Freitag, 2. April 2010

Die blauen Türme






TORRES DEL PAINE: Die Fahrt von Puerto Natales zum Eingang des Torres Del Paine Nationalparks dauert noch einmal drei Stunden. Begleitet werden wir neben Cem von unserem Fahrer Fernando und der argentinischen Fremdenführerin Marcella. Die allgegenwärtigen Guanacos, die patagonische Version der Lamas, säumen unseren Weg. Auch ein paar Flamingos mischen sich dazwischen. Sandra entdeckt sogar ein Gürteltier, vergisst aber vor lauter Aufregung, Fernando zu bremsen. In der Nähe der argentinischen Grenze warnen Schilder vor Minen beiderseits der Straße. In den 70er Jahren, als Chile und Argentinien noch von Militärjuntas regiert wurden, standen beide Länder kurz vor einem Krieg um drei kleine Inseln am Beagle Channel. Auf Vermittlung des Papstes wurden diese schlussendlich Chile zugesprochen und der Krieg wurde verhindert. Die Minen werden wohl für immer dort liegen bleiben, sofern sie nicht von einem Tier kontrolliert zerstört werden. Fernando manövriert uns über eine Brücke, die so eng ist, dass wir unsere Rückspiegel einklappen müssen. Wir befahren den Park nahe der Lagune Amarga, passieren den Lago Sarmiento und erreichen schließlich die Hosteria Las Torres. Von hier aus geht es zu Fuß weiter. An einem lauschigen Fleckchen Erde machen wir Rast und uns über unsere Lunchpakete her. Die Bulette entpuppt sich zwar spätestens beim Reinbeißen als eine Art Keks, aber alles ist liebevoll zubereitet und zusammengestellt und es macht uns satt. Ein paar vereinzelte Schneeflocken machen uns nervös, aber das Wetter bleibt auf unserer Seite und die Regenhosen in unseren Rucksäcken. Vorbei am Campamento Chileno und Campamento Torres zum „Mirador Las Torres“ auf 886 m Höhe, von wo aus wir bei strahlendem Sonnenschein, aber empfindlicher Kälte, den Ausblick auf den Torres Gletscher genießen. Vor allem aber auf die Felsen, die dem Park seinen Namen gaben. Torres del Paine heißt so viel wie „blaue Türme“. Wieso nun ausgerechnet blau, ist nicht zu erkennen, aber die Bezeichnung „Türme“ ist schon zutreffend, wenn man ehrfürchtig vor den Riesenfelsen steht. Der Rückweg führt uns wieder auf dem gleichen Weg über 9 km hinunter auf 135 m Höhe, von wo aus uns Fernando zu unserem Camp fährt, was sich knapp außerhalb des Nationalparks befindet. Chad nimmt überrascht seinen Rucksack entgegen, während wir anderen mit kleinem Gepäck reisen und die großen Taschen im Hostal Makita zurückgelassen haben. Das hatte er eigentlich auch vor, aber irgendwer hat im Übereifer seinen Rucksack mit eingepackt. Wenn wir schon keinen der hier lebenden Pumas gesehen haben, riechen wir doch wenigstens nach Pumakäfig. Die warme Dusche kommt uns daher sehr gelegen. Beim gemeinsamen Abendesse an einem großen dreieckigen Tisch in einer gemütlichen Holzlaube mit Kamin und beim anschließenden Marshmellowgrillen draußen am Lagerfeuer lauschen wir gebannt Jenny`s Erzählungen aus ihrem langen Leben. Unter anderem besteht sie darauf, dass der Kilimandscharo über 6000 m hoch ist, wozu mir andere Informationen vorliegen. Man muss ihr natürlich zugute halten, dass ihr das metrische System fremd ist und die Umrechnung von Fuß in Meter schwer fällt.

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