ein offizielles Taxi, auch wenn die inoffizielle Konkurrenz sichtlich groß ist. Die Fahrt ins Stadtzentrum kostet 118 Pesos, etwa 25 Euro, und führt uns etwa eine halbe Stunde durch anfangs dichten Nebel. Die Stadt ist um diese Zeit mit 16 Grad angenehm temperiert und wir erreichen das Milhouse Hostel in der Hipolito Yrigoyen gegen 2 Uhr. Im Erdgeschoss ist die allabendliche Backpacker-Party in vollem Gange. Mit einem hellblauen Papierarmband werden wir inventarisiert und beziehen unser Zimmer „Sandro“ in der dritten Etage über die Treppen, da mit dem Aufzug gerade Biernachschub aus dem Keller gehoben wird. Leider verfügt unser Zimmer nur über ein Bett, was definitiv zu klein ist, um sich nachts aus dem Weg zu gehen. Ein Wechsel zu dieser Stunde ist leider nicht mehr möglich und so richten wir uns notdürftig ein. Ich schlafe erstaunlich gut, obwohl die Wände dünn und die Mitbewohner rücksichtslos sind. Sandras Schlaf war nicht so fest und Ihre Laune am Morgen entsprechend. Wir geben dem Hostel noch eine Chance, aber Gedanken an einen vorzeitigen Umzug machen sich schon breit. Wir erörtern noch einmal das Bettenproblem und empfangen schnell Hilfe in Form eines zweiten Bettes. Da uns die saubere Wäsche ausgeht, geben wir je eine Kiste beim Laundry Service ab. Die ganze Kiste kostet 15 Pesos, was gerade mal drei Euro sind. Insgesamt sammelt Buenos Aires am ersten Tag einige Pluspunkte und avanciert zu meinem Favoriten unter den südamerikanischen Großstädten. Die Leute sind freundlich und unkompliziert. Die Stadt wirkt sauber, aufgeräumt und entspannt. Von Verkehrschaos und Smog keine Spur. Der Himmel ist blau und die Luft bei 24 bis 26 Grad warm, aber nicht zu heiß. Und ständig weht uns eine leichte Atlantikbriese um die Nase. Wir starten unsere Erkundungstour durch die Stadt beim Wahrzeichen der Stadt, dem Obelisken auf der Avenida 9 de Julio. Dann wandern wir über die Plaza de Mayo und den Parque Colon zum Stadtteil Palermo, wo Buenos Aires sichtbar in die Höhe wächst. Die argentinischen Bauunternehmen scheinen gut beschäftigt zu sein. Wir lassen uns am Puerto Madero auf einen Salat und einen Eisbecher „Semifreddo“ nieder bevor wir noch ein wenig durch die Straßen von San Telmo schlendern. Während Sandra sich etwas auf dem Zimmer ausruht, erkunde ich noch die Avenida de Mayo bis hin zum Kongressgebäude. Abends wollen wir nun unsere Ankunft in Argentinien standesgemäß mit einem Steak begehen und stellen fest, dass hier eher mittags üppig gegessen wird. Viele der tagsüber gut gefüllten Restaurants sind nun schon geschlossen. Wir landen letztendlich in einem Steakhouse in der Avenida Peru, was keine schlechte Wahl war. Ja, argentinisches Steak ist doch etwas Besonderes. Sehr dick, aber auch etwas fett und sehnig. Auf offenem Feuer gegrillt, außen sehr knusprig und innen auf den Punkt getroffen. Man präferiert hier Trennkost, das heißt keine Beilagen, was bei den angebotenen Fleischbergen auch überflüssig erscheint. Dennoch bestellen wir uns jeweils einen Salat dazu und die Kellnerin weist uns freundlicherweise darauf hin, dass der Salat groß genug für zwei sei und wir uns doch einen teilen könnten, womit sie Recht behalten sollte. Der Verdauungsspaziergang zurück ins Hostel tut jedenfalls sehr gut.
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uffn punkt
AntwortenLöschenWusste doch, dass das nicht unkommentiert bleibt ;o)
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