Dienstag, 2. Februar 2010

Abschied von Handy und Internet


GALAPAGOS: Ich bin putzmunter um 3 Uhr aufgewacht. Meine innere Uhr stand eben noch auf 9 Uhr und außerdem haben wir gestern Abend um 9 geschlafen wie zwei Steine. Meinen Geburtstag haben wir in La Mariscal, dem Kneipenviertel von Quito, bei einem Burger und je zwei Bieren zum Preis von einem ausklingen lassen. Begleitet haben uns Martyn, ein Bilderbuchengländer und Wissenschaftler aus Brighton und Alejandro, ein Fotograf aus San Diego mit amerikanischem Pass, der sich trotzdem jedem als Mexikaner vorstellt. Die beiden haben wir beim abendlichen GAP-Briefing kennen gelernt. GAP Adventures organisiert die Galapagos-Tour, zu der wir um 6:30 Uhr aufgebrochen sind. Von Quito ging es per Flugzeug mit kurzem Zwischenstopp in Guayaquil nach Baltra, einer der Galapagos Inseln. Für alle Galapagos-Flüge gibt es neben den üblichen Kontrollen eine separate Prüfung auf Obst und Tiere, die das empfindliche Gleichgewicht der Inseln stören könnten. In Guayaquil mussten wir diesmal nicht aussteigen, womit uns eine weitere Erfahrung mit dem qualifizierten Bodenpersonal erspart blieb. Auch AeroGal, die sich mit der ebenfalls einheimischen TAME Airlines den Markt für Galapagos-Flüge teilt, schlägt Iberia um Meilen. Vor der Landung wurden die Gepäckfächer desinfiziert, nach der Landung unsere Schuhe. Der Empfang auf Baltra hat uns ein wenig die Illusion des besonders extravaganten Reiseziels geraubt. Nachdem wir unseren Eintritt von 100 $ entrichtet hatten, prügelten unentspannte Tour Guides die Gäste in Busse bis auch der letzte Stehplatz vergeben ist. Nach einer kurzen Fährfahrt auf die Nachbarinsel Santa Cruz, vorbei an Seelöwen, die sich in der Sonne aalen, werden die Wege einsamer und die Reise entspannter. Galapagos muss wohl die höchste Dichte an Speed-Hügeln haben, was die Fahrt auf ein sehr gemütliches Tempo gedrosselt hat. In Puerto Ayora angekommen, wurden wir von Pablo begrüßt, der für die nächsten Tage für unsere Bespaßung verantwortlich zeichnet. Mit dem Schlauchboot ging es zu unserem Boot, das für diese Woche Fortbewegungsmittel und Unterkunft sein wird. Aber zunächst heißt es „Schuhe aus“, denn die sind an Bord verpönt. Wir haben die Kabine 3 bekommen, auf dem Oberdeck und neben zwei Italienerinnen, die wir einstimmig zu unseren neuen Lieblingsreisebegleiterinnen ernannt haben. Das natürlich nur ironisch, denn die beiden verteidigen tapfer die schlechte Meinung, die ich über Italiener habe. Neben ihnen sowie Martin und Alejandro begleiten uns Joshua und Taika aus Toronto, Joanne und Warren aus Brisbane und drei Mädels, zufällig auch aus Brisbane. Mit unserer Kabine hatten wir Glück, wie wir später erfahren durften. Klimaanlage und Fenster sind nicht selbstverständlich. Und es ist die nächste Kabine zur Bar. Die Schwimmwesten stehen uns ausgezeichnet, was wir bei der obligatorischen Alarmübung vorführen konnten. Anschließend ging es wieder mit dem Schlauchboot zur Darwin Research Station. An der Anlegestelle saßen kleine Iguanas zum Empfang bereit. In der Station hatten wir dann unsere ersten Begegnungen mit den uralten Riesenschildkröten, für die die Inseln so berühmt sind. Der Methusalem unter ihnen, Lonesome George, geschätzte 80 Jahre alt, hat sich aber leider vor uns versteckt. Bevor wir uns wieder auf das Schlauchboot schwingen konnten hatten wir noch etwas Zeit für die nötigsten Besorgungen. Diese war auch zwingend notwendig, denn die nächsten zwei Tage werden wir nur auf unbewohnten Inseln Halt machen. Wir befinden uns bis Freitag nicht nur in einer supermarkt-, sondern auch in der wahrscheinlich letzten handy- und internetfreien Zone der Welt. Am Hafen von Puerto Ayora konnten wir noch den Fischern beim Ausnehmen ihrer Tagesausbeute zusehen. Uns interessierten dabei weniger die Fischinnereien, als vielmehr die Seelöwen, die sich ein paar leckere Fischköpfe erbetteln konnten. An Bord konnten wir noch die Crew um Käpt`n Luis und die Kochkünste von Fabrizio kennenlernen bevor wir den Tag bei einem Bierchen auf dem Upper Deck ausklingen lassen haben. Der einsetzende Nieselregen hat uns wieder weit vor 21 Uhr in die Kojen getrieben. Die Pazifikwellen, die unser kleines Boot auch im Hafen in Bewegung halten, werden uns entweder sanft in den Schlaf schaukeln oder uns um diesen bringen.

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