RANRAYOQ: Der Morgen in Calca verspricht nichts Gutes. Von dem Beagle, der neben dem Schäferhund, der die Straßenüberwachung übernommen hat, für unsere Sicherheit verantwortlich ist, werde ich auf dem Laubengang angebellt. Allerdings bringen ihm ein paar deutliche Worte von mir zur Vernunft und wir schließen Freundschaft. Die reicht aber nur bis zur Tür der Herbergsmutter. Dort, zwanzig Meter weiter, finden wir uns nämlich im Esszimmer zum Frühstück ein. Da ich mich nur darauf konzentriere, meinen neuen Freund nicht durchschlüpfen zu lassen und vergesse, dass sich die Türrahmenhöhe am Durchschnittsperuaner orientiert, unterziehe ich den Rahmen einem Härtetest mit meiner Stirn. Die Gastgeberin entschuldigt sich einige male, wobei sich mir nicht so recht erschließt, wofür. Unser Transferbus kommt aus Cuzco und hat aufgrund einer Reifenpanne etwas Verspätung. Da die Reisegruppen ohne Machu Picchu deutlich zusammengeschrumpft sind, nehmen wir die Fahrt mit anderen Wanderern auf, was uns die angenehme Bekanntschafft von Isabelle und Erik aus Schweden, Inga Betty und Ovind aus Norwegen und Janelle aus Australien beschert. Bevor wir den Trek in Angriff nehmen, fahren wir jedoch cirka drei Stunden über enge Serpentinen nach Lares und entgehen dabei nur knapp einem Frontalzusammenstoß. Lamas und Alpacas stehen am Straßenrand, nehmen aber kaum Notiz von uns. Lares, die Stadt, die dem Trek ihren Namen gab, liegt bereits auf 3250 m Höhe. Wir durchqueren die heißen Quellen und nehmen mehrheitlich das WC-Angebot für einen Sol an. Es wird das letzte WC für die nächsten zwei Tage sein. Nach zwei Minuten, wir haben die Therme kaum verlassen, gibt es den ersten Verletzten in unseren Reihen. Hadleigh ist ausgerutscht und hat sich mit dem Knie abgefangen, was Knie und Hose etwas deformiert hat. Er beißt aber die Zähne zusammen und nimmt den ersten knackigen Anstieg mit uns in Angriff. Der hat es wirklich in sich, aber danach verflacht das Gelände etwas und wir haben Zeit zum Verschnaufen. Diese Etappe über cirka sieben Kilometer führt uns nach Ranrayoq auf 4175 m Höhe. Schon nach kurzer Zeit kommen die Ponchos zum Einsatz, denn ein erster Regen erfasst uns. Sonne und Regen wechseln hier jedoch stetig. Zwischen den Lams und Alpacas stehen immer wieder schick zurecht gemachte Kinder am Wegesrand, die ihr süßestes Lächeln aufsetzen und auf etwas Obst oder Süßigkeiten hoffen, was ihnen meistens gelingt. Wir erreichen eine Wiese, auf der unsere Begleitcrew ein Zelt aufgebaut hat, wo wir unsere Mittagspause verbringen und ein, für diese Umstände, sensationelles Essen serviert bekommen. Auch ein Sanitärzelt wurde errichtet, was jedoch nur eine Grundfläche von einem Quadratmeter und ein eilig gebuddeltes Loch in der Mitte besitzt. Auch uns Männern wird klar, dass wir uns angesichts der vor uns liegenden Tage damit anfreunden müssen. Während der Mittagspause wird der Regen heftiger, doch Jeremi, unser Bergführer ruft zum Aufbruch auf, wenn wir unser Etappenziel noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wollen. Unsere einheimischen Begleiter erkundigen sich immer wieder nach unserem Befinden, doch wir sind nicht nur ziemlich schnell, wir zeigen auch keine Anzeichen von Höhenkrankheit. Während einer kurzen Pause machen Sandra und ich unsere beliebten Jump-Fotos, bei der nächsten spielen die Norweger mit ihren Wanderstöcken Galgenraten. Notiz für Kili-Team: Wanderstöcke mitnehmen! Hatte ich jetzt zwar nicht und sieht auch albern aus, macht aber Sinn. Unser Gepäck wird nun übrigens doch nicht von Lamas, sondern ganz gewöhnlichen Pferden getragen, die uns überholen, was uns Hoffnung auf ein leckeres Abendessen und ein bereits aufgebautes Zelt macht. Wir passieren ein Dorffest, bei dem die Bewohner um einen mit Luftballons festlich geschmückten Baum tanzen und beobachten das Geschehen aus der Ferne. Da wir uns jedoch verlaufen haben, kommen wir noch einmal daran vorbei und ein paar Dorfkinder, auch mit Luftballons geschmückt, ringen Hadleigh ein paar Süßigkeiten ab. Die Nachricht verbreitet sich schneller, als es das Internet jemals könnte und wenig später ist Hedleigh von mehr als zehn Kindern umringt und seine Tüte Kaubonbons alle. Auf einem verlassenen Bauernhof erspähen wir unsere Zelte und zu unserer großen Freude auch das Toilettenzelt. Hier werden wir nun also nächtigen. Für unser leibliches Wohl sorgen nicht nur unsere Crew, sondern auch die einheimischen, die in Windeseile auf drei Decken neben den üblichen Textilien auch Getränke wie Bier und Cola anbieten. Sandra, Erik und ich nehmen ihnen je ein Bier ab und der Abend wird gemütlich, doch um 20 Uhr verschwinden wir in unseren Zelten und schlafen schnell ein. Selbst die Angst vor der grimmig drein schauenden Frau mit der Hacke auf dem Rücken, die um unsere Zelte schleicht, hält uns davon nicht ab.
Mittwoch, 17. Februar 2010
Auftakt im Regen
RANRAYOQ: Der Morgen in Calca verspricht nichts Gutes. Von dem Beagle, der neben dem Schäferhund, der die Straßenüberwachung übernommen hat, für unsere Sicherheit verantwortlich ist, werde ich auf dem Laubengang angebellt. Allerdings bringen ihm ein paar deutliche Worte von mir zur Vernunft und wir schließen Freundschaft. Die reicht aber nur bis zur Tür der Herbergsmutter. Dort, zwanzig Meter weiter, finden wir uns nämlich im Esszimmer zum Frühstück ein. Da ich mich nur darauf konzentriere, meinen neuen Freund nicht durchschlüpfen zu lassen und vergesse, dass sich die Türrahmenhöhe am Durchschnittsperuaner orientiert, unterziehe ich den Rahmen einem Härtetest mit meiner Stirn. Die Gastgeberin entschuldigt sich einige male, wobei sich mir nicht so recht erschließt, wofür. Unser Transferbus kommt aus Cuzco und hat aufgrund einer Reifenpanne etwas Verspätung. Da die Reisegruppen ohne Machu Picchu deutlich zusammengeschrumpft sind, nehmen wir die Fahrt mit anderen Wanderern auf, was uns die angenehme Bekanntschafft von Isabelle und Erik aus Schweden, Inga Betty und Ovind aus Norwegen und Janelle aus Australien beschert. Bevor wir den Trek in Angriff nehmen, fahren wir jedoch cirka drei Stunden über enge Serpentinen nach Lares und entgehen dabei nur knapp einem Frontalzusammenstoß. Lamas und Alpacas stehen am Straßenrand, nehmen aber kaum Notiz von uns. Lares, die Stadt, die dem Trek ihren Namen gab, liegt bereits auf 3250 m Höhe. Wir durchqueren die heißen Quellen und nehmen mehrheitlich das WC-Angebot für einen Sol an. Es wird das letzte WC für die nächsten zwei Tage sein. Nach zwei Minuten, wir haben die Therme kaum verlassen, gibt es den ersten Verletzten in unseren Reihen. Hadleigh ist ausgerutscht und hat sich mit dem Knie abgefangen, was Knie und Hose etwas deformiert hat. Er beißt aber die Zähne zusammen und nimmt den ersten knackigen Anstieg mit uns in Angriff. Der hat es wirklich in sich, aber danach verflacht das Gelände etwas und wir haben Zeit zum Verschnaufen. Diese Etappe über cirka sieben Kilometer führt uns nach Ranrayoq auf 4175 m Höhe. Schon nach kurzer Zeit kommen die Ponchos zum Einsatz, denn ein erster Regen erfasst uns. Sonne und Regen wechseln hier jedoch stetig. Zwischen den Lams und Alpacas stehen immer wieder schick zurecht gemachte Kinder am Wegesrand, die ihr süßestes Lächeln aufsetzen und auf etwas Obst oder Süßigkeiten hoffen, was ihnen meistens gelingt. Wir erreichen eine Wiese, auf der unsere Begleitcrew ein Zelt aufgebaut hat, wo wir unsere Mittagspause verbringen und ein, für diese Umstände, sensationelles Essen serviert bekommen. Auch ein Sanitärzelt wurde errichtet, was jedoch nur eine Grundfläche von einem Quadratmeter und ein eilig gebuddeltes Loch in der Mitte besitzt. Auch uns Männern wird klar, dass wir uns angesichts der vor uns liegenden Tage damit anfreunden müssen. Während der Mittagspause wird der Regen heftiger, doch Jeremi, unser Bergführer ruft zum Aufbruch auf, wenn wir unser Etappenziel noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wollen. Unsere einheimischen Begleiter erkundigen sich immer wieder nach unserem Befinden, doch wir sind nicht nur ziemlich schnell, wir zeigen auch keine Anzeichen von Höhenkrankheit. Während einer kurzen Pause machen Sandra und ich unsere beliebten Jump-Fotos, bei der nächsten spielen die Norweger mit ihren Wanderstöcken Galgenraten. Notiz für Kili-Team: Wanderstöcke mitnehmen! Hatte ich jetzt zwar nicht und sieht auch albern aus, macht aber Sinn. Unser Gepäck wird nun übrigens doch nicht von Lamas, sondern ganz gewöhnlichen Pferden getragen, die uns überholen, was uns Hoffnung auf ein leckeres Abendessen und ein bereits aufgebautes Zelt macht. Wir passieren ein Dorffest, bei dem die Bewohner um einen mit Luftballons festlich geschmückten Baum tanzen und beobachten das Geschehen aus der Ferne. Da wir uns jedoch verlaufen haben, kommen wir noch einmal daran vorbei und ein paar Dorfkinder, auch mit Luftballons geschmückt, ringen Hadleigh ein paar Süßigkeiten ab. Die Nachricht verbreitet sich schneller, als es das Internet jemals könnte und wenig später ist Hedleigh von mehr als zehn Kindern umringt und seine Tüte Kaubonbons alle. Auf einem verlassenen Bauernhof erspähen wir unsere Zelte und zu unserer großen Freude auch das Toilettenzelt. Hier werden wir nun also nächtigen. Für unser leibliches Wohl sorgen nicht nur unsere Crew, sondern auch die einheimischen, die in Windeseile auf drei Decken neben den üblichen Textilien auch Getränke wie Bier und Cola anbieten. Sandra, Erik und ich nehmen ihnen je ein Bier ab und der Abend wird gemütlich, doch um 20 Uhr verschwinden wir in unseren Zelten und schlafen schnell ein. Selbst die Angst vor der grimmig drein schauenden Frau mit der Hacke auf dem Rücken, die um unsere Zelte schleicht, hält uns davon nicht ab.
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... muss es so ein Stock mit Kompass sein oder können wir uns auch einen Stock aus einem Ast oder Knochen schnitzen?
AntwortenLöschenNaja, weder noch. Einen Kompass brauchen wir nicht. Am Kili gibts nur zwei Richtungen. Hoch und runter. Das auseinanderzuhalten, ist Aufgabe unserer Bergfuehrer. Geh mal Sonntag frueh in den Friedrichshain. Sowas, was die Omis in den Haenden haben, nur etwas stabiler, brauchen wir. Koennen ja mal zusammen zu Globetrotter oder Camp 4 gehen, bin aber bis Ende Mai verhindert.
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