Sonntag, 14. Februar 2010

Wasserbomben über Cuzco










CUZCO: Der Empfang in Cuzco ist ungewöhnlich. Kurz vor 6 stehen wir in Lima auf, um 7 Uhr den Bus zum Flughafen zu besteigen. Jetzt lernen wir auch Fiona und Audrey kennen. Es ist erwartungsgemäß nicht die Äquator-Fiona. Die beiden sind Lehrerinnen und für sieben Monate auf Weltreise. Dagegen sehen wir mit unseren vier Monaten natürlich ziemlich blass aus. Um 9:30 Uhr startet der LAN-Airbus nach Cuzco. Die Berge unter uns werden deutlich höher und nach unserer Landung werde ich etwas kurzatmig, was ich auch in Quito schon einige male gespürt habe. Einige von uns haben aber auch schnell Kopfschmerzen und Schwindelgefühl, was mir vorerst erspart bleibt. Wir befinden uns auf 3.360 m Höhe und da kann sowas schonmal vorkommen. Am Flughafen haben wir vor einem großen Wandbild Gelegenheit, unser einziges Foto von Machu Picchu zu machen. Wir fahren ins Tika Wagi Hostal, oberhalb der Innenstadt. Das Haus versprüht keinen Herbergscharme und bietet einen fantastischen Blick über die alte Inkahauptstadt, älteste noch bewohnte Stadt Südamerikas. Hier treffen wir auch Hedleigh aus Manchester, der direkt nach Cuzco gekommen ist. Gemeinsam machen wir einen ersten Orientierungs- und Akklimatisierungsspaziergang. Cuzco riecht an jeder Ecke nach Geschichte, doch wir kehren erst einmal nahe der Kathedrale San Blas zum Mittagessen und auf eine Inca Kola ein, von der ich Sandra offensichtlich nicht überzeugen kann. Vor der Tür bekriegen sich Kinder mit Wasserbomben und -pistolen und wir schauen ihnen amüsiert zu. Nun geraten wir jedoch selbst in die Schussbahn, jedoch nicht in die der Kinder, sondern einer erwachsenen Frau, die mit einer Wasserpistole auf dem Boden sitzt. Das kommt uns doch schon etwas peruanisch vor. Erst recht, als uns die erwachsenen Frauen nunmehr mit großen Wasserflaschen folgen und ich das erste mal auf dem Rücken komplett durchnässt werde. Daniela liefert die Lösung. Hier ist Karneval und offenbar begeht man diesen eben so. Auf der Plaza de Armas angekommen, sind wir endgültig davon überzeugt. Der Platz ist der gesellschaftliche Knotenpunkt Cuzcos und hier läuft die größte Wasserbombenschlacht, die ich jemals gesehen hab. Mehrmals geraten wir, unter anderem aus vorbeifahrenden Autos, massiv unter Beschuss, als wir die Hauptverkehrsstraße Avenida el Sol entlangschlendern. Einige der Karnevalskrieger sind auch mit Schaumspraydosen bewaffnet. Während Sandra und ich noch zum Centro Artesanal und zu einem Geldautomaten wollen, entschließt sich der Rest der Gruppe aus Sicherheitsgründen zur Umkehr. Das Centro Artesanal ist der größte Markt der Stadt für Souvenirs und Handwerk. Trotz Sonntag und Karneval sind die Stande geöffnet, wir aber fast die einzigen Kunden, was unseren Marktbummel sehr entspannt macht. Dazu kommt, dass die Peruaner ohnehin nicht so aufdringliche Händler sind. Und so erwerben wir ein peruanisches Fußballtrikot für mich zum nachverhandelten Preis von 18 Soles und ein T-Shirt für Sandra für ebenfalls dezent gedrückte 9 Soles. Etwas Angst haben wir vor unserem Rückweg, doch wir kommen trocken an der Kathedrale Santo Domingo und der Plaza de Armas, den Hauptschlachtfeldern, vorbei und wähnen uns bereits in Sicherheit, als wir in der Cuesta San Blas erneut in einen Hinterhalt geraten und bis auf die Haut durchnässt werden. Wir haben es einfach versäumt, uns in der Zwischenzeit auch zu bewaffnen. Im Garten unseres Hostels sitzen Robert und Hadleigh bei einem ersten Bierchen und ich helfe Robert bei seinem. Wir bleiben noch etwas im Garten sitzen, doch über uns brauen sich dunkle Wolken zusammen. Als die ersten Tropfen fallen, treten wir den Rückzug in den Wintergarten an, der jedoch auch nicht an allen Stellen trocken bleibt. Der Regen geht schnell in Hagel über und will kaum enden. Nun ist auch unser Garten weiß, wenn Euch das in Deutschland ein Trost ist. Nur den Wasserkriegern dürfte dadurch im wahrsten Sinne des Wortes der Spaß verhagelt worden sein.

2 Kommentare:

  1. Liebe Sandra,

    (Kölle) allaf oder wie unser Düsseldorfer sagen würde: helau! Obwohl am anderen Ende der Welt, hat der Karneval kein Erbarmen. Da muss wohl jeder irgendwie durch ;-)

    Das Motto ist genau das Richtige und Du machst genau das Richtige. Ich beneide Dich um Deinen Mut!

    Lass es Dir gut gehen. Sammel viele Erinnerungen, interessant, komisch, schön, traurig, hässlich, aktionreich, ruhig - alles, was das Leben halt so zu bieten hat.

    Mach's gut und viel Spaß, auch Deinem Teammitglied, und liebe Grüße,
    Mira

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  2. Hi Micha,

    kauf Dir unbedingt die Mütze.

    L.G. Nadine

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